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Popkultur

Auf den Spuren von Amy Winehouse und Nina Simone: Wer ist das neue Soul-Phänomen Celeste?

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Celeste
Foto: Elizaveta Porodina

Man verglich sie mit Amy Winehouse und Adele — noch vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums. Wenn Celeste einen Raum betritt, kann man die Aufbruchstimmung Richtung Pop-Olymp förmlich spüren. Doch was macht die britische Soul-Sängerin so besonders? Beleuchten wir die Frau, die mit 14 noch nicht einmal vor ihrer Mutter singen wollte.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Not Your Muse anhören:

Die Reise der heute 26-Jährigen beginnt in Kalifornien, wo Celeste Epiphany Waite am 5. Mai 1994 zur Welt kommt. Ihre Mutter arbeitet als Make-Up-Artist in den Staaten, stammt aber eigentlich aus England. Als sie sich von Celestes Vater trennt, zieht sie mit ihrer Tochter zurück ins Vereinigte Königreich. Dort wohnt Celeste ab ihrem dritten Lebensjahr in Dagenham, danach verbringt sie ihre Kindheit und Jugend in Saltdean, einer Art Kurort für ältere Herrschaften.

In der Stadt am Meer nimmt sie ihren ersten Ballettunterricht, schreibt ihren ersten Song und spielt in ihrer ersten Band. Ihre musikalischen Einflüsse: zum Beispiel Aretha Franklin, Ella Fitzgerald, Thelonious Monk und Koko Taylor. Auch ihren ersten Management-Vertrag und ihre ersten Studioaufnahmen arrangiert sie von Saltdean aus. So steuert sie zum Beispiel eine Gesangsspur zu Touch Me von Avicii bei. Doch mit 22 zieht es die junge Musikerin in die britische Hauptstadt. Also packt sie ihre Sachen und startet mit ein paar Pfund in der Tasche Richtung London.

 

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„Ich konnte es nicht abwarten, endlich da weg zu kommen!“

Ihre erste Single Daydreaming veröffentlicht Celeste im Oktober 2016 über die Plattenfirma von Lily Allen. Die Idee für das Stück kommt ihr bei einem Job in einer Kneipe in Rottingdean bei Saltdean: „Ich konnte es nicht abwarten, endlich da weg zu kommen! Ich habe Pints gezapft und Shirley Basey gehört und mir dabei vorgestellt, wie ich in der Carnegie Hall stehe und in einem bodenlangen Pelz singe.“ Im Dezember 2016 läuft der Song bereits in der BBC. In den Jahren danach folgt ein Erfolg nach dem anderen – ob ihre erste EP The Milk & The Honey, monatelange feste Engagements, ihr erster dicker Plattenvertrag oder die ersten Fernsehauftritte. Im November 2019 landet sie sogar auf der persönlichen Apple-Music-Playlist von Sir Elton John himself. Und ab 2020 geht es dann so richtig los…

Direkt zu Beginn des neuen Jahrzehnts wird Celeste von allen Seiten eine große Zukunft bescheinigt, ob in der Vogue, im Guardian oder im GQ Magazine. Gleich am 9. Januar wird sie als Gewinnerin des BBC-Polls Sound Of 2020 bekanntgegeben. Kurz danach erscheint ihre neue Single Stop This Flame, eine große Verneigung vor Soulsängerin Nina Simone. Damit landet sie nicht nur in der Musikwelt einen großen Erfolg, sondern auch im britischen Fußballfernsehen sowie im Videospiel FIFA 21. „Im Grunde handelt Stop This Flame davon, Dinge bis zum Ende durchzuziehen“, erklärt die Sängerin. „Ob es nun darum geht, dass man eine Liebe nicht loslässt, einen Traum nicht aufgibt oder andere Widrigkeiten durchsteht. Der Song hat immer dieses Gefühl in mir ausgelöst.“ Und auch Celeste zieht Dinge bis zum Ende durch: Am 29. Januar 2021 hat sie ihr Debütalbum Not Your Muse veröffentlicht.

„Mama, ich glaub ich kann singen.“

Auf ihrem ersten Langspieler stellt Celeste ihr ganzes Können unter Beweis. Gleichermaßen ausdrucksstark und zurückhaltend schleicht sie sich Zeile für Zeile in die Gehörgänge ihrer Zuhörerschaft und noch bevor man es merkt, setzt sie sich dort fest und entfesselt die hypnotische Wirkung ihrer Stimme. Und das, obwohl sie sich mit 14 noch nicht einmal getraut hat, vor ihrer Mutter zu singen, wie Theresa Hein in der Süddeutschen Zeitung zitiert. „Mama, ich glaub ich kann singen“, soll die jugendliche Celeste gesagt haben. „Aber du musst dich währenddessen zur Wand drehen.“ Heute dreht sich niemand mehr zur Wand, wenn Celeste singen möchte. Sondern alle machen ihr ein Stück Platz.

Zeitsprung: Am 18.6.2011 steht Amy Winehouse in Belgrad auf der Bühne – ein letztes Mal.

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