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Popkultur

Die musikalische DNA von Fleetwood Mac

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„Fleetwood Mac‘s Rumours: Why the under-30s still love it“, titelte im Jahr 2013 der britische Telegraph. Wer sich ein bisschen auskennt, kannte die Antwort auf diese Frage allerdings schon: Weil auch Menschen unter dreißig Jahren in der Regel zwei Ohren und Herz haben, ihr Klappspaten! Fleetwood Macs Rumours gehört nach wie vor in jede noch so schlecht sortierte Plattensammlung – es ist vielleicht das essentielle Rock-Album des 20. Jahrhunderts. Aber wer waren eigentlich Fleetwood Mac? Eine Antwort auf diese Frage können nur wenige liefern. Einerseits weil es viele es schlicht nicht wissen und nicht wenige Fleetwood Mac für eine einzige Person halten. Andererseits, weil es eben auch nicht sehr einfach ist, diese Frage zu beantworten, ohne gleich die gesamte und sehr verworrene Bandgeschichte wieder zu kauen.


Hört hier in die musikalische DNA von Fleetwood Mac rein:

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Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

Stevie Nicks, Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood, John und Christine McVie – lautet so das echte und einzige Line-Up? Oder fehlen da nicht Peter Green, Jeremy Spencer und Danny Kirwan sowie noch ganz andere? Zu allem Überfluss existierten 1974 für eine Weile ganze zwei Bands unter demselben Namen! Dazu kommt, dass die Songwriter-Credits in der Zeit nach Green zunehmend unter allen Beteiligten aufgeteilt wurden. Nicht zuletzt werden die Erinnerungen an insbesondere die Riesenerfolge der mittleren und späten siebziger Jahre für einige der Mitglieder eher schwammig sein. Diverse Beruhigungs- und Aufputschmittel und literweise harter Alkohol taten eben ihr Übrigens…

Sich der musikalischen DNA von Fleetwood Mac zu nähern heißt deshalb auch, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Oder zumindest genau das zu versuchen. Welche Musik hat die Band in ihren jeweiligen Schaffensphasen inspiriert, welche Songs und Bands waren wichtig für ihre Stilwechsel oder einzelne Songs? Welche Mitglieder ließen hier und dort ihr Genie aufblitzen? Das nämlich sind doch die eigentlich wichtigen Fragen.


1. The Yardbirds – For Your Love

Am Anfang war der Blues. Ohne Blues kein Rock‘n’Roll, ohne Blues keine Pop-Musik. Nach wie vor gehört es zu einem der kuriosesten Phänomene der Musikgeschichte, dass Blues im transatlantischen Austausch zwischen der Pop-Wiege USA und Großbritannien auf dem Inselstaat auf fruchtbaren Boden fiel. In den sechziger Jahren entwickelte sich eine einzigartige und erfolgreiche Blues Rock-Szene in England, deren Dreh- und Angelpunkt die Yardbirds waren und die mit Cream einen Welterfolg in die USA exportieren konnten.

Fleetwood Mac nahmen genau dort ihren Anfang. Peter Green verließ John Mayall & the Bluesbreakers, wo er Eric Clapton ersetzt hatte und Mick Fleetwood als Schlagzeuger einschmuggeln konnte, mit dem er schon gemeinsam bei anderen Bands gespielt hatte. Mit an Bord war auch John McVie. Gemeinsam nahm das Trio erste eigene Stücke auf und formierte sich bald unter dem Namen der Rhythmussektion als Fleetwood Mac neu. McVie wollte zuerst bei Mayall bleiben, ließ sich aber nach einer Weile breitschlagen, während Green und Fleetwood zuerst mit Bob Brunning am Bass einen ersten Gig spielten. Ihren Wurzeln in der Blues Rock-Szene zollten sie später mit Cover-Versionen von unter anderem For Your Love von den Yardbirds Tribut.


2. Robert Johnson – Hellhound on My Trail

Schon auf ihrer ersten LP, auf der auch der Gitarrist Jeremy Spencer zu hören war, der sich 1970 aus dem Staub machte und einer Sekte beitrat, verneigte sich die frisch geborene Band vor den Wurzeln des Blues-Sounds. Mit Hellhound on My Trail ist auch eine Komposition des enigmatischen König des Delta Blues enthalten, Robert Johnson. Dessen Werk wurde 1961 neu entdeckt, als eine Compilation-LP sein Schaffen wieder zugänglich machte. Die verknisterten Aufnahmen des vagabundierenden Songwriters haben heute noch eine gespenstische Aura inne.

Die Faszination für die Figur Johnson, der angeblich seine Seele dem Teufel verkaufte, ließ vor allem Peter Green nicht los. 1968 fand er sich für eine Session bei der BBC-Radiosendung Top Gear ein und spielte gleich zwei Johnson-Kompositionen neu ein: den Kind Hearted Woman Blues ebenso wie den Dead Shrimp Blues, dem er ein völlig neues Gewand verpasste. Noch 1998 veröffentlichte er mit der Peter Green Splinter Group das Album The Robert Johnson Songbook mit 16 Stücken des Blues-Pioniers. Nur 29 Stücke (manche von ihnen in unterschiedlichen Versionen) von Johnson sind überhaupt bekannt, für Green lieferten sie offenkundig Stoff für ein ganzes Leben.


3. Elmore James – Madison Blues

Nachdem Danny Kirwan allerdings zur Gruppe gestoßen war und sich als perfekte Ergänzung zu Greens Songwriting-Können erwies, schien das Klangspektrum nun breiter und die Möglichkeiten endlos. Warum dann beim schlichten Blues bleiben? Das dritte Album Then Play On bewies, dass diese Band noch viel mehr konnte – wenn sie denn wollte. Zuvor aber standen sie noch mit einigen der Größten der Szene überhaupt für eine legendäre Jam Session im Studio, und zwar direkt im Herzen des Blues-Heimatlandes, der USA.

Im Januar 1969 siedelten Fleetwood Mac für Aufnahmen im Chess Records-Studio nach Chicago über. Dort spielten sie mit einigen Blues-Meistern zusammen, darunter Willie Dixon, Buddy Guy und Otis Spann. Auf dem Programm standen einige wenige eigene Kompositionen und viel klassische Blues-Stücke, vor allem von Elmore James. Der „König der Slide-Gitarre“ gilt als der vielleicht prägendste Einfluss der frühen Fleetwood Mac und fast wirkt die unter dem Namen Fleetwood Mac in Chicago dokumentierte Werkschau wie ein lauter, elektrifizierender Abschlussgruß an den Mentoren.


4. The Everly Brothers – All I Have to Do Is Dream

Ja, in den frühen Tagen von Fleetwood Mac schien es mit dieser Band ein einziges Kommen und Gehen zu sein! Besonders schön war es aber, wenn andere dazu stießen. Christine Perfect stand erstmals im Mai 1969 mit der Truppe auf der Bühne, nachdem sie ihr Handwerk von klein auf gelernt hatte. Als Teenager kam sie erst mit der Musik von Fats Domino in Kontakt und entdeckte dann die Everly Brothers – ein Wasserscheidenmoment für Perfect, die zuvor vor allem klassische Musik interpretiert hatte.

1969 spielte sie als Pianistin bei der Band Chicken Shack und konnte gemeinsam mit Andy Silvester und Stan Webb auch einen Hit landen, I’d Rather Go Blind, bei dem sie den Gesang übernahm. Doch nach der Hochzeit mit John McVie verließ sie die Band und wechselte zu Fleetwood Mac über, wo sie mit ihren Tastenkünsten und ihrem Verständnis für großartiges Pop-Songwriting schnell ein essentielles Bandmitglied wurde. Die Everly Brothers hatten ihr gezeigt, wie‘s geht!


5. The Rolling Stones – Street Fighting Man

Keine Frage: 1969 war ein wichtiges Jahr für Fleetwood Mac, auch wenn der Band die größten Erfolge noch bevor standen. Für Peter Green ging es tatsächlich aber rapide abwärts. Bei einem Besuch in München entdeckte er LSD für sich, was manche mit seiner Schizophrenie in Verbindung bringen. Rainer Langhans und Uschi Obermaier nahmen ihn dort unter ihre Fittiche, allerdings aus niederen Motiven: Sie erhofften sich so, an die Rolling Stones, genauer gesagt Mick Taylor heranzukommen, die sie für ein Festival in Bayern anheuern wollten. Daraus wurde nichts und 1970 legte Green mit The Green Manalishi seinen letzten Hit für Fleetwood Mac vor.

Dass die Rolling Stones für Fleetwood Mac allerdings noch in anderer – und, wie wir meinen, erfreulicherer – Hinsicht wichtig waren, zeigte sich mit der Veröffentlichung von Rumours. Der synkopierte Drum-Beat von Charlie Watts auf Street Fighting Man wurde zur Vorlage zu einem der ikonischsten Fleetwood Mac-Momente überhaupt: dem Beat von Go Your Own Way. Eben genau weil Mick Fleetwood es partout nicht hinbekam, Watts‘ losen Groove eins zu eins zu übernehmen. „Ich habe nie genau verstanden, was [Lindsey Buckingham] von mir wollte, das Endresultat war meine mutierte Interpretation“, erinnerte er sich selbstkritisch. Nicht die schlechteste, würden wir behaupten!


6. John Lennon – Imagine

Buckingham und Stevie Nicks stießen erst Mitte der siebziger Jahre zur Band, sollten sie aber nach Jahren der Unsicherheit endlich wieder auf den rechten Weg bringen. Fleetwoods Tontechniker Keith Olsen spielte ihm den Track Frozen Love vom Album Buckingham Nicks vor und der Schlagzeuger war auf Anhieb Feuer und Flamme. Sofort fragte er Buckingham an, seiner Band beizutreten. Der allerdings bestand darauf, dass Nicks ihn dabei begleitete. Ganz oder gar nicht!

Der Rest ist Geschichte. Mit Buckingham und Nicks schrieben Fleetwood Mac ihre größten Hits, erlebten aber auch ihre dunkelsten Stunden. Mit Rhiannon vom selbstbetitelten Album aus dem Jahr 1975 bewies Nicks, dass die Entscheidung eine richtige gewesen war. Die Songwriterin brachte Pop-Appeal mit tiefschürfenden Lyrics zusammen, ganz wie eines ihrer Vorbilder – John Lennon. Ihr Solo-Stück Edge of Seventeen entstand kurz nach dessen Tod. „Wir alle hatten panische Angst“, rekapitulierte sie damalige Stimmung. Ihr guter Freund Jimmy Iovine schließlich, selbst Produzent und Labelgründer, war damals mit dem Ex-Beatle eng befreundet.


7. Sex Pistols – Anarchy in the UK

Gemeinsam mit Buckingham und Nicks feierten Fleetwood Mac ihre größten Erfolge, durchlebten aber auch ihre größten Krisen. Wie beim Ehepaar McVie bröckelte die idyllische Fassade, dahinter gab es viel Ärger und nicht wenige aus der Band waren zahlreichen legalen wie illegalen Substanzen zugetan… Immerhin: Die Musik stimmte. Meistens zumindest. Als der Rumours-Nachfolger Tusk erschien, spaltete das sowohl die Fanbase wie auch die Presse. Über eine Million Dollar hatte die Band für die Produktion der Doppel-LP hingeblättert – und dann spielte Mick Fleetwood einige seiner Parts doch auf einer Kleenex-Box ein, während Buckingham seinen Gesang in der Dusche aufnahm!

Der Songwriter setzte alles daran, kein zweites Rumours zu schreiben, wie es das Label gerne gehabt hätte. Zu dieser Zeit interessierte er sich viel eher für die virulente Punk-Szene oder Post-Punk-Bands wie die Talking Heads und deren unkonventionelle Herangehensweise an Musik. Was The Clash und die Sex Pistols in Großbritannien losgetreten hatten, als seine Band mit Rumours die Welt eroberte, hatte ihn nachhaltig beeindruckt. Tusk war also so etwas wie Fleetwood Macs Never Mind the Bollocks – sehr zum Leidwesen ihrer damaligen Plattenfirma…


8. Tom Petty and the Heartbreakers – American Girl

Ja, Buckingham machte es seiner Gruppe nicht immer einfach. 2018 trennten sich ihre Wege nach viel Hin und Her, weil er sich den Tourplänen der anderen Mitglieder querstellte. Ersatz war schnell in Mike Campbell gefunden, der zuvor bei Tom Petty and the Heartbreakers aktiv war. Zwischen dem 2017 verstorbenen Heartland-Rocker Petty und Fleetwood Mac beziehungsweise genauer Nicks gab es schließlich schon immer eine starke Bindung: Die Sängerin galt schon lange als „Ehren-Heartbreaker“!

Kurz nach seinem Tod erinnerte sie sich an den Erstkontakt mit Pettys – und damit auch Campbells – Musik. „Ich war seit etwa einem Jahr bei Fleetwood Mac, als ich 1976 sein Debütalbum hörte“, schrieb sie im Rolling Stone. „Ich liebte es, wie Toms knödelige Südstaatenstimme mit Mike Campbells Gitarre und Benmont Tenchs Keyboards verschmolz. Tom hatte die gleichen Einflüsse wie wir – die Byrds, Neil Young, Crosby, Stills & Nash –, aber er grub zusätzlich noch viel von dem ganz alten Blues aus. Er ist ein großartiger Sänger und ein charismatischer Performer. Ich war auf der Stelle ein Fan.“ Ein echtes American Girl eben, das sich in seinem Sound perfekt wiederfand und eine Freundin auf Lebenszeiten wurde.


9. Sheryl Crow – If It Makes You Happy

Buckingham war nicht der einzige, der sich innerhalb des Bandgefüges nicht immer zurecht fand. Christine McVie stieg je nach Interpretationsweise gleich zwei Mal aus, zumindest zog sie 1998 die Reißleine. Nicht aber endgültig, wie sich viel später herausstellen sollte: 2013 stand sie das erste Mal seit Langem wieder mit Mick Fleetwood und dessen Band auf der Bühne, performte später im selben Jahr mit der vollen Band und konnte im Januar 2014 der Welt verkünden, dass sie wieder an Bord sei. Ein Segen für viele Fans, denen ihr Einsatz bei Fleetwood Mac gefehlt hatte und die keine Hoffnung auf Wiederkehr sahen.

Im Jahr 2008 waren sogar Gerüchte aufgekommen, dass Sheryl Crow die langjährige Band-Keyboarderin ersetzen würde. Oder zumindest sagte Crow dies selbst, denn ihr zufolge hätte ihre Mentorin Nicks sie für die Band engagiert. Die Gruppe aber reagierte verblüfft. „Das hat uns alle etwas überrascht“, sagte Buckingham zögerlich. „Wir haben über die Möglichkeit diskutiert, eine andere Frau auf die Bühne zu holen und Crows Name wurde dabei auch genannt. Wir werden sehen.“ Und wir sahen… Nichts! Noch im selben Jahr dementierte Nicks, dass Crow die Band ergänzen würde. Wie Fleetwood Mac wohl mit ihr geklungen hätten…?


10. Florence + The Machine – Hunger

Die Anekdote von Crows Beinahemitgliedschaft beweist wohl am deutlichsten, wie beliebt Fleetwood Mac nicht nur bei Fans, sondern auch Kolleg*innen waren und immer noch sind. Tatsächlich ist ihr Einfluss auf die heutige Rock- und Pop-Landschaft noch immer nur schwer zu bemessen. Das (zweite) selbstbetitelte Album oder Rumours, ja selbst die späteren Alben – bis heute drücken Fleetwood Mac, egal in welcher Besetzung, der Musikwelt ihren Stempel auf. Von Hole bis Hot Chip und Best Coast, Tame Impala oder Tori Amos, Mumford & Sons und den Fleet Foxes – das Fleetwood Mac-Cover gehört fest ins Repertoire jeder vertrauenswürdigen Indie-Band!

Als Florence Welch im Juli 2018 mit ihrer Band in den SiriusXM Studios vorbeischaute, um ihr neues Album High As Hope mit Songs wie Hunger zu promoten, ließ auch sie sich ein Fleetwood Mac-Cover nicht nehmen: Silver Springs, eine ursprünglich von Nicks zu Rumours-Zeiten geschriebene Komposition, die als B-Seite zu Go Your Own Way veröffentlicht wurde und 1997 als Live-Version vom Album The Dance bekannt wurde. „Ich bin ziemlich in Stevie Nicks vernarrt, von ihrem Stil hin zu ihrer Stimme“, hatte Welch schon Jahre vorher zugegeben. „Ich schaue mir gerne auf YouTube ihre alten Auftritte an, wie sie sich bewegt und alles.“


Header-Bild-Credit: Warner Bros. Records (Billboard, page 86, 25 Jun 1977) [Public domain], via Wikimedia Commons

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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:


Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.



Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”



Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”




Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Poster für das Schulkonzert, ausgestellt im Metalli-Museum während der Europatour 2017 – Pic: Christof Leim

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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Popkultur

Zum Start der Open-Air-Saison: Die 10 ikonischsten Festivalauftritte aller Zeiten

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FREDDIE MERCURY
Titelfoto: Steve Rapport/Getty Images

David Bowie um fünf Uhr morgens, Kurt Cobain im Rollstuhl, Bob Dylan elektrisch: Diese zehn Festivalgigs haben Musikgeschichte geschrieben. Und stimmen ein auf die erste Freiluftsaison seit 2019.

von Björn Springorum

1. Bob Dylan – Newport Folk Festival, 1965

„Judas!“ Viel mehr muss man zu Dylans berüchtigtem Auftritt beim Newport Folk Festival 1965 nicht sagen. Er wagt es doch tatsächlich, eine elektrische Gitarre zu spielen. Skandal, Zeter und Mordio! Unnötig zu erwähnen, dass sein Auftritt brillant und seine Attitüde schon damals bewundernswert renitent ist.

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2. Jimi Hendrix – Monterey, 1967

Alles beginnt 1967 in Monterey. Es ist eines der ersten Rock-Festivals überhaupt (schlanke zwei Jahre vor Woodstock), es ist das erste große Konzert der Jimi Hendrix Experience in den USA und es ist das Epizentrum des Summer of Love. Am 18. Juni 1967 will das 24-jährige Wunderkind Hendrix, diese Mischung aus Feuerpriester, Sexgott und Jahrtausendkünstler, beweisen, ws in ihm steckt – und zündet während des Gigs einfach mal seine Gitarre an . Seine Anbetung der Flammen sieht nicht nur verdammt eindrucksvoll aus, sie hat auch einen PR-Zweck: Clever übertrumpft er damit The Who, die anschließend spielen und zum Finale natürlich wieder ihre Gitarre zerdeppern.

3. The Who – Woodstock, 1969

Müßig eigentlich, eine einzelne Performance aus diesem schlammigen, lysergischen, chaotischen Fieberwahn herauszulösen. Weil man aber so gut wie immer Hendrix und seinen verzerrten Abgesang auf die Nationalhymne heranzieht, entscheiden wir uns heute mal für The Who, die am Morgen des 17. August 1969 um halb sechs auf die Bühne gehen. Egal, Zeit und Raum waren da längst abgeschafft. Die wilde, sehr körperliche, laute und aggressive Show von The Who resultiert aus der schlechten Stimmung der Band. Die bekommt Aktivist Abbie Hoffman zu spüren, der sich erst Pete Townshends Mikro schnappt und dann von Townsheds Gitarre von der Bühne geprügelt wird. Randnotiz: Für ein Festival des Friedens gab es für die Nummer unpassend viel Applaus. Als The Who von der Bühne gehen, lassen sie eine zerstörte Gitarre und dröhnendes Bass-Feedback zurück. The Who – immer schon wilder und gefährlicher als alle anderen.

4. Led Zeppelin – Bath, 1970

Am Sonntag, den 28. Juni 1970, machen Led Zeppelin der Rock’n’Roll-Welt klar, dass es keine Grenzen für sie gibt. In nur zwölf Monaten wurden sie von einer moderat bekannten Rockband zu Göttern. 150.000 Menschen kamen in die englische Küstenstadt, überwiegend wegen Led Zep. Die nutzen ihre Headliner-Position für ein langes Set, mit dem sie ihrer Heimat ihren Superstar-Status mal gehörig unter die Nase reiben wollen. Und das mit Gusto, Bravado und Grandezza tun.

5. David Bowie – Glastonbury, 1971

Manchmal lohnt es sich, sehr lang wach zu bleiben. Oder sehr früh aufzustehen. Bei David Bowies Glastonbury-Stunt 1971 waren das gerade mal 12.000 Menschen. Die aber kommen am 23. Juni 1971 um fünf Uhr morgens in den Genuss eines einzigartigen Akustik-Sets, bei dem Bowie nach dem Erfolg von Space Oddity seine Wandlungsfähigkeit mal so richtig aufblitzen lässt und Songs wie Oh! You Pretty Things in Unplugged-Versionen spielt.

6. Queen – Live Aid, 1985

Man kann darüber streiten, ob U2s improvisierter Auftritt oder Queens straffes, ökonomisches Medley der eigentliche Höhepunkt des megalomanischen Benefiz-Spektakels Live Aid ist. Fakt ist: Queens 20 Minuten haben die größere Signalwirkung. Die Band hat sich wieder zusammengerauft, Mercurys Stimme überstrahlt alles und Bohemian Rhapsody ist einer dieser Musikmomente für die Ewigkeit.

7. Nirvana – Reading, 1992

1992 werden Nirvana von der Wirklichkeit eingeholt. Der Grunge-Traum wird zum Albtraum, eine aus Rebellion und Antithese gestartete Bewegung wird vom Mainstream ausgeschlachtet – Boulevardpresse inklusive, die Kurt Cobain 1992 als abgehalfterten Junkie darstellen. Cobain reagiert mit gewohnt zynischem Gespür für eine Situation und lässt sich in einem Rollstuhl auf die Bühne schieben. Die Show danach geht in die Annalen ein – anarchisch, kraftvoll, versengend.

8. Manic Street Preachers – Reading, 1994

1994 treten die Manic Street Preachers ohne ihren Gitarristen Richey Edwards auf. Der befindet sich nach einem Selbstmordversuch damals im Krankenhaus, die Band zieht eine der größten Shows ihrer Karriere als Trio durch und legt sich mächtig ins Zeug. Es ist nur der Anfang der Tragödie rund um Edwards: Am 1. Februar 1995, einen Tag vor ihrer USA-Tournee, verschwindet er spurlos. Mehrfach wollen ihn Menschen gesehen haben – auf Goa, Fuerteventura. Doch er taucht nie wieder auf und wird 2008 offiziell für tot erklärt. Wenige Monate zuvor stehen die Manic Street Preachers wieder in Reading auf der Bühne – und widmen ihm ihr Set.

9. Oasis – Glastonbury, 1994

Ihr Triumph von 1994 zeigt, wie schön es gewesen wäre, wenn Oasis ihre Egos im Griff gehabt hätten. Ihre bis dato größte Show ist das Ereignis, das sie zu überlebensgroßen Rockstars macht – mit allen Konsequenzen. Es ist aber auch die Show, die zeigt, wie es dazu kommen konnte: Die Band ist nicht gut, sondern genial, alles passt, hier wird spürbar Geschichte geschrieben.

10. Amy Winehouse – Glastonbury, 2004

Im verregneten Sommer 2004 ist Amy Winehouse noch einen Quantensprung von dem zerstörerischen Ruhm entfernt, der sich ab Back To Black aus der Spur bringen und letztendlich vernichten wird Ein halbes Jahr zuvor war ihr Debüt Frank erschienen, ein vielbeachtetes Werk zwischen Soul, Pop und Jazz, das bei ihrem Glastonbury-Debüt 2004 schon viele Freunde hatte. Die standen im Matsch und sahen eine junge, fröhliche, zufriedene Amy Winehouse, die sang als gäbe es nichts natürlicheres auf der Welt. Das tat sie drei Jahre später auch noch. Nur die Fröhlichkeit, die war dann schon verschwunden.

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Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

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Popkultur

Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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