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Popkultur

40 Jahre „Heaven And Hell“: Die Wiedergeburt von Black Sabbath

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Foto: Cover

Neuer Sänger, alte Stärke: Vor 40 Jahren veröffentlichen Black Sabbath ihr erstes Album mit Ronnie James Dio. Für die Band ist es eine Parusie. Wenn auch von kurzer Dauer.

von Björn Springorum

Zehn Jahre nachdem Black Sabbath mit ihrem selbstbetitelten Debüt den Heavy Metal salonfähig gemacht haben, stecken die Doom-Priester aus Birmingham bis zum Hals in der Krise. Ihr letztes Album, das 1978er Never Say Die!, war ebenso uninspiriert wie erfolglos, schwer gezeichnet von internen Querelen, Streitigkeiten und einem massiven Drogenkonsum, der selbst Raoul Duke in Fear And Loathing In Las Vegas wie einen Chorknaben aussehen lässt.

Von Van Halen an die Wand gespielt

Ozzy Osbourne, der die Band Ende 1977 in einer überhitzten Kurzschlussreaktion vorübergehend verlässt, ist zwar wieder dabei; er weigert sich aber strikt, Songs zu singen, die für seinen kurzzeitigen Ersatz, den Sabbath-Vertrauten Dave Walker, geschrieben wurden. Auf der folgenden Tournee werden Sabbath von ihrem Support, einer Bande hungriger Jungspunde namens Van Halen, mühelos und gnadenlos an die Wand gespielt. Und als man sich in einem Haus im Nobelviertel Bel Air in Los Angeles einmietet, um an neuen Songs zu arbeiten, bricht alles auseinander. Die ganze Band versinkt in einem Meer aus Drogen, König des Konsums ist Ozzy, der nicht mal den leisesten Hauch von Interesse an neuen Songideen zeigt.

Tony Iommi trifft daraufhin eine Entscheidung: Ozzy muss gehen. Er schickt Bill Ward vor, der noch am besten kann mit dem Prince of Darkness, um dem Sänger am 27. April 1979 die Nachricht zu übermitteln. Exakt ein Jahr später erscheint das neunte Studioalbum Heaven And Hell. Es ist eine Rückkehr zu alter Stärke und mehr, eine Wiedergeburt, die die Band gerade noch mal so vor dem Abgrund rettet. Die Frage ist nur: Was ist in diesen zwölf Monaten zwischen Ozzys Rauswurf und dieser Reinkarnation passiert?

Rettung mit drei Buchstaben

Die Antwort auf diese Frage hat drei Buchstaben: Dio. Dio ist der Band passiert. Und zu dieser Zeit hätte ihr nichts Besseres widerfahren können. Ironischerweise vorgeschlagen von Sharon Osbourne (damals noch Sharon Arden, Tochter des Sabbath-Managers Don Arden), wird Ronnie James Dio im Juni 1979 ganz offiziell der neue Sänger von Black Sabbath. Das war nicht immer so klar: Ursprünglich hatten Iommi und Dio vor, eine neue Band zu gründen. Sie treffen sich, jammen, stellen am allerersten Tag des gemeinsamen Komponierens mal so eben Children Of The Sea fertig.

Dio braucht nach seiner Zeit bei Rainbow eine neue Band, Sabbath nach den desaströsen letzten Jahren dringend eine neue Galionsfigur, die sie an den Haaren aus dem Sumpf zieht. Vielleicht ist das also in gewisser Weise eine Zweckgemeinschaft; aber dafür eine, die mit Heaven And Hell eine der besten Sabbath-Platten überhaupt hervorbringt. Das ist umso erstaunlicher, wenn man in Betracht zieht, dass Geezer Butler für ein paar Monate aussteigt und dass Bill Wards Alkoholismus derart groteske Formen angenommen hat, dass er sich überhaupt nicht an die Aufnahmen erinnern kann – selbst daran nicht, von Iommi in Brand gesteckt zu werden. Frank Zappa bietet die Dienste seines Bassisten an, auch Craig Gruber von Rainbow probt mit Sabbath, spielt zunächst sogar den Bass auf Heaven And Hell ein. Unnötig: Nach seiner Rückkehr spielt Butler das Material einfach noch mal neu ein.

Selbst die Presse feiert

Simpel ausgedrückt: Die Band ist instabil, fragil, zerfressen von Drogen und weit davon entfernt, wieder zu sich gefunden zu haben. Es ist der Figur und der Attitüde des Ronnie James Dio zu verdanken, dass nach Never Say Die! nicht der zweite Flop folgt, sondern ein fulminantes Comeback. „Dio singt über das Riff, während Ozzy dem Riff folgt“, würde Iommi später sagen. „Ronnie zeigte uns eine vollkommen andere Art des Komponierens auf.“ Der Plan geht auf: Heaven And Hell geht als erstes Sabbath-Album in die Annalen der harten Musik ein, dem die Kritiker schon bei Veröffentlichung zugetan sind.

40 Jahre später hat sich an dieser Stellung nichts geändert: Wenn Sabbath 1970 den Heavy Metal erfanden, dann ist Heaven And Hell eine Neuerfindung des Rades. Fokussiert, dicht, knackig hart und von Dios erhebenden Vocals in andere Sphären geschossen: Vom eröffnenden Brecher Neon Knights über die glorreiche Heavy-Metal-Hymne Children Of The Sea bis zum doomigen Monster eines Titeltracks: Heaven And Hell ist eine Lehrstunde im Heavy Metal, perfekt vom Songwriting über die Produktion bis zum Plattencover mit den genüsslich rauchenden Engeln.

Die Probleme hören damit nicht auf, im August 1980 verlässt Schlagzeuger Bill Ward endgültig die Band. König Alkohol hat ihn ruiniert. Im November 1982, nach Mob Rules, ist es dann auch für Dio Zeit, zu gehen. Ihm folgen Ian Gillan, Glenn Hughes und Tony Martin, bevor Ozzy endlich ins Reich der Dunkelheit zurückkehrt. So stark wie auf Heaven And Hell, soweit eine steile, aber begründete These, ist die Band danach aber nie wieder.

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