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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.12.1948 kommt Ozzy Osbourne zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.12.1948."

von Christof Leim

Prince Of Darkness, Rock’n’Roll-Legende, Familienvater: Ozzy Osbourne feiert am 3. Dezember Geburtstag und kann auf ein ziemlich wildes Leben zurückblicken. Geschichten über unseren liebsten „Madman“ gibt es Dutzende, wagen wir also zum Ehrentag einen Schnelldurchlauf seines wilden Lebens. Bitte anschnallen. Long live Ozzy!


Hört hier in die besten Ozzy-Solosongs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Ja, Ozzy hat es richtig, richtig krachen lassen. Die Geschichten seiner Ausschweifungen sind so legendär, dass man sich durchaus wundern darf, dass der Mann ein hohes Alter erreicht hat. Aber neben Sex und Drugs darf man keinesfalls den Rock’n’Roll vergessen. Als Sänger von Black Sabbath hat Ozzy den Heavy Metal miterfunden, wofür wir ihm selbstredend ewig dankbar sein werden. Er hat den planetenerschütternden Riffs von Tony Iommi seine eigenständige Stimme hinzugefügt und in den Siebzigern einige der wichtigsten Platten des Genres erschaffen. Später legte er dann eine überaus erfolgreiche Solokarriere hin, wurde Familienvater und Reality-TV-Berühmtheit. Selbst wenn die Rockerrente schon mehrmals auf dem Plan stand, muss man den Mann vermutlich eines Tages schreiend von der Bühne zerren. Gott sei Dank.

Die Anfänge

Unser liebster Ozzy kommt am 3. Dezember 1948 als John Michael Osbourne in der Industriestadt Birmingham zur Welt. Er hat drei ältere Schwestern und zwei jüngere Brüder, viel Geld gibt es in der Familie nicht. Schon als Kind bekommt er seinen Spitznamen, bis heute nennen ihn höchstens engste Familienmitglieder noch John. Das scheint ihm zu gefallen, denn sein erstes von vielen Tattoos sticht er sich als Teenager selbst mit einer Nähnadel und Farbe aus Bleistiftminen. Die Buchstaben O-Z-Z-Y auf seinen Fingern sieht man heute noch.

Als er mit 14 die Beatles hört, macht ihn das sofort zum Fan. Insbesondere She Loves You weckt in ihm den Wunsch, Musiker zu werden. Ansonsten sind die Aussichten im industriellen Birmingham der Sechziger auch ziemlich grimmig. Kurz gesagt: Fabrik, Verbrechen oder Rock’n’Roll. Als 15-Jähriger verlässt er die Schule, in der er mit einer Lese- und Rechtschreibstörung zu kämpfen hatte, und endet in einer Reihe wenig zukunftsträchtiger Jobs, darunter Bauarbeiter, Werkzeugmacher und Klempner. Böse Zungen dürften behaupten, dass ihn die Zwischenspiele als Schlachter und Autohupentester (!) besser auf eine Laufbahn im Heavy Metal vorbereiten. Ein “Laufbahnwechsel” in Richtung Einbruch und Diebstahl endet mit mit einem sechswöchigen Aufenthalt im Knast.

Die Urväter des Heavy Metal: Black Sabbath mit Ozzy Osbourne (rechts)

Die Siebziger

Ohnehin geht es um die Musik. 1968 melden sich ein Gitarrist namens Tony Iommi und sein Drummer Bill Ward auf einen Flyer, auf dem zu lesen steht: „Ozzy Zig needs gig. Has own PA.“ Beim ersten Treffen stellen die drei Kollegen fest, dass sie sich sich bereits aus der Schule kennen  und nicht leiden können. Musik machen sie trotzdem. Es stößt noch Bassist Geezer Butler dazu, und Black Sabbath sind geboren. Der Rest ist, mal wieder, Geschichte.

Mit den infektiös eingängigen Popsongs der Beatles hat die Wirklichkeit der vier Jungspunde allerdings nichts zu tun, ebensowenig mit dem „Summer Of Love“ in San Francisco. Weil in Birmingham definitiv niemand Blumen im Haar trägt, klingen Black Sabbath dunkler, böser und eindringlicher als die meisten anderen. In den folgenden Jahren schickt sich das Quartett an, die Grundlagen des Heavy Metal zu legen. Es gibt kaum jemanden in der Welt der Krachmusik, der nicht von ihnen beeinflusst wurde: Ob Hard Rock, Heavy, Stoner, Thrash, Black, Death, Doom Metal – überall steckt die DNA der „Sabb Four“ drin. (Himmel, sogar Cindy & Bert haben Paranoid gecovert.) Und nicht wenige Leute behaupten, dass Tony Iommi eigentlich schon alle guten Riffs geschrieben hat. Ozzy sollte man dabei musikalisch nicht unterschätzen: Zwar spielt er kein ein Instrument und hat auch kaum Texte verfasst, aber von ihm stammen die Melodien. Ozzy gab den Sabbath-Songs die Seele, er war die Stimme, mit der sich Millionen Außenseiter, Freaks und Ausflipper identifizieren konnten.



Das erste Album Black Sabbath erscheint am 13. Februar 1970, natürlich an einem Freitag. Der Titelsong definiert tonal ein ganzes Genre, hier gibt’s vor allem den Tritonus, das Teufelsintervall. Paranoid kommt ein halbes Jahr später, das Album und der gleichnamige Song werden zu Hits, Ozzy zum Popstar. Das kostet er aus: Drogen, Mädels, Vollalarm, und immer einen Drink am langen Arm. Nach eigenen Aussagen kommt er 1971 in Denver dank Mountain-Gitarrist Leslie West zum ersten Mal mit Kokain in Berührung. „Die Welt wurde etwas unscharf ab diesem Zeitpunkt“, sagt er selbst.

Gleichzeitig gründet er eine Familie: 1971 findet die Hochzeit mit Thelma statt, bald darauf kommen Jessica und Louis zur Welt, zudem adoptiert Ozzy Thelmas Sohn Elliot. Leider geht das nicht gut, denn als erfolgreicher Musiker ist der junge Vater viel zu oft unterwegs, als Partytier viel zu oft blau.

Spätestens bei Vol. 4 (1972) nehmen die Drogen dann überhand. Keiner der vier Black Sabbath-Musiker ist ein Heiliger, aber der Sänger treibt es immer noch ein bisschen wilder. 1978 steigt er mal für drei Monate aus, kehrt aber zurück, doch es läuft längst nicht mehr alles rund in Riffhausen: Statt neuer Songs gibt es Streit, was schließlich dazu führt, dass Ozzy am 27. April 1979 endgültig rausfliegt. Frustriert verbarrikadiert er sich im Le Parc Hotel in Los Angeles und versumpft vollkommen. „Ich habe 96.000 Pfund Abfindung bekommen“, erzählt er später, „also habe ich drei Monate lang gekokst und gesoffen. Ich war mir sicher, dass ich demnächst zurück in Birmingham und arbeitslos sein werde. Das sollte meine letzte Party sein.“ Ozzy ist da 30 Jahre alt.


Allerdings gibt es bereits einen Plattenvertrag als Solokünstler mit dem ehemaligen Sabbath-Manager Don Arden, der seine Tochter Sharon nach Kalifornien schickt, um nach dem Rechten zu sehen. Die beiden kennen sich schon länger, bei einem der ersten Zusammentreffen in einem Büro trägt Ozzy angeblich eine Pyjamahose, kein Shirt und einen Wasserhahn an einer Kette um den Hals. In seiner düsteren Phase erweist sich Sharon als Rettung und sorgt dafür, dass Ozzy seine Karriere wieder in Angriff nimmt. Mehr noch: Die beiden verlieben sich, am 4. Juli 1982 heiraten sie auf Maui. (Ozzy erzählt später, er habe den US-amerikanischen Unabhängigkeitstag gewählt, damit er das Hochzeitsdatum nicht vergisst.) Trotz harter Zeiten sind die beiden heute noch verheiratet und haben drei Kinder namens Aimee, Kelly und Jack.

Die Achtziger

Sharon sorgt dafür, dass der Musiker eine neue Band zusammenstellt und zum Anbruch der Achtziger durchstartet. Dabei beweist unser Mann nicht zum letzten Mal ein geradezu goldenes Händchen für Gitarristen und verpflichtet den außerirdisch talentierten Kalifornier Randy Rhoads von der Band Quiet Riot. Die beiden folgenden Alben Blizzard Of Ozz (1980) und Diary Of A Madman (1981) gehören zur Standardausstattung im Heavy Metal und etablieren Ozzy als Solokünstler.



Aber Ozzy übertreibt es weiter: Im März 1981 soll er bei einem Plattenfirmen-Meeting als große Geste lebende Tauben fliegen lassen. Doch dem Künstler wird langweilig, und die Flasche Brandy auf dem Hinweg hilft nicht. Denn Ozzy zieht die Vögel aus der Tasche und beißt ihnen die Köpfe ab (richtig gelesen). Man darf sich fragen, ob das als „große Geste“ durchgeht, der Zusammenarbeit mit CBS Records tut es jedenfalls gar nicht gut.

Im Januar 1982 wirft ein Fan bei einem Konzert eine Fledermaus auf die Bühne. Der Sänger hält sie für Plastik und beißt ihr ebenfalls den Kopf ab. Er weiß ja jetzt, wie sowas geht. Allerdings beißt das Tier zurück, so dass schmerzhafte Spritzen gegen Tollwut nötig werden. Ozzys Ruf als „Madman“ festigt sich zusehends. Am 18. Februar 1982 pinkelt „Doppel-O“ dann sternhagelvoll gegen das Alamo-Denkmal, was in Texas einem Kapitalverbrechen gleicht. Nach seiner Verhaftung darf er die Stadt San Antonio für ein Jahrzehnt nicht mehr betreten.


Dass er zwei Jahre später auf einer Tour ausgerechnet mit Mötley Crüe einen Wettstreit darüber startet, wer krasser drauf ist, und diesen mit großem Vorsprung gewinnt, dürfte uns nicht mehr überraschen. Der siegreiche Schachzug: Als das Koks ausgeht, zieht Ozzy eine Ameisenstraße in die Nase (Ja, Ameisen. Lebend.). So schreiben es Mötley Crüe in ihrer Bandbio The Dirt, Ozzy selbst weiß das nicht mehr so genau. Wir möchten es nicht ausschließen.

Noch vorher ereignet sich eine Tragödie: Als Randy Rhoads am 19. März 1982 bei einem ebenso dämlichen wie vermeidbaren Flugzeugabsturz ums Leben kommt, trifft das den Sänger hart. Das heißt: Noch mehr Saufen, noch mehr Drogen, noch mehr Chaos. Es dauert, bis unser Mann wieder halbwegs in die Spur kommt, verwunderlicherweise reißt der Reigen an tollen Alben aber nicht ab. Nächste Höhepunkte: Bark At The Moon (1983) und The Ultimate Sin (1986) mit Flitzefinger Jake E. Lee, der dadurch zum international gefeierten Gitarrenstar wird. Ozzy verkauft mittlerweile deutlich mehr Platten als seine alten Kollegen von Black Sabbath, vielleicht auch, weil er sich der MTV-Ära angepasst hat. Das heißt: Unfassbar bunte Klamotten und raumgreifende Föhnfrisuren. Auch die Produktinen klingen ein bisschen nach Plastik, bieten aber tollen Achtziger-Metal.



1987 gelingt noch einen Glücksgriff: Ozzy verpflichtet einen unbekannten Zwanzigjährigen namens Jeffrey Wielandt als neuen Mitmusiker. Heute kennen wir den Mann unter dem Namen Zakk Wylde als einen der besten Rockgitarristen der Welt. Er bleibt seinem Mentor trotz Solokarriere bis heute treu ergeben. (Die ganze Geschichte zu Zakks Einstieg steht hier.) Die erste gemeinsame Show spielen die beiden übrigens im Sommer 1987 in einem der härtesten Gefängnisse Englands. Ozzy nennt den krassen Tag seine „letzte gute Erinnerung an die Achtziger“. Der Wechsel zwischen Besinnung und Entzug auf der einen, Drogen und Wahnsinn auf der anderen Seite gehört weiter zum Tagesgeschäft, wie man 1988 im Film The Decline of Western Civilization Part II: The Metal Years ((LINK)) sehen kann. Darin diktiert er der Regisseurin Penelope Spheeris „Nüchtern sein ist Scheiße!“ ins Mikro. Später stellt sich allerdings heraus, dass die Szenen in der Küche gestellt sind und die Sache mit dem Orangensaft zum Teil sogar gefälscht wurde.



Was nicht heißen soll, dass Ozzy alles im Griff hat, und lustig ist das schon lange nicht mehr. Als er von der Tour zu No Rest For The Wicked zurückgekehrt, die mit der monumentalen Anti-Drogen(!)-Veranstaltung Moscow Music Peace Festival endet, will er am 2. September 1989 im Suff seine Frau Sharon umbringen. Die berichtet: „Irgendwann hat sich Ozzy in Unterhose zu mir aufs Sofa gesetzt und erklärt: ‚Wir haben uns entschieden. Es tut uns leid, aber du musst sterben. Es gibt keine andere Möglichkeit.‘ Ich habe ihm natürlich gesagt, er solle die Fresse halten und sich verpissen – aber er ist auf mich gesprungen und hat die Hände um meinen Hals gelegt.“ Ozzy landet daraufhin im Knast und ohne Umschweife in einer längeren Entziehungskur – nicht die erste, nicht die letzte. Seine Frau trennt sich von ihm, doch die beiden finden wieder zusammen.

Die Neunziger

So geht es nicht weiter. Als Ozzy 1991 No More Tears rausbringt, wirkt er wie runderneuert: Sportlich fit, mit wallendem Langhaar und Lennon-Brille. Vor allem aber zieht er musikalisch alle Register und verkauft Millionen der hier ausdrücklich empfohlenen Platte, für die sein Kumpel Lemmy Kilmister von Motörhead einige Texte beigesteuert hatte. Mit der zugehörigen No More Tours-Tour will er sich zur Ruhe setzen, bei einer Show in Costa Mesa bittet er sogar für ein paar Songs seine alten Black Sabbath-Kollegen auf die Bühne. Doch mit dem Ruhestand wird es nichts, 1995 folgt die Retirement Sucks-Tour.



In den Neunzigern geht es allgemein für die klassische Rockmusik drunter und drüber, auch um Ozzy wird es ruhig, was neue Alben anbelangt. Dafür startet ab 1996 die Festivalreihe Ozzfest durch, die seine Frau Sharon und Sohn Jack ins Leben gerufen haben, und die den gesundheitlich angeschlagenen Familienvater einem neuen Publikum näher bringt. 1997 kommt es sogar zu einer Reunion von Black Sabbath (minus Bill Ward).

Die 2000er

Große Wellen über die Musik hinaus schlägt Ozzy Osbourne ab März 2002 mit der Reality-TV-Serie The Osbournes, die das häusliche Leben seiner Familie zeigt. Innerhalb von drei Jahren erlangt Ozzy so eine traurige Berühmtheit, denn er wirkt wie ein taumelnder Tattergreis mit Tattoos und Sprachstörungen. Später stellt sich raus, dass Ozzy während der meisten Drehtage völlig „drauf“ war.



Musikalisch lässt er es langsam angehen, es erscheinen nur Cover- und Livealben. Das Touren kann er trotzdem nicht sein lassen. In den Schlagzeilen taucht er weiter auf: 2003 kommt Ozzy bei einem Unfall mit einem Quad-Bike fast ums Leben, 2004 wird er zum Botschafter für Alien-Besucher gewählt und erhält seine eigene Eiscreme. 2009 schließlich erscheint die Autobiografie I Am Ozzy. Dass es noch genügend Material für ein zweites Buch geben soll, glauben wir gerne.

Weil selbst ein „Madman“ mal älter wird, bekommt der Sänger seine Suchtprobleme immer mehr in den Griff. Die Familie spielt eine größere Rolle, vielleicht haben sich seine grundsätzlichen Unsicherheiten auch gelegt, jedenfalls erweist sich der ehemalige „Prince Of Darkness“ in Interviews als lustiger, latent verwirrter Mensch mit großem Herzen. Wie er seinen Lebensstil mehrere Dekaden durchhalten konnte, wundert ihn selbst wohl am meisten.



Von Black Sabbath erscheint 2013 sogar ein neues Album namens 13, im Jahr 2016 startet die Band eine letzte Welttour und löst sich nach einem Abschiedskonzert am 4. Februar 2017 in Birmingham auf. Im Februar 2018 schließlich kündigt Ozzy seinerseits eine finale Rundreise an und spielt 2018 in Deutschland. Dass er so etwas schon mal vorhatte, scheint ihm bewusst zu sein, denn der Trek heißt nicht ganz unironisch: No More Tours 2

Es wird der Tag kommen, an dem sich Ozzy Osbourne tatsächlich zur Ruhe setzt. Im Rock’n’Roll wird dann etwas fehlen. Wir sagen bis dahin schon mal: Happy Birthday, Ozzy!



Headerbild Credit: Promo/Neil Preston

Zeitsprung: Am 2.9.1989 will Ozzy im Suff seine Frau Sharon umbringen.

 

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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Popkultur

Reich und sexy: Das sind die erfolgreichsten Alben aller Zeiten!

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Elton John
Foto: Michael Webb/Getty Images

70 Millionen verkaufte Einheiten von einem einzigen Album, eine sagenhaft erfolgreiche Best-Of und 38-mal Platin: Hier kommen die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Platten aller Zeiten.

von Björn Springorum

Natürlich werden immer weniger physische Tonträger verkauft. Natürlich verliert das Album als Format weiter an Bedeutung. Natürlich ist Erfolg Ansichtssache. Die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Mega-Sellern der Musikgeschichte werden dadurch aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil. Vorhang auf für das Big Business.

10. Grease: The Original Soundtrack From The Motion Picture (1978)

Verkäufe: 38 Millionen

Ein Soundtrack-Album unter den zehn meistverkauften Platten aller Zeiten? Ja! Spoiler: Und es wird nicht das einzige bleiben! 1978 veröffentlicht, ging die Musik zu Travolta-Dauerbrenner bis heute rund 38 Millionen Mal über die Ladentische. Die Single You‘re The One That I Want ging vielerorts auf die Eins, Barry Gibb von den Bee Gees greift dem Soundtrack kompositorisch unter die Arme, die Filmband Sha Na Na stand schon in Woodstock auf der Bühne.

9. Bee Gees – Saturday Night Fever (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

Soundtrack, die zweite. Und John Travolta, die zweite. Der Disco-Kracher der Bee Gees wird 40 Millionen Mal verkauft und hat bis heute allein in den USA. 16 Mal Platin eingeheimst. Damit bekommt man eine ganze Wand dekoriert. Ganze 24 Wochen stand der Soundtrack ohne Unterbrechung an der Spitze der US-amerikanischen Charts und löste 1977 einem schweren Disco-Boom aus, der sich in Schockwellen über die ganze Welt ausbreitete. Stayin‘ Alive und Night Fever stellen den Grammy sicher – und machen Saturday Night Fever zum einzigen Disco-Album, das diesen Preis gewinnen konnte.

8. Fleetwood Mac – Rumours (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

1977 ist ein gutes Jahr für Albenverkäufe. Neben den 40 Millionen Platten von Saturday Night Fever gehen gleich noch mal so viel von Fleetwood Macs Beziehungsdrama Rumours weg. Hitzige Streitereien, kiloweise Koks, Hits am Fließband und alle 20 Minuten neue Saiten für die Gitarre: Ein megalomagisches Werk, eine gigantische Soap Opera – und eine der besten Rock-Platten aller Zeiten.

7 . Shania Twain – Come On Over (1997)

Verkäufe: 40 Millionen

Das jüngste Album in der Top Ten der Bestseller ist auch schon wieder 25 Jahre alt. Und wird wahrscheinlich auf ewig das jüngste bleiben: Irgendwie schafft es Shania Twain 1997 mit ihrem dritten Album Come On Over, rund 40 Millionen Exemplare loszuwerden. Es ist das meistverkaufte Country-Album aller Zeiten, das meistverkaufte Album aus Kanada und das in den USA meistverkaufte Album einer Frau. Wow.

6. Eagles – Hotel California (1976)

Verkäufe: 42 Millionen

Die Eagles toppt niemand. Sie ist die einzige Band, die gleich mit zwei Platten in der Top Ten der meistverkauften Alben vertreten ist. Ihr Meisterwerk Hotel California von 1976 gilt unbestritten als eine der besten Rock-Platten aller Zeiten und wurde bislang rund 42 Millionen Mal verkauft. Das Ende der Unschuld, thematisiert im weltverändernden Titeltrack, dazu mit New Kid In Town oder Life In The Fast Lane gleich zwei weitere Klassiker – 1976 läuft es für die Eagles mehr als rund, zwei Grammys sind der Lohn. Gut, neben den vielen Millionen an Tantiemen, versteht sich.

5. Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Verkäufe: 44 Millionen

Ach, die Siebziger. Da konnte man selbst mit einem progerssiven, visionären, fordernden Meisterwerk zum Rockstar werden. Genau so ging es mit Pink Floyd, die 1973 mit The Dark Side Of The Moon von vielbeachteten Rock-Tüftlern zu Superstars werden und in die Stratosphäre geschossen werden. Oder noch weiter. 44 Millionen Alben können sie von ihrem Meisterwerk unters Volk bringen – und jedes einzelne davon verdient.

4. Eagles – Their Greatest Hits (1971-1975) (1976)

Verkäufe: 45 Millionen

Die USA lieben die Eagles. In den Vereinigten Staaten ist keine Platte erfolgreicher als Their Greatest Hits (1971-1975). Auch weltweit sieht es ganz okay aus: Rund 44 Millionen Exemplare ihrer Best-Of wurden bis heute verkauft, bis heute gehen hunderttausende Einheiten davon über den Scanner. Das Geheimnis: Zehn Songs, zehn absolute Hits. Und das sogar ohne Hotel California, das erst einige Monate später erscheint und die Kassen gleich noch mal ordentlich füllt.

3. Whitney Houston – The Bodyguard (1992)

Verkäufe: 45 Millionen

Da haben wir es, das erfolgreichste Soundtrack-Album aller Zeiten: Ebenso wie der Film 1992 ein Millionenpublikum rührt, sorgt auch die offizielle Musik für einen absoluten Hype: Zeitweise verkauft sich der Soundtrack eine Million Mal pro Woche, mittlerweile sind es 45 Millionen verkaufte Alben. Das liegt natürlich an Hauptdarstellerin Whitney Houston und ihrem unglaublichen Cover von Dolly Partons I Will Always Love You. Diesen Song kennt wirklich jeder.

2. AC/DC – Back In Black (1980)

Verkäufe: 50 Millionen

Die Welt ist nicht ganz verloren, wenn sich ein Album wie Back In Black satte 50 Millionen Mal verkauft. Das Comeback mit Brian Johnson nach dem Tod von Bon Scott klingt zunächst nach Zerreißprobe und Feuertaufe, wird dann aber zum glorreichen Triumphzug direkt hinein in die Rock-Ruhmeshalle. Kein Rock-Album hat sich öfter verkauft, kein Rock-Album wird sich jemals wieder so oft verkaufen. Hells Bells!

1. Michael Jackson – Thriller (1982)

Verkäufe: 70 Millionen

Das bestverkaufte Album aller Zeiten ist unbestritten Michael Jacksons Thriller. Irgendwie weiß nur niemand so ganz genau, wie oft das Album jetzt genau verkloppt wurde. Die Zahlen reichen von 50 bis 150 Millionen, die geschätzte Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie dazwischen. So oder so: Es wurden eine Menge Einheiten von Thriller gepresst. Die Produktionskosten liegen bei 750.000 US-Dollar (heute ungefähr das Dreifache), nach seinem Moonwalk-Debüt im Fernsehen verkauft sich Thriller eine Million Mal pro Woche: Schon Ende 1983 waren 32 Millionen Platten verkauft.

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