Join us

Popkultur

Zeitsprung: Am 19.2.1948 wird der Riffgott geboren: Tony Iommi von Black Sabbath.

Published on

Foto: Header Pic: Photobra (Adam Bielawski) (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.2.1948."

von Christof Leim

Am Anfang war das Riff. Und Iommi sah, das es gut war: Der Black-Sabbath-Gitarrist gilt völlig zu Recht als der Gott der Riffs, mehr noch: als Erfinder des Heavy Metal. Dabei hätte ein Unfall die Entstehung der besten Krachmusik der Welt beinahe verhindert. Heute feiert der Mann in schwarz Geburtstag.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört euch hier Tony Iommis Lebenswerk an und lest weiter:

 „Alle guten Metal-Riffs, die es gibt, hat Tony Iommi schon gespielt!“, sagt Scott Ian von Anthrax, und er hat nicht ganz Unrecht: Iommi hat mit Black Sabbath einen Stil begründet und ein ganzes Genre losgetreten. Sicher gab es vorher schon Hard Rock und auch Songs mit Riffs, von Deep Purple etwa, Led Zeppelin oder den Kinks, deren You Really Got Me das erste verzerrte Riff der Historie beinhalten dürfte. Doch mit Black Sabbath gewannen solche „sich ständig wiederholenden, rhythmisch prägnanten, dabei melodisch nur wenig abgewandelten Phrasen“ (sagt der Duden) richtig an Bedeutung.

Echte Grundlagen

Mehr noch: Tony Iommi, Ozzy Osbourne, Geezer Butler und Bill Ward kreierten seit 1968 eine Soundwucht und tonale Düsternis, die es bis dahin kaum gegeben hatte. Und das liegt an ihrem Gitarristen, dem unbestrittenen Anführer und Hauptsongwriter der Band. Headbanger weltweit dürfen dankbar sein: Ohne ihn hätte es Metal, Doom, Stoner Rock, Sludge, Thrash und viele andere schöne Freizeitbeschäftigungen wohl nicht gegeben. Fragt mal James Hetfield oder Zakk Wylde, wenn ihr sie trefft!

By Photobra (Adam Bielawski) (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Frank Anthony Iommi kommt am 19. Februar 1948 in Birmingham zur Welt. Viel Geld hat die Familie nicht, für den späteren Riffgott gibt es die Alternativen Fabrik, Knast oder Rock’n’Roll. Letzteres klingt nach einem guten Plan, weil er sich als Teenager ohnehin für Blues, Jazz und Rock interessiert und in diversen Bands spielt. Mit den Rockin’ Chevrolets soll er sogar in Deutschland auftreten. Vor der Abreise muss er noch eine letzte (!) Schicht in einer Fabrik abreißen. Dabei passiert ein Unglück mit einer Stanze: Iommi verliert zwei Fingerkuppen seiner rechten Hand, der Hand, mit der er als Linkshänder die Saiten greift.

Schwere Fingerverletzung

Das Thema „Rockstar“ scheint sich damit erledigt zu haben, denn an Mittel- und Ringfinger spannt sich über dem Knochen nur noch ein bisschen Haut. Akkorde spielen und Saiten ziehen tut so ordentlich weh. Doch inspiriert von Django Reinhardt, der nur mit zwei Fingern an einer Hand zu einer einflussreichen Jazz-Größe wurde, macht der 17-Jährige weiter. Er zerschneidet eine alte Lederjacke und klebt die Fetzen mit Hilfe des zerschmolzenen Plastiks einer Spülmittelflasche auf die Fingerkuppen (kein Witz). (Hier spricht Iommi selbst über den Unfall.)

Er trifft Schlagzeuger Bill Ward bei The Rest und antwortet auf eine Announce des Sängers „Ozzy Zig“. Der erweist sich als genau der John “Ozzy” Osbourne, mit dem er sich in der Schule öfters mal gehauen hat. Trotzdem starten die Herren mit Bassist Geezer Butler eine Krachkapelle. Die heißt zunächst Polka Tulk Blues Band, später Earth, und spielt Blues. Kurz wandert Iommi zu Jethro Tull ab, kehrt aber bald zurück. Inspiriert von einem Boris Karloff-Streifen nennt sich die Band jetzt Black Sabbath. Die Songs werden rifflastiger, und die Riffs selbst werden düsterer. Hier erweist sich Tonys Unfall als signifikant: Er passt sein Spiel an, verzichtet auf bestimmte Akkorde und verlegt sich vor allem auf… Riffs! Zudem stimmt er runter, um weniger Spannung auf den Saiten zu haben. Dadurch entwickelt sich ein spezieller Stil, der den Sound von Black Sabbath prägt.

Das Teufelsintervall

Das Debüt Black Sabbath wird in nur an einem (!) Tag auf Band genagelt und erscheint im Februar 1970, natürlich an einem Freitag, dem 13.. Die Platte beginnt mit dem Sound von Regen und Donner, Glocken läuten im Hintergrund. Und dann setzt es ein, das teuflischste Riff der Welt, das Riff zum Song Black Sabbath. Es basiert auf dem Tritonus, der übermäßigen Quarte, gerne auch „Teufelsintervall“ genannt. Und genauso klingt das auch. Herrlich. Das Coverfoto mit einer mysteriösen Frau vor einem verlassenem Haus passt dazu natürlich hervorragend, genauso das umgedrehte Kreuz mit morbider Inschrift im Inneren der Hülle. Nicht wenige Leute bezeichnen das Erscheinen des Black Sabbath-Debüts als den Geburtstag des Heavy Metal. Der Rest ist, wait for it, Geschichte.

Tony 1978. By Carl Lender (Flickr: Tony Iommi at the New Haven Coliseum) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Das Nachfolgealbum Paranoid wird ein Hit, das berühmte Stück gleichen Namens entsteht angeblich in zehn Minuten. Black Sabbath werden zu Rockstars und leben in den Siebzigern entsprechend. Irgendwann fliegt Ozzy raus, Ronnie James Dio kommt für ein paar Jahre, in den Achtzigern und Neunzigern ändert sich die Mannschaft ständig. Die einzige Konstante: Tony Iommi. Er führt das schwarze Schiff und hält den Laden zusammen.

Bewegte Geschichte, eine Konstante

Einfach hat er es dabei nicht, wie man in 2011 erschienenen Autobiografie Iron Man: My Journey Through Heaven And Hell With Black Sabbath lesen kann. Es gibt Drogen, Line-up-Wechsel, neue Sounds im Metal, neue Sounds bei Sabbath. Manche Platten werden erfolgreich, zum Beispiel das einflussreiche Master Of Reality (1971) oder das majestätische Heaven & Hell (1980). Andere gehen in den Irrungen und Wirrungen der späteren Jahre unter. Aber eigentlich liefert unser Mann immer guten Stoff ab, auch auf den vergessenen Mittneunziger-Platten. Nach Forbidden (1995) mottet er Black Sabbath aber erstmal ein – bis zur Reunion des Ur-Lineups mit Ozzy 1997.

Zum Ende ihrer Karriere touren Black Sabbath wieder im Original-Line-up, nur Drummer Bill Ward fehlt ganz zum Schluss.

Tony Iommi scheint in all den Jahren nicht an Schreibblockaden zu leiden. Die Riffs fließen. Deshalb nimmt er 2000 das oft übersehene Soloalbum Iommi mit Gastsängern wie Phil Anselmo, Dave Grohl und Serj Tankian auf. Auf zwei weiteren Platten singt sein alter Kumpel Glenn Hughes (The 1996 DEP Sessions und Fused). Und weil der Meister nicht nur den Satan höchstselbst aus seiner Klampfe prügeln kann, schreibt er sogar den Choral How Good It Is für die Kathedrale seiner Heimatstadt Birmingham. Musikalisch geht es also immer weiter. Iommi und Butler touren ab 2006 mit Ronnie James Dio als Heaven & Hell, 2013 veröffentlichen Black Sabbath in der Aufstellung Iommi/Osbourne/Butler ihr letztes Album 13, nur Drummer Bill Ward fehlt.

Gentleman im Ruhestand

Mittlerweile ist Tony Iommi mit Maria Sjöholm verheiratet, der ehemaligen Sängerin der schwedischen Alternative-Metal-Band Drain STH. Aus einer früheren Ehe hat er eine erwachsene Tochter. Im Gespräch erweist er sich als englischer Gentleman. Zum Gitarrespielen nutzt er schon lange eigens angepasste Fingerkuppen aus einem speziellem Material, das ihm mehr Gefühl für die Saiten gibt.

2012 erkrankt der Gitarrist an Lymphdrüsenkrebs. Auf der World Tour muss er alle sechs Wochen zur Behandlung, und weil die Herren nicht jünger werden, verkünden Black Sabbath im September 2015 ihre Abschiedstour The End. Im Sommer 2016 berichtet Iommi, dass die Therapie angeschlagen hat. Das finale Konzert findet statt am 4. Februar 2017 in Birmingham. Der letzte Song: Paranoid. Nach fast 50 Jahren löst die Band sich auf, doch die Musik bleibt unsterblich. Tony Iommi will es langsamer angehen lassen, spricht aber in Interviews davon, weiter Songs schreiben zu wollen. Wir hätten nichts dagegen. Lange lebe der Gott der Riffs. Happy Birthday, Tony Iommi!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 17.4.1980 feiern Black Sabbath mit Dio Premiere – in Ostfriesland

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

Published on

HEADER
Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Adriano Celentano: Stammt der erste Rap-Song der Welt aus Italien?

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

Published on

HEADER
Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

via GIPHY

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss