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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.7.1949 kommt Geezer Butler (Black Sabbath) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.7.1949.

von Christof Leim

Die Düsternis von Black Sabbath kriecht nicht nur aus den bösen Riffs von Großmeister Tony Iommi. Einen großen Anteil an der Atmosphäre tragen auch die Texte, und die stammen bei all den Klassikern von Geezer Butler. Der Bassist gehört zur Urbesetzung der legendären Band und hat bei ihrem ersten und letzten Konzert auf der Bühne gestanden. Was dazwischen passierte, fassen wir anlässlich seines Geburtstages am 17. Juli zusammen.

Hier könnt ihr euch die besten Sabbath-Songs anhören:

Eigentlich heißt er ja gar nicht Geezer. Denn nach seiner Geburt am 17. Juli 1949 im Birminghamer Stadtteil Aston erhielt der Junge den Namen Terence Michael Joseph Butler. Den Spitznamen handelt er sich als Grundschüler ein, weil er alle Leute „geezer“ nennt, ein Slang-Ausdruck für „Kerl“. Und so heißt unser Mann dann fortan, weltweit und für alle Zeiten.

Zunächst einmal startet der junge Geezer im Herbst 1967 seine erste Band Rare Breed. Damals spielt er er noch Rhythmusgitarre, inspiriert wie so viele seiner Generation von den Beatles. Als Sänger stößt ein gewisser John „Ozzy“ Osbourne hinzu. In der Industriestadt Birmingham scheint der Lebensweg als Fabrikarbeiter vorprogrammiert, doch darauf hat unser Mann wenig Lust – und beginnt eine „ordentliche“ Ausbildung als Buchhalter in der Kanzlei eines Steuerberaters. Das geht nicht lange gut, einen neuen Job findet er mit seinen langen Haaren auch nicht.

Ozzy Osbourne möchte eine letzte Black Sabbath-Show – in ganzer Originalbesetzung

Sein späterer Bandkollege Tony Iommi beschreibt Geezer in der Autobiografie Iron Man sogar als hippiesken Mensch „von einem anderen Planeten“. Schon als Kind wird er zum Vegetarier, als er seine Mutter fragt, warum Blut aus seinem Mittagessen läuft. Mit Rare Breed läuft es derweil nicht gut, aber im Sommer 1968 starten Butler und Osbourne mit Iommi und dessen Trommler Bill Ward die Polka Tulk Blues Band. Für eine Weile heißt die Combo Earth, und weil Tony keinen zweiten Gitarristen neben sich haben will, wechselt Geezer zum Bass. 

Die frühen Black Sabbath aus einer Zeit, als die ganze Welt noch sepiafarben war. Ganz rechts: Geezer Butler

Der Rest ist Metal-Geschichte: Inspiriert vom einem Horrorfilm mit Boris Karloff von 1963 (deutscher Titel: Die drei Gesichter der Furcht) benennt sich die Band schließlich in Black Sabbath um und setzt fortan bewusst auf Grusel, Düsternis und eine okkulte Atmosphäre. Das liegt nicht zuletzt an Butler, der schon als junger Mann Bücher von Aleister Crowley gelesen hat. Er wird zum Cheflyriker der Combo und schreibt über Fantasy, Science-Fiction, Horror, Religion und die dunkle Seite der Dinge. Dabei sind Geezers Texte keinesfalls immer negativ und nihilistisch, wie man denken könnte, sondern klagen zum Beispiel Umweltzerstörung und globale Vernichtung an.

Die „Sabb Four“ stehen am 30. August 1969 zum ersten Mal auf der Bühne und veröffentlichen im Folgejahr ihr Debüt Black Sabbath. Geezer Butler spielt auf den legendären ersten Alben, die – ehrlich jetzt – Kinder schon in der Schule hören wollten. Mit Paranoid (1970) und Master Of Reality (1971) werden die vier Burschen zu internationalen Rockstars, was einem schon mal zu Kopf (oder in die Nase) steigen kann. Spätestens bei Vol. 4((LINK)) (1972) gehören Drogen zum Tagesgeschäft wie Riffs und Rhythmen, bei Geezer ebenso wie bei seinen Kollegen.

Nichtsdestotrotz werden Black Sabbath zur wohl grundlegendsten Band für alles, was mit Heavy, Doom, Düster und Metal zu tun hat. Das gilt natürlich auch speziell für die Welt der vier Saiten: Geezer Butler gilt als einer der einflussreichsten Bassisten des Genres. So erklärt der ehemalige Metallica-Tieftöner Jason Newsted beispielsweise: „Alle echten Metal-Bassisten blicken auf zu Geezer als den Pioneer und Paten unseres Instruments. Der Beste aller Zeiten.“

Bei Sabbath geht es in den folgenden Dekaden drunter und drüber, Geezer Butler wechselt ständig den Arbeitsplatz: Während der Aufnahmen zu Heaven & Hell (1980) mit neuem Sänger Ronnie James Dio verlässt er die Band kurzzeitig, weil er mit der Scheidung von seiner ersten Ehefrau beschäftigt ist, kehrt aber kurz vor Abschluss der Arbeiten zurück. Nach den Konzerten zu Born Again (dem Album mit Ian Gillan von 1983) steigt er dann „in echt“ aus. Wenige Jahre später dann gehört Geezer sogar zur Liveband seines ehemaligen Bandkollegen Ozzy Osbourne bei dessen Tour zu No Rest For The Wicked (1988), macht aber 1992 wieder bei Sabbath mit und spielt Dehumanizer (1991) ein, um dann 1995 auf Ozzys Ozzmosis aufzutauchen. Seit 1997 gehört Butler wieder fest zu Sabbath.

Zwischendurch startet er noch ein Soloprojekt namens GZR und veröffentlicht die beiden Alben Plastic Planet (1995) und Black Science (1997) mit ziemlich hartem Industrial-Sound; Ohmwork folgt 2005. Das scheint aber nicht zu reichen, denn ab 2006 gibt es noch eine Band: Heaven & Hell, in Essenz die Sabbath-Variante mit Dio, die fortan parallel zur Originalausgabe mit Ozzy besteht. Langweilig wird es unserem Mann also nicht, zumindest bis 4. Februar 2017 – an diesem Tag spielen Iommi, Butler und Osbourne ihr letztes Konzert als Black Sabbath.

Damit hat Geezer – theoretisch – mehr Zeit für seine Familie (Ehefrau Gloria und die beiden Söhne Biff und James) oder seine Lieblingsfußballmannschaft Aston Villa, die er sogar bei der Einführung von Sabbath in die Rock And Roll Hall Of Fame ehrt, in dem er beim Rausgehen noch schnell „Up the Villa!“ ins Mirko ruft. Allerdings scheint Geezer Butler auf Ruhestand keine Lust zu haben, denn 2018 startet er mit Steve Stevens und Matt Sorum schon wieder eine neue Band namens Deadline Ritual. Rockende soll man eben nicht aufhalten. Wir sagen Glückwunsch und frohes Schaffen!

Die musikalische DNA von Black Sabbath

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