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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.2.1971 starten Black Sabbath mit den Aufnahmen zu “Master Of Reality”.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1971."

von Christof Leim

Der Zeitsprung geht heute zurück zu einem Album, dessen Einfluss man überall im Metal hören kann: Master Of Reality von Black Sabbath. Am 5. Februar 1971 begannen die Aufnahmen für die Scheibe…

Hört euch Master Of Reality hier an und lest weiter…

1971 sind Black Sabbath schon Stars, nachdem ihr zweites Album Paranoid  im Vorjahr durch die Decke gegangen war. Für ihr drittes Werk steht ihnen deshalb mehr Zeit und Freiraum zum Experimentieren zur Verfügung. So stimmt Tony Iommi seine Gitarre nochmal ein Stück runter, insgesamt um drei Halbtöne auf ein sattes C#. Damit sucht er einen „größeren, schwereren Sound“, reduziert aber auch die Saitenspannung und die Schmerzen, die beim Spielen mit seinen abgetrennten Fingerkuppen hat. Bassist Geezer Butler tut es ihm gleich.

Dröhnsound-Vorlage

Heutzutage gehört Runterstimmen zum guten Ton, früher war das aber ungewöhnlich – und klingt deshalb auch ungewöhnlich hart in den Songs Lord Of This World, Into the Void und Children Of The Grave. Vor allem in letzterem hört man die galoppierenden Shuffle-Rhythmen, die Volbeat und viele andere heute gerne spielen. Insgesamt nehmen die Stücke von Master Of Reality viel von dem Stoner-Rock voraus, der in den Neunziger mit Bands wie Kyuss bekannt wurde, und auch den schon auf der ersten beiden Werken anklingenden Doom-Sound verfeinern Sabbath hier. Die Wichtigkeit von Master Of Reality für Stoner, Sludge, Doom und andere fies-geile Dröhnsounds lässt sich deshalb nicht überbewerten.

Die Aufnahmen starten am 5. Februar 1971 und dauern bis in April. Sie finden statt in den Island Studios in London, wo auch 13 Jahre später die Charity-Single Do They Know It’s Christmas von Band Aid aufgenommen wird. Die Produktion übernimmt wie schon bei den ersten beiden Scheiben Rodger Bain. In seiner Autobiografie I Am Ozzy berichtet Sänger Ozzy Osbourne, dass er sich nicht an viel aus dieser Zeit erinnern kann – außer zum Beispiel an den Song Sweet Leaf, dessen Text Geezer „über das ganze Dope geschrieben hat, dass wir damals geraucht haben“. In der Tat huldigt die Nummer den Freuden des Marihuana-Konsum und beginnt mit einem fetten Hustenanfall. Der stammt von Iommi, der mit einer besonders kräftigen „Kräuterzigarette“ von Ozzy nicht klarkam.

In den USA gelten sie als Satanisten

Mit Solitude haben Sabbath sogar eine wundervolle, tieftraurige Ballade am Start, in der Iommi Gitarre, Flöte und Piano spielt. Mit dem mittelalterlich klingenden Embryo und dem akustisch geplänkelten Orchid finden sich zwei instrumentale Zwischenspiele, ansonsten regiert das große, mächtige Riff. James Hetfield von Metallica nannte Into The Void einmal sein Lieblingslied von Black Sabbath. Ozzy selbst nennt Children Of The Grave „the most kick-ass song we’d ever recorded“. Als erste Single wird After Forever veröffentlicht, dessen Text den (christlichen) Glauben zum Thema hat. Trotzdem werden die vier Jungs aus Birmingham zu dieser Zeit insbesondere in den USA weiter gerne als Satanisten betrachtet.

Das Album erscheint schließlich am 21. Juli 1971 mit einem ikonischen Siebziger-Artwork, in der ersten Vinyl-Auflage sogar mit geprägten Lettern. Die Kritik findet die Scheibe mehrheitlich mies, trotzdem gibt es alleine in den Staaten eine halbe Million Vorbestellungen. Das langt für Platz acht und verschafft der Band ihr erstes und letztes US-Top-Ten-Album bis zum Abschiedswerk 13 über vier Jahrzehnte später.

Tourposter von 1971.

Grundpfeiler des Lauten

Die Menge an Coverversionen lässt sich kaum überblicken, Songs von Master Of Reality haben neu aufgenommen und/oder live gespielt: Biohazard, Cathedral, Shelter, Corrosion Of Conformity, White Zombie, Stone Sour, Racer X, Neurosis, Soundgarden, Kyuss, Alice In Chains, Ugly Kid Joe, Godsmack, Candlemass, Monster Magnet, Melvins und Orange Goblin. Die Band Masters Of Reality hat sich sogar für ihren Namen vom Sabbath-Album inspirieren lassen, ebenso die Kapellen After Forever und Orchid. In der Welt des Harten und Lauten gehört Master Of Reality zweifelsohne zu den Grundpfeilern. Wie so oft sind wir deshalb der Meinung: Gehört nicht nur in jeden Haushalt, das sollten Kinder auch schon in der Schule hören.

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Zeitsprung: Am 25.9.1972 lassen es Black Sabbath für „Vol. 4“ krachen.

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