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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.7.1984 überraschen Metallica mit „Ride The Lightning“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.7.1984."

von Christof Leim

Was für ein Quantensprung: Metallica gehören 1984 noch zum Metal-Underground, doch mit ihrem Zweitwerk Ride The Lightning nehmen sie bereits deutlich sichtbar Anlauf für Größeres. Am 27. Juli 1984 erscheint die Platte, hier ist ihre Geschichte.

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Zur Lektüre gibt’s hier das Album zu hören:

Mit Kill ‘Em All hatten die drei Kalifornier und der Däne im Vorjahr die Initialzündung für den Thrash Metal abgeliefert, ein ebenso brutal wie präzise ballerndes Manifest einer neuen Zeitrechnung für alle Headbanger. Auf dem Nachfolger zeigen sie ein erstaunliches musikalisches Wachstum, geballert wird aber immer noch. Keiner der Musiker ist zu diesem Zeitpunkt älter als 22. Diese Verbesserung liegt vor allem an den beiden „neuen“ Mitmoshern: Bassist Cliff Burton und Leadgitarrist Kirk Hammett gehörten noch nicht zum Aufgebot, als die Songs von Kill ‘Em All entstanden. Diesmal können sie mitwirken und schreiben an sechs (Cliff) bzw. vier (Kirk) von acht Stücken mit. (Sogar Ex-Kollege Dave Mustaine, der vor Kill ‘Em All rausgeflogen ist und später Megadeth gründet, bekommt noch zwei Credits.)

Cliff als Lehrmeister

Vor allem Cliff Burton, der Älteste der Vier, macht sich bemerkbar. Natürlich sind die beiden Chefsongwriter Lars Ulrich und James Hetfield insgesamt seit dem Debüt gereift, aber Cliffs breites musikalisches Spektrum, das über jugendliches Gerocke hinausgeht, sorgt deutlich für mehr Tiefe und Vielfalt. Er bringt seinen Kollegen die Grundlagen der Musiktheorie bei, was die anderen in den folgenden Jahrzehnten immer wieder betonen.

Die waren damals echt noch klein: Metallica 1984 – Pic: Fin Costello/Redferns

Vor allem fällt auf, dass Metallica auf Ride The Lightning nicht durchgehend das Gaspedal durchdrücken wie auf dem Debüt. Es gibt generell mehr Abwechslung, aufwändigere Arrangements, Tempowechsel, Midtempo-Stampfer, Akustikgitarren, Instrumentalpassagen und verstärkt Mehrstimmiges. Hetfield schreit zwar immer noch rum, klar, denn der Metal muss fließen, aber er kann es besser als früher. Mit dem klassisch inspirierten Intro von Fight Fire With Fire, das wie von einem Kammerensemble mit Akustikgitarren klingt, hätte jedenfalls niemand gerechnet. Was natürlich nichts daran ändert, dass nach 40 Sekunden ein kapitales Thrash-Riff losmetert, dass das Geboller vom Erstwerk sogar noch übertrifft. Aber eins nach dem anderen….

Ab nach Dänemark

Für die Aufnahmen reisen Metallica bis nach Dänemark: Drummer Lars hat sich das Sweet Silence Studio in Kopenhagen ausgesucht, weil ihm die Arbeit von Produzent Flemming Rasmussen auf der Rainbow-Platte Difficult To Cure (1984) gefallen hat. Der hört sich die Demos an und bescheinigt der Band seinerseits großes Potenzial. Angekommen im kalten Europa verpassen die Burschen dem neuen Material zunächst im Proberaum von Mercyful Fate einen Feinschliff und schreiben noch weitere Songs. Drei Wochen arbeiten die vier Krachpiloten mit Rasmussen an der Platte, dann ist das Ding im Kasten. Viel Geld für Hotels gibt es nicht, also schlafen Metallica im Studio und auf diversen Sofas.

Klassikeralarm

Heraus kommen acht Stücke, die heute zur Metal-Grundausstattung gehören: Das bereits erwähnte Fight Fire With Fire führt ein klassisches Intro, hochwertige Thrash-Riffs und ausgefuchste Gitarrenharmonien zusammen; textlich bewegt sich Hetfield noch im Fahrwasser der Zeit, denn er singt, wie es sich gehört, über die Apokalypse. Beim forsch dahinmarschierenden Titeltrack Ride The Lightning zuckt anschließend der Nackenmuskel, während die Band musikalisch aufdreht: Sechs Minuten dauert die komplexe Nummer mit vielen Parts und einem majestätischen Soloteil, in dem Kirk seine Klasse zeigt. Thema diesmal: Der Tod eines Verurteilten auf dem elektrischen Stuhl, was ein bisschen an das Galgeneops Hallowed Be Thy Name von Iron Maiden erinnert. (Hat keiner gesagt, dass es hier um „shiny happy people“ geht.)

Die erste Überraschung heißt For Whom The Bell Tolls und erweist sich als ein langsamer Stampfer mit sehr übersichtlichen Riffs und einer markanten Lead-Bass-Melodie im Intro. Das funktioniert: Die Nummer gehört heute noch zu den Setlist-Standards und wird von einer Fantastillion Nachwuchsbands als Metallica-Einstieg gespielt.

So richtig brechen Metallica mit der (noch kurzen) Tradition des Thrash Metal aber in Fade To Black – einer so genannten „Power-Ballade“. Schockschwerenot! Gezupftes Akustikgeplänkel geht über in majestätische Powerchords, Harmoniegitarren und ausufernde Soli zwirbeln sich in die Lüfte zu einem dramatischen Instrumental am Ende, und der Frontmann singt – ja, singt! – sogar. Der Text wurde inspiriert vom Diebstahl des gesamten Band-Equipments im Januar 1984 in Boston; daraus schafft Hetfield eine bedeutungsschwere Stimmung der Verzweiflung.

Der Balladenschock

Fade To Black mausert sich zwar rasch zu einem Höhepunkt von Metallica-Shows und wird lange Jahre in der Setlist festgenagelt, aber der wilde Thrash-Untergrund wittert Verrat. Das heißt: Schon damals (!) mussten sich Metallica anhören, sie seien nicht mehr „true“ und hätten „ausverkauft“. Glücklicherweise zeigen sich die vier Langhaarigen davon unbeeindruckt und verkaufen tatsächlich aus, nämlich zuerst Clubs, dann Hallen, dann Stadien…

Zum Glück startet die zweite Plattenseite mit einem schnellen Brecher: Trapped Under Ice enthält ein paar Riffs aus einem alten Demosong namens Impaler von Kirks früherer Band Exodus, die Metallica-Version bietet feinen Thrash, der allerdings selten zu Live-Ehren kommt. Bis heute (Juli 2019) wurde Trapped Under Ice nur ein paar Dutzend mal gespielt. Und das ist immer noch öfter als Escape: Erst ein einziges Mal (!) stand die Nummer auf einer Metallica-Setlist, und zwar 23. Juni 2012 beim bandeigenen Orion Music & More-Festival. Das mag daran liegen, dass Hetfield den Song angeblich überhaupt nicht leiden kann, weil damals die Plattenfirma auf mehr Radiofreundlichkeit gepocht haben soll. In der Tat klingt Escape eingängig mit seinem klassischen Rock’n’Roll-Text über den Wunsch nach Freiheit, aber Spaß macht das trotzdem.

Die! Die! Die!

Mit Creeping Death schließlich feuern Metallica einen Metal-Klassiker für die Ewigkeit ab, einen flott nach vorne donnernden Song mit XXL-Refrain, Sahnesolo und monströsem Mittelteil. Bei fast jedem Konzert zeigt sich: „Die! Die!“ kann man ganz hervorragend mitbrüllen. Creeping Death wird sogar als Single veröffentlicht, die B-Seiten heißen Am I Evil? (Diamond Head) und Blitzkrieg (Blitzkrieg). Fast keinen Song sollten Metallica in den nächsten Dekaden öfter live spielen.

Dass das Quartett musikalisch aufgerüstet hat, zeigt sich nirgends deutlicher als im Instrumental The Call Of Ktulu zum Abschluss. Hier darf Cliff mit einem Basssolo brillieren, neun Minuten lang ziehen Metallica hier in einen stimmungsvollen Mahlstrom aus Riffs und Soli. Sowas können die anderen frühen Thrash-Bands (noch) nicht. 2001 gewinnt die Nummer im Orchesterarrangement von Michael Kamen für die S&M-Platte sogar einen Grammy.

Elektrisiert

Ride The Lightning erscheint am 27. Juli 1984 und begeistert die Metal-Szene. Das Album schafft es sogar auf Platz 100 der Billboard-Charts, und zwar ohne jedweden Radioeinsatz oder sonstige Mainstream-Anbindung. Daraufhin wird das Majorlabel Elektra Records hellhörig, nimmt die Band unter Vertrag und veröffentlicht die Scheibe erneut in größerem Rahmen. Damit entwachsen Metallica dem Indie-Label Megaforce, dem sie ihren Aufstieg zu verdanken haben, das aber zusehends an seine Grenzen stößt. Und natürlich gehen die Herren umgehend auf Tour: Ab November 1984 sind sie unter dem Banner „Bang That Head That Doesn’t Bang“ in Europa unterwegs mit Tank im Vorprogramm, von Januar bis März 1985 mit W.A.S.P. und Armored Saint in den USA. Im Sommer spielen sie dann noch bei den Monsters Of Rock in Castle Donington vor 70.000 Zuschauern und beim Day On The Green im heimischen San Francisco. Am 14. September 1985 gastieren sie schließlich auf der Loreley im Rahmen des Metal Hammer-Festivals (wo ein neuer Song namens Disposable Heroes Premiere feiert).

Mit Ride The Lightning sind Hetfield, Ulrich, Hammett und Burton ein Stück weiter Konkurrenz, die damals erst ein vergleichsweise rudimentär rumpelndes Debüt auf dem Markt hat (Slayer, Anthrax) oder noch daran arbeitet (Megadeth, Exodus). Wie schon mit Kill ‘Em All beeinflussen Metallica mit dem zweiten Album den Heavy Metal maßgeblich und nachhaltig. Ein Plan steckt nicht dahinter, es läuft eher so: Vier blutjunge Typen folgen ihren Instinkten und trinken dabei viel Bier. Es passt halt zufällig alles ganz hervorragend zusammen.

Schon im Folgejahr führen unsere Helden mit Master Of Puppets (die wirklich komplette Geschichte dazu gibt es hier) ihre neu gefundene Formel weiter und schießen damit noch weiter nach vorne. Den größten Sprung ihrer frühen Jahren haben sie aber auf dem Weg zu Ride The Lightning gemacht.

„…And Justice For All“ von Metallica: Die Sache mit dem Bass

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Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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Zeitsprung: Am 24.5.1974 erscheint „Diamond Dogs“ von David Bowie.

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Diamond Dogs

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.5.1974.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit seinem achten Studioalbum Diamond Dogs hat David Bowie am 24. Mai 1974 eine seiner wechselhaftesten, aber auch interessantesten Platten veröffentlicht. Als eine der Vorlagen dient der berühmte Roman 1984 von George Orwell. Ein paar Kompromisse musste Bowie allerdings eingehen.

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Hört hier Diamond Dogs:


Als David Bowie Anfang 1974 zu seinem achten Wurf ansetzt, liegt die Beerdigung seiner wohl bekanntesten Kunstfigur Ziggy Stardust gerade einmal ein halbes Jahr zurück. Für Diamond Dogs kramt der britische Musiker den Charakter schon wieder hervor, wenn auch unter dem Namen Halloween Jack. Zumindest sind optische Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte beginnt allerdings bei einer der berühmtesten Dystopien aller Zeiten.



Heute wissen wir: George Orwells Jahrhundertwerk 1984 wurde von der Realität in vielerlei Hinsicht nicht nur ein-, sondern sogar überholt. Zu Beginn der Siebziger treibt David Bowie eine Begeisterung für den gesellschaftskritischen Roman um, sogar auf die Bühne möchte er das Buch bringen. Weil er nicht die nötigen Rechte dazu erhält, setzt er auf einen alternativen Plan und will das fremde Material mit seinen eigenen Vorstellungen einer postapokalyptischen Welt verschmelzen. Das Ergebnis: Songtitel wie 1984 oder Big Brother. Später mischt er die Ideen dann doch mit thematisch weiter gefassten Entwürfen, wodurch sich das Album zu einer komplexen und bunt gemischten Sache entwickelt.

Bowie während der Tour zu Diamond Dogs im Juni 1974 – Pic: Promo/MainMan

Auf der Plattenhülle sieht man Bowie als Fantasiewesen, zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Hund. Nach Erscheinen löst diese Zeichnung des belgischen Malers Guy Peellaert eine Kontroverse aus, denn öffnet man das komplette Cover, kommen in der Urfassung die Genitalien des Geschöpfes zum Vorschein. Das geht natürlich nicht, also wird das Album schnell wieder vom Markt genommen und die entsprechende Stelle übermalt. Heute wechseln Originalexemplare für mehrere Tausend Euro den Besitzer.



Musikalisch orientiert sich die Platte teilweise am Glam der vorherigen Kompositionen Bowies. Mit Songs wie Rock ‘n‘ Roll With Me, 1984 oder Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (Reprise) liefert der Ausnahmekünstler allerdings auch einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre. Für letzteres Lied bedient er sich erstmals der Cut-Up-Technik, die vor allem von Autor Williams S. Burroughs bekannt gemacht wurde. Bei dieser Methode werden Texte in ihre Bestandteile zerlegt, um sie anschließend neu zusammenzusetzen — ein Vorgehen, das Bowie weitere 25 Jahre begleiten soll und viele seiner Songs prägt.



Mit Diamond Dogs schafft Bowie gerade rechtzeitig den schrittweisen Absprung vom Glam Rock, der in den Jahren danach zu einer Talfahrt ansetzt, von der er sich nicht mehr erholt. Laut eigener Aussage handelt es sich bei Diamond Dogs um noch deutlich mehr, nämlich ein „sehr politisches Album. Mein Protest. Es entspricht mir mehr als all meine bisherigen.“ In den britischen und in den kanadischen Charts erreicht die Scheibe Platz eins, in den USA Platz fünf — zu jener Zeit Bowies Bestwert.

Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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