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Popkultur

So war’s: Ozzy Osbourne live in Oberhausen 2018

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Jetzt will er wirklich in den Ruhestand: Unter dem Banner „No More Tours 2“ zieht Ozzy Osbourne noch einmal um die Welt und gibt am 28. Juni 2018 in Oberhausen sein laut Ankündigung letztes Deutschlandkonzert. Nach langer Pause begleitet ihn dabei wieder Gitarrengott Zakk Wylde. Wir haben uns die Show angesehen – und angesichts der großartigen Performance und eines bestens aufgelegten Sängers fast ein Tränchen verdrücken müssen. Let the madness begin!

von Christof Leim

Hier könnt ihr die Setlist des Abends nachhören:


Wenn Ozzy nur eine Show in Deutschland spielt, dann kommen sie von überall: Fans aus Hamburg, Berlin und Süddeutschland reisen in den Pott, gefühlt ist jeder da, der etwas von Krachmusik versteht. Die ungefähr 11.000 Besucher füllen die König-Pilsener-Arena so bis zum letzten Platz hinten oben. Eine deutliche Sprache sprechen dabei die getragenen Shirts: Ozzy ist der König, Black Sabbath sind die königliche Familie, heute feiern die Kenner. Das durchschnittliche Alter liegt deutlich über 30.



Erst am 17. Januar 2017 hatte Ozzy seine finale Deutschland-Show mit Sabbath gegeben, sein letzter Gig hierzulande als Solokünstler fand 20. Juni 2012 im Rahmen der Ozzy & Friends-Tour in Mannheim statt. Es wird also mal wieder Zeit. Doch bevor die Fans ihren Helden bestaunen können, dürfen sie mit Kadavar eine laute Zeitreise in die Siebziger unternehmen. Die drei Berliner fahren einen wuchtigen Retro-Dröhn-Sound mit Stoner-Schräglage, der zu Beginn packt, mit der Zeit allerdings immer mehr ins Monotone abdriftet. Dass die Band für eine Vorgruppe ungewöhnlich eine ganze Stunde spielen darf, hilft da nicht. Doch die drei Bartträger bringen mit viel Einsatz und wehenden Mähnen große Teile des Publikums auf ihrer Seite, vielleicht auch, weil hier einige Nuancen von frühen Black Sabbath mitschwingen. Das geringelte Gitarrenkabel wirkt jedenfalls mehr als authentisch, Nummern wie Die Baby Die machen schon Spaß.

Der Meister selbst begrüßt uns durch ein kleines Filmchen mit Szenen aus seiner Karriere. Ein großes Kreuz dominiert jetzt die Bühne, flankiert von hohen Verstärkerwänden. Als Carl Orffs Carmina Burana ertönt, das obligatorische Intro, wissen die Fans: Es geht los! Ozzy stürmt in einem lilafarbenen Glitzermantel alleine auf die Bühne, rennt zum Mikro, begrüßt die Menge und ruft: „Let the madness begin!“ Bark At The Moon eröffnet den Reigen an Hits, gefolgt von Mr. Crowley und I Don’t Know. Ozzy erweist sich dabei als bestens gelaunt, wirft nach dem ersten Stück den Mantel von sich und fordert in jetzt natürlich komplett schwarzen Klamotten mit Glitzer-Fledermaus auf der Brust die Menge immer wieder lachend zum Armeschwingen und Klatschen auf. Gut singt er heute, selbst wenn er bei manchen Stellen ab und an doch daneben liegt. Macht aber nichts und ist egal.

Credit: Björn Luig

Mit Fairies Wear Boots folgt der erste Black Sabbath-Song, der sich hervorragend ins Set einfügt. Die vertrackte Nummer von 1970 aus der zweiten Reihe der Sabbath-Klassiker hatten sich zwei Dutzend Fans schon nachmittags beim Soundcheck als Teil eines Bonuspakets anhören können. Hier hatte Gitarrist Zakk Wylde kompetent die Vocals übernommen, bevor Ozzy bei Bark To The Moon dazugestoßen war und anschließend Fotos mit den Besuchern gemacht hatte.

Auf der Bühne abends legt Suicide Solution („ein Stück über das Alkoholproblem, das ich mal hatte“) sogar noch eine Schippe drauf. Mittlerweile lassen die Fans nach jedem Song laute „Ozzy! Ozzy!“-Rufe erschallen. Man kann festhalten: Die Stimmung ist bestens in Oberhausen. Das hat auch mit der Band zu tun: An den Drums sitzt Tommy Clufetos, der schon bei Black Sabbath gespielt hatte und erneut ordentlich Wumms bringt. Den Bass bedient Ozzys langjähriger Mitstreiter Rob „Blasko“ Nicholson (ehemals bei Rob Zombie), die Keyboards bedient Adam Wakeman.

Vor allem einer aber verpasst dem Sound seine Godzilla-Größe: Gitarrist Zakk Wylde, der zurückgekehrte Ziehsohn, der 1987 als 20-Jähriger in Ozzys Band eingestiegen, aber zuletzt nicht mit seinem Chef unterwegs gewesen war. Wylde sieht mit seinem Zottelbart und der wilden blonden Mähne zwar aus wie ein Wikinger, der nach ordentlich Met und Brandschatzen in einer Hecke übernachtet hat und jetzt wieder angreifen will. Doch an seinem Instrument ist er ein Ass, ein hochkompetenter Musiker mit Ausdruck, Bühnenpräsenz und beängstigenden technischen Fähigkeiten. Sein Solo bildet sogar einen Höhepunkt des epischen und laut mitgesungenen No More Tears, daneben zockt der Mann das Material seiner Vorgänger Randy Rhoads und Jake E. Lee souverän und mit Extrapfund runter. Während er bei seiner eigenen Band Black Label Society den Gitarrenwahnsinn oft überdreht, bleibt er hier songdienlich nah an den Vorlagen. Und an den Schottenrock gewöhnt man sich irgendwann.



Mit Road To Nowhere steht die erste Ballade auf der Setlist: Dazu bewegen sich Tausende gereckte Arme im Takt, unzählige Handylichter schmücken das Auditorium, und so ziemlich jeder singt mit. Wie die Leute anschließend im Sabbath-Schlachtross War Pigs die markanten ersten Zeilen („Generals gathered in their masses“) mitmachen, kommt ebenfalls sehr, sehr cool.

Danach richten sich die Spots auf Zakk für das große Gitarrensolo: Wilde Läufe und quietschende Licks bilden ein Feuerwerk an Tönen, befeuert durch ein Vibrato so groß wie die Stadt, mit den Zähnen gespielt oder mit der Axt hinter dem Kopf – der Mann gibt Gas. Dafür steigt er sogar in den Graben, so nah ans Publikum wie möglich – „taking drink orders“ nennt er das selbst. Das beeindruckt zunächst, doch den Punkt, an dem das langweilig wird, überfährt er einfach. Immerhin baut der Meister noch ein paar Riffs ein, die heute Abend nicht zum Zuge kommen, etwa Miracle Man, Perry Mason und Crazy Babies, bevor Tommy Clufetos noch ein kompetentes Drumsolo raushaut. Überhaupt fehlen natürlich einige Ozzy-Alben auf der Setlist, etwa Zakks Einstand No Rest For The Wicked (1988) und alles nach No More Tears (1991). Kein Song ist heute jünger als 27 Jahre.



Mit I Don’t Want To Change The World (mitgeschrieben von Lemmy Kilmister höchstselbst!) kehrt Ozzy auf die Bühne zurück. Er stellt seine Band vor, nennt Zakk den Mann, „der die Schallmauer an der Gitarre durchbrochen hat“, und fordert die Fans auf, nochmal „extra fucking crazy“ abzugehen. Das fällt bei Shot In The Dark und dem Überhit Crazy Train als Abschluss des regulären Sets gar nicht mal schwer, Mitsingalarm und fette Flammenprojektionen im großen Kreuz eingeschlossen. Dabei schüttet Ozzy wie früher eimerweise Wasser in die Menge, geht anschließend auf die Knie und verbeugt sich vor seinem Publikum. Das kommt der Bitte, ordentlich laut „One more song!“ zu fordern, gerne nach, also kehrt die Band für Mama, I’m Coming Home auf die Bühne zurück. Jetzt bietet sich wieder die Gelegenheit für die Feuerzeuge (oder Handylichter), daneben verleihen bunte Laser der Arena ein fast festliches Antlitz. Das obligatorisch abschließende Paranoid knallt nochmal alles weg, bevor Ozzy und seine Band sich nach 90 Minuten verabschieden.



Damit endet ein überraschend grandioses Konzert, durchschlagend in Darbietung und Produktion, voll von Freude an guter Musik, aber ohne Muss-man-halt-nochmal-gesehen-haben-Abstriche. Und das soll also nun die letzte Ozzy-Show in Deutschland gewesen sein? Man kann hier durchaus auf die kleine „2”  in „No More Tours 2“ hinweisen und anmerken, dass unser liebster Madman vor gut 20 Jahren schon mal seinen Ruhestand angekündigt hatte. Der hielt aber nicht lange, es folgte ziemlich rasch die „Retirement Sucks“-Tour. Doch im Dezember 2018 wird der Meister 70, irgendwann muss leider Schluss sein. Black Sabbath haben bereits aus gesundheitlichen Gründen die Instrumente an den Nagel gehängt, und solo kann unser Mann ebenfalls nicht ewig weitermachen. Wenn er und seine Band dermaßen in Form sind, dann ist das echt schade. Heute Abend hat er selbst auf der Bühne erklärt: „Das Beste ist und war immer, dass ich für euch spielen durfte! Ich liebe euch alle!“ Wir dich auch, Ozzy.


Setlist:
Bark at the Moon
Mr. Crowley
I Don’t Know
Fairies Wear Boots
Suicide Solution
No More Tears
Road to Nowhere
War Pigs
Guitar Solo
Drum Solo
I Don’t Want to Change the World
Shot in the Dark
Crazy Train
+++++++++
Mama, I’m Coming Home
Paranoid


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