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Interview mit Metal-Legende Mercyful Fate: „Ich habe mich seit 1981 nicht weiterentwickelt“

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Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Es wäre ihr Sommer gewesen: Corona hat auch die Pläne der finsteren Metal-Legende Mercyful Fate gehörig durchkreuzt. Die Dänen lassen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und schicken einfach ein paar schicke Neuauflagen ins Rennen. Und zu erzählen gibt es ja eh immer was, wie ein gewohnt vergnüglicher Hank Sherman mal wieder beweist.

von Björn Springorum

Sie haben Metallica beeinflusst, waren mit Motörhead auf Tournee und haben dem finsteren Sujet des Black Metal ein visuelles Lehrbuch an die Hand gegeben: Mercyful Fate sind eine jener Metal-Legenden, deren Ruf immer schon größer war als sie selbst. Gitarrist und Komponist Hank Sherman stört das nicht. Im Gegenteil: Knapp 40 Jahre nach Bandgründung ist er immer noch voller Eifer für die Band, die er gemeinsam mit Make-Up-Monarch King Diamond gegründet hat. Nach der einen oder anderen Auflösung und Reunion haben sich die beiden jetzt wieder zusammengefunden. Und hätten unter normalen Umständen auch schon neue Musik veröffentlicht und Konzerte gespielt. Aber normal, das wissen wir längst, ist ja bekanntlich gar nichts derzeit.

Hank, wie steht es denn jetzt eigentlich um euer drittes Comeback?

Wie alle anderen, sind natürlich auch wir von diesem Virus betroffen. Wir bekamen schon im Februar das Gefühl, dass das nicht gut gehen wird. Natürlich kann man da eh nichts machen, aber du kannst dir unsere Enttäuschung sicherlich vorstellen. Wenn du solange deine Comeback-Konzerte planst, wenn du so viel Zeit und Leidenschaft in neue Mercyful-Fate-Songs gesteckt hast, ist das einfach ein herber Rückschlag. Aber na ja, wir haben so viele Jahre auf unsere Rückkehr gewartet, da machen uns diese paar Monate jetzt auch nichts mehr aus.

Auf die neuen Songs müssen wir also ebenso warten wie auf die Konzerte?

So sieht es derzeit jedenfalls aus, ja. Normalerweise hätten wir schon Anfang Juni eine neue Single veröffentlicht, aber das verkneifen wir uns jetzt erst mal. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass wir mit Mercyful Fate noch in diesem Jahr etwas Neues herausbringen werden. Was dann mit dem Album passiert, müssen wir noch sehen: Es steht ja auch eine neue Platte von King Diamond an, und diese Dinge wollen gut abgesprochen sein.

Was kannst du uns denn über das kommende Mercyful-Fate-Album sagen?

Bislang habe ich sechs oder sieben Songs zusammen. Wir schreiben gerade eine Platte, die zurück zu unseren Wurzeln geht. Wir wollen diesen alten Vibe wieder, diese Aura. Die bisherigen Stücke würde ich als Mischung aus unserer ersten EP Mercyful Fate und unserem Debüt Melissa beschreiben. Es geht also zurück in die ganz frühen Achtziger!

Eure Anfänge liegen fast 40 Jahre zurück, du bist heute Anfang 60 und nicht mehr Anfang 20. Wie versetzt man sich denn wieder in diese Stimmung?

Diese Art von Musik liegt mir im Blut. Ich habe ja immer schon den überwiegenden Teil des Materials geschrieben, ich kann also gar nicht anders. Man könnte es auch so sagen: Ich habe mich seit 1981 nicht mehr weiterentwickelt. (lacht) Ich habe sogar ein exaktes Duplikat der Gitarre auftreiben können, mit der ich Melissa und Don‘t Break The Oath eingespielt habe. Es ist also eher unmöglich, nicht wieder in diese Stimmung zu kommen.

Was für eine Gitarre ist das?

Als wir unsere erste EP 1982 in London aufnahmen, flog ich ohne Gitarre nach England. Ich ging also in den nächstbesten Gitarrenladen, der mit eine Flying V verkaufte. Ich war aber eben ein riesiger Fan von Uli Roth und Ritchie Blackmore, also wollte ich dann natürlich eine Fender Stratocaster haben. Dafür hatte ich damals aber natürlich keine Kohle, also besorgte ich mir im Frühling 1983 eine deutlich günstigere Stratocaster von Morris. Mit der nahm ich dann Melissa und Don‘t Break The Oath auf. Und vor etwa einem halben Jahr stolperte ich über einen Anbieter, der das exakt selbe Modell in bester Verfassung zum Verkauf anbot. Ein Zeichen, kein Zweifel.

Wie erklärst du dir den ungebrochenen Einfluss und den massiven Kultstatus, den Mercyful Fate fast 40 Jahre nach ihrer Gründung immer noch haben?

Wir waren jung, Anfang 20, und hatten keinerlei Grenzen. Ich konnte an nichts anderes denken als ans Komponieren. Ich konnte sogar nicht einschlafen, weil mich ein Song verfolgte. Wir wollten uns nicht festlegen, wollten nichts ausschließen. Wir haben unsere Wurzeln in der Punk-Bewegung, mochten aber auch damals schon melodischen Rock und düstere, unheilvolle Musik. Das kam alles wie von selbst zusammen, gekrönt von King Diamond, der nun mal so klang wie keiner vor ihm.

Nicht zu vergessen, die okkulte Aufmachung und der unverhohlene Flirt mit dem Satanischen. Das war auch neu damals…

Stimmt. Das ist alles King Diamond zu verdanken. Ihm ging es aber immer schon eher um das Entertainment. Er wollte Gruselgeschichten erzählen und bei dieser Band das machen, was sein Herz ihm sagt. Wenn man so will, ist er damit ziemlich linientreu mit den Aussagen der Satanischen Bibel. Nicht, dass wir uns als Satanisten sahen; es gab da aber eine Menge interessante Dinge, die wir nur zu gern aufnahmen und auch sehr früh in unsere Shows einfließen ließen. Ich denke, das hat uns durchaus mehr Aufmerksamkeit eingebracht als anderen Bands.

Im eiskalten Winter 1984 wart ihr mit Motörhead live unterwegs in Deutschland. Welche Erinnerungen hast du daran?

Oh, eine Menge! Nachdem wir mit Don‘t Break The Oath ziemlich viel Aufmerksamkeit bei unserer Amerika-Tournee generieren konnten, bekamen wir auf einmal jede Menge Anfragen. Wir hatten zeitweise drei Manager gleichzeitig und wussten gar nicht, was wir zuerst beantworten sollten. Direkt nach Weihnachten ging es dann für uns nach Deutschland für die Christmas Metal Meetings. Mann, waren das abgefahrene Shows! Motörhead, H.E.A.T. und Girlschool waren auch dabei und wir hatten eine wirklich gute Zeit in der Eiseskälte. Aber natürlich ging auch eine ganze Menge schief. Nach einer Show waren wir in unserem Hotel in Bad Rappenau und wurden vollkommen eingeschneit. Wir mussten aber weiter nach Nürnberg – und ich war der Fahrer! Also schaute ich mir die Strecke auf einer Landkarte an und fuhr los. Als wir in Nürnberg ankamen, fiel uns zunächst mal auf, wie ruhig alles war. Kleines Dorf, keine Menschenseele auf der Straße unterwegs. Als es uns so langsam wirklich seltsam vorkam, ging unser Tourmanager in eine Telefonzelle und erledigte einige Telefonate. Wie sich herausstellte, waren wir in das falsche Nürnberg gefahren! Irgendwie haben wir es aber doch noch zur Show geschafft.

Mit euren frühen Werken habt ihr Bands wie Metallica oder Slayer beeinflusst. Ein solcher Erfolg war euch nie bescheiden – kann das nicht auch mal frustrierend sein?

Ich sehe das entspannt. Metallica haben einfach viel mehr Gas gegeben als wir, waren ständig auf Tour. Und verdammt gute Songs konnten sie auch schreiben. Sie haben einen Klassiker nach dem anderen veröffentlicht, die im Metal genreübergreifend gut ankamen. Bei Mercyful Fate ist vielen der Gesang zu speziell, würde ich mal vermuten. Außerdem waren wir ja nur eine Handvoll Jahre zusammen, bis wir uns das erste Mal auflösten. Wer weiß also, was passiert wäre…

Zeitsprung: Am 18.4.1987 geht „Headbanger’s Ball“ auf Sendung.

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Zeitsprung: Am 29.1.1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer besten Freundin.

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Foto: Ebet Roberts/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.1.1982.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Trauer lässt Menschen merkwürdige Dinge tun. Da bilden auch Rockstars keine Ausnahme: Am 29. Januar 1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer kürzlich verschiedenen besten Freundin und sorgt für enorm hoch gezogene Augenbrauen. Als Teil der für Drogeneskapaden bekannten Band Fleetwood Mac gar nicht so einfach… 

Hört euch hier Bella Donna an, Stevies erstes Soloalbum von 1981: 

Nun ist es nicht gerade so, dass Stevie Nicks in ihrer Karriere keine Skandale vorweisen kann. Als Mitglied von Fleetwood Mac gibt sie laut eigenen Angaben zwischen 1977 und 1986 mehrere Millionen für Kokain aus, begibt sich in einen Beziehungsreigen mit Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood und einem nicht geringen Anteil der Eagles und wechselt schließlich auf das Beruhigungsmittel Clonazepam.

Kosmisches Gleichgewicht

Währenddessen zeigt sich die ätherische Meisterin des Rock mitverantwortlich für Werke wie das Album Rumours von Fleetwood Mac, das das genannte Liebeswirrwarr schmerzhaft aufarbeitet, oder das zeitlose Landslide. Der Entzug gelingt ihr beide Male, viele Musikerinnen nennen sie heute als wichtigen Einfluss, und nebenher engagiert sich Nicks ehrenamtlich. Eigentlich hält sich in ihrem Kosmos also alles die Waage.

Doch 1982 gerät das Gleichgewicht ins Schwanken. Kurz nach der Veröffentlichung ihres Solodebüts Bella Donna erhält die Musikerin die traurige Nachricht, dass ihre beste Freundin Robin Anderson an Leukämie erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Ein heftiger Schicksalsschlag für alle Beteiligten, der durch Andersons Schwangerschaft noch mehr Schwere erhält. Nicks, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch benebelt durchs Leben schwebt, kann die Situation kaum ertragen: „Ich war so auf Koks. Ich trank auf dem Weg (ins Krankenhaus) eine halbe Flasche Brandy, weil ich es nicht aushalten konnte.“

Kurzschlussreaktion Ehe

Anderson bringt mit letzter Kraft ihren Sohn Matthew zur Welt, verstirbt jedoch nur drei Tage später. „Ich hatte diese verrückte, wahnsinnige Vorstellung, Robin würde wollen, dass ich mich um Matthew kümmere“, erinnert sich Nicks. Weit hergeholt erscheint das nicht, immerhin ernennt man sie zur Patentante. Ihre Interpretation der Aufgabe fällt jedoch etwas besorgniserregend aus: In ihrer Trauer überzeugt sie Andersons Witwer Kim, dass eine Hochzeit die beste Option darstelle. Drei Monate später findet die Eheschließung statt.

„Komplett irre“, weiß die Sängerin heute. „Wir steckten alle knietief in der Trauer, standen völlig neben uns. Die Familien waren außer sich, als sie davon erfuhren; für viele war das Blasphemie. Aber das war mir egal. Mir war nur Matthew wichtig.“ Nicks merkt jedoch recht schnell, dass ihr Urteilsvermögen gerade nicht den besten Job macht. Die seit jeher spirituelle Künstlerin betritt eines Tages das Zimmer des Jungen und spürt die Gegenwart der Verstorbenen: „Es war dunkel, und das Baby war sehr still. Robin wollte, dass das sofort endet. Das habe ich so deutlich gespürt wie eine Hand auf der Schulter.“

„Go your own way“

Keine drei Monate später beendet die „Reigning Queen of Rock and Roll“ die Ehe. Es bleibt ihre einzige: „Die zählt nicht.“ Um den kleinen Matthew aber kümmert sich Nicks wie versprochen. Zwar bleibt der Kontakt zunächst aus, später finanziert sie dem Jungen jedoch das College. Kosmisches Gleichgewicht, eben.

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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Liebesbrief an London: Adeles Debüt „19“ wird 15 Jahre alt

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Adele
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Vor 15 Jahren veröffentlicht eine sehr junge Sängerin namens Adele ihr erstes Album 19. Eine der größten Popkarrieren aller Zeiten beginnt in einem Londoner Kinderzimmer – und wird fast vom Alkohol im Keim erstickt.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr 19 hören:

Adele Laurie Blue Adkins und London, das ist eine ganz besondere Beziehung. Sie wird 1988 in Tottenham geboren, wächst einige Jahre in Brighton auf und kehrt mit zehn nach London zurück. Erst wohnt sie mit ihrer Mutter in Brixton, später in West Nordwood südlich der Themse. Hier verbringt sie ihre Teenagerzeit, ein musikbegeistertes Mädchen mitten in der riesigen Metropole, die perfekte Kombi. Sie und London, das soll sich nie ändern, wenn es nach Adele geht.

Geschrieben in zehn Minuten

Als ihre Mutter ihr nahelegt, die Stadt für ein Studium zu verlassen, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie setzt sich hin – und schreibt binnen zehn Minuten Hometown Glory, ihren allerersten Song. Sie lässt alles raus, ihre Liebe zu dieser Stadt, ihre Angst, sie zu verlassen, die Diskussionen mit ihrer Mutter. „Meine Mom und ich konnten uns nicht einigen, wo ich studieren sollte“, erzählte Adele 2008 in einem Interview. „Sie wollte, dass ich nach Liverpool gehe, ich wollte aber in London bleiben. In gewisser Weise ist Hometown Glory eine Art Protestsong über die Erinnerungen – gute wie schlechte – an seine Heimat. Eine Ode an den Ort, an dem ich mein Leben verbracht habe.“

Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ist ein Glücksfall. Es ist 2007, und der Name Adele spricht sich langsam in Londons Musikwelt herum. Erste Fernsehauftritte steigern den Hype, Singer/Songwriter Jamie T wird auf die junge Dame mit der großen Stimme aufmerksam, bringt ebenjene Ode Hometown Glory im Oktober 2007 in einer limitierten Vinyl-Fassung heraus. Dann geht alles ganz schnell: Aus ihrem Kinderzimmer im Haus der Mutter heraus bekommt Adele den ersten Brit Awards Critics’ Choice-Preis verliehen und wird zur größten Newcomerhoffnung 2008 deklariert.

Da sollte mal jemand so was von Recht behalten: Zwei Wochen vor ihrem Debüt erscheint die Single Chasing Pavements. Die klettert bis auf Platz zwei der Charts und leitet eine neue Ära in der britischen Popmusik ein: Mit 19 erscheint am 28. Januar 2008 eines der wichtigsten und besten Debüts in der Musikgeschichte Großbritanniens. Der Hype ist mittlerweile im ganzen Land greifbar, die Hauptstadt verkündet die Ankunft eines neuen Megastars mit eigenem Kopf und starker Meinung.

„Ich wurde in dieser Zeit zur Frau“

19, benannt nach dem Alter, in dem sie die meisten Songs schrieb, wird zum Instant-Klassiker. Ihre Mischung aus Jazz, Soul und Pop ist feinfühlig und warm, ihre volle, durchdringende Stimme thront über allem, singt die Konkurrenz mühelos an die Wand und erzählt in melancholietrunkener Zerbrechlichkeit von gebrochenen Herzen, Heimweh und großen Träumen.

Zum Titel sagt sie: „Mir ist nichts Besseres eingefallen! Ich finde die Titel von Debütalben extrem wichtig, die besten sind für mich Debut von Björn und Miseducation von Lauryn Hill. Dieses Album repräsentiert mein Alter, mein Leben zu dieser Zeit. Ich war erst 19, als ich es schrieb, und wurde in dieser Zeit zur Frau. Das findet sich in den Songs wieder.“ Mehr noch: Die Art und Weise, wie sie die Vokale in die Länge zieht, markiert einen neuen Stil in der britischen Popmusik. „Adele hat das Potential, zu einer der angesehensten und inspirierendsten Künstler*innen ihrer Generation zu werden“, urteilt Billboard und reiht Adele aus dem Stand zwischen Amy Winehouse und Duffy ein.

Toxische Beziehung und zu viel Alkohol

Mit Amy Winehouse teilt sie anfangs nicht nur die starke Stimme und den Erfolg: Adele trinkt. Viel. Im Mai 2008 soll sie auf ihre erste große Tournee gehen, der Fokus liegt klar auf der Eroberung des US-Marktes. Das passt ihr nicht: Sie hat starkes Heimweh und steigt nicht gern in Flugzeuge. Wegen ihres damaligen Freundes sagt sie sogar einige US-Termine ab, nach Ansicht vieler der Todesstoß für jede Form von Karriere in den geheiligten Poplanden USA. Trifft auf sie natürlich nicht zu, gut steht es damals dennoch nicht um sie. „Ich nenne diese Zeit meine E.L.C., meine Early Life Crisis“, sagte sie dem Nylon Magazine mal. „Ich trank viel zu viel, was gleichzeitig das Fundament meiner Beziehung zu diesem Jungen war. Ich konnte nicht ohne ihn sein, also sagte ich diese Konzerte einfach ab. Kaum zu glauben, dass ich das wirklich getan habe. Es ist so undankbar.“

Im November 2008 trennt sie sich von ihm und zieht aus ihrem Kinderzimmer aus. Sie lässt sich in Notting Hill nieder, wo sie sich gleich wieder an die Musik macht, und gibt den Alkohol auf. „Diese Beziehung hat mein zweites Album praktisch von selbst geschrieben, also war es das am Ende alles wert“, meinte sie mal trocken. Zunächst segelt sie aber noch mit 19 auf den Wellen des Erfolgs: Anfang 2009 gibt es Gold dafür, bis zum Sommer 2009 hat sich das Album weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft, auch den Grammy für den Best New Artist gibt es für sie.

Sogar das Dylan-Cover gelingt ihr

Nicht übel für eine Sängerin, die, wie sie selbst sagt, „keinerlei Pläne“ für dieses Album hat. „Ich weiß ja nicht mal, welche Art von Künstlerin ich sein will“, sagte sie 2009. „Ich schrieb das Album ja nur, um eine Trennung zu verarbeiten und all die Musik zu spielen, die ich selbst gern höre: Pop, etwas Elektro, Jazz, Folk und natürlich Soul. Ich wollte aber nie ein White Soul Girl sein. Das Album kam ganz natürlich und organisch zusammen.“ Stimmt: Sogar mit ihrem Cover von Bob Dylans Make You Feel My Love kommt sie durch und liefert ein Debüt, auf dem jeder Song sitzt.

Das wirklich Erstaunliche ist ja aber: Bei allem Hype und Erfolg ist 19 doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Adele zwei Jahre später mit 21 lostreten wird.

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Adeles „30“: Von Trennungsschmerz, Selbsterkenntnis und Neuanfängen

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Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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