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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.12.1963 wird Metallica-Drummer Lars Ulrich geboren.

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Foto: NILS MEILVANG/AFP/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.12.1963.

von Christof Leim

Metallica-Urgestein

Lars Ulrich hat noch nie in einer anderen Band gespielt. Macht aber nichts, gleich seine erste Combo wird zur größten Metal-Kapelle des Planeten: Mit Metallica hat der Schlagzeuger Legendäres geleistet und Fantastillionen an Platten verkauft. Das hat viel mit seiner Vision und seinem Antrieb zu tun. Ein Porträt.

Wenn man James Hetfield als das Herz von Metallica bezeichnet, weil er die Musik schreibt, dann entspricht Lars Ulrich dem Hirn. Ohne den dänischen Trommler wäre aus der Band nicht das Monster geworden, das wir kennen. Denn Lars ist seit jeher Motor, Visionär, Antreiber und Sprachrohr, manchmal auch Provokateur. Er hat mit seiner Band und seinem nicht unumstrittenen Drumming den Grundstein für den Thrash Metal gelegt und sich dabei als wichtiger Songwriter und brillanter Arrangeur erweisen. Zudem ist Lars Familienvater, Filmfreak und Kunstsammler. Schauen wir uns mal an, woher das alles kommt…

Die Kindheit

Am 26. Dezember 1963 erblickt Lars Ulrich als einziges Kind von Lone und Torben Ulrich das Licht der Welt in Gentofte, einem Vorort der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Vater Torben spielt professionell Tennis und schreibt für Zeitungen und Magazine, insbesondere über Jazz und Literatur. Die Eltern leben ihm ein großes Interesse für Kunst vor, zu ihren Freunden gehört Jazz-Saxofonist Dexter Gordon, der Lars’ Patenonkel wird. „Mein Vater hatte immer Musik um sich herum“, erzählt der Schlagzeuger später. Ein paar Häuser weiter wohnt Trompeter Don Cherry, mit dessen Stieftochter Neneh Cherry der kleine Lars spielt.

Der Junge wächst sehr frei und selbständig auf, „sehr offen“, wie er 1995 in einem Interview durchblicken lässt: „Amerikaner würden das womöglich ‚verwöhnt’ nennen. Aber ich war gleichzeitig unabhängig, sie haben mich nicht zurückgehalten. Allerdings musste ich mir alles selbst verdienen. Als ich 1975 Black Sabbath sehen wollte, hätte ich das von meinen Eltern aus zwölfmal am Tag machen können, solange ich mir das Geld für das Ticket selber erarbeite und auch dafür sorge, zur Show hin- und wieder zurück zu kommen.“

Der Fan

Sein erstes Konzert sieht Lars mit neun, als ihn sein Vater mit zu Deep Purple nimmt. Das macht Eindruck: Gleicht am nächsten Tag kauft sich der Junge das Album Fireball. Ein paar Jahre später, mit 12 oder 13, bekommt er von seiner Großmutter ein Schlagzeug geschenkt. Vor allem aber beschäftigt sich der kleine Ulrich mit Tennis wie sein Vater und auch schon sein Großvater. Er schlägt sich gut in den Jugendranglisten Dänemarks und gehört zu den zehn besten Spielern seiner Altersklasse. Daraus soll eine internationale Karriere werden, weshalb die Familie im Sommer 1980 nach Newport Beach in Kalifornien übersiedelt. Dort muss er allerdings feststellen, dass er mit seinen Fähigkeiten nur noch im Mittelfeld landet und es nicht mal ins Auswahlteam seiner Schule schafft. Der Sport verliert damit rasant an Attraktivität, aber jetzt kommt die Krachmusik.

Zu Lars’ Lieblingen gehören Klassiker wie Deep Purple, Black Sabbath und Motörhead, vor allem aber hat es ihm die NWoBHM angetan, die „New Wave Of British Heavy Metal“ mit Bands wie Diamond Head, Blitzkrieg, Jaguar, Angel Witch und den frühen Iron Maiden. Es gibt die schöne Geschichte, dass er sich so viel Vinyl aus England bestellt, dass ein Versand ihm irgendwann einfach alles schickt, was bei ihnen aus diesem Genre rauskommt.

1981 reist er nach Großbritannien, um Diamond Head live zu sehen, und schläft bei den Musikern auf dem Sofa. Hierbei lernt er nach eigenen Aussagen viel über Arrangement und Songwriting, im Laufe ihrer Karriere spielen Metallica sage und schreibe fünf Diamond Head-Songs nach. Auf der Website Home Of Metal veröffentlicht Gitarrist Brian Tatler einen Brief, in dem Lars ihm damals von der Gründung seiner neuen Band Metallica berichtet.

Zielstrebigkeit führt doch zum Ziel

Ulrich schafft es als kleiner 16-jähriger Fanboy sogar bis in den Proberaum von Motörhead, was gut seine Zielstrebigkeit demonstriert: „Ich hatte zwei Nächte in London und habe über einen Freund den Tipp bekommen, dass sie gerade proben. Also bin ich zu diesem Studio gefahren, von dem man mir erzählt hat – und eine halbe Stunde später sitze ich bei Lemmy, Phil Taylor und Eddie Clark. Nur die Band und ich, und sie schreiben Songs für ihr nächstes Album. Einer davon hieß Iron Fist. Das muss man sich mal vorstellen.“

Mitte der Achtziger taucht Lars sogar im Innencover der Motörhead-LP Orgasmatron von 1986 auf – und zwar auf einem Foto, das ihn in seiner eigenen Kotze liegend zeigt, geschossen in Lemmys Hotelzimmer nachmittags um drei. Wie das passierte, erzählt er in einer US-Talkshow: „Lemmy kam in die Stadt, und das war das Größte in unserer Welt. Vor seinem Hotel habe ich aus lauter Nervosität ein paar Wodka gekippt, bin dann reingegangen und ein paar Stunden später aufgewacht. Dazwischen hat man mich fotografiert, und das kam dann in das nächste Motörhead-Album.“ Erkennen kann man Lars auf dem Bild leider nicht, aber wirklich unrealistisch klingt die Geschichte nicht.

 

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Happy Birthday Duder!! Here’s to another 453 years… At least!!! @papa_het_ 🎉🎂🍰🎁 #wanna #babyfaces

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Die  Bandgründung

Zurück ins Jahr 1981: Als Lars nach seinem Englandausflug wieder in Kalifornien landet, will er unbedingt eine Band gründen. Bei einem Konzert kommt er über ein Saxon-Shirt mit einem Metalhead namens Brian Slagel ins Gespräch, der später Chef des einflussreichen Labels Metal Blade werden sollte. Damals startet er gerade mit der Compilation-Reihe Metal Massacre, auf der er Hartmusik-Gruppen der lokalen Szene von Los Angeles versammelt. Da will Lars natürlich mitmachen und schwatzt Slagel seine Band auf – die es noch gar nicht gibt. Doch der umtriebige Däne erinnert sich an einen Typen, den er ein paar Monate vorher über ein Inserat im Anzeigenblatt The Recycler kennengelernt hat: James Hetfield. Ein erstes Treffen führte nicht weit, denn Hetfield zeigt sich von den Lars’ Trommelkünsten unbeeindruckt, nicht zuletzt weil ein Beckenständer ständig beim ersten Schlag umfällt. Da jetzt aber eine Veröffentlichung auf einer Vinylplatte in greifbare Nähe rückt, machen die beiden gemeinsame Sache. Damit werden am 28. Oktober 1981 Metallica geboren. Ihr erster Song Hit The Lights erscheint auf Metal Massacre I, der Rest ist Geschichte.

Metallica werden zu den Vorreitern einer neuen, härteren Gangart und zum Primus einer Szene. Das Debütalbum Kill ‘Em All von 1983 mischt den Underground auf, Ride The Lightning zeigt 1984 eine erstaunliche Reifung, mit Master Of Puppets legen sie 1986 dann einen Meilenstein des Genres hin. Spätestens mit dem 1988er-Opus …And Justice For All schafft die Band endgültig den Durchbruch. Lars ist da 25 Jahre alt. 1991 macht ihn Metallica (oder The Black Album) vor seinem 30. Geburtstag zum internationalen Rockstar und Millionär.

Zwischen diesen Bildern liegen 35 Jahre – Pic 2018: Herring  Herring

Der Musiker

Bei diesem steilen Aufstieg agiert Lars Ulrich immer als Motor und Kapitän, der die Band nach vorne treibt und lenkt. Bei allen Aspekten des Songwritings, der Arrangements und der Produktionen ist er involviert; es gibt nur zwei Stücke, für die er keinen Songwriting-Credit erhalten hat: Motorbreath und Anesthesia (Pulling Teeth) vom Debüt, letzteres ist ein Basssolo. Lars steuert sogar strukturelle Ideen zu den frühen Soli von Kirk Hammett bei. Seine Vision für Metallica zeigt sich zum Beispiel auf dem Black Album: Lars erkennt Enter Sandman als den wichtigen Song, schlägt die entscheidende Änderung am Riff vor und besteht darauf, die Nummer als erste Single auszukoppeln.

Dass Lars mit seinem Spiel insbesondere auf den frühen Alben tausendfach kopierte Maßstäbe im Metal gesetzt hat, steht außer Frage. Einen besonders guten Ruf als Drummer genießt er trotzdem nicht, wie jede Dienststelle der Musikpolizei gerne bestätigt. Es gehört in der Welt der harten Mucke sogar zum guten Ton, über Ulrichs technische Mängel herzuziehen. „Ich bin kein besonders versierter Schlagzeuger“, sagt er über sich selbst, „aber ich verstehe sehr, sehr, sehr gut die Rolle der Drums neben der Rhythmusgitarre von James Hetfield. Ich garantiere euch, dass ich dafür der Beste auf der ganzen Welt bin. Und das ist gut genug für mich.“ Virtuosen wie der ehemalige Dream Theater-Schlagwerker Mike Portnoy bestätigen das: „Man muss nicht großartig trommeln, um der wichtigste Typ in der Band zu sein.“ Man kann festhalten: Lars spielt besser als sein Ruf, aber seine Leistung für Metallica liegt statt in instrumentaler Brillanz eher woanders. Und das kann man nicht einfach üben. Wie die Band indes mit anderen Taktgebern klingt, konnten 2004 die Besucher des Download Festivals hören, als unser Mann aus gesundheitlichen Gründen von Dave Lombardo (Slayer) und Joey Jordison (Slipknot) ersetzt werden musste. Ob das mehr oder weniger Groove hat oder besser oder schlecht klingt, darf sich jeder selbst überlegen. Anhören kann man es hier.

Seinerseits Gastauftritte spielt Lars übrigens fast nie: 1993 trommelt er für Mercyful Fate eine Neuaufnahme ihres Songs Return Of The Vampire ein, 2018 hört man ihn auf der neuen Liveplatte von Volbeat bei den Songs Guitar Gangsters & Cadillac Blood und Enter Sandman.

Der Kommunikator

Lars Ulrich lebt nach seinen eigenen Regeln, seit er als 19-Jähriger begann, im Namen der Krachmusik durch die Welt zu ziehen. Er erweist sich in seinen Äußerungen als liberaler, weltoffener Geist, was ihn in späteren Jahren deutlich von Hetfield unterscheidet. Der Dokumentarfilm Some Kind Of Monster zeigt 2004, dass die beiden Alpha-Rocker auch ganz ordentlich aneinander geraten können. Grundsätzlich wissen Lars und James aber, wie sie miteinander umzugehen haben, und bilden heute noch den Kern von Metallica.

Dabei lassen sie sich überhaupt nicht gerne reinreden oder durch Erwartungen einschränken: Schon 1984 bekommen Metallica Schimpfe von den Szenewächtern für die Metal-Ballade Fade To Black, doch Lars will sich nicht auf die „erlaubte“ Formel des Thrash Metal reduzieren lassen und sagt das in Interviews deutlich. Das Gleiche wiederholt sich 1991 mit dem Black Album, und als die Band Mitte der Neunziger mit Load und Reload in eine Alternative Rock-Ecke abdriftet, legt Lars mit Kajalstift und künstlerischen Fotos noch einen drauf und hält auch sonst mit seiner Meinung zur kreativen Weiterentwicklung nicht hinter dem Berg. Damit verstößt er mehr als einmal gegen die „Gesetze“ des Heavy Metal und verärgert die konservative Headbangerschaft.

Lars ist es auch, der im Sommer 2000 vor den US-Senat tritt und sich öffentlich gegen die Musiktauschbörse Napster stellt. Diese Attitüde dürften damals 99% aller Musiker und Musikerinnen geteilt haben, doch kaum einer wagt es, das offen auszusprechen. Dass Ulrich und Metallica in der Sache völlig richtig lagen, sollte Dekaden später jedem klar sein. Er selbst gibt jedoch bereitwillig zu, wie sehr das in Sachen Eigen-PR in die Hose ging und dem Ruf von Metallica geschadet tat.

Der Vielbeschäftigte

Daneben führt der Mann natürlich noch ein Privatleben: Seine erste Ehe 1988 mit einer Britin hält nicht lange, 1997 heiratet er eine kalifornische Ärztin und wird Vater zweier Söhne. Mit der dänischen Schauspielerin Connie Nielsen hat er einen weiteren Sohn, heute ist er verheiratet mit Jessica Miller, einem US-amerikanischen Model.

Außer für Musik begeistert sich Lars Ulrich schon lange für Kunst, insbesondere für abstrakte Maler, und gibt dafür eine Menge Taschengeld aus. In Some Kind Of Monster sieht man, wie bei einer Auktion für ein Bild mehrere Millionen Dollar den Besitzer wechselt. Film gehört ebenfalls zu den Leidenschaften des Dänen, weswegen er in einigen kleineren Cameos zu sehen ist. Zwischen 1998 und 2002 versucht er sich sogar als Boss seiner eigenen Plattenfirma The Music Company, muss aber einsehen, dass hier nicht viel zu holen ist. In jüngster Zeit betreibt er die Radioshow It’s Electric!, in der er andere Musikgrößen interviewt.

Ans Aufhören denkt er nicht, sondern hofft, „noch 20 oder 25 Jahre“ weiterzumachen, wenn die Gesetze der Natur da keinen Strich durch die Rechnung machen. Und so spielt Lars Ulrich weiter in seiner allerersten Band…

Credit: Raph_PH/WikiCommons

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„…And Justice For All“ von Metallica: Track für Track!

Popkultur

Zeitsprung: Am 25.6.1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt.

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Hat gut lachen: Carly Simon 1971 - Foto: Jack Mitchell/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.6.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 25. Juni 1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt. Die Künstlerin sammelt Männerherzen und Grammys gleichermaßen und legt mit You’re So Vain einen der großen Hits der Siebziger hin. Um die Identität des eitlen Protagonisten im Songtext macht sie lange Zeit ein Geheimnis. Wir blicken zurück auf ein – zumindest teilgelöstes – Popkultur-Rätsel und erweisen Simon zugleich die Geburtstagsehre.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Carly Simon anhören:

Carly Elisabeth Simon wird am 25. Juni 1945 in New York City geboren als Tochter des renommierten Verlagsgründers Richard L. Simon (von Simon & Schuster). Ihre ersten musikalischen Babyschritte unternimmt die Sängerin Mitte der Sechziger in Verbund mit ihrer Schwester Lucy. Doch abgesehen von dem auf einem Kindergedicht basierenden Minihit Winkin’, Blinkin’ And Nod ist es mit der Karriere Simon Sisters nicht weit her. 

Blitzstart

Doch schon im Jahre 1970 stellt die Vertragsunterzeichnung bei The-Doors-Entdecker Jac Holzman und dessen Plattenfirma Elektra die Weichen für eine erfolgreiche Sololaufbahn. Ihr schlicht Carly Simon betiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1971 birgt bereits den Hit That’s The Way I’ve Always Heard It Should Be und bringt Simon sogar schon einen ersten Grammy in der Kategorie „Beste neue Künstlerin“ ein. Kein schlechter Start, sondern der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Nachfolgealbum Anticipation noch im gleich Jahr fortgeschrieben wird. 

Dabei ist es Simons 1972 veröffentlichtes drittes Album, welches ironischerweise No Secrets betitelt ist, das zu ihrem großen internationalen Durchbruch wird. Es enthält mit You’re So Vain ihren künftigen Erkennungssong, der in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland Platz eins erreicht. Das Lied besticht schon musikalisch durch Prominenz: So stammt das markante Bass-Intro von Beatles-Intimus und Grafiker Klaus Voormann, während niemand Geringeres als Mick Jagger – inkognito – zum Background-Gesang beiträgt. 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Noch delikater und spannender gestaltet sich allerdings die inhaltliche Ebene des Stücks, in dem Simon die Eitelkeiten eines männlichen Liebhabers besingt. Die Spekulationen um dessen wahre Identität schlagen hohe Wellen, die jahrzehntelang nicht abebben wollen und – naheliegend – unter anderem Mick Jagger als den Mann hinter dem unbestimmten „you“ wähnen. Auch durch die Presse geistern die Namen illustrer Kandidaten, etwa David Bowie, David Cassidy oder Cat Stevens, mit dem Simon einst tatsächlich ein Techtelmechtel hatte. Dass ihr aktueller Ehemann zur Entstehungszeit des Stückes, der Singer-Songwriter James Taylor, definitiv nicht der Gegenstand des Textes ist, bleibt der einzige Hinweis, den sich Simon lange Zeit entlocken lässt. 

Das popkulturelle Rätselraten erreicht 2003 schließlich seinen Höhepunkt, als Simon sich im Rahmen einer Wohltätigkeits-Auktion bereit erklärt, dem Höchstbietenden den Namen des Besungenen preiszugeben. NBC-Sports-Präsident Dick Ebersol blättert 50.000 Dollar dafür hin und muss versprechen, sein neugewonnenes Wissen nicht mit der Öffentlichkeit zu teilen. So darf er höchstens den Hinweis geben, dass der Buchstabe „E“ im Namen jenes ominösen Mister X vorkommt. 

Suche nach Mr. X

2007 beansprucht dann Schauspieler Warren Beatty (Bonnie und Clyde, Dick Tracy) in einem Interview die Ehre des Gesuchten für sich. Es soll acht weitere Jahre dauern, bis Carly Simon schließlich im Rahmen des Pressetrommelwirbels für ihre Memoiren bestätigt, dass Warren Beatty tatsächlich in You’re So Vain adressiert werde  – allerdings nur als Protagonist von Strophe zwei. Der Rest des Textes würde sich auf zwei weitere (prominente?) und bis heute namenlose männliche Pfaue beziehen. 

Ist das unter anderem von den verlotterten Sleaze-Rockern Faster Pussycat 1990 gecoverte You’re So Vain als Songmysterium sicherlich Simons größte Errungenschaft für die Pop-Lexika dieser Welt (und zugleich ihr wohl bekanntester Hit), darf man die anderen Verdienste und musikalischen Glanztaten der Singer-Songwriterin jedoch keineswegs unterschlagen. So tritt Simon 1977 als Interpretin von Nobody Does It Better in Erscheinung, dem Song zum James-Bond-Film Der Spion, der mich liebte. Außerdem  reüssiert sie 1989 mit ihrer Soundtrack-Arbeit zum Film Die Waffen der Frauen. Für das daraus stammende Lied Let The River Run heimst die alte Geheimniskrämerin sogar als erste Solokünstlerin und Songautorin überhaupt einen Oscar, Golden Globe und Grammy zugleich ein. 

Im Laufe ihrer Karriere veröffentlicht Carly Simon sage und schreibe 24 Studioalben, wird für 14 Grammys nominiert und gewinnt zwei. Das Musikportal Allmusic nennt sie „eine der wichtigsten Singer-Songwriterinnen der Siebziger“. Sie schreibt Musik für Filme und TV-Sendungen und spielt auch in einigen mit. Simon war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Sally und Ben, die ebenfalls künstlerisch tätig sind. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

Zeitsprung: Am 7.11.1943 kommt Joni Mitchell zur Welt.

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Popkultur

Ein Schulabbruch, jede Menge Exzesse und 55 Jahre Rockgeschichte: 5 Dinge, die ihr über Mick Fleetwood noch nicht wusstet

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Mick Fleetwood
Foto: Brian Killian/Getty Images

„"Seit nunmehr 55 Jahren steht der Name Fleetwood Mac für eines der wichtigsten Kapitel der Rockgeschichte: den British Blues Boom. Als Gründer, Namensgeber und Schlagzeuger der Band hat Mick Fleetwood einen wichtigen Anteil daran. Diese fünf Dinge über ihn wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Tusk von Fleetwood Mac anhören:

1. Er brach mit der Unterstützung seiner Eltern die Schule ab, um Musiker zu werden.

Wenn der Nachwuchs die Schule abbrechen möchte, um eine Laufbahn als Rockstar einzuschlagen, sorgt das in der Regel für einen mächtig schiefen Haussegen. Nicht so bei den Fleetwoods: Papa John spielt nämlich selbst Schlagzeug und kann den sehnlichsten Wunsch seines Sohnemanns nur allzu gut nachvollziehen. Sein erstes Drumset bekommt der kleine Mick mit 13. Als er im Alter von 15 Jahren den Wunsch äußert, von der Schule abzugehen, um in London als Schlagzeuger durchstarten zu können, lassen seine Eltern ihn ziehen. Tatsächlich findet Fleetwood in der britischen Hauptstadt schnell Anschluss.

2. Blues-Legende John Mayall feuerte Fleetwood wegen seines ausschweifenden Alkoholkonsums.

Nach seinen ersten Jahren in London steigt Fleetwood in eine Band namens The Peter Bs ein, in der auch ein gewisser Peter Green mitspielt. Green verlässt die Gruppe allerdings und steigt stattdessen bei John Mayall’s Bluesbreakers ein. Fleetwood folgt ihm, sodass die Zwei ab April 1967 mit einer der legendärsten Bluesgruppen Londons auftreten. Ebenfalls an Bord: John McVie, der später gemeinsam mit Fleetwood über 50 Jahre Fleetwood-Mac-Geschichte schreiben soll. Leider nehmen Fleetwood und McVie ihr Dasein als Musiker zu jener Zeit noch nicht so ernst wie als ihren Ruf als Trinker. Mehrfach erscheinen die beiden mit ordentlich Promille zu Konzerten der Bluesbreakers, weshalb Bandleader John Mayall die zwei Musiker nach nur wenigen Wochen wieder vor die Tür setzt. Peter Green verlässt Mayalls Truppe anschließend freiwillig und gründet mit Fleetwood schon einmal die Band, die McVie später nicht nur namentlich vervollständigen soll: Fleetwood Mac. Zu Kostverächtern werden die Musiker durch den Rauswurf allerdings nicht. Besonders legendär: die Kokaingeschichten während der Siebziger. „Es besteht kein Zweifel daran, dass wir gut mit dem Marschpulver ausgerüstet waren“, erzählt Fleetwood in einem Interview mit Classic Rock. „Inzwischen ist das ein abgedroschenes Märchen, das immer weiter und weiter zu einer Kriegsgeschichte vergrößert wird. Ich möchte nicht verharmlosen, dass wir diesen Lebensstil gelebt haben. Aber wir sind nicht über den Boden gekrochen und uns kam auch kein grüner Schaum aus dem Mund. Wir haben gearbeitet.“

3. Im Juni 1970 heiratete er Jenny Boyd — die Schwester von Pattie Boyd, die mit George Harrison und Eric Clapton verheiratet war.

Was die Klatsch- und Tratsch-Seite betrifft, sind Fleetwood Mac nicht nur für ihre internen Liebschaften bekannt, sondern auch dafür dass Mick Fleetwood für einige Jahre mit Jenny Boyd liiert war. Falls euch dieser Nachname bekannt vorkommt, habt ihr völlig recht: Es handelt sich bei Jenny um die Schwester von Pattie Boyd, die zuerst George Harrison und dann Eric Clapton heiratet. Mick und Jenny lernen sich Ende der Sechziger kennen, 1970 geben sie sich ebenfalls das Ja-Wort. Ein paar Jahre später findet Mick heraus, dass Jenny eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Gitarrist Bob Weston hat. Weston muss gehen; Mick und Jenny lassen sich scheiden, finden 1976 allerdings noch einmal zusammen. Das Paar heiratet sogar noch einmal, um ihren gemeinsamen Kindern den Umzug in die USA zu erleichtern. Ab November 1977 lässt sich Mick auf eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks ein, 1978 reichen er und Jenny Boyd zum zweiten Mal die Scheidung ein. Diesmal bleibt es dabei.

4. Sein Lieblingsalbum von Fleetwood Mac ist Tusk (1979).

Nach dem Mega-Erfolg des elften Fleetwood-Mac-Albums Rumours (1977) kann Tusk (1979) in kommerzieller Hinsicht nur verlieren. Trotzdem handelt es sich bei der Platte um Mick Fleetwoods Favoriten aus der Diskografie der Blues-Briten. Das liegt vor allem daran, dass sich die Musiker während der Produktion der Platte nach Herzenslust austoben können, ohne dass dabei kreative Grenzen im Weg stehen. McVie findet an dieser Freiheit weniger Gefallen, es kommt zu Streitigkeiten innerhalb der Band. Doch wie so oft hält Ruhepol Mick Fleetwood seine Schäfchen beisammen und kann die Situation wieder entspannen.

5. Er ist das einzige Gründungsmitglied von Fleetwood Mac und inzwischen seit 55 Jahren dabei.

55 Jahre Rockgeschichte. Das muss man erstmal schaffen und sich vor Augen führen, was mit so einer jahrzehntelangen Karriere einhergeht: 55 Jahre Musikgeschäft. 55 Jahre auf Tour. 55 Jahre voller Streitigkeiten und Versöhnung, denn wer schon einmal selbst in einer Band gespielt hat, weiß: Harmonisch läuft es in einem kreativen Gefüge nur selten ab. Mick Fleetwood kann diesen Widrigkeiten bis heute standhalten und schreibt die Geschichte des Rock weiter. Das gehört einfach honoriert.

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Zehn Blues-Empfehlungen für den Einstieg

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Popkultur

Ringkämpfe, USA-Reisen und Konflikte mit der Stasi: 5 Dinge, die ihr über Richard Kruspe noch nicht wusstet

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Richard Kruspe
Titelfoto: Universal Music

Er war maßgeblich an der Gründung von Rammstein beteiligt, beschäftigt sich seit 2004 zusätzlich mit seinem Nebenprojekt Emigrate und hat schonmal die Stasi ausgetrickst: Richard Kruspe. Diese fünf Dinge über einen der bekanntesten deutschen Gitarristen wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Zeit von Rammstein anhören:

1. Als Jugendlicher in der DDR war Kruspe ein erfolgreicher Ringer — was seine Karriere als Musiker nicht unbedingt erleichterte.

Seine Kindheit und Jugend verbringt Richard Kruspe in der DDR, wo er am 24. Juni 1967 zur Welt kommt. „Bis zu meinem siebten Lebensjahr habe ich in einem kleinen Dorf namens Weisen gelebt“, berichtet er im Interview mit dem Magazin Rock Hard. „Das war eine schöne Kindheit mit viel Natur, Hunden und Katzen sowie einer großen Familie mit zwei Geschwistern.“ Doch als Kruspe älter wird, ist Schluss mit der Harmonie. „Durch die Scheidung meiner Eltern kam ein großer Bruch. Mein Vater war von heute auf morgen weg, und wir zogen zu meinem neuen Stiefvater nach Schwerin, mit dem ich überhaupt nicht klarkam.“ Nicht nur einmal läuft Kruspe von zuhause weg und übernachtet auf Parkbänken. Trost sucht er zum einen im Gitarrenspiel. Zum anderen entpuppt er sich in seiner Jugend als begnadeter Ringer und steigt mehrfach für den BSG Lok Wittenberge auf die Matte. Kruspes Karriere als Musiker steht die sportliche Laufbahn allerdings im Weg, wie er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erzählt: „Im Osten zählte eher der Sport, das war der große Exportschlager. Aber wer weiß: Vielleicht wäre ich ein klassischer Musiker geworden, hätte ich Musikunterricht nehmen dürfen.“ Dass sein Leben anschließend ein bisschen anders verläuft, wissen wir heute.

2. Als Kruspe für die Stasi arbeiten sollte, trickste er das Ministerium aus.

Dass Kunst in der DDR nicht den höchsten Stellenwert genießt, erfährt Kruspe auch an anderer Stelle am eigenen Leib. „Ich habe neben meinem Beruf Musik gemacht und Schmuck hergestellt, um mein Leben zu finanzieren“, erinnert er sich im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Beides durfte man nicht im Osten. Die haben das über einen Spitzel herausgefunden und mich erpresst, weil ich dafür weder Steuern zahlte noch eine Facharbeiterausbildung hatte. Die Stasi stellte mich vor die Wahl: entweder IM — also inoffizieller Mitarbeiter — werden oder in den Knast gehen. Ich hatte eine Woche Bedenkzeit.“ Doch dann kommt Kruspe eine Idee und er trickst die Stasi aus: „Natürlich sollte ich absolutes Stillschweigen bewahren. Genau das habe ich aber nicht getan, sondern stattdessen diese Geschichte in meinem ganzen Bekanntenkreis verbreitet. Mit dem Hintergedanken, dass die merken sollten: Der quatscht zu viel und ist unbrauchbar. Nach einer Woche haben die mich tatsächlich in Ruhe gelassen.“

3. Seinen alten Freund Till Lindemann traf er nur deshalb wieder, weil Kruspe nach dem Mauerfall wieder nach Ostdeutschland zog.

Als Kruspe älter wird, beginnt er zunehmend damit, das Leben in der DDR zu hinterfragen. „Die Sache mit der DDR ist, dass es bis zum zwölften Lebensjahr großartig war, dort aufzuwachsen“, erzählt er in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Es wurde die Illusion aufrecht erhalten, dass man in einer sehr gesunden Wirtschaft lebt, die funktioniert, solange man keine Fragen stellt — und man stellt keine Fragen, bevor man zwölf ist.“ Ende 1989 beschließt Kruspe, dass er die DDR verlassen möchte und flieht über die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich nach Westberlin. Besser fühlt er sich dadurch nicht, wie er 2011 in einem Interview mit dem Rolling Stone berichtet: „In Westberlin war ich einsam und immer unterwegs. Überwiegend auf Konzerten, ich habe Nirvana im Loft gesehen und so. Eines Abends lernte ich auf einer Party, auf die ich gar nicht eingeladen war, eine Frau kennen und durch sie den Ex-Trommler der Fehlfarben. Mit dem habe ich dann endlich wieder ein bisschen Musik gemacht. Auf Dauer war auch die Wohnsituation mit drei Leuten in einem Zimmer sehr belastend, und im Osten gab es billigen Wohnraum ohne Ende. Also bin ich wieder zurück.“ Zum Glück, muss man heute sagen. Denn durch seine Rückkehr kommt Kruspe wieder mit seinem alten Freund Till Lindemann in Kontakt und steigt in dessen Band First Arsch ein.

4. Die Grundidee für Rammstein kam ihm in den USA.

Anfang der Neunziger reist Kruspe mit Lindemann und dem späteren Rammstein-Bassisten Oliver Riedel in den Südwesten der USA. Die Drei tauchen in die dortige Musikszene ein und Kruspe stellt etwas fest: „Mir wurde klar, dass die Musik, die ich bis dahin gemacht habe, nichts mit mir zu tun hatte. So bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, und mir kam die Idee, ein Projekt zu schaffen, das mit deutscher Musik zu tun hat. Ich wollte versuchen, Maschinen und Gitarren zusammenzubringen, harte Gitarren.“ Am 1. Januar 1994 entsteht aus diesem Wunsch ganz offiziell die Band, die heute zu den erfolgreichsten deutschen Gruppen überhaupt gehört: Rammstein.

5. Das Nebenprojekt Emigrate gründete er als musikalischen Kontrast zu Rammstein.

Über die Errungenschaften von Rammstein müssen wir an dieser Stelle nicht reden. Doch großer Erfolg bringt manchmal auch eine große Last mit sich. „Sechs Leute auf dem Boot und jeder spielt Kapitän“, sagt Kruspe im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über seine Hauptband. „Das ist echt hart.“ Genau deshalb gründet der Gitarrist im Jahr 2004 ein Nebenprojekt. „Emigrate hat mir geholfen, mich bei Rammstein ein wenig zurückzunehmen. Sonst hätte ich weiter versucht, die Band mit meinen Ideen zuzuschütten.“ Im Gespräch mit laut.de verrät er: „Ich wollte nicht mehr nur der Typ sein, der sich allabendlich umgeben von Feuer und Raketen in eine primär visuelle Welt beamt. Ich bin ja in erster Linie Musiker. Also suchte ich nach einem Projekt, in dem es ausschließlich um die Musik geht. Mit Emigrate habe ich genau diesen Gegenpol gefunden.“

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Interview mit Emigrate: „Ich hatte das Gefühl, mit der Musik aufhören zu müssen“

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