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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.12.1963 wird Metallica-Drummer Lars Ulrich geboren.

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Foto: NILS MEILVANG/AFP/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.12.1963.

von Christof Leim

Metallica-Urgestein

Lars Ulrich hat noch nie in einer anderen Band gespielt. Macht aber nichts, gleich seine erste Combo wird zur größten Metal-Kapelle des Planeten: Mit Metallica hat der Schlagzeuger Legendäres geleistet und Fantastillionen an Platten verkauft. Das hat viel mit seiner Vision und seinem Antrieb zu tun. Ein Porträt.

Wenn man James Hetfield als das Herz von Metallica bezeichnet, weil er die Musik schreibt, dann entspricht Lars Ulrich dem Hirn. Ohne den dänischen Trommler wäre aus der Band nicht das Monster geworden, das wir kennen. Denn Lars ist seit jeher Motor, Visionär, Antreiber und Sprachrohr, manchmal auch Provokateur. Er hat mit seiner Band und seinem nicht unumstrittenen Drumming den Grundstein für den Thrash Metal gelegt und sich dabei als wichtiger Songwriter und brillanter Arrangeur erweisen. Zudem ist Lars Familienvater, Filmfreak und Kunstsammler. Schauen wir uns mal an, woher das alles kommt…

Die Kindheit

Am 26. Dezember 1963 erblickt Lars Ulrich als einziges Kind von Lone und Torben Ulrich das Licht der Welt in Gentofte, einem Vorort der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Vater Torben spielt professionell Tennis und schreibt für Zeitungen und Magazine, insbesondere über Jazz und Literatur. Die Eltern leben ihm ein großes Interesse für Kunst vor, zu ihren Freunden gehört Jazz-Saxofonist Dexter Gordon, der Lars’ Patenonkel wird. „Mein Vater hatte immer Musik um sich herum“, erzählt der Schlagzeuger später. Ein paar Häuser weiter wohnt Trompeter Don Cherry, mit dessen Stieftochter Neneh Cherry der kleine Lars spielt.

Der Junge wächst sehr frei und selbständig auf, „sehr offen“, wie er 1995 in einem Interview durchblicken lässt: „Amerikaner würden das womöglich ‚verwöhnt’ nennen. Aber ich war gleichzeitig unabhängig, sie haben mich nicht zurückgehalten. Allerdings musste ich mir alles selbst verdienen. Als ich 1975 Black Sabbath sehen wollte, hätte ich das von meinen Eltern aus zwölfmal am Tag machen können, solange ich mir das Geld für das Ticket selber erarbeite und auch dafür sorge, zur Show hin- und wieder zurück zu kommen.“

Der Fan

Sein erstes Konzert sieht Lars mit neun, als ihn sein Vater mit zu Deep Purple nimmt. Das macht Eindruck: Gleicht am nächsten Tag kauft sich der Junge das Album Fireball. Ein paar Jahre später, mit 12 oder 13, bekommt er von seiner Großmutter ein Schlagzeug geschenkt. Vor allem aber beschäftigt sich der kleine Ulrich mit Tennis wie sein Vater und auch schon sein Großvater. Er schlägt sich gut in den Jugendranglisten Dänemarks und gehört zu den zehn besten Spielern seiner Altersklasse. Daraus soll eine internationale Karriere werden, weshalb die Familie im Sommer 1980 nach Newport Beach in Kalifornien übersiedelt. Dort muss er allerdings feststellen, dass er mit seinen Fähigkeiten nur noch im Mittelfeld landet und es nicht mal ins Auswahlteam seiner Schule schafft. Der Sport verliert damit rasant an Attraktivität, aber jetzt kommt die Krachmusik.

Zu Lars’ Lieblingen gehören Klassiker wie Deep Purple, Black Sabbath und Motörhead, vor allem aber hat es ihm die NWoBHM angetan, die „New Wave Of British Heavy Metal“ mit Bands wie Diamond Head, Blitzkrieg, Jaguar, Angel Witch und den frühen Iron Maiden. Es gibt die schöne Geschichte, dass er sich so viel Vinyl aus England bestellt, dass ein Versand ihm irgendwann einfach alles schickt, was bei ihnen aus diesem Genre rauskommt.

1981 reist er nach Großbritannien, um Diamond Head live zu sehen, und schläft bei den Musikern auf dem Sofa. Hierbei lernt er nach eigenen Aussagen viel über Arrangement und Songwriting, im Laufe ihrer Karriere spielen Metallica sage und schreibe fünf Diamond Head-Songs nach. Auf der Website Home Of Metal veröffentlicht Gitarrist Brian Tatler einen Brief, in dem Lars ihm damals von der Gründung seiner neuen Band Metallica berichtet.

Zielstrebigkeit führt doch zum Ziel

Ulrich schafft es als kleiner 16-jähriger Fanboy sogar bis in den Proberaum von Motörhead, was gut seine Zielstrebigkeit demonstriert: „Ich hatte zwei Nächte in London und habe über einen Freund den Tipp bekommen, dass sie gerade proben. Also bin ich zu diesem Studio gefahren, von dem man mir erzählt hat – und eine halbe Stunde später sitze ich bei Lemmy, Phil Taylor und Eddie Clark. Nur die Band und ich, und sie schreiben Songs für ihr nächstes Album. Einer davon hieß Iron Fist. Das muss man sich mal vorstellen.“

Mitte der Achtziger taucht Lars sogar im Innencover der Motörhead-LP Orgasmatron von 1986 auf – und zwar auf einem Foto, das ihn in seiner eigenen Kotze liegend zeigt, geschossen in Lemmys Hotelzimmer nachmittags um drei. Wie das passierte, erzählt er in einer US-Talkshow: „Lemmy kam in die Stadt, und das war das Größte in unserer Welt. Vor seinem Hotel habe ich aus lauter Nervosität ein paar Wodka gekippt, bin dann reingegangen und ein paar Stunden später aufgewacht. Dazwischen hat man mich fotografiert, und das kam dann in das nächste Motörhead-Album.“ Erkennen kann man Lars auf dem Bild leider nicht, aber wirklich unrealistisch klingt die Geschichte nicht.

 

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Happy Birthday Duder!! Here’s to another 453 years… At least!!! @papa_het_ 🎉🎂🍰🎁 #wanna #babyfaces

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Die  Bandgründung

Zurück ins Jahr 1981: Als Lars nach seinem Englandausflug wieder in Kalifornien landet, will er unbedingt eine Band gründen. Bei einem Konzert kommt er über ein Saxon-Shirt mit einem Metalhead namens Brian Slagel ins Gespräch, der später Chef des einflussreichen Labels Metal Blade werden sollte. Damals startet er gerade mit der Compilation-Reihe Metal Massacre, auf der er Hartmusik-Gruppen der lokalen Szene von Los Angeles versammelt. Da will Lars natürlich mitmachen und schwatzt Slagel seine Band auf – die es noch gar nicht gibt. Doch der umtriebige Däne erinnert sich an einen Typen, den er ein paar Monate vorher über ein Inserat im Anzeigenblatt The Recycler kennengelernt hat: James Hetfield. Ein erstes Treffen führte nicht weit, denn Hetfield zeigt sich von den Lars’ Trommelkünsten unbeeindruckt, nicht zuletzt weil ein Beckenständer ständig beim ersten Schlag umfällt. Da jetzt aber eine Veröffentlichung auf einer Vinylplatte in greifbare Nähe rückt, machen die beiden gemeinsame Sache. Damit werden am 28. Oktober 1981 Metallica geboren. Ihr erster Song Hit The Lights erscheint auf Metal Massacre I, der Rest ist Geschichte.

Metallica werden zu den Vorreitern einer neuen, härteren Gangart und zum Primus einer Szene. Das Debütalbum Kill ‘Em All von 1983 mischt den Underground auf, Ride The Lightning zeigt 1984 eine erstaunliche Reifung, mit Master Of Puppets legen sie 1986 dann einen Meilenstein des Genres hin. Spätestens mit dem 1988er-Opus …And Justice For All schafft die Band endgültig den Durchbruch. Lars ist da 25 Jahre alt. 1991 macht ihn Metallica (oder The Black Album) vor seinem 30. Geburtstag zum internationalen Rockstar und Millionär.

Zwischen diesen Bildern liegen 35 Jahre – Pic 2018: Herring  Herring

Der Musiker

Bei diesem steilen Aufstieg agiert Lars Ulrich immer als Motor und Kapitän, der die Band nach vorne treibt und lenkt. Bei allen Aspekten des Songwritings, der Arrangements und der Produktionen ist er involviert; es gibt nur zwei Stücke, für die er keinen Songwriting-Credit erhalten hat: Motorbreath und Anesthesia (Pulling Teeth) vom Debüt, letzteres ist ein Basssolo. Lars steuert sogar strukturelle Ideen zu den frühen Soli von Kirk Hammett bei. Seine Vision für Metallica zeigt sich zum Beispiel auf dem Black Album: Lars erkennt Enter Sandman als den wichtigen Song, schlägt die entscheidende Änderung am Riff vor und besteht darauf, die Nummer als erste Single auszukoppeln.

Dass Lars mit seinem Spiel insbesondere auf den frühen Alben tausendfach kopierte Maßstäbe im Metal gesetzt hat, steht außer Frage. Einen besonders guten Ruf als Drummer genießt er trotzdem nicht, wie jede Dienststelle der Musikpolizei gerne bestätigt. Es gehört in der Welt der harten Mucke sogar zum guten Ton, über Ulrichs technische Mängel herzuziehen. „Ich bin kein besonders versierter Schlagzeuger“, sagt er über sich selbst, „aber ich verstehe sehr, sehr, sehr gut die Rolle der Drums neben der Rhythmusgitarre von James Hetfield. Ich garantiere euch, dass ich dafür der Beste auf der ganzen Welt bin. Und das ist gut genug für mich.“ Virtuosen wie der ehemalige Dream Theater-Schlagwerker Mike Portnoy bestätigen das: „Man muss nicht großartig trommeln, um der wichtigste Typ in der Band zu sein.“ Man kann festhalten: Lars spielt besser als sein Ruf, aber seine Leistung für Metallica liegt statt in instrumentaler Brillanz eher woanders. Und das kann man nicht einfach üben. Wie die Band indes mit anderen Taktgebern klingt, konnten 2004 die Besucher des Download Festivals hören, als unser Mann aus gesundheitlichen Gründen von Dave Lombardo (Slayer) und Joey Jordison (Slipknot) ersetzt werden musste. Ob das mehr oder weniger Groove hat oder besser oder schlecht klingt, darf sich jeder selbst überlegen. Anhören kann man es hier.

Seinerseits Gastauftritte spielt Lars übrigens fast nie: 1993 trommelt er für Mercyful Fate eine Neuaufnahme ihres Songs Return Of The Vampire ein, 2018 hört man ihn auf der neuen Liveplatte von Volbeat bei den Songs Guitar Gangsters & Cadillac Blood und Enter Sandman.

Der Kommunikator

Lars Ulrich lebt nach seinen eigenen Regeln, seit er als 19-Jähriger begann, im Namen der Krachmusik durch die Welt zu ziehen. Er erweist sich in seinen Äußerungen als liberaler, weltoffener Geist, was ihn in späteren Jahren deutlich von Hetfield unterscheidet. Der Dokumentarfilm Some Kind Of Monster zeigt 2004, dass die beiden Alpha-Rocker auch ganz ordentlich aneinander geraten können. Grundsätzlich wissen Lars und James aber, wie sie miteinander umzugehen haben, und bilden heute noch den Kern von Metallica.

Dabei lassen sie sich überhaupt nicht gerne reinreden oder durch Erwartungen einschränken: Schon 1984 bekommen Metallica Schimpfe von den Szenewächtern für die Metal-Ballade Fade To Black, doch Lars will sich nicht auf die „erlaubte“ Formel des Thrash Metal reduzieren lassen und sagt das in Interviews deutlich. Das Gleiche wiederholt sich 1991 mit dem Black Album, und als die Band Mitte der Neunziger mit Load und Reload in eine Alternative Rock-Ecke abdriftet, legt Lars mit Kajalstift und künstlerischen Fotos noch einen drauf und hält auch sonst mit seiner Meinung zur kreativen Weiterentwicklung nicht hinter dem Berg. Damit verstößt er mehr als einmal gegen die „Gesetze“ des Heavy Metal und verärgert die konservative Headbangerschaft.

Lars ist es auch, der im Sommer 2000 vor den US-Senat tritt und sich öffentlich gegen die Musiktauschbörse Napster stellt. Diese Attitüde dürften damals 99% aller Musiker und Musikerinnen geteilt haben, doch kaum einer wagt es, das offen auszusprechen. Dass Ulrich und Metallica in der Sache völlig richtig lagen, sollte Dekaden später jedem klar sein. Er selbst gibt jedoch bereitwillig zu, wie sehr das in Sachen Eigen-PR in die Hose ging und dem Ruf von Metallica geschadet tat.

Der Vielbeschäftigte

Daneben führt der Mann natürlich noch ein Privatleben: Seine erste Ehe 1988 mit einer Britin hält nicht lange, 1997 heiratet er eine kalifornische Ärztin und wird Vater zweier Söhne. Mit der dänischen Schauspielerin Connie Nielsen hat er einen weiteren Sohn, heute ist er verheiratet mit Jessica Miller, einem US-amerikanischen Model.

Außer für Musik begeistert sich Lars Ulrich schon lange für Kunst, insbesondere für abstrakte Maler, und gibt dafür eine Menge Taschengeld aus. In Some Kind Of Monster sieht man, wie bei einer Auktion für ein Bild mehrere Millionen Dollar den Besitzer wechselt. Film gehört ebenfalls zu den Leidenschaften des Dänen, weswegen er in einigen kleineren Cameos zu sehen ist. Zwischen 1998 und 2002 versucht er sich sogar als Boss seiner eigenen Plattenfirma The Music Company, muss aber einsehen, dass hier nicht viel zu holen ist. In jüngster Zeit betreibt er die Radioshow It’s Electric!, in der er andere Musikgrößen interviewt.

Ans Aufhören denkt er nicht, sondern hofft, „noch 20 oder 25 Jahre“ weiterzumachen, wenn die Gesetze der Natur da keinen Strich durch die Rechnung machen. Und so spielt Lars Ulrich weiter in seiner allerersten Band…

Credit: Raph_PH/WikiCommons

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„…And Justice For All“ von Metallica: Track für Track!

Popkultur

Zeitsprung: Am 12.8.1949 kommt Mark Knopfler (Dire Straits) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.8.1949.

von Christof Leim

Songs schreiben kann der Mann. Und ziemlich gut Gitarre spielen. Deshalb erobert Mark Knopfler zuerst als Kopf der Dire Straits die Welt und brilliert danach als Solokünstler. Am 12. August feiert er Geburtstag.

Zur Lektüre gibt’s hier Knopflers Album Down The Road Wherever:

Zunächst will der in Glasgow geborene Mark Knopfler erstmal etwas Vernünftiges machen: Er studiert Journalismus. „Der Plan war, so Geld zu verdienen und Musik als schönes Hobby auszuleben“, erzählt er 2009 in einem Interview. Er arbeitet sogar in diesem Beruf, macht einen Abschluss in Englisch und geht als Dozent an die Universität. Dabei spielt Knopfler aber immer in Bands, die zum Beispiel Brewers Droop oder Café Racers heißen. Vor allem aber schreibt er von Anfang an Songs und entwickelt einen Stil, der sich von anderen unterscheidet: Er benutzt kein Plektrum, sondern spielt seine Gitarre mit den Fingern, was vor allem im Country verbreitet ist und ihm andere Licks als die der gängigen Rockgitarristen ermöglicht. Seine Einflüsse liegen daneben im Rock und Swing, mit bisschen Blues, wie es sich gehört.

Mark Knopfler 1979 – Pic: Klaus Hiltscher/Wiki Commons

So schlägt sich Mark Knopfler Mitte der Siebziger durch die Pubs von London. Er singt und spielt Gitarre, mit dabei sind sein Bruder David an der zweiten Gitarre sowie Bassist John Illsley. Zusammen gründen sie die Band, mit der Knopfler berühmt werden wird: die Dire Straits. Der ersten Demos entstehen 1977, da ist unser Mann schon Ende 20. Auf den ersten Aufnahmen findet sich bereits ein musikalischen Kleinod namens Sultans Of Swing. Kennt man, muss man kennen.

1978 folgt das erste Album Dire Straits, doch ärgerlicherweise gerät die Musikwelt davon nich in Ekstase. Dann allerdings erscheint Sultans Of Swing als Single. Das wunderbare Lied mit dem Text über eine Feierabendband rollt langsam, aber stetig die Charts auf, zunächst in Europa, dann in Nordamerika. Die Dire Straits sind bereit, und sie starten durch: In rascher Abfolge erscheinen Communiqué (1979), Making Movies (1980) und Love Over Gold (1982) und verkaufen sich gut. 

Die Songs darauf stammen samt und sonders von Mark Knopfler, der gerne kleine Geschichten erzählt und eine höchst geschmackvolle Gitarrenarbeit zelebriert. Zwischendurch schreibt er noch Filmmusik, taucht auf einem Bob-Dylan-Album auf, produziert und schreibt Lieder für andere Leute, unter anderem für Private Dancer, das immens erfolgreiche Comeback von Tina Turner 1984.

Richtig ab geht es dann mit Brothers In Arms 1985, das zum internationalen Megahit wird.  Die Songs darauf kennt wirklich jeder: Money For Nothing, Walk Of Life, So Far Away und natürlich das einfühlsame Titelstück. Dire Straits sind jetzt Superstars, allen voran Mark Knopfler. Die nächsten beiden Jahre verbringt die Truppe auf der Straße und fährt einen Erfolg nach dem anderen ein. Dem Chef wird das aber alles zu groß und zu viel. Zunächst gibt es eine Pause, 1988 verkündet Knopfler die Auflösung der Dire Straits.  

Musik machen will er weiterhin, aber eben in kleinerem Rahmen ohne die massiven Erwartungen und Verpflichtungen. Seine nächste Band The Notting Hillbillies jedenfalls widmet sich US-amerikanischer Roots-Musik wie Folk, Blues und Country, alles viel unspektakulärer, vermutlich (oder hoffentlich) genauso befriedigend. Ein Album erscheint 1990, es trägt den schönen Titel Missing…Presumed Having a Good Time. Eine kleine Runde dreht unser Mann mit den Dire Straits aber noch: Im September 1991 kommt mit On Every Street doch noch ein Album, doch unweigerlich folgende Mega-Welttour sorgt dann dafür, dass die Band 1995 endgültig aufgelöst wird.

Mark Knopfler startet darauf eine Solokarriere, seit 1996 erscheinen in lockerer Folge fast ein Dutzend Soloalben: Golden Heart, Sailing To Philadelphia, The Ragpicker’s Dream, Shangri-La, Kill To Get Crimson, Get Lucky, Privateering, Tracker und Down The Road Wherever. Damit feiert er in aller Welt Erfolge, jedoch weit entfernt von der Megalomanie der Achtziger. Zudem kollaboriert er mit unzähligen anderen Künstlern, etwa Emmylou Harris, tourt mit Bob Dylan und beschäftigt sich oft und gerne mit Country. Bei seinen eigenen Konzerten geht es mittlerweile nur um die Musik, große Produktion braucht der Mann nicht mehr. Auf der Bühne trinkt er Tee. Nach einer Dire-Straits-Reunion steht dem musikalischen Kopf der Sinn so gar nicht, nicht mal bei der Einführung der Band in die Rock And Roll Hall Of Fame 2018 taucht er auf.

Songwriter, Meistergitarrist und Geschichtenerzähler: Mark Knopfler 2018 – Pic: Derek Hudson

Sein Privatleben behält Knopfler für sich, Interviews gibt es nicht viele. Er ist zum dritten Mal verheiratet, Vater von vier Kindern, Fan des Newcastle FC und Sammler von Sportwagen. Auf seinen letzten Touren denkt er laut darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen und kündigt explizit sogar seinen Abschied von der Bühne, spielt aber nach eigenen Aussagen zu gerne. Hoffen wir, dass das so bleibt. Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Knopfler!

Zeitsprung: Am 29.3.1979 landet Mark Knopfler auf einem Bob-Dylan-Album.

 

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Popkultur

Olivia Newton John: 10 ihrer wichtigsten Stücke

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Oliva Newton John
Foto: Radio Times/Getty Images

Zu Ehren der kürzlich verstorbenen Olivia Newton-John hören wir uns durch zehn ihrer besten Stücke.

 von Markus Brandstetter

Am 8. August 2022 verstarb Olivia Newton John. Die Britin wurde nicht nur mit der Verfilmung des Musicals Grease weltbekannt, sondern hatte auch eine extrem erfolgreiche und langlebige Solokarriere als Musikerin. Vier Grammys, etliche Top-5-Hits und 24 Studioalben — und eine Menge verschiedener Stile von Pop über Folk bis Disco: Wir hören uns an dieser Stelle mal quer durch ihr Schaffen und sprechen über zehn ihrer bemerkenswertesten und/oder bekanntesten Stücke.

1. Long Live Love (1974)

1974 trat Newton-John beim Eurovision Songcontest in London an. Long Live Love ist rückblickend definitiv nicht ihr bestes Stück (sondern eher ein harmloser Schunkelschlager), aber wir wollen es alleine aus historischen Gründen an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt lassen. Für einen Spitzenplatz reichte der Song damals nicht: Newton-John schaffte es immerhin auf Platz 4. Die Konkurrenz war an diesem Abend historisch: Den Sieg mit nach Hause brachten ABBA mit ihrem legendären Stück Waterloo.

2. Xanadu (1980)

Anfang der 1980er-Jahre machte die Künstlerin mit Jeff Lynne und ELO gemeinsame Sache — und veröffentlichte das Stück Xanadu aus dem gleichnamigen Musicalfilm. Der Film entpuppte sich zwar als Flop, den Song ereilte ein besseres Schicksal. Er kletterte in den UK-Charts auf den ersten Platz.

3. Twist Of Fate (1983)

1983 kam es nochmal zur Film-Reunion von Travolta und Newton-John für den Film Two of a Kind. Das sorgte für nostalgische Gefühle, so ganz konnte es aber den globalen Erfolg von Grease nicht mehr anknüpfen. Das Stück Twist of Fate aus dem Film ist aber dennoch erinnerungswürdig.

4. Magic (1989)

Nochmal Xanadu: Aus dem Soundtrack zum Film stammt auch der Disco-Kracher Magic. Das war nicht nur in den Charts extrem beliebt — 1980 bezeichnete John Lennon das Stück als einen jener damals aktuellen Songs, die er mochte. Eine große Ehre — und ein erster Platz in den US-Charts.

5. A Little More Love (1978)

A Little More Love war die erste Single, die Newton-John nach ihrem Mega-Erfolg mit Grease veröffentlichte. Sie erschien auf ihrem 10. Album Totally Hot.

6. I Honestly Love You (1984)

Mit I Honestly Love You landete Olivia Newton-John 1974 einen weltweiten Pop-Hit. Bis sie 1981 Physical veröffentlichte, war I Honestly Love You jenes Stück, mit dem sie meist in Verbindung gebracht wurde, wenn man ihren Namen nannte.

7. You’re The One That I Want (1978)

Natürlich darf auch ein bestimmter Song aus Grease nicht fehlen. Das Duett mit John Travolta  You’re The One That I Want ist eines der bekanntesten Duette der Popgeschichte — und zählt zu Newton-Johns besten Stücken.

8. Hopelessly Devoted To You (1978)

Wer  You’re The One That I Want sagt, muss aber auch Hopelessly Devoted To You sagen — denn der Song aus Grease ist ebenfalls unvergesslich. Die Country-Ballade war für Songschreiber John Ferrer eine große Herausforderung: „Ich habe die längste Zeit damit verbracht, den Text eines Songs zu schreiben, den ich je geschrieben habe. Ich habe jeden Thesaurus und jedes Reimwörterbuch, das ich hatte, benutzt, um ihn richtig zum Laufen zu bringen“, erklärte er  einmal. Die Arbeit zahlte sich aus: Das Stück wurde für einen Oscar als Beste Filmmusik nominiert, verlor aber leider gegen den Beitrag Last Dance aus Thank God It’s Friday.

9. Have You Never Been Mellow (1975)

Auf der Country-Pop-Ballade Have You Never Been Mellow, drei Jahre vor ihrem Mega-Erfolg mit Grease erschienen, klingt Newton-Johns Stimme beinahe schon sirenenhaft. Der Song erschien als Single des gleichnamigen Albums und schaffte es in den USA auf die Spitze der Billboard Charts — völlig zurecht, Have You Never Been Mellow ist ein absolutes Highlight im Backkatalog der Sängerin.

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Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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