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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.9.1988 treiben es Metallica mit „…And Justice For All“ auf die Spitze.

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Metallica And Justice For All Album Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.9.1988.

von Christof Leim

1988 stehen Metallica kurz vor dem Sprung in die Oberliga. Mit Master Of Puppets haben sie sich 1986 ein Denkmal gesetzt, jetzt wollen sie ihren ebenso brachialen wie cleveren Thrash Metal mit …And Justice For All zu neuen Höhen treiben. Ein Rückblick auf ein ambitioniertes, eigenständiges, nur fast perfektes Machtwerk.

Hört hier in …And Justice For All rein:

Als Metallica am 7. September 1988 ihr viertes Album …And Justice For All veröffentlichen, liegen ebenso großartige wie harte Zeiten hinter ihnen. Mit Kill ‘Em All haben die vier blutjungen Wilden 1983 den Thrash Metal losgetreten, sich mit Ride The Lightning im Folgejahr massiv weiterentwickelt und 1986 schließlich das monumentale Master Of Puppets veröffentlicht (die ganze Geschichte dazu steht hier). Die Band durchbricht mit Schwung alle Grenzen des Underground, das Genre explodiert, und die Metal-Welt liegt ihnen zu Füßen. Ob die bierdurstigen Herren sich darüber sorgen, was sie musikalisch folgen lassen können, ist nicht überliefert. Dann stirbt Bassist Cliff Burton am 27. September 1986 bei einem Tourbusunglück, und die Band verliert einen wichtigen Steuermann.

Schwieriger Einstand

Mit diesem Verlust haben die noch jungen Musiker sehr zu kämpfen, ernennen jedoch schon wenige Monate später den gleichaltrigen Jason Newsted zu ihrem neuen Bassisten, nachdem sie mehr 50 Kandidaten getestet haben, darunter Joey Vera (Armored Saint), Greg Christian (Testament) und Les Claypool (Primus). Sogar David Ellefson von den damals noch quasi verfeindeten Megadeth steht kurzzeitig auf der Liste.

Newsted kommt von den Thrashern Flotsam & Jetsam, mit denen er als großer Fan mehr als einmal Metallica-Songs gecovert hat. Für seine Audition hat er sich sämtliche Stücke der Setlist draufgeschafft, was für großen Eindruck sorgt und charakteristisch für seine Arbeitseinstellung bei Metallica sein sollte. Sein erster Auftritt findet am 8. November 1986 in Reseda, Kalifornien statt, danach geht es auf Japan-Tour und nach Europa. Musikalisch kann man Newsted nichts vorwerfen, selbst wenn er im Gegensatz zu Burton mit einem Plektrum statt mit den Fingern spielt. Vor allem auf der Bühne glänzt er mit unfassbarem Einsatz. Vermutlich liegt es an der unverarbeiteten Trauer über Cliffs Tod, dass die Band ihn trotzdem fortwährend piesackt. So werfen die anderen seine Klamotten aus dem Hotelfenster, schmieren ihn mit Rasierschaum ein oder bestellen teuersten Room Service auf seine Rechnung. Ständig. Newsted zieht trotz allem durch, stolz macht das die Kollegen später natürlich nicht. Fest steht: Metallica sind mittlerweile die Lars-und-James-Show, noch mehr als früher. Kirk Hammett gilt eher als Diplomat, ist kein Alphamännchen, und der Neue hat ohnehin wenig zu sagen.

Ab in die Garage

Zum Aufwärmen nehmen die vier Metal-Helden erstmal fünf Songs für die The $5.98 E.P.: Garage Days Re-Revisited auf, die sie – nomen est omen – in Lars’ umgebauter Garage einproben (alles dazu hier). Auf diesem ersten Vinyl-Lebenszeichen nach Burtons Tod finden sich Gassenhauer von Diamond Head, Holocaust, Killing Joke, Budgie und den Misfits. Das Ding rockt, und der Bass von „Jason Newkid“ drückt ordentlich. Danach geht es ans Songwriting. Metallica entscheiden sich für die Flucht nach vorne und führen die Entwicklung der vergangenen Jahre fort: Die Songs werden noch komplexer, noch länger, noch anspruchsvoller. Mehr Riffs, mehr Harmonien, mehr Taktwechsel sogar im Vergleich zu Master Of Puppets, und nach jedem zweiten Chorus geht es ab in ein „verdammtes anderes Universum“, wie Lars Ulrich es einmal ausdrückte.

Von Januar bis Mai 1988 finden die Aufnahmen statt, dank eines neu verhandelten und gut dotierten Plattenvertrages diesmal in Kalifornien, nicht mehr im kalten Kopenhagen. Leider steht ihr alter Weggefährte Flemming Rasmussen zunächst nicht als Produzent zur Verfügung, weswegen die Band Mike Clink anheuert, der gerade mit dem Debüt von Guns N’ Roses, Appetite For Destructioneinen Megahit gelandet hat. Doch die Zusammenarbeit funktioniert nicht: Nach drei Wochen und ein paar Drumtracks wird Clink entlassen, Rasmussen fliegt zur Rettung ein.

Die Performance der vier Musiker im Studio kann sich sehen lassen: James Hetfield als „Gott der rechten Hand“ haut uns äußerst tighte und ziemlich vertrackte Rhythmusgitarren um die Ohren, mehrfach geschichtet und hochgezogen wie eine Thrash-Metal-Backsteinmauer. Lars Ulrichs Spiel strotzt nur so vor cleveren Ideen, Fills und ordentlich Doublebass. Der Mann ist definitiv besser als sein Ruf. Auch Kirk Hammett hat die meisten seiner Soli sorgsam auskomponiert und zieht im Höllentempo alle technischen Register: modale Skalen, Geschredder, Tapping, markante Melodien, Whammy-Bar, das ganze Programm. Nur Jason Newsted hört man fast nicht.…

Mischen impossible

Zwischen den Gigs der US-Monsters Of Rock-Tour mit Van Halen und den Scorpions fliegen Ulrich und Hetfield mit müden Ohren ständig nach New York, um mit Steve Thompson und Michael Barbiero (ebenfalls bekannt von Appetite For Destruction) das Album abzumischen. Wo und wie genau das Urteilsvermögen der beiden Metallica-Chefs auf der Strecke geblieben ist, weiß man nicht, aber Lars und James entscheiden sich dafür, den Bass rauszudrehen und den Sound zudem extrem trocken und „scooped“, also ohne Mitten, einzustellen. Damit wirkt die Scheibe durchaus speziell, was man als Vorteil und Nachteil betrachten kann. Rund, lebendig, fett klingt sie allerdings nicht, dafür knüppelhart und düster.

Die Gründe sind vielfältig, eine ausführliche Analyse des Bass-Debakels findet ihr hier. Insbesondere scheint Ulrich auf diesem Sound bestanden zu haben, wie Thompson kürzlich erst zu Protokoll gab: „Am ersten Tag kam Lars an mit einem Stapel Notizen zum EQ-Setup für die Drums. Das haben wir umgesetzt, und es klang beschissen.“ Also rudern die beiden zurück, bauen einen fetten Mix, den Hetfield absegnet. Lars’ beharrt jedoch auf seiner Vision einschließlich fast unhörbarer Bassspuren, Hetfield wirft (laut Thompson) nur resigniert die Arme in die Luft. Hinzu kommt, dass Newsted es von Flotsam & Jetsam gewohnt ist, die Riffs der Rhythmusgitarre einfach mitzuspielen, nicht ungewöhnlich in diesem Stil. Doch weil sein Instrument und die mächtige Axt von Hetfield sich dank des speziellen Sounds bei den gleichen Frequenzen tummeln, geht er unter. Die Tatsache, dass er seine Spuren in wenigen Tagen ohne viel Führung und Kommunikation nur in Anwesenheit des Toningenieurs Toby Wright eingespielt hatte, verstärkt das Problem noch. Glücklich macht Jason das alles nicht, doch drei Dekaden später und nach seinem Ausstieg 2001 hat er seinen Frieden damit geschlossen. Darauf angesprochen, lässt er meist durchblicken, dass das Album „ist, was es ist“, eine spezielle, nicht perfekte Momentaufnahme. Ein kleiner Trost immerhin: Gleich der erste Song basiert auf einem seiner Riffs…

Lang, länger, Justice

Das vierte Metallica-Album erweist sich als ein komplexer Brocken, ein ebenso brachiales wie anspruchsvolles Machtwerk: Von neun Stücken bleiben nur zwei – knapp – unter sechs Minuten. Jeder Tracks weist unzählige Parts, ungewöhnliche Strukturen, Taktwechsel und gerne natürlich halsbrecherische Tempi auf. Das Bemerkenswerte: Die Truppe schafft es tatsächlich, das alles in sinnvolle Songs zu gießen, meistens zumindest. Ein paar Längen gibt es, aber die sind nichts im Vergleich zum Geschwurbel auf Death Magnetic (2008). Das Songwriting teilen sich wie gewohnt James und Lars, Kirk trägt zu vier Stücken bei, Jason zu einem. Für To Live Is To Die findet eine Idee Burtons Verwendung.

Der Opener Blackened, basierend auf einem flotten 7/4-Riff von Newsted, entwickelt sich schnell zum Publikumsliebling und eröffnet in den nächsten Jahren viele Shows. Auch die Vorabsingle, der Stampfer Harvester Of Sorrow, gibt den Fans live die Gelegenheit, für 5:42 Minuten zu Godzilla zu werden. Herrlich. Der Hit der Scheibe heißt jedoch One: Für diese ebenso epische wie bedrückende Nummer, die sich von einem balladesken Anfang bis zu einem furiosen Finale aufbaut, drehen Metallica sogar ihren ersten Videoclip überhaupt (alles dazu hier). One wird im Januar 1989 als dritte Single veröffentlicht und seitdem bei jedem Gig gespielt.

Die Texte: real und finster

Das vertrackte Eye Of The Beholder hingegen, die zweite Auskopplung Ende Oktober 1988, taucht seit 1989 nicht mehr komplett in der Setlist auf. Ansonsten gehen Metallica mit dem treibenden Titelstück …And Justice For All und dem ausgefuchsten Instrumental To Live Is To Die hart an die Zehn-Minuten-Grenze, was den Akteuren bei ersterem live irgendwann sogar selbst auf die Nerven geht. Im vertrackten The Frayed Ends Of Sanity haut uns Hetfield, der alle Rhythmusgitarren einspielt, in 7:40 Min so viele Riffs um die Ohren wie andere Bands auf einer ganzen Plattenseite, und trotzdem kann er noch einen griffigen Chorus einbauen. The Shortest Straw galoppiert böse und fies, und Dyer’s Eve thrasht so schnell und brutal, dass Metallica die Nummer erst 16 Jahre später auf die Bühne bringen. (Noch mehr zur den neun Tracks von Justice gibt’s hier.)

In seinen Texten hat sich James Hetfield längst von Dämonen, Satan, dem wilden Rockerleben und anderen Klischees entfernt. Mehr noch als auf Master Of Puppets beobachtet und kommentiert der damals 25-Jährige die Welt um sich herum, was Lars Ulrich später als die „CNN-Phase“ bezeichnet. Die Themen spannen sich von Umweltzerstörung, Korruption und die McCarthy-Ära über Einschränkung der freien Meinungsäußerung und Folgen des Krieges bis zu mentalem Wahnsinn und einer bitterbösen Abrechnung Hetfields mit seinen Eltern. Nach „Peace & love“ klingt das alles nicht.

Gelächter beim Grammy

…And Justice For All erscheint im Spätsommer 1988. Als offizielles Datum wird drei Dekaden später der 7. September genannt, allerdings gehen viele Online-Quellen vom 25. August aus, damalige Werbeanzeigen zeigen den 5. September, und die Metallica-Homepage verkündet den 6. September. Das grau-weiße Cover zeigt eine auseinander bröckelnde, mit Seilen gefesselte Justitia-Statue, deren Waagschale vor Geldscheinen überquillt. (Das Vorbild steht übrigens in Frankfurt.) Mit dem Album landen Metallica zum ersten Mal in den US-amerikanischen Top Ten, nämlich auf Platz 6, in Deutschland und England sogar noch einen bzw. zwei Plätze höher. Nach neun Wochen erreicht das Werk in den USA bereits Platinstatus für (damals noch) eine Million verkaufter Exemplare. Damit sind Metallica sind auch geschäftlich in der Oberliga angekommen und haben sich als Arena-Headliner etabliert.

1989 werden sie folgerichtig für einen Grammy für „Best Hard Rock/Metal Performance“ nominiert, der in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen wird. Sie gelten als haushohe Favoriten und spielen One bei der Zeremonie. Überraschend aber verlieren sie gegen Jethro Tull. Die wiederum sind auf Anraten ihres Managers gar nicht erst erschienen, weil selbst der felsenfest mit einem Sieg der Thrasher gerechnet hat. Die Musikwelt lacht zu Recht über die Grammy-Jury, die die Scharte im Folgejahr durch die Auszeichnung von One auswetzt.

Raus auf die Straße

Doch bekanntlich zählt „auf dem Platz“: Am 11. September 1988 starten Metallica ihre 13 Monate dauernde Damaged Justice-World Tour. Zwei Shows in Seattle im August 1989 werden für das großartige Boxset Live Shit: Binge & Purge auf Video festgehalten und zeigen eine Band, die aus allen Rohren feuert. Die Musiker spielen mit unfassbarer Energie und Präzision und können für die Setlist aus den Vollen schöpfen. Als besonderer Showeffekt fällt die Statue vom Cover, liebevoll „Doris“ getauft, bei den letzten Songs spektakulär auseinander. Sehenswert.

Als Headliner etabliert: Metallica auf der Damaged Justice-Tour. Pic: Ebet Roberts/Redferns

Ein Fazit

Mit Master Of Puppets haben sich Metallica im Heavy Metal künstlerisch an die Spitze gesetzt, mit …And Justice For All führen sie den Weg konsequent fort und haben den Verlust von Burton mehr oder minder überwunden. Von der Soundfrage einmal abgesehen gelten sie mit der Platte noch als unumstritten in der Metal-Welt und gehören zumindest ideell noch zum musikalischen Underground. Die nervigen Diskussionen über metallische Reinheit sollten erst später kommen. Steigern lassen sich die Komplexität und Riffwucht jedoch nicht mehr, weswegen die Band mit dem Folgewerk kompositorisch und klanglich in die Gegenrichtung aufbricht. Das Resultat heißt Metallica (oder: The Black Album) und schießt den Stern der vier Musiker durch die Stratosphäre. Aber das ist eine andere Geschichte…

„…And Justice For All“ von Metallica: Die Sache mit dem Bass

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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