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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.9.1988 treiben es Metallica mit „…And Justice For All“ auf die Spitze.

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Metallica And Justice For All Album Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.9.1988."

von Christof Leim

1988 stehen Metallica kurz vor dem Sprung in die Oberliga. Mit Master Of Puppets haben sie sich 1986 ein Denkmal gesetzt, jetzt wollen sie ihren ebenso brachialen wie cleveren Thrash Metal mit …And Justice For All zu neuen Höhen treiben. Ein Rückblick auf ein ambitioniertes, eigenständiges, nur fast perfektes Machtwerk.

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Hört hier in …And Justice For All rein:

Als Metallica am 7. September 1988 ihr viertes Album …And Justice For All veröffentlichen, liegen ebenso großartige wie harte Zeiten hinter ihnen. Mit Kill ‘Em All haben die vier blutjungen Wilden 1983 den Thrash Metal losgetreten, sich mit Ride The Lightning im Folgejahr massiv weiterentwickelt und 1986 schließlich das monumentale Master Of Puppets veröffentlicht (die ganze Geschichte dazu steht hier). Die Band durchbricht mit Schwung alle Grenzen des Underground, das Genre explodiert, und die Metal-Welt liegt ihnen zu Füßen. Ob die bierdurstigen Herren sich darüber sorgen, was sie musikalisch folgen lassen können, ist nicht überliefert. Dann stirbt Bassist Cliff Burton am 27. September 1986 bei einem Tourbusunglück, und die Band verliert einen wichtigen Steuermann.

Schwieriger Einstand

Mit diesem Verlust haben die noch jungen Musiker sehr zu kämpfen, ernennen jedoch schon wenige Monate später den gleichaltrigen Jason Newsted zu ihrem neuen Bassisten, nachdem sie mehr 50 Kandidaten getestet haben, darunter Joey Vera (Armored Saint), Greg Christian (Testament) und Les Claypool (Primus). Sogar David Ellefson von den damals noch quasi verfeindeten Megadeth steht kurzzeitig auf der Liste.

Newsted kommt von den Thrashern Flotsam & Jetsam, mit denen er als großer Fan mehr als einmal Metallica-Songs gecovert hat. Für seine Audition hat er sich sämtliche Stücke der Setlist draufgeschafft, was für großen Eindruck sorgt und charakteristisch für seine Arbeitseinstellung bei Metallica sein sollte. Sein erster Auftritt findet am 8. November 1986 in Reseda, Kalifornien statt, danach geht es auf Japan-Tour und nach Europa. Musikalisch kann man Newsted nichts vorwerfen, selbst wenn er im Gegensatz zu Burton mit einem Plektrum statt mit den Fingern spielt. Vor allem auf der Bühne glänzt er mit unfassbarem Einsatz. Vermutlich liegt es an der unverarbeiteten Trauer über Cliffs Tod, dass die Band ihn trotzdem fortwährend piesackt. So werfen die anderen seine Klamotten aus dem Hotelfenster, schmieren ihn mit Rasierschaum ein oder bestellen teuersten Room Service auf seine Rechnung. Ständig. Newsted zieht trotz allem durch, stolz macht das die Kollegen später natürlich nicht. Fest steht: Metallica sind mittlerweile die Lars-und-James-Show, noch mehr als früher. Kirk Hammett gilt eher als Diplomat, ist kein Alphamännchen, und der Neue hat ohnehin wenig zu sagen.

Ab in die Garage

Zum Aufwärmen nehmen die vier Metal-Helden erstmal fünf Songs für die The $5.98 E.P.: Garage Days Re-Revisited auf, die sie – nomen est omen – in Lars’ umgebauter Garage einproben (alles dazu hier). Auf diesem ersten Vinyl-Lebenszeichen nach Burtons Tod finden sich Gassenhauer von Diamond Head, Holocaust, Killing Joke, Budgie und den Misfits. Das Ding rockt, und der Bass von „Jason Newkid“ drückt ordentlich. Danach geht es ans Songwriting. Metallica entscheiden sich für die Flucht nach vorne und führen die Entwicklung der vergangenen Jahre fort: Die Songs werden noch komplexer, noch länger, noch anspruchsvoller. Mehr Riffs, mehr Harmonien, mehr Taktwechsel sogar im Vergleich zu Master Of Puppets, und nach jedem zweiten Chorus geht es ab in ein „verdammtes anderes Universum“, wie Lars Ulrich es einmal ausdrückte.

Von Januar bis Mai 1988 finden die Aufnahmen statt, dank eines neu verhandelten und gut dotierten Plattenvertrages diesmal in Kalifornien, nicht mehr im kalten Kopenhagen. Leider steht ihr alter Weggefährte Flemming Rasmussen zunächst nicht als Produzent zur Verfügung, weswegen die Band Mike Clink anheuert, der gerade mit dem Debüt von Guns N’ Roses, Appetite For Destructioneinen Megahit gelandet hat. Doch die Zusammenarbeit funktioniert nicht: Nach drei Wochen und ein paar Drumtracks wird Clink entlassen, Rasmussen fliegt zur Rettung ein.

Die Performance der vier Musiker im Studio kann sich sehen lassen: James Hetfield als „Gott der rechten Hand“ haut uns äußerst tighte und ziemlich vertrackte Rhythmusgitarren um die Ohren, mehrfach geschichtet und hochgezogen wie eine Thrash-Metal-Backsteinmauer. Lars Ulrichs Spiel strotzt nur so vor cleveren Ideen, Fills und ordentlich Doublebass. Der Mann ist definitiv besser als sein Ruf. Auch Kirk Hammett hat die meisten seiner Soli sorgsam auskomponiert und zieht im Höllentempo alle technischen Register: modale Skalen, Geschredder, Tapping, markante Melodien, Whammy-Bar, das ganze Programm. Nur Jason Newsted hört man fast nicht.…

Mischen impossible

Zwischen den Gigs der US-Monsters Of Rock-Tour mit Van Halen und den Scorpions fliegen Ulrich und Hetfield mit müden Ohren ständig nach New York, um mit Steve Thompson und Michael Barbiero (ebenfalls bekannt von Appetite For Destruction) das Album abzumischen. Wo und wie genau das Urteilsvermögen der beiden Metallica-Chefs auf der Strecke geblieben ist, weiß man nicht, aber Lars und James entscheiden sich dafür, den Bass rauszudrehen und den Sound zudem extrem trocken und „scooped“, also ohne Mitten, einzustellen. Damit wirkt die Scheibe durchaus speziell, was man als Vorteil und Nachteil betrachten kann. Rund, lebendig, fett klingt sie allerdings nicht, dafür knüppelhart und düster.

Die Gründe sind vielfältig, eine ausführliche Analyse des Bass-Debakels findet ihr hier. Insbesondere scheint Ulrich auf diesem Sound bestanden zu haben, wie Thompson kürzlich erst zu Protokoll gab: „Am ersten Tag kam Lars an mit einem Stapel Notizen zum EQ-Setup für die Drums. Das haben wir umgesetzt, und es klang beschissen.“ Also rudern die beiden zurück, bauen einen fetten Mix, den Hetfield absegnet. Lars’ beharrt jedoch auf seiner Vision einschließlich fast unhörbarer Bassspuren, Hetfield wirft (laut Thompson) nur resigniert die Arme in die Luft. Hinzu kommt, dass Newsted es von Flotsam & Jetsam gewohnt ist, die Riffs der Rhythmusgitarre einfach mitzuspielen, nicht ungewöhnlich in diesem Stil. Doch weil sein Instrument und die mächtige Axt von Hetfield sich dank des speziellen Sounds bei den gleichen Frequenzen tummeln, geht er unter. Die Tatsache, dass er seine Spuren in wenigen Tagen ohne viel Führung und Kommunikation nur in Anwesenheit des Toningenieurs Toby Wright eingespielt hatte, verstärkt das Problem noch. Glücklich macht Jason das alles nicht, doch drei Dekaden später und nach seinem Ausstieg 2001 hat er seinen Frieden damit geschlossen. Darauf angesprochen, lässt er meist durchblicken, dass das Album „ist, was es ist“, eine spezielle, nicht perfekte Momentaufnahme. Ein kleiner Trost immerhin: Gleich der erste Song basiert auf einem seiner Riffs…

Lang, länger, Justice

Das vierte Metallica-Album erweist sich als ein komplexer Brocken, ein ebenso brachiales wie anspruchsvolles Machtwerk: Von neun Stücken bleiben nur zwei – knapp – unter sechs Minuten. Jeder Tracks weist unzählige Parts, ungewöhnliche Strukturen, Taktwechsel und gerne natürlich halsbrecherische Tempi auf. Das Bemerkenswerte: Die Truppe schafft es tatsächlich, das alles in sinnvolle Songs zu gießen, meistens zumindest. Ein paar Längen gibt es, aber die sind nichts im Vergleich zum Geschwurbel auf Death Magnetic (2008). Das Songwriting teilen sich wie gewohnt James und Lars, Kirk trägt zu vier Stücken bei, Jason zu einem. Für To Live Is To Die findet eine Idee Burtons Verwendung.

Der Opener Blackened, basierend auf einem flotten 7/4-Riff von Newsted, entwickelt sich schnell zum Publikumsliebling und eröffnet in den nächsten Jahren viele Shows. Auch die Vorabsingle, der Stampfer Harvester Of Sorrow, gibt den Fans live die Gelegenheit, für 5:42 Minuten zu Godzilla zu werden. Herrlich. Der Hit der Scheibe heißt jedoch One: Für diese ebenso epische wie bedrückende Nummer, die sich von einem balladesken Anfang bis zu einem furiosen Finale aufbaut, drehen Metallica sogar ihren ersten Videoclip überhaupt (alles dazu hier). One wird im Januar 1989 als dritte Single veröffentlicht und seitdem bei jedem Gig gespielt.

Die Texte: real und finster

Das vertrackte Eye Of The Beholder hingegen, die zweite Auskopplung Ende Oktober 1988, taucht seit 1989 nicht mehr komplett in der Setlist auf. Ansonsten gehen Metallica mit dem treibenden Titelstück …And Justice For All und dem ausgefuchsten Instrumental To Live Is To Die hart an die Zehn-Minuten-Grenze, was den Akteuren bei ersterem live irgendwann sogar selbst auf die Nerven geht. Im vertrackten The Frayed Ends Of Sanity haut uns Hetfield, der alle Rhythmusgitarren einspielt, in 7:40 Min so viele Riffs um die Ohren wie andere Bands auf einer ganzen Plattenseite, und trotzdem kann er noch einen griffigen Chorus einbauen. The Shortest Straw galoppiert böse und fies, und Dyer’s Eve thrasht so schnell und brutal, dass Metallica die Nummer erst 16 Jahre später auf die Bühne bringen. (Noch mehr zur den neun Tracks von Justice gibt’s hier.)

In seinen Texten hat sich James Hetfield längst von Dämonen, Satan, dem wilden Rockerleben und anderen Klischees entfernt. Mehr noch als auf Master Of Puppets beobachtet und kommentiert der damals 25-Jährige die Welt um sich herum, was Lars Ulrich später als die „CNN-Phase“ bezeichnet. Die Themen spannen sich von Umweltzerstörung, Korruption und die McCarthy-Ära über Einschränkung der freien Meinungsäußerung und Folgen des Krieges bis zu mentalem Wahnsinn und einer bitterbösen Abrechnung Hetfields mit seinen Eltern. Nach „Peace & love“ klingt das alles nicht.

Gelächter beim Grammy

…And Justice For All erscheint im Spätsommer 1988. Als offizielles Datum wird drei Dekaden später der 7. September genannt, allerdings gehen viele Online-Quellen vom 25. August aus, damalige Werbeanzeigen zeigen den 5. September, und die Metallica-Homepage verkündet den 6. September. Das grau-weiße Cover zeigt eine auseinander bröckelnde, mit Seilen gefesselte Justitia-Statue, deren Waagschale vor Geldscheinen überquillt. (Das Vorbild steht übrigens in Frankfurt.) Mit dem Album landen Metallica zum ersten Mal in den US-amerikanischen Top Ten, nämlich auf Platz 6, in Deutschland und England sogar noch einen bzw. zwei Plätze höher. Nach neun Wochen erreicht das Werk in den USA bereits Platinstatus für (damals noch) eine Million verkaufter Exemplare. Damit sind Metallica sind auch geschäftlich in der Oberliga angekommen und haben sich als Arena-Headliner etabliert.

1989 werden sie folgerichtig für einen Grammy für „Best Hard Rock/Metal Performance“ nominiert, der in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen wird. Sie gelten als haushohe Favoriten und spielen One bei der Zeremonie. Überraschend aber verlieren sie gegen Jethro Tull. Die wiederum sind auf Anraten ihres Managers gar nicht erst erschienen, weil selbst der felsenfest mit einem Sieg der Thrasher gerechnet hat. Die Musikwelt lacht zu Recht über die Grammy-Jury, die die Scharte im Folgejahr durch die Auszeichnung von One auswetzt.

Raus auf die Straße

Doch bekanntlich zählt „auf dem Platz“: Am 11. September 1988 starten Metallica ihre 13 Monate dauernde Damaged Justice-World Tour. Zwei Shows in Seattle im August 1989 werden für das großartige Boxset Live Shit: Binge & Purge auf Video festgehalten und zeigen eine Band, die aus allen Rohren feuert. Die Musiker spielen mit unfassbarer Energie und Präzision und können für die Setlist aus den Vollen schöpfen. Als besonderer Showeffekt fällt die Statue vom Cover, liebevoll „Doris“ getauft, bei den letzten Songs spektakulär auseinander. Sehenswert.

Als Headliner etabliert: Metallica auf der Damaged Justice-Tour. Pic: Ebet Roberts/Redferns

Ein Fazit

Mit Master Of Puppets haben sich Metallica im Heavy Metal künstlerisch an die Spitze gesetzt, mit …And Justice For All führen sie den Weg konsequent fort und haben den Verlust von Burton mehr oder minder überwunden. Von der Soundfrage einmal abgesehen gelten sie mit der Platte noch als unumstritten in der Metal-Welt und gehören zumindest ideell noch zum musikalischen Underground. Die nervigen Diskussionen über metallische Reinheit sollten erst später kommen. Steigern lassen sich die Komplexität und Riffwucht jedoch nicht mehr, weswegen die Band mit dem Folgewerk kompositorisch und klanglich in die Gegenrichtung aufbricht. Das Resultat heißt Metallica (oder: The Black Album) und schießt den Stern der vier Musiker durch die Stratosphäre. Aber das ist eine andere Geschichte…

„…And Justice For All“ von Metallica: Die Sache mit dem Bass

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Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Hört hier in Let It Be rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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The Ronettes: 6 wegweisende Songs der legendären Girlgroup

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The Ronettes
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 12. Januar 2022 starb Ronnie Spector, die Leadsängerin der geschichtsträchtigen The Ronettes. Die Girlgroup aus New York war in den 1960er-Jahren eine wegweisende Popgruppe, die sich in Sachen Sound und Image deutlich vom Durchschnitt abhob.

von Markus Brandstetter

Ab 1963 arbeitete die Gruppe mit der Produzentenlegende (und dem späteren verurteilten Mörder) Phil Spector zusammen, den die Sängerin auch heiratete. Unseren Nachruf auf Ronnie Spector findet ihr hier. Zu Ehren der Sängerin wollen wir uns heute durch die größten Hits und wichtigsten und wegweisenden Songs von The Ronettes hören und ein wenig ihre Historie und den Hintergrund der Stücke beleuchten.

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1. Good Girls

Good Girls war die letzte Single von The Ronettes, die die Band über ihr altes Label Colpix Records veröffentlichte. Die Single schaffte keinen Platz in den Charts, die Band  war deswegen schwer enttäuscht und trennte sich von ihrem alten Label. Neue Geschäftsmöglichkeiten taten sich auf, die Gruppe unterschrieb bei Phil Spectors Label Philles Records. Der kommerzielle Erfolg konnte damit beginnen. Good Girls, die Single vor dem Erfolg, war vielleicht nicht so wegweisend, wie das, was unter Spectors Produktion folgen sollte — ist aber dennoch ein eingängiger, erinnerungswürdiger  Song.

2. Be My Baby

Be My Baby stammt aus der Feder von Phil Spector, Jeff Barry und Ellie Greenwich und ist der größte Hit der Band. Wobei: Spector hat im Grunde nur deswegen einen Songwriting-Credit, weil seine Produktion eben Kernstück des Songs ist. Be My Baby wurde am 15. August 1963 als Single veröffentlicht und schaffte es auf Platz zwei der US-Popcharts. Darauf zu hören ist die Creme de la Creme der damaligen Studiomusiker*innen-Szene — unter anderem spielt die großartige Carol Kaye (gemeinsam mit Ray Pohlmann) Bass, dazu sind mit Tommy Tedesco, Billy Strange, Barney Kessel und Bill Pitman gleich vier Gitarristen zu hören. Und weil ein Keyboard für eine Wall of Sound nicht reicht, sind auch vier Keyboarder mit dabei.

 3. Baby I Love You

Nachdem Be My Baby ein Erfolg wurde, war in Phil Spector der Ehrgeiz geweckt, nachzulegen. Allerdings gab es da ein Problem: The Ronettes sollten eigentlich touren. Ronnie blieb bei Phil im Studio, Estelle und Nedra gingen auf Tour, mit Verstärkung der Cousine Elaine. Weil man aber weitere Stimmen beim Aufnehmen brauchte, halfen Bekannte aus: So übernahmen Cher, Sonny Bono und Darlene Love die Backing Vocals auf dem Stück. Am Piano: der große Leon Russell.

 4. (The Best Part Of) Breakin’ Up

„Wenn Phil einen Song so sehr liebte wie (The Best Part of) Breakin’ Up, konnte er tagelang daran arbeiten, ohne jemals müde zu werden. Er verbrachte Stunden damit, die Harmonien mit Nedra und Estelle auszuarbeiten, und sprang jedes Mal auf und ab, wenn er etwas hörte, das ihm gefiel“, erinnerte sich Ronnie Spector in ihrer Autobiografie an die Aufnahmen zu  (The Best Part Of) Breakin’ Up.

 5. Do I Love You?

Junge Liebe – davon handelt Do I Love You?, das die Ronettes 1964 mit dem Song Bebe And Susu als B-Seite veröffentlichten. Geschrieben wurde der Song von Phil Spector, Pete Andreoli and Vini Poncia.

6. Walkin’ In The Rain (1964)

Walkin’ In The Rain — geschrieben von Barry Mann, Phil Spector und Cynthia Weil, wurde im Laufe der Jahre oft gecovert — unter anderem von The Walker Brothers und Jay & The Americans. The Ronettes, für die der Song geschrieben wurde, landeten 1964 damit auf Platz 23 der Billboard Top 100 Song, in den Billboard R&B Charts war sogar Platz 8 drin.

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Riot Girls: Die Musikerinnen, die die Welt veränderten

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