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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.6.2010 spielen die „Big 4“ des Thrash Metal zum ersten Mal zusammen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.6.2010.

von Christof Leim

Die großen Vier auf einer Bühne: Damit hat lange Jahre niemand gerechnet. Die Rede ist natürlich von den „Big 4“ des Thrash Metal: Metallica, Slayer, Megadeth, Anthrax. Diese Bands haben Anfang der Achtziger maßgeblich die neue und härtere Spielart des Metal erfunden und populär gemacht. Immer mal wieder gibt es gemeinsame Shows oder Touren, aber nie mit allen vier Bands. So verbindet Anthrax eine Freundschaft mit Metallica, seit diese 1983 pleite, durstig und hochmotiviert in New York anrollen. Die beiden Bands reisen auch zusammen durch Europa auf der legendären Tour zu Master Of Puppets, die im September 1986 durch den Unfalltod von Metallica-Bassist Cliff Burton jäh unterbrochen wird. (Die ganze Geschichte zu Puppets steht hier.) Megadeth-Chef Dave Mustaine gehört bekanntermaßen zur frühen Mannschaftsaufstellung von Metallica und spielte auf wichtigen ersten Demos, wird aber kurz vor den Aufnahmen zum Debüt Kill ‘Em All gefeuert. Das macht Mustaine in der Folgezeit immer wieder schlechte Laune, die er auch selten für sich behält. Als er zehn Jahre später, am 5. Juni 1993, im britischen Milton Keynes vor Metallica auftritt, verkündet er öffentlich: „The bullshit is over“, aber das hält nicht lange. Die Verbindung von Slayer zu Megadeth liegt in grauer Metal-Vorzeit: Für eine Handvoll Shows im Jahr 1984 spielt Kerry King die zweite Gitarre neben Megadave, kehrt aber rasch wieder zu seiner eigenen Band zurück. 1990 gehen diese beide Combos zusammen auf Tour unter dem Titel Clash Of The Titans, zeitweilig begleitet von Anthrax. Metallica nehmen da gerade das „Black Album“ auf. Generell entwickeln sich die vier Karrieren unterschiedlich: Metallica ziehen an allen vorbei, Megadeth legen künstlerische und personell eine äußerst wechselhafte Entwicklung hin, bei Anthrax geht es drunter und drüber, und Slayer… naja, Slayer sind immer Slayer. Auf einer Bühne stehen diese vier Legenden nie.



Dieser Headbanger-Traum wird im Sommer 2010 wahr: Am 16. Juni spielen die Big 4 in Warschau beim Sonisphere Festival zum ersten Mal zusammen. Am Abend zuvor hatten sich die Mitglieder der Bands getroffen, ohne Ehefrauen, ohne Manager. Hier entsteht das erste gemeinsame Foto der „Big 4“; nur Jeff Hanneman von Slayer fehlt. (Die Geschichte des mittlerweile verstorbenen Slayer-Gitarristen könnt hier nachlesen.) Das Konzert wird eröffnet von Anthrax, es folgen Megadeth, Slayer und Metallica als Headliner. Die Setlisten könnt ihr hier nachlesen. Auf diese Premiere folgt eine kurze Tour durch Europa mit sechs weiteren Shows. Dabei werden dekadenalte Streitereien zu den Akten gelegt, die allgemeine Atmosphäre ähnelt einem Familientreffen.



Das erste gemeinsame Interview geben Lars Ulrich, Kerry King, Dave Mustaine und Scott Ian bei der fünften Show in Bukarest für Ausgabe 8/2010 des deutschen Metal Hammer. Lustigerweise behauptet King kurz darauf bei einem Gespräch in Wacken, das sei nie passiert – selbst als ihm das Titelfoto gezeigt wird. Ob hier der Journalist oder der Musiker verwirrt war, kann nicht mehr abschließend geklärt werden.



Das vierte Konzert in Sofia wird aufgenommen und auf CD/DVD unter dem Titel The Big Four: Live from Sofia, Bulgaria veröffentlicht. Für Metal-Historiker lohnen sich hier vor allem die vielen Backstage-Szenen. An diesem Abend laden Metallica die Kollegen zu einem fetten Jam auf die Bühne ein: Die Urväter des Thrash spielen zusammen den Diamond Head-Klopfer Am I Evil?. Von Slayer macht allerdings nur Dave Lombardo mit. Tom Araya und Jeff Hannemann haben angeblich keine Lust, Kerry King muss die Aufnahmen seiner Band sichten, was ihm später leid tut. Die ganze Sause wird in 450 Kinos in den USA und 350 in Europa, Kanada und Lateinamerika gezeigt.



Im folgenden Jahr finden sich die vier Bands erneut für sieben Gigs zusammen und spielen am 2. Juli 2011 auch in Deutschland, nämlich in Gelsenkirchen. Zu weiteren gemeinsamen Auftritten kommt es jedoch nicht, selbst wenn alle Beteiligten dazu grundsätzlich Lust haben. Doch die Terminkalender lassen sich nicht so einfach koordinieren, und im Wesentlichen kommt es auf die Pläne von Metallica an. Ob das nochmal klappt, steht in den Sternen, denn 2018 begeben sich Slayer auf ihre Final World Tour, und jünger werden die Thrash-Helden alle nicht…






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