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Popkultur

10 Thrash-Metal-Empfehlungen für den Einstieg

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Foto: Pete Cronin/Redferns/Getty Images

Wir haben uns bereits mit Blues beschäftigt, auch in Soul und Jazz sind wir eingetaucht. Heute möchten wir uns einem der aggressivsten Genres der Krachmusik widmen: dem Thrash Metal. Wer hat diese Musik geprägt, in den USA wie in Deutschland? Welche Songs sollte man kennen? Ein Überblick zum Einstieg.

von Timon Menge und Christof Leim

Hier könnt ihr euch unsere Thrash-Empfehlungen anhören:

Geschwindigkeit, Power und jede Menge Gesellschaftskritik: Während der Achtziger holt der Thrash Metal die Jugend dort ab, wo sie steht. Von 1981 bis 1989 regiert der konservative Präsident Ronald Reagan die USA; junge Menschen brauchen ein Ventil für ihre Wut. Und sie sollen es bekommen. Der größte Knotenpunkt: Kalifornien.

Exodus

Genau dort legen Exodus 1979 los. Bis zur ersten Albumveröffentlichung Bonded By Blood dauert es zwar noch weitere sechs Jahre; trotzdem leistet die Gruppe als wichtiger Teil der Bay-Area-Szene einen großen Beitrag zu allem, was ab 1980 an der Westküste passiert. Vor allem Frontmann Paul Baloff, Gitarrist Gary Holt sowie Gründungsmitglied und Trommler Tom Hunting prägen zu Beginn die Stoßrichtung der Band. Zum Line-up der ersten Stunde zählt allerdings auch Kirk Hammett, der sich seine Gitarre später für eine andere, nicht ganz unbekannte Band namens Metallica umschnallen wird. Im Gegensatz zu denen zählen Exodus nicht zu den sogenannten „Big Four“. Sollten sie aber.

Anspieltipps: Fabulous Disaster; The Toxic Waltz; Bonded By Blood; Blacklist; Salt The Wound

Metallica

Natürlich kommt kein Text über Thrash Metal ohne Metallica aus. Die Band um Lars Ulrich und James Hetfield gibt im Sommer 1983 nach einigen legendären Demos mit ihrem Debüt Kill ‘Em All den eigentlichen Startschuss für die Thrash-Welle und etabliert sich schnell als Genreprimus, dem in den Anfangsjahren so ziemlich alle folgen. Auch die Nachfolgewerke setzen Maßstäbe: Mit Ride The Lightning (1984) wird Thrash clever, Master Of Puppets (1986) markiert die Thrash-Sternstunde, spätestens ab …And Justice For All (1988) wächst das Ganze über den Metal-Untergrund hinaus. Danach schießen Metallica durch die Stratosphäre und werden dank des Black Album (1991) zur erfolgreichsten Metal-Band der Welt. Darüber darf die Besatzung von Trveheim schimpfen, so viel sie will – für Geburt und Entwicklung des Thrash gibt es keine wichtigere Band als Metallica. Zählen deshalb zu den „Big Four“.

Anspieltipps: Whiplash; Creeping Death; Battery; Master Of Puppets; One

Slayer

Metalfans werden diese Truppe auch unter dem Namen „Släääyyyaaarrr“ kennen, denn so dürfte die Lautschrift in der Realität meist aussehen. Kein Wunder, Slayer begeistern. Seit 1981 gelten die Kalifornier (völlig zu Recht) als besonders aggressive Vertreter des Thrash Metal und holzen mit einer besonderen Präzision und Bosheit alles um, was sich ihnen in den Weg stellt. Frühe Werke wie Show No Mercy (1983), Hell Awaits (1985) und vor allem Reign In Blood (1986) gehören inzwischen hoffentlich zur Grundschulbildung. Doch selbst Jahrzehnte später stellen Slayer mit Repentless (2015) noch einmal unter Beweis, wie schön sie immer noch rumpeln können. Eine Querverbindung zur Kollegschaft gibt es auch hier: Seit dem Tod von Gründungsgitarrist Jeff Hanneman im Mai 2013 spielt Exodus-Klampfer Gary Holt eine der beiden Äxte für Slayer. Im November 2019 löst sich die Band auf. Zählen ebenfalls zu den „Big Four“.

Anspieltipps: Raining Blood; Angel Of Death; War Ensemble; Seasons In The Abyss; Repentless

Megadeth

Zwar erscheint das Megadeth-Debüt Killing Is My Business… And Business Is Good! erst 1985 und damit vergleichsweise spät, doch Sänger/Gitarrist Dave Mustaine gehört zu den Urvätern des Thrash, denn er spielte (und komponierte) in der prägenden Phase bis 1983 bei Metallica. Seine eigene Kapelle zimmert die Riffs technisch noch anspruchsvoller und wilder, was trotz ständiger Line-up-Wechsel und Drogenproblemen Großtaten wie Peace Sells…But Who’s Buying? (1986) und Rust In Peace (1990) hervorbringt. Mit dem Beginn der Neunziger folgen Megadeth wie eigentlich alle (außer Slayer und Exodus!) dem Metallica-Vorbild, klingen eingängiger – und stoßen dank Countdown To Extinction (1992) und Youthanasia (1994) in Platin-Dimensionen vor. Es gibt übrigens Gerüchte, dass Mustaine beim Singen deshalb so angepisst klingt, weil er grundsätzlich nicht die Zähne auseinander macht. Gehören natürlich zu den „Big Four“.

Anspieltipps: Peace Sells; In My Darkest Hour; Tornado Of Souls; Hangar 18; Symphony Of Destruction

Testament

Diese Bay-Area-Helden gehören zur zweiten Welle des Thrash, mit ersten Demos 1985 und dem Debütalbum The Legacy im Jahr 1987, das instantan zum Genreklassiker wird. Das Quintett um Hauptsongschreiber Eric Peterson (Gitarre) findet immer eine gute Balance zwischen Eingängigkeit, Songwriting und Geboller, mit Chuck Billy (Gesang) und Alex Skolnick (Gitarre, ein Schüler von Joe Satriani) weist die Besetzung echte Könner auf. The New Order (1988) und Practice What You Preach (1989) zeichnen quasi den Weg der ersten Metallica-Alben nach (heißt: geschäftlich aufwärts, musikalisch vielseitiger), später versucht sich die Band an eingängigeren Tönen (The Ritual, 1992), veröffentlicht ein übersehenes Meisterwerk (Low, 1994) und taucht dann sogar in den Death Metal ab (Demonic, 1997). Nach längerer Pause heute wieder aktiv mit den drei oben genannten Gründungsmitgliedern.

Anspieltipps: Over The Wall; The New Order; Practice What You Preach; Low; D.N.R.

Overkill

Nun reisen wir an die US-Ostküste, denn auch dort entsteht zu Beginn der Achtziger eine lebendige Thrash-Szene. Overkill legen 1980 los; Gründungsmitglied und Sänger Bobby „Blitz“ Ellsworth sowie Bassist D.D. Verni sind noch heute an Bord. Über die Jahrzehnte veröffentlicht die Gruppe viele prägende Alben, von ihrem Debüt Feel The Fire (1985) über das wichtige dritte Werk Under The Influence (1988), dessen Nachfolger Years Of Decay (1989) bis hin zu moderneren Erfolgen wie White Devil Armory (2014). Stilistisch gehen Overkill etwas klassischer vor, weshalb sie auch „Motörhead des Thrash Metal“ genannt werden. Kein ganz schlechtes Kompliment, aber auch nicht verwunderlich, denn ihren Namen entleihen Overkill dem gleichnamigen Motörhead-Album. Ach ja, einen Gitarristen namens Dan Spitz gab es kurzzeitig auch. Der hatte später allerdings andere Pläne — mit Anthrax.

Anspieltipps: Elimination; Mean, Green, Killing Machine; Hello From The Gutter; I Hate; Coma

Anthrax

Ebenfalls an der Ostküste lärmen Anthrax ab 1981 in der Ursuppe des Thrash herum. Auf dem Erstlingswerk Fistful Of Metal (1984) haben sie ihre Form noch nicht erfunden, ab Spreading The Disease (1985) und Among The Living (1987) gehören sie zu den Speerspitzen des Genres und zu den sagenumwobenen „Big Four“. Mit dem immer schwierigen Übertritt in die Neunziger wechselt das Kernteam um Scott Ian, Charlie Benante und Frank Bello den Sänger (Joey Belladonna raus, John Bush von Armored Saint rein), außerdem hält jede Menge Groove Einzug in die Songs, was durchaus Einfluss auf neue Bands der Dekade hat (vergleiche Sound Of White Noise, 1992). Wegen der Rap-Metal-Kollaborationen I’m The Man und Bring The Noise gelten die Herren als Wegbereiter für den Crossover. Man könnte sagen: Anthrax haben dreimal Neuland betreten. Mittlerweile spielt die Band wieder im klassischen Line-up (mit Belladonna, minus Leadgitarrist Dan Spitz) vor allem klassischen Stoff.

Anspieltipps: Madhouse; Caught In A Mosh; I Am The Law; Bring The Noise; Only

Sodom

Auch in Deutschland schlägt die Thrash-Bombe zu Beginn der Achtziger ein. Zu den bekanntesten Vertretern des „Teutonic Thrash Metal“ zählen Sodom aus Gelsenkirchen, die 1983 ihr erstes offizielles Demo Witching Metal veröffentlichen. Die klangvollen Namen der Musiker zur Veröffentlichungspremiere: „Aggressor“ singt und spielt Gitarre, „Witchhunter“ trommelt und „Angelripper“ singt und spielt Bass. Im weiteren Verlauf ihrer Krachmusikkarriere nehmen Sodom Klassiker wie Obsessed By Cruelty (1986), Persecution Mania (1987) und Agent Orange (1989) auf und spielen sich tief in die Herzen der Thrash-Gemeinde — nicht nur in Deutschland, wo Agent Orange das erste Thrash-Album in den Charts markiert, sondern weltweit. Besonders filigran gehen die Gelsenkirchener nie zu Werke, leisten durch ihre unprätentiöse Herangehensweise aber einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Black Metal. Auf der Bühne stehen sie noch heute; und Tom „Angelripper“ ist immer noch dabei.

Anspieltipps: Nuclear Winter; Agent Orange; Remember The Fallen; Code Red; Ausgebombt

Kreator

Ein paar Meter weiter geht es zwar erst etwas später los, dafür aber nicht minder erfolgreich: Kreator aus Essen sind nach wie vor der deutsche Thrash-Export. Seit beinahe 40 Jahren steht Frontmann Miland „Mille“ Petrozza ununterbrochen auf der Bühne, 1984 geht es so richtig los. Ein Jahr später veröffentlichen die Ruhrpottmetaller ihr Debüt Endless Pain; ab 1986 folgen mit Pleasure To Kill (1986), Extreme Aggression (1989) und Coma Of Souls (1990) Klassiker, die nun wirklich in jedes Regal gehören. Doch auch neuere Platten der Gruppe können die Gefolgschaft begeistern. Mit Gods Of Violence gelingt Kreator 2017 sogar der Sprung auf Platz eins der deutschen Charts.

Anspieltipps: Pleasure To Kill; Extreme Aggression; Enemy Of God; People Of The Lie; Satan Is Real

Annihilator

Diese Band um Sechs-Saiten-Gott Jeff Waters gehört zur zweiten Welle des Thrash und kommt zur Abwechslung mal aus Kanada. 1984 geht es los, die erste Platte erscheint erst fünf Jahre später, gehört aber zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Alice In Hell ballert wie nichts Gutes, besitzt Melodien, Epik, Millionen Ideen und tolle, tolle Gitarrenarbeit. Nach diesem verheißungsvollen Start bringt Waters das Kunststück fertig, für jede der drei folgenden Platten den Sänger zu wechseln – und es funktioniert sogar. Never, Neverland (1990) ist noch besser als das Debüt, Set The World On Fire (1993) markiert das obligatorische Analogon zum Black Album, auf King Of The Kill (1994) singt der Chef sogar selber. Danach schwimmt Waters mit ständig wechselnden Kollegen kreativ im eigenen Saft, konnte sich zuletzt aber wieder fangen.

Anspieltipps: Alison Hell; The Fun Palace; Never, Neverland; Set The World On Fire; King Of The Kill

10 Southern-Rock-Empfehlungen für den Einstieg

Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.2.1969 lässt sich Yoko Ono von Gatte Nr. 2 scheiden & verliert ihre Tochter.

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Foto: Keystone/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.2.1969.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Als sich Yoko Ono am 2. Februar 1969 von ihrem zweiten Ehemann Tony Cox scheiden lässt, steht Töchterchen Kyoko zwischen den Stühlen. Der folgende Sorgerechtsstreit sorgt dafür, dass Cox samt Kind schließlich untertaucht. Da die Scheidung den Stein ins Rollen bringt, nutzen wir ihr Datum für den heutigen Zeitsprung. Religiöser Fanatismus kommt auch vor.

Hört euch hier Sometime In New York City von John Lennon und Yoko Ono an, das kurz nach der Entführung entstand: 

Obwohl Yoko Onos Privatleben gefühlt der Weltöffentlichkeit gehört, dürften sich viele fragen: zweiter Gatte? Tochter? Die größte Aufmerksamkeit gilt stets der Beziehung und Ehe mit John Lennon, vielleicht noch Sohn Sean. Dass die Japanerin mit dem Beatle jedoch bereits das dritte Mal Hochzeit feierte, fällt häufig unter den Tisch. Angetrauter Nummer zwei: Anthony „Tony“ Cox, ein Filmproduzent und Kunstförderer.

Ungewöhnliche Verhältnisse

Der Amerikaner tritt 1961 in Onos Leben, nachdem er eines ihrer Werke sieht. Begeistert macht er sie in Tokio ausfindig. Man verliebt sich, die Ehelichung erfolgt ein gutes Jahr später. Oder tut es beinahe, denn die zierliche Künstlerin hatte wohl übersehen, die Scheidung von ihrem ersten Mann zu vollziehen. Macht ja nichts, nach einer Annullierung versucht man es einfach erneut, da ist dann auch schon Nachwuchs auf dem Weg. Kyoko Chan Cox kommt am 8. August 1963 zur Welt.

Auch beruflich macht man gemeinsame Sache, sodass beide trotz auftretender Eheprobleme an der Beziehung festhalten. Cox zeigt sich dabei verantwortlich für die Tochter und die Öffentlichkeitsarbeit des Künstlerpaares. Ono inspirieren die immer häufiger auftretenden Turbulenzen zu Konzeptkunst wie Half-A-Room und dem berühmten Ceiling Painting/Yes Painting.

Wer entführt wen?

Da kommt dann auch schon John Lennon ins Spiel, und die Ehe erhält den finalen Knacks. Die Scheidung von Ono und Cox erfolgt am 2. Februar 1969, aber 1971 nehmen die Dinge einen gleichermaßen unglaublichen und tragischen Verlauf: Mitten im Sorgerechtsstreit tauchen John und Yoko auf Mallorca auf und „entführen“ das dort lebende Kind, zumindest ein paar Stunden lang. Erst erhält Ono das Sorgerecht, dann kontert Cox mit deren Drogenkonsum; Kyoko soll laut Gericht doch bei ihm leben. Als seine Ex-Frau zumindest das Besuchsrecht durchsetzen möchte, sieht Cox rot.

Gemeinsam mit der Tochter und seiner neuen Frau taucht er in Kalifornien unter, verpasst Kyoko eine neue Identität und hält es scheinbar für eine gute Idee, sich einer Sekte namens The Walk oder Church Of The Living Word anzuschließen. Deren religiöser Fanatismus geht so weit, dass sie  unter anderem für die Ermordung diverser US-Präsidenten beten . Ab März 1972  verfrachten sie die Familie  in die ländliche Isolation. Ono und Lennon lassen derweil verzweifelt nach Kyoko suchen. Ohne Erfolg.

Ohne jede Spur

Nach einigen Jahren schnappt sich Cox seine Tochter und kehrt der Glaubensgemeinschaft den Rücken; Kontakt zu den Lennons sucht er keinen. Nach Johns Ermordung 1980 schicken er und Kyoko immerhin eine Beileidsbekundung an die Witwe. Erst 1986 gibt es wieder ein Lebenszeichen von Cox, dann gleich in Form einer Dokumentation: In Vain Glory erzählt er von seinen Erfahrungen im Schoße der Sekte. Ono sieht ihre Chance und verfasst einen öffentlichen Brief:

„Liebe Kyoko,

all diese Jahre gab es nicht einen Tag, an dem ich dich nicht vermisst habe. Du bist auf ewig in meinem Herzen. Ich werde jedoch keinen Versuch unternehmen, dich zu kontaktieren, da ich deine Privatsphäre respektiere. Ich wünsche dir nur das Beste. Falls du je mit mir in Kontakt treten möchtest, sei versichert, dass ich dich innig liebe und froh wäre, von dir zu hören. Du solltest dich jedoch nicht schuldig fühlen, wenn du dich entscheidest, es nicht zu tun. Du hast für immer meinen Respekt, meine Liebe und meine Unterstützung.

In Liebe, Mama“

Zunächst kommt nichts; erst in den Neunzigern meldet sich Kyoko bei ihrer Mutter. Seitdem pflegen die beiden regelmäßig Kontakt. So ganz scheinen sie die getrennte Zeit zwar bis heute nicht überwinden zu können, aber welche Familie ist schon perfekt?

Zeitsprung: Am 20.3.1969 heiraten John Lennon & Yoko Ono. Ein Song entsteht auch.

 

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Popkultur

Ein Schal für Freddie Mercury: Lisa Marie Presley wäre 55 Jahre alt geworden

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Lisa Marie Presley
Foto: Christopher Polk/Getty Images for Wonderwall

Am 1. Februar 2023 hätte Lisa Marie Presley ihren 55. Geburtstag gefeiert. Der Schock, dass sie das niemals tun wird, sitzt immer noch tief: Die Tochter von Elvis und Priscilla Presley starb am 25. Januar 2023 völlig überraschend.

 von Markus Brandstetter

Ein Leben im Scheinwerferlicht, das war für die einzige Tochter des King of Rock’n’Roll vorprogrammiert. Genau neun Monate nach der Hochzeit von Elvis und Priscilla wurde Lisa Marie Presley in Memphis im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee geboren. Sie war sechs Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden ließen. Sie zog mit ihrer Mutter nach Los Angeles, besuchte Elvis aber oft in Graceland.

Gute Beziehung zu Elvis

„Er war sehr beschützend, sehr fürsorglich und sehr wachsam. Ich wusste, dass ich geliebt wurde, daran bestand kein Zweifel“, erzählte sie einmal in einem Interview über ihren Vater. Lisa Marie war neun Jahre alt, als ihr Vater starb. Gemeinsam mit ihrer Großmutter Minnie Mae und ihrem Großvater Vernon Presley wurde sie zur Erbin des Elvis-Nachlasses erkoren; als die beiden 1979 und 1980 starben, wurde sie zur Alleinerbin. Als sie 25 Jahre alt war, bekam sie das Elvis Estate, damals 100 Millionen Dollar wert. Gut gewirtschaftet wurde mit dem Geld aber wohl nicht: 2018 erklärte sie vor Gericht, dass sie nur noch 14.000 Dollar habe und dies ihrem ehemaligen Businessmanager Barry Siegel zu verdanken sei.

Lisa Marie Presley zog es selbst zur Musik hin — ihr erstes Konzerterlebnis hatte sie ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters. Da sah sie die britischen Rocklegenden Queen — und schenkte Freddie Mercury nach dem Konzert ein Accessoire ihres Vaters. „Ich erinnere mich, dass ich Freddie Mercury einen Schal meines Vaters mitbrachte und ihn ihm nach der Show schenkte. Ich liebte es. Ich liebte die Theatralik. Ich liebte Freddie. Ich fand Queen großartig“, erzählte sie einmal. Das erste Mal selbst in Erscheinung trat sie erst 1997 — mit einem virtuellen Duett mit ihrem Vater. Elvis hatte vor seinem Tod einige Aufnahmen und Gesangsspuren hinterlassen — aus einem wurde das Duett Don’t Cry Daddy.

„Ihre eigene Rock-Queen“: Presleys erstes Soloalbum

2003 veröffentlichte Lisa Marie Presley ihr erstes Soloalbum — und alle Augen waren natürlich auf sie gerichtet. Auf To Whom It May Concern arbeitete sie mit bekannten Songwritern und Produzenten (unter anderem Glen Ballard) zusammen. Die Lyrics stammen alle von ihr (mit Ausnahme des Stücks The Road Between, das sie gemeinsam mit Gus Black verfasste), bei der Musik war sie an allen Songs als Co-Autorin beteiligt. „Presleys überraschend kraftvolle Stimme schwingt von einem tiefen Ton bis zu einem bluesgetränkten Heulen und übertrumpft die glänzende Produktion von Eric Rosse und Andrew Slater“, schrieb der US-amerikanische Rolling Stone damals. Die Kritiken waren wohlwollend: „Nichtsdestotrotz zeigt To Whom It May Concern eine Menge Herzenswärme. Wenn sie das hier gezeigte Potenzial ausschöpft, hat die Tochter des King of Rock die Chance, ihre eigene Rock-Queen zu werden.“ Noch überzeugter zeigte sich der Kritiker Robert Hilburn, der die Kompromisslosigkeit des Albums lobte und attestierte: „Presleys mutige, bluesige Stimme hat ein unverwechselbares Flair.“ Das Album schaffte es auf Nummer 5 der US-amerikanischen Billboard Charts und wurde mit Gold ausgezeichnet.

2005 legte Presley mit dem Album Now What nach — mit eher durchwachsenen Kritiken. Wie auch der Vorgänger war die Platte eher im Pop-Rock angesiedelt. Ihr wohl bestes Werk war ihr letztes: Auf Storm & Grace widmete sich Presley Country, Folk und Blues (das alles immer noch mit jeder Menge Pop-Appeal), arbeitete dafür mit dem renommierten Musiker und Produzenten T Bone Burnett zusammen.

Nicht wegen Musik im Scheinwerferlicht

Allerdings war Lisa Marie Presley mehr wegen ihres Privatlebens als ihres musikalischen Schaffens im Rampenlicht. Klar, wenn die Tochter des King of Rock’n’Roll den King of Pop — wir sprechen hier natürlich von Michael Jackson — heiratet, ist das schon spektakulär. Die Ehe — es war nicht ihre erste – hielt zwei Jahre. Insgesamt war Presley viermal verheiratet, mit Danny Keough (sie hatte ihn bei Scientology kennengelernt) hatte sie zwei Kinder. Sechs Jahre nach der Ehe mit Jackson heiratete sie den Hollywood-Schauspieler Nicholas Cage, die Ehe ging nach drei Monaten in die Brüche. Von 2006 bis 2008 war sie mit dem Musiker Michael Lockwood verheiratet, mit dem sie 2021 Zwillingstöchter bekam. Den größten Schicksalsschlag ihres Lebens erlitt Lisa Marie Presley im Juli 2020, als ihr Sohn Benjamin Keough sich das Leben nahm.

Kurz vor ihrem Tod zeigte sich Lisa Marie Presley noch gemeinsam mit Mutter Priscilla auf dem roten Teppich der Premiere des Elvis-Biopics. Kurz danach kam die Meldung, sie habe einen Herzstillstand erlitten und befinde sich im Krankenhaus. Wenig später kam die traurige Gewissheit, dass Lisa Marie Presley im Alter von nur 54 Jahren verstorben war. Über ihren Gesundheitszustand, ihre letzten Monate und zuletzt auch ihr Testament wird immer noch viel spekuliert und berichtet, dies soll an dieser Stelle ausgespart werden. Über ihre eigenen Kämpfe berichtete sie im Laufe der Jahre selbst immer wieder — erzählte von Süchten, zerbrochenen Ehen und ihrer Einsamkeit als Teenager.

Lisa Marie Presley wurde in Graceland beigesetzt — neben ihrem Vater Elvis und ihrem Sohn Benjamin.

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Axl Rose: „November Rain“-Soloauftritt bei Lisa Marie Presleys Trauerfeier

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