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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.10.1985 erscheint „Spreading The Disease“ von Anthrax.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.10.1985."


von Christof Leim

Anthrax sind ganz vorne dabei, als Heavy Metal Anfang der Achtziger einen Zahn zulegt und den Thrash hervorbringt. Mit ihrem Debüt Fistful Of Metal können sie allerdings noch nicht so richtig punkten. Erst Spreading The Disease lässt 1985 den Knoten platzen. Dafür muss aber erstmal ein neuer Sänger her. Gitarrist Scott Ian erinnert sich in unserem Zeitsprung.

Hier könnt ihr euch Spreading The Disease anhören:

Es war der heiße Scheiß damals: Klassischer Metal von Iron Maiden und Judas Priest, die Energie des Hardcore und dazu natürlich viel Motörhead, aber kein bisschen Glam und Poserei. Thrash Metal heißt der Spaß. 1983 hatten Metallica mit Kill ‘Em All und Slayer mit Show No Mercy beeindruckend vorgelegt, Megadeth folgen 1985. Fistful Of Metal, das 1984 veröffentlichte erste Lebenszeichen der New Yorker Anthrax, fällt jedoch unspektakulär aus. Erst auf dem Nachfolger Spreading The Disease findet die Band ihren Stil. „Die Platte hat uns ermöglicht, als Band überhaupt länger zu existieren“, stellt Gitarrist Scott Ian 2016 im Gespräch mit dem Magazin Rocks klar. „Nach Fistful hätten wir genauso wieder in der Versenkung verschwinden können. Wir waren zwar einen Monat auf Tour in den USA, aber sonst passierte nichts. Die Songs für die zweite Platte gab es schon, dafür fehlte uns ein Sänger.“ 

Diktatoren mag niemand

Den bisherigen Vokalisten Neil Turbin hatten Anthrax nach den Shows nämlich rausgeworfen: „Neil war schlicht ein Diktator“, berichtet Ian. „Er kann heute erzählen, was er will, damals galt: Es muss alles so gemacht werden, wie Neil das will. Und damit konnte keiner von uns leben.“ Schon vor der Tour sorgt Turbin dafür, dass Bassist und Gründungsmitglied Danny Lilker gefeuert wird. (Später gründet der unter anderem Nuclear Assault.) Für den freien Posten akquirieren Scott Ian, Drummer Charlie Benante und Leadgitarrist Danny Spitz den 18-Jährigen Frank Bello, den Sohn von Charlies älterer Schwester.

Das klassische Line-up von Anthrax im Sommer 1985: Bello, Ian, Belladona, Benante, Spitz – Foto: Ebet Roberts/Redferns/GettyImages

Durch den Weggang von Turbin und Lilker verlieren Anthrax jedoch zwei Songwriter, also nehmen Scott Ian und Charlie Benante die Zügel in die Hand. Bis heute ist Benante für den Großteil der Riffs verantwortlich, während Ian die Texte schreibt.

Als neuen Sänger rekrutieren die New Yorker Jungspunde Matt Fallon aus dem benachbarten New Jersey. Mit ihm begibt sich die Band ins Pyramid Studio in Ithaca, einem vier Stunden nördlich von New York City gelegenen Kleinstädtchen. Doch leider funktioniert die Zusammenarbeit nicht, Anthrax stehen wieder ohne Sänger da. Fallon taucht später noch kurz als Vorgänger von Sebastian Bach bei Skid Row auf.

Streit & Sängersuche

Damit sitzt die Band auf einem fertig aufgenommen Album, dem nur noch der Gesang fehlt. Studiozeit ist teuer, die beiden Manager Jon und Marsha Zazula, legendäre Metallica-Entdecker und Gründer von Megaforce Records, zerstreiten sich darüber: „Johnny wollte alles tun, um die Anthrax-Platte rauszubringen, seine damalige Frau wollte statt dessen lieber auf Raven setzen.“ Doch Jon hebt 29.000 Dollar vom gemeinsamen Konto ab und fährt zu Anthrax nach Ithaca, um dafür zu sorgen, dass die Platte fertig wird. Glücklicherweise stehen Island Records, bei denen Anthrax einen Major-Deal unterschrieben hatten, weiter hinter der Band. „Sechs Wochen haben wir gegrübelt, wie es weitergehen soll“, erinnert sich Scott. „Zwischenzeitlich stand sogar im Raum, dass Frankie und ich auf der Platte singen. Aber Verzweiflung hat sich nie breit gemacht. Mir war immer klar, dass wir jemanden finden würden.“

Carl Canedy, Drummer von The Rods und Produzent von Spreading The Disease, treibt die Telefonnummer eines Sängers auf, den er bei der Band Bible Black gehört hatte. Weil der 24-jährige Joey Belladonna, geboren als Joseph Bellardini, gar nicht auf den harten Stoff steht, wirft er sich in ein Outfit, das er bei einer Metal-Band für angemessen hält. Scott Ian muss heute noch schmunzeln: „Joey trug eine knallenge Hose, schwarze Cowboystiefel mit einem kleinen Kettchen daran und ein aufgeschnittenes Hemdchen. Und ich stand da in zerrissenen Jeans, Turnschuhen und vermutlich einem Agnostic-Front-Shirt.“ Anthrax hatten wie die meisten ihrer Thrash-Kollegen zu diesem Zeitpunkt bereits die Leder-und-Nieten-Ästhetik der klassischen Metal-Bands abgelegt und sich einen lockeren Stil mit Jeans und Shirts verpasst. 

Auftritt Joey Belladonna

Sie hätten den Kandidaten also auch vorschnell abhaken können, doch als der seinen Mund öffnet, klappen reihum die Kinnladen herunter. Scott berichtet: „Joey sang ohne Begleitung Oh Sherrie von Steve Perry, Hot Blooded von Foreigner und irgendwas von Deep Purple. Er stand in der Aufnahmekabine am Mikro, wir im Kontrollraum, also konnte er uns nicht hören. Wir haben uns nur angeguckt. Mein Gedanke: Wir haben unseren Halford, das ist unser Bruce Dickinson.“ Belladonnas Stimme klingt in der Tat nicht nach dem harten Gegröle von James Hetfield (Metallica) und Tom Araya (Slayer), sondern viel melodischer. Canedy verkündet, dass Anthrax sich mit ihm „von allen anderen Bands unterscheiden“ würden, und sollte Recht behalten. 

Mit der „Armed & Dangerous“-EP stellen Anthrax ihren neuen Sänger Joey Belladonna zum ersten Mal vor.

Doch die akuten Probleme sind damit nicht gelöst: „Wir hatten nun also einen Sänger, aber der musste erstmal die Songs lernen und verstehen, was bei Anthrax überhaupt abgeht. Musik wie unsere hatte er noch nie im Leben vorher gehört. Also haben wir ein paar Shows an der Ostküste gespielt, damit er ein Gefühl für die Band bekommt. Im März 1985 waren wir wieder zurück im Studio und haben bis zum 30. Juni gebraucht, die Platte endlich, endlich fertigzustellen.“ Vorher erscheint im Februar als erste Visitenkarte des neuen Line-ups die Armed & Dangerous-EP mit dem bis dahin unbekannten Titelsong, einem exklusiven Stück (Raise Hell), einem Sex-Pistols-Cover (God Save The Queen) und zwei Livenummern mit Joey, von denen allgemein angenommen wird, dass sie im Studio entstanden sind. 

Der entscheidende Song fehlt noch

Doch Benante ist noch nicht zufrieden, ihm fehlt an dem Album noch etwas. Zurück in New York City schreibt er den Song A.I.R., schickt ihn ins Studio und besteht darauf, dass dieser unbedingt noch aufgenommen werden müsse. Scott sieht das genauso: „Also haben wir die Drums und alle Verstärker wieder aufgebaut. Das passierte erst im Mai oder Juni 1985. A.I.R. ist der beste Song der Platte, ohne ihn würde Spreading The Disease ganz anders klingen.“ Mehr noch: A.I.R. schlägt mit seinen noch dickeren Riffs und dem großen Refrain die Brücke zum nächsten Album Among The Living.

Spreading The Disease erscheint am 30. Oktober 1985, vorher wird Madhouse als erste Single ausgekoppelt. Allerdings weigert sich MTV, das Video auszustrahlen, weil die Band sich darin angeblich über psychisch Kranke lustig macht. „Wir konnten uns nur am Kopf kratzen, denn wir wollten nur ausdrücken, wie verrückt es im Moshpit zugeht.“

Das zweite erste Album

Insgesamt klingt der Fünfer auf dem Zweitwerk fokussierter und weniger nach klassischem Heavy Metal, stattdessen mehr nach Thrash. Nicht jedes der Stücke von Spreading The Disease taucht dauerhaft in den Setlisten auf, doch mindestens die Megamosh-Granate Gung-Ho bleibt in guter Erinnerung. Anthrax gehen anschließend auf eine Tour mit Black Sabbath, die leider nach vier Shows wegen Stimmprobleme von Sänger Glenn Hughes abgesagt wird. Dafür dürfen unsere Helden mit Overkill und Agent Steel auf die Metal Hammer Roadshow nach Europa, die in der Zeche in Bochum startet.

Alles in allem ist mit Spreading The Disease, das Scott als „die eigentliche erste Platte“ bezeichnet, ein wichtiger Schritt zur Mosh-Weltherrschaft getan. Thrash als Genre explodiert, und Anthrax reiten auf der Welle bis zu dem Album, das sie 1987 endgültig etabliert: Among The Living. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte…

Anthrax bitten zum Tanz: Das Cover der „Madhouse“-Single.

 

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Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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