------------

Popkultur

Zeitsprung: Am 7.8.1958 schreit Bruce Dickinson von Iron Maiden zum ersten Mal los.

Published on

Foto: Steve Thorne/Redferns

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.8.1958."

von Christof Leim

Bruce Dickinson ist ein Phänomen: Als Sänger der mächtigen Iron Maiden gehört er zu den ganz Großen, daneben brilliert er als Solokünstler, Pilot, Fechter, Buchautor, Bierbrauer, Radiomoderator, Geschäftsmann und Filmemacher. Wie genau man das alles in einem Leben unterkriegt, wissen wir nicht, aber zu seinem Geburtstag versuchen wir uns an einem Überblick.

Hört hier in die besten Iron-Maiden-Songs rein:

Paul Bruce Dickinson kommt am 7. August 1958 in Worksop, Nottinghamshire zur Welt. Zunächst ziehen ihn Oma und Opa auf, ab seinem sechsten Lebensjahr lebt er wieder bei seinen noch jungen Eltern in Sheffield. Kurz vorher wird seine jüngere Schwester geboren, die (mittlerweile deutsche) Springreiterin Helena Stormanns, auch bekannt als Helena Weinberg.  Zu den ersten musikalischen Erfahrungen des kleinen Bruce gehört es, zu Chubby Checkers The Twist im Wohnzimmer seiner Großeltern zu tanzen, natürlich haben auch die Beatles einen großen Einfluss, speziell die Single She Loves You.

Anfangs erstmal Ärger

Während der Schulzeit auf einem Internat in Oundle wecken Deep Purple dann das Interesse des jungen Dickinson an Rockmusik, seine erste selbstgekaufte Platte ist In Rock (1970). Zunächst will er Drummer werden, doch bei einer Probe mit Kumpels stellt sich raus, dass er eine gute Singstimme besitzt. Kurz danach fliegt er vom Internat, weil er dem Direktor ins Essen pinkelt (kein Witz). Also geht es zurück nach Sheffield, und da kann Bruce endlich mal eine richtige Band gründen: Paradox, später umbenannt in Styx. Noch steht die Rockwelt nicht in Flammen, aber immerhin schaffen es die Jungspunde in die Zeitung, weil ein durch den Krach aufgeweckter Schichtarbeiter droht, das Schlagzeug zu zerstören. Nach der Schulzeit mit Abschlüssen in Englisch, Geschichte und Wirtschaft sowie einem sechsmonatigen Abstecher in die Armee schreibt sich Bruce an einer Londoner Universität für Geschichte ein. Sein wahres Interesse gilt allerdings dem Rock’n’Roll.

Die nächste Band-Station heißt Speed (wegen schneller Tempi, nicht wegen Drogen), hier lernt er drei Akkorde auf der Gitarre und beginnt, eigene Songs zu schreiben. Zudem bewirbt er sich bei einer Band namens Shots mit einer Kassettenaufnahme und kommentiert auf einem Zettel: „Wenn euch der Gesang nicht gefällt: Auf die andere Seite habe ich John Cleese aufgenommen.“ Mit Shots nimmt Bruce Dickinson zum ersten Mal einen Song auf, er heißt Dracula. Der nächste Schritt zur Weltherrschaft ist getan. Allerdings fliegt er zu der Zeit fast von der Universität und muss, um seinen Abschluss zu retten, die Hausarbeiten von sechs Monaten in zwei Wochen schreiben. Dekaden später, am 19. Juli 2011, erhält er von der gleichen Lehranstalt die Ehrendoktorwürde für seine Beiträge zur Musik.

Wer ist Bruce Bruce?

Zum ersten Mal professionell wird es erst 1979, als Bruce mit 21 Jahren der Band Samson beitritt. Unter dem, sind wir mal ehrlich, bescheuerten Namen Bruce Bruce nimmt er sein erstes Album auf: Head On (1980). Bei einem Samson-Konzert fällt ihm die Vorgruppe auf, ihr Name: Iron Maiden. Später sagt er dazu: „Sie waren wirklich verdammt gut. Mir war damals schon klar: Eines Tages werde ich in dieser Band singen. Das bin ich, nicht Samson.“ 1981 erscheint aber erstmal ein weiteres Album mit Samson namens Shock Tactics, aber mit der Truppe geht es nicht voran; vor allem die unprofessionelle Arbeitseinstellung stößt dem Sänger auf.

Gleichzeitig werden Iron Maiden immer mehr zum ganz heißen Eisen: Gegründet und bis heute mit eiserner Entschlossenheit geführt von Bassist Steve Harris, hatte die Band am 1. Mai 1976 ihr erstes Konzert gespielt, aber noch ein paar Jahre gebraucht, um das Line-up zu festigen. Doch dann geht es ab: Das Debüt Iron Maiden erscheint 1980, schafft es bis auf Platz vier in Großbritannien und gilt als Meilenstein nicht nur in der „New Wave Of British Heavy Metal“, sondern in der Welt des klassischen Heavy Metal an sich. 1981 folgt Killers, aber gerade als Maiden zur Weltkarriere ansetzen, zeichnen sich Schwierigkeiten mit Sänger Paul Di’Anno ab. Iron Maiden laden Bruce Dickinson deshalb im September 1981 zu einem Vorsingen ein, kurz darauf gehört er zur Band. Der Rest ist Premium-Metal-Geschichte….

Weltherrschaft

Schon im Februar 1982 erscheint mit der Single Run To The Hills das erste Lebenszeichen von Maiden mit ihrem neuen Sänger, das aller Welt sofort klar macht: Hier kommt Großes. Obwohl er nie Unterricht genommen hat, verfügt Dickinson über eine außergewöhnliche Stimme mit klassischem, fast opernhaften Klang und einem Umfang von über vier Oktaven. Ihr durchdringender Ton verschafft dem Sänger zudem den Spitznamen „Air Raid Siren“, also „Luftschutzsirene“. Was wie ein Kompliment klingt, entsprang allerdings der Beschwerde eines Fans.

Die neue Stimme ermöglicht der Band nun ganz anderes Songwriting, zumal Bruce von Anfang an klar macht, dass er kein Mitläufer sein, sondern kreativ beteiligt werden will. Sein Albumeinstand The Number Of The Beast erreicht 1982 prompt die Nummer eins in Großbritannien und gilt bis heute als Heavy-Metal-Referenzwerk, das so gut ist, dass Kinder davon in der Schule hören sollten. Aus vertraglichen Gründen taucht Dickinson in den Credits nicht auf, später lässt er durchblicken, an The Prisoner, Children Of The Damned und Run To The Hills beteiligt gewesen zu sein. Legendär sind die endlos langgezogenen Gesangszeilen am Anfang von Hallowed Be Thy Name und das Intro von The Number Of The Beast, das Bruce auf Anforderung von Produzent Martin Birch so oft singen muss, dass er irgendwann Mobiliar durchs Studio wirft.

Fechtsport gegen Überlastung

Aber die Grundlagen sind gelegt. Ab jetzt macht der Maiden-Zug keine Pause und rollt immer weiter: Album, Welttour, zwei Wochen Pause, wieder von vorne. Und Iron Maiden touren hart, das Arbeitspensum ist beeindruckend, 1983 schon erscheint Piece Of Mind, 1984 Powerslave. Die anschließenden World Slavery-Tour bringt zwar den legendären Konzertmitschnitt Live After Death hervor, der 1985 veröffentlicht wird und wirklich in jeden Metal-Haushalt gehört. Allerdings geraten die Musiker an ihre Grenzen, vor allem Dickinson ist ausgebrannt und fühlt sich nach eigenen Aussagen irgendwann „wie ein Teil der Lichttraverse“. Um nicht völlig durchzudrehen, fängt er mit Fechtsport an. Er trainiert tagsüber in leeren Konzerthallen, besucht Lehrgänge – und macht keine halben Sachen. Irgendwann ist er so gut, dass er professionelle Kämpfe bestreitet und Rang sieben in Großbritannien erreicht. Später gründet er eine Firma für Fechtausrüstung namens Duellist, benannt nach einem Song von Powerslave.

Das nächste Album lässt jedoch nicht lange auf sich warten: Zu Somewhere In Time (1986) steuert unser Mann keine Lieder bei, vor allem, weil seine Idee, jetzt mal eine Akustikplatte zu machen, von der Band rundheraus abgelehnt wird. Also gönnt sich Dickinson eine kreative Pause und erfreut sich daran, „nur der Sänger“ zu sein. Für Seventh Son Of A Seventh Son (1988) sind die Batterien dann wieder aufgeladen, und Maiden legen einen vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere hin. Man kann sogar sagen: Bis 1988 haben Iron Maiden nichts falsch gemacht und reihenweise Klassiker rausgehauen, die den Kanon der Headbangerei bis heute definieren. Nach der obligatorischen Tour nimmt sich die Band sogar mal ein Jahr frei.

Zeit für Veränderung

Mit No Prayer For The Dying geht es 1990 weiter, im gleichen Jahr erscheint Dickinsons erstes Soloalbum Tattooed Millionaire mit dem späteren Maiden-Gitarristen Janick Gers an der Axt. Nach Fear Of The Dark (1992) allerdings folgt der Knall: Bruce Dickinson verlässt die Band. Der Sänger will sich kreativ austoben und hat keine Lust auf Nummer-sicher-Erfolge im immer gleichen Stil. Zudem haben sich die Zeiten im harten Rock geändert, Grunge und Crossover begeistern, und der traditionelle Heavy Metal verliert für eine Weile an Strahlkraft.

Konsequenterweise experimentiert Bruce in seiner Solokarriere mit schrägen Alternative Rock und testet Grenzen aus: 1994 erscheint Balls To Picasso mit Tribe Of Gypsies als Begleitband, auf der Tour spielt er sogar im belagerten Sarajevo. Für Skunkworks (1996) heuert er schließlich Nirvana-Produzent Jack Endino an, doch das Ergebnis „interessiert niemanden“, wie er selbst sagt. Vermutlich klingen Accident Of Birth (1997) und The Chemical Wedding (1998) deshalb wieder nach kraftvollem Heavy Metal, und sogar der mittlerweile bei Maiden ausgestiegene Gitarrist Adrian Smith spielt mit.

Über den Wolken…

Doch Musik ist nicht alles: Dickinson macht einen Flugschein und stürzt sich auch hier so sehr rein, dass er irgendwann als Pilot für die kommerzielle Airline Astraeus arbeitet und dicke Boeings durch die Welt fliegt. Er ist es auch, der das legendäre Maiden-Flugzeug Ed Force One steuert. 2011 gründet Dickinson zudem eine Firma für Flugzeugwartung in Wales. Wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten wird er regelmäßig weltweit zu Konferenzen vor allem, aber nicht nur zum Thema Luftfahrt eingeladen.

Bruce Dickinson 2008 in Costa Rica. Credit: Adels

Während einer Welttour 1986/1987 beginnt Bruce mit dem Schreiben und verfasst den abgedrehten satirischen Roman The Adventures Of Lord Iffy Boatrace, der sehr an die Werke von Tom Sharpe erinnert. 1992 erscheint der Nachfolger The Missionary Position, auch das Skript zum Film Chemical Wedding (2008) stammt aus der Feder von Bruce Dickinson. Das Schreiben scheint ihm zu gefallen, denn im Oktober 2017 erscheint seine lesenswerte Autobiografie What Does This Button Do?, die er ohne Ghostwriter und handschriftlich (!) verfasst. Und weil das alles nicht reicht, betätigt er sich noch ein paar Jahre (2002-2010) als Radiomoderator bei der BBC. 2013 entwickelt er außerdem mit der Robinsons Brewery in England das Bier Trooper, benannt nach einem ikonischen Maiden-Song von 1983. Auch hieraus entwickelt sich eine Erfolgsgeschichte.

Zu Iron Maiden kehrt Dickinson 1999 zurück, seitdem ist die Band sogar erfolgreicher als während der „goldenen Achtziger“. Es erscheinen regelmäßig weitere Studioalben, die ebenso regelmäßig die Charts in etlichen Ländern anführen, 2005 gibt es ein weiteres Dickinson-Soloalbum namens Tyranny Of Souls. Die Briten touren weiter um die ganze Welt und erweisen sich nach wie vor als Live-Macht. Iron Maiden haben sich ihren Platz als eine der drei wichtigsten Metal-Bands aller Zeiten längst gesichert, die mächtige Stimme Dickinsons lässt sich nicht wegdenken. Eine Ende der Gruppe zeichnet sich nirgends ab, ihr Frontmann scheint ohnehin keine Pausen zu kennen. 2015 übersteht er sogar eine Krebserkrankung.

Wie viele Stunden hat sein Tag?

Wir sehen also: Der Mann ist beschäftigt, vielseitig interessiert und ruht sich in keiner Nische, schon gar nicht auf dem Status eines Rockstars aus. Irgendwer hat mal gesagt: „Womöglich will er auch noch Papst werden.“ Vater dreier Kinder ist er außerdem. Wo der Mann die Zeit hernimmt oder ob er in einem physikalisch anders gearteten Eigenuniversum lebt, würden wir sehr gerne wissen. Bis wir das rausfinden, sagen wir einfach: „Alles Gute zum Geburtstag!“ und „Up the irons!“

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 20.8.2005 lässt Sharon Osbourne Iron Maiden mit Eiern bewerfen.

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

Published on

Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

Continue Reading

Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

Published on

Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

Rock N Roll Rocker GIF - Find & Share on GIPHY

Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Kelly Osbourne (@kellyosbourne)

Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

Sharon Osbourne Ozzy GIF by Recording Academy / GRAMMYs - Find & Share on GIPHY

Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Hundetherapeuten, Seifenblasen und geworfene Schinken: Das sind die 7 besten Momente aus „The Osbournes“

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss