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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.10.1985 setzen Iron Maiden mit „Live After Death“ den Goldstandard.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.10.1985."

von Christof Leim

„Scream for me, Long Beach!“ Die legendäre Ansage von Bruce Dickinson gehört heute zur allgemeinen Metal-DNA. Mit Live After Death setzen Iron Maiden am 14. Oktober 1985 den Goldstandard, an dem sich alle anderen Konzertmitschnitte messen müssen. Mal ehrlich: Besser geht’s fast nicht.

Hier könnt ihr Live After Death anhören:

Iron Maiden feuern Mitte der Achtziger aus allen Rohren: Als sie am 9. August 1984 zur World Slavery Tour aufbrechen, stehen sie an der Spitze des Metal-Genres. Der Mainstream und die Radiosender schlafen noch, was die Welt der Riffs angeht, Radio ebenso, aber Maiden touren wie die Wahnsinnigen und ziehen weltweit ordentlich Leute in die Hallen. Die Alben stehen sowieso in jeder ernstzunehmenden Plattensammlung der Headbangerschaft. 

Die große Rockshow

Mit dem fünften Werk Powerslave im Handgepäck fahren die fünf Briten die größte Show ihrer Karriere auf mit geilem Licht, Explosionen und Riesenbühne, alles passend zum ägyptischen Thema des Albumcovers. Das heißt: Pyramiden, Sarkophage und eine überdimensionale Eddie-Mumie, die Feuer aus den Augenhöhlen schießt. Ein Metal-Träumchen. Die Band selber befindet sich nach vier Alben und vier Welttouren in vier Jahren in bester Verfassung. Sagen wir mal so: Bruce Dickinson, Steve Harris, Dave Murray, Adrian Smith und Nicko McBrain sind recht gut eingespielt und genießen zu Recht einen Ruf als hervorragende Liveband. Hits und Genreklassiker haben sie sowieso massig am Start.

Eddie, die Mumie, und seine Kumpels auf der Bühne in Tokyo, 14. April 1985 – Foto: Koh Hasebe/Shinko Music/Getty Images

Die World Slavery Tour führt die Herren elf Monate und 189 Shows lang durch 24 Länder. Wie der Tourmanager Tony Wigens im Booklet zu Live After Death aufzählt, reisen Iron Maiden dabei „an die 100000 Meilen, nutzen 7778 Hotelzimmer, 6392 Gitarrensaiten, 3760 Schlagzeugstöcke, 3008 Plektren und trinken an die 50000 Dosen Bier.“ Die Ausrüstung wiegt vierzig Tonnen und füllt sechs Trucks. Die Liste der Tourdaten verursacht Schwindel, die Musiker sind danach komplett durch und lassen sich mit dem Nachfolger Somewhere In Time (1986) erstmal Zeit. Aber die Mammutaufgabe hat sich gelohnt, Iron Maiden sind 1984/1985 die Metal-Band der Stunde.

„We shall never surrender“

Einen besseren Zeitpunkt für ein Livedokument gibt es nicht. Was ein Glück, dass Maiden mehrere Shows in Ton und Bild mitschneiden. Live After Death enthält Aufnahmen von vier Nächten in der Long Beach Arena in Kalifornien (14.-17. März 1985) sowie fünf Show im Londoner Hammersmith Odeon (8.-12. Oktober 1984).

Darauf spielt die Band mit unbändiger Energie und beeindruckender Selbstsicherheit, gnadenlos tight und noch ein kleines bisschen flotter als sonst. Dazu  singt sich Dickinson grandios durch eine Setlist zum Niederknien. Die Sause beginnt mit einer Rede von Winston Churchill, die er im Juni 1940 im britischen Parlament gehalten (und später nochmal aufgezeichnet) hatte. „We shall fight on the beaches“, „we shall never surrender“ –  nicht wenige Metaller und Metallerinnen können hier immer noch mitsprechen.

Alles echt live

Ansonsten sind sie alle da, die Hits und auch die tollen Songs aus der zweiten Reihe: The Number Of The Beast, Hallowed Be Thy Name, Run To The Hills, The Trooper, Wrathchild, Powerslave, Flight Of Icarus und so weiter. Maiden scheuen auch vor dem Prototyp der langen, epischen Metal-Nummer nicht zurück und zelebrieren Rime Of The Ancient Mariner in seiner vollen 13-minütigen Pracht. Im langen Mittelteil von Running Free stachelt der Frontmann das Publikum zu immer lauteren Chören an, während Harris und McBrain im Hintergrund den Groove weiterlaufen lassen, aber klingen, als könnten sie es kaum erwarten, wieder auf’s Gas zu drücken.

Das Wichtigste: Live After Death ist tatsächlich live. Es gibt keine Overdubs, keine Studiotricks, keine Nachbearbeitungen. Selbst wenn Maiden die Zeit für solcherlei gehabt hätten, was sie natürlich nicht hatten, kam das nicht in Frage, wie Steve Harris in der offiziellen Bandbiografie Run To The Hills von Mick Wall unterstreicht. Dazu klingt das Ganze großartig dank Stammproduzent Martin Birch, der bereits 1972 den Liveklassiker Made In Japan von Deep Purple betreut hatte.

Eddie aus dem Grab

Aufgemacht wird Live After Death als imposantes Doppelvinyl, das eine Beobachtung von Metallica-Drummer Lars Ulrich unterstreicht: „Iron-Maiden-Alben sehen immer zehn Prozent geiler aus als die von anderen Leuten“. Auf den Innenhüllen finden sich unzählige großartige Fotos von Ross Halfin, einem der besten Rockfotografen. Wir erleben Maiden in voller Fahrt umgeben von Funken und Feuer oder zufrieden durchgeschwitzt nach der Show, dazu jede Menge Backstage-Clownereien. Und irgendwie sehen auch die gestreiften Spandex-Hosen cool aus. Technik-Freaks können lesen, wie und womit Martin Birch die Aufnahmen angefertigt hat, sogar das Soundequipment und das Instrumentarium der Protagonisten sind detailliert aufgelistet. Daneben beeindruckt der Tagesplan der Crew: Um 8 Uhr morgens geht es mit dem „Rigging Call“ los, um 2 Uhr nachts steht da „Finish loading trucks, shower, into buses and travel to the next show.“

 

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Happy Birthday to Mr Steve Harris. This was taken at Long Beach Arena, March 14th 1985 for the Live After Death album

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Vor allem aber übertrifft sich Zeichner Derek Riggs bei der Albumhülle ein weiteres Mal selbst: Darauf ersteht unser aller Liebling Eddie in einer stürmischen Nacht aus dem Grab. Umgeben von gelben Flammen sprengt er die Ketten an seinen Armen, ein Blitz fährt in seine Stirn, wo noch die eiserne Klammer sitzt, die ihm die Lobotomie von Piece Of Mind (1983) eingebracht hat. Geil. Der Grabstein neben ihm zitiert H. P. Lovecraft und nennt sogar Eddies Namen. Schade, das ein Dreckklumpen die Sicht versperrt. Lesen können wir nur „Edward T. H…“ (Eingeweihte wissen aber, dass es “Edward The Head” heißt nach einem Witz aus der Frühzeit der Band, aber das ist eine andere Geschichte.)

Im Hintergrund sieht man die nächtliche Silhouette einer Stadt, darüber thront in den Wolken der Sensenmann. Wie üblich versteckt Riggs ein paar Feinheiten: „Here lies Derek Riggs“ steht auf einem Grabstein, „Help it’s hot in here“ auf einem anderen. Die Inschrift „Live With Pride“ unterstreicht den Stolz der Band, die Aufnahmen nicht bearbeitet zu haben. Natürlich fehlt auch die schwarze Katze mit den funkelnden Augen und dem Heiligenschein nicht.

Der Goldstandard im Metal

Live After Death erscheint am 14. Oktober 1985 und sorgt umgehend für Furore. Das führt zu Platz zehn in Deutschland, Platz 19 in den USA und sogar Rang zwei in Großbritannien für die Audioversion. Diese enthält 18 Songs aus Long Beach und London und kommt auf eine beeindruckende Spielzeit von über 100 Minuten. Die Videovariante, hervorragend gefilmt ausschließlich in Long Beach, läuft ebenfalls bestens. 

Für Ärger sorgt allerdings die ursprüngliche Version auf CD, damals noch ein neues Medium. Wegen Beschränkungen der Laufzeit fehlen die letzten fünf Songs (alle aus dem Hammersmith Odeon), und Running Free wird auf unter vier Minuten gestutzt. Sowas macht man doch nicht! Die Neuauflage zehn Jahre später behebt den Fehler nicht, bietet aber immerhin die drei B-Seiten der Livesingles, darunter seltene Schätzchen wie Losfer Words (Big ‚Orra) oder Sanctuary, das es sonst nur in der Videoversion gibt. Erst 1998 erscheint eine Doppel-CD mit dem vollständigen Audiomitschnitt, aber ohne die B-Seiten.

Heute gilt Live After Death als das vermutlich beste Konzertdokument des Genres und zeigt eine Band auf dem Höhepunkt ihrer Fähigkeiten. Muss man haben, ehrlich.

Zeitsprung: Am 29.9.1986 trumpfen Iron Maiden erneut auf mit „Somewhere In Time“.

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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