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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.4.1980 veröffentlichen Iron Maiden ihr legendäres Debüt.

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Foto: Cover

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.4.1980."

von Tom Küppers und Christof Leim

Sie sind eine der ersten echten und sicher eine der drei wichtigsten Heavy-Metal-Bands der Geschichte. Bereits mit ihrem Debüt haben Iron Maiden 1980 eine Meisterleistung abgeliefert und einen Stil kreiert, dessen Elemente heute noch zu den essenziellen Bestandteilen dieser Musik zählen. 

Hier könnt ihr euch Iron Maiden anhören:

Die Geschichte von Iron Maiden beginnt am ersten Weihnachtstag 1975, als sich der seinerzeit 19 Jahre junge Bassist Steve Harris entscheidet, bei seiner bisherigen Band Smiler die Brocken hinzuwerfen und eine neue Gruppe zu gründen. Diese soll näher an seinen musikalischen Vorlieben liegen, irgendwo zwischen spielerisch komplexem Prog und treibendem Rock. Auf den Namen kommt er durch den Film Der Mann mit der eisernen Maske nach einem literarischen Klassiker von Alexandre Dumas, in dem ein altmodisches Foltergerät namens „Eiserne Jungfrau“eine Rolle spielt.

Die Soundhouse Tapes

Nach monatelanger Vorbereitung feiert die Truppe am 1. Mai 1976 ihren Live-Einstand (wie hier nachzulesen ist). Schon früh zeichnet sich das strenge Regiment ab, mit dem Harris „seine“ Band führt. Er schreibt die Songs überwiegend im Alleingang und treibt die Mannschaft an. Wer nicht abliefert, fliegt raus. Bis der Boss aber die richtigen Leute beisammen hat, dauert es mehrere Jahre.

Iron Maiden 1980: Steve Harris, Dennis Stratton, Dave Murray, Clive Burr, Paul Di’Anno – Foto: Virginia Turbett/Redferns

An Silvester 1978 spielen Iron Maiden erstmal das Demo The Soundhouse Tapes ein, das sich innerhalb weniger Wochen knapp 5000 Mal verkauft. So wird das neue, von der Journaille „Heavy Metal“ getaufte Phänomen auch wirtschaftlich ernstgenommen. Weshalb das renommierte Label EMI im Dezember 1979 zuschlägt und Iron Maiden einen Plattenvertrag anbietet. Als erste offizielle Veröffentlichung erscheinen im Februar 1980 zwei Songs (Wrathchild und Sanctuary) auf der Metal For Muthas-Zusammenstellung mit den neusten Bands der aktuellen Heavy-Metal-Welle, die die heimische Presse „New Wave Of British Heavy Metal“, kurz NWOBHM, getauft hat. 

Endlich ins Studio

Zur Feier des Tages gehen Iron Maiden dann auf die Metal For Muthas-Tour mit den wechselnden Headlinern Motörhead, Samson und Saxon. Bereits währenddessen veröffentlichen Maiden den ersten Vorboten aus ihrem kommenden Debüt, eine Single namens Running Free. Denn still und heimlich hat sich die Band im Line-up Paul Di’Anno (Gesang), Dave Murray (Gitarre), Dennis Stratton (Gitarre), Steve Harris (Bass) und Clive Burr (Schlagzeuger) bereits im Januar in die Kingsway Studios in London zurückgezogen.

Auf der Vorabsingle „Running Free“ wird Eddies Gesicht noch versteckt…

Nach mehreren Versuchen mit anderen Produzenten landet ein Herr namens Wil Malone am Mischpult. Doch der hat gemäß der offiziellen Bandbio wenig bis gar keine Lust auf das Ganze. Was dann bedeutet, das Iron Maiden ihr gleichnamiges Debüt mehr oder weniger selbst produzieren.

Mit Energie spielen!

Schon der erste Song Prowler, wie der Großteil der acht Titel komponiert von Harris, verfügt über etliche Elemente, die den typischen, klassischen und im Grunde bis heute unveränderten Stil der Band ausmachen: Riffs, die wir heute als klassisch-metallisch bezeichnen würden, flottes Tempo, wilde Soli, aber trotzdem Melodie – und einen charakteristisch pumpenden Bass von Harris. Wohl kaum eine andere Eröffnungsnummer aus dieser Periode hat so viele junge Menschen dazu gebracht, sich Kutten und Nietenarmbänder überzustreifen.

Mit Remember Tomorrow wechseln Iron Maiden überraschenderweise schon beim zweiten Song die Gangart. Ein verhalten gezupfter Bass, ebenso zurückhaltende, aber sich toll ergänzende Melodielinien der Gitarren münden zunächst in einem dynamisch optimal austarierten Chorus, bevor in der zweiten Songhälfte abrupt aufs Gaspedal getreten wird. Der grundlegende Klang des Quintetts bedient sich klar aus dem Besten von Rock, Prog und (nicht nur wegen Di’Annos Reibeisenstimme) Punk. Besonders gegen letztere Klassifizierung wehrt sich Steve Harris allerdings immer wieder.

Der erste überlange Song

Die dritte Nummer Running Free erweist sich allerdings als typische Teenager-Rebellions-Hymne, von der Aussage durchaus vergleichbar mit einem (I Can’t Get No) Satisfaction von den Rolling Stones oder My Generation von The Who. Sonst komplexen Arrangements und wilden Breaks nicht abgeneigt, zaubern Harris, Murray und Co. hier aus einer Handvoll Akkorde und jeder Menge Dynamik einen hochklassigen Song, der auch heute noch zu den Highlights in ihrem Repertoire zählt.

Die erste Seite der originalen Vinyl-Ausgabe endet mit Phantom Of The Opera, der ersten überlangen Komposition aus Harris Feder. In den kommenden Jahren wird der Bassist immer wieder kleine Meisterwerke abliefern, die gerne auch mal die Zehn-Minuten-Marke knacken. Für den ersten Versuch reichen ihm sieben, was auch bereits jedes Radio-Single-Format sprengt.

Geht auch ohne Gesang

Dass Iron Maiden anders sind als andere Bands, unterstreicht dann der Einstieg in die zweite Hälfte. Ein Instrumental zu veröffentlichen, wagen 1980 eigentlich nur Rockdinos der Marke Genesis oder Led Zeppelin, doch mit Transylvania gelingt Harris das Kunststück, einen mitreißenden Song ohne Gesang zu arrangieren.

In der Liste der beliebtesten Maiden-Songs taucht das nachfolgende Strange World nicht zwingend auf, doch auch bei einer der wenigen Balladen im Maiden-Kosmos lohnt sich das Hinhören. Mal wieder beweist Murray, welches Talent in ihm schlummert; sein Gespür für Melodieführung, Ton und gezielten Einsatz von Effekten ist mehr als beachtlich. Dass der Mann selbst manchmal, wenngleich selten auch selbst Songs schreiben kann, stellt er dann mit Charlotte The Harlot unter Beweis. Der Inhalt in Kurzform: Mann unglücklich in Prostituierte verliebt, empfiehlt sie trotzdem seinen Kollegen weiter.

Polyphonische Headbangerei

Mit dem abschließenden Titel, der Bandhymne Iron Maiden, schafft Harris dann den ultimativen Abschluss zukünftiger Konzert-Setlisten. Das ikonische Maiden-Maskottchen Eddie wird bei den Auftritten eine prominente Rolle einnehmen und im Laufe der Jahre zum Ende jedes Konzerts mal zelebriert, mal gerichtet. Der Vollständigkeit halber: Ein weiterer Song namens Sanctuary fehlt (bis 1998) auf dem Album, wird aber als Single veröffentlicht.

Als Iron Maiden dann am 14. April 1980 erscheint, sind sich Fans und Presse ausnahmsweise mal einig: So geht Heavy Metal. So katapultieren die Fans schon das erste Maiden-Album auf einen respektablen vierten Platz der UK-Charts. In der Folge geht es dann mit Kiss auf große Europatour, am Ende derer der zweite Gitarrist Dennis Stratton wegen der berühmten „musikalischen Differenzen“ gefeuert wird. Während der Aufnahmen hatte er unter anderem versucht, weitere Harmonien und Queen-artige Chöre einzuschmuggeln, die die anderen aber jeweils wieder gelöscht haben. Er wird dann durch Adrian Smith ersetzt, mit dem die Band sich endgültig aufmacht zu einer der größten Bands der Erde zu werden.

Zeitsprung: Am 9.5.2013 bringen Iron Maiden das „Trooper Beer“ raus.

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Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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