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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.4.1980 veröffentlichen Iron Maiden ihr legendäres Debüt.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.4.1980.

von Tom Küppers und Christof Leim

Sie sind eine der ersten echten und sicher eine der drei wichtigsten Heavy-Metal-Bands der Geschichte. Bereits mit ihrem Debüt haben Iron Maiden 1980 eine Meisterleistung abgeliefert und einen Stil kreiert, dessen Elemente heute noch zu den essenziellen Bestandteilen dieser Musik zählen. 

Hier könnt ihr euch Iron Maiden anhören:

Die Geschichte von Iron Maiden beginnt am ersten Weihnachtstag 1975, als sich der seinerzeit 19 Jahre junge Bassist Steve Harris entscheidet, bei seiner bisherigen Band Smiler die Brocken hinzuwerfen und eine neue Gruppe zu gründen. Diese soll näher an seinen musikalischen Vorlieben liegen, irgendwo zwischen spielerisch komplexem Prog und treibendem Rock. Auf den Namen kommt er durch den Film Der Mann mit der eisernen Maske nach einem literarischen Klassiker von Alexandre Dumas, in dem ein altmodisches Foltergerät namens „Eiserne Jungfrau“eine Rolle spielt.

Die Soundhouse Tapes

Nach monatelanger Vorbereitung feiert die Truppe am 1. Mai 1976 ihren Live-Einstand (wie hier nachzulesen ist). Schon früh zeichnet sich das strenge Regiment ab, mit dem Harris „seine“ Band führt. Er schreibt die Songs überwiegend im Alleingang und treibt die Mannschaft an. Wer nicht abliefert, fliegt raus. Bis der Boss aber die richtigen Leute beisammen hat, dauert es mehrere Jahre.

Iron Maiden 1980: Steve Harris, Dennis Stratton, Dave Murray, Clive Burr, Paul Di’Anno – Foto: Virginia Turbett/Redferns

An Silvester 1978 spielen Iron Maiden erstmal das Demo The Soundhouse Tapes ein, das sich innerhalb weniger Wochen knapp 5000 Mal verkauft. So wird das neue, von der Journaille „Heavy Metal“ getaufte Phänomen auch wirtschaftlich ernstgenommen. Weshalb das renommierte Label EMI im Dezember 1979 zuschlägt und Iron Maiden einen Plattenvertrag anbietet. Als erste offizielle Veröffentlichung erscheinen im Februar 1980 zwei Songs (Wrathchild und Sanctuary) auf der Metal For Muthas-Zusammenstellung mit den neusten Bands der aktuellen Heavy-Metal-Welle, die die heimische Presse „New Wave Of British Heavy Metal“, kurz NWOBHM, getauft hat. 

Endlich ins Studio

Zur Feier des Tages gehen Iron Maiden dann auf die Metal For Muthas-Tour mit den wechselnden Headlinern Motörhead, Samson und Saxon. Bereits währenddessen veröffentlichen Maiden den ersten Vorboten aus ihrem kommenden Debüt, eine Single namens Running Free. Denn still und heimlich hat sich die Band im Line-up Paul Di’Anno (Gesang), Dave Murray (Gitarre), Dennis Stratton (Gitarre), Steve Harris (Bass) und Clive Burr (Schlagzeuger) bereits im Januar in die Kingsway Studios in London zurückgezogen.

Auf der Vorabsingle „Running Free“ wird Eddies Gesicht noch versteckt…

Nach mehreren Versuchen mit anderen Produzenten landet ein Herr namens Wil Malone am Mischpult. Doch der hat gemäß der offiziellen Bandbio wenig bis gar keine Lust auf das Ganze. Was dann bedeutet, das Iron Maiden ihr gleichnamiges Debüt mehr oder weniger selbst produzieren.

Mit Energie spielen!

Schon der erste Song Prowler, wie der Großteil der acht Titel komponiert von Harris, verfügt über etliche Elemente, die den typischen, klassischen und im Grunde bis heute unveränderten Stil der Band ausmachen: Riffs, die wir heute als klassisch-metallisch bezeichnen würden, flottes Tempo, wilde Soli, aber trotzdem Melodie – und einen charakteristisch pumpenden Bass von Harris. Wohl kaum eine andere Eröffnungsnummer aus dieser Periode hat so viele junge Menschen dazu gebracht, sich Kutten und Nietenarmbänder überzustreifen.

Mit Remember Tomorrow wechseln Iron Maiden überraschenderweise schon beim zweiten Song die Gangart. Ein verhalten gezupfter Bass, ebenso zurückhaltende, aber sich toll ergänzende Melodielinien der Gitarren münden zunächst in einem dynamisch optimal austarierten Chorus, bevor in der zweiten Songhälfte abrupt aufs Gaspedal getreten wird. Der grundlegende Klang des Quintetts bedient sich klar aus dem Besten von Rock, Prog und (nicht nur wegen Di’Annos Reibeisenstimme) Punk. Besonders gegen letztere Klassifizierung wehrt sich Steve Harris allerdings immer wieder.

Der erste überlange Song

Die dritte Nummer Running Free erweist sich allerdings als typische Teenager-Rebellions-Hymne, von der Aussage durchaus vergleichbar mit einem (I Can’t Get No) Satisfaction von den Rolling Stones oder My Generation von The Who. Sonst komplexen Arrangements und wilden Breaks nicht abgeneigt, zaubern Harris, Murray und Co. hier aus einer Handvoll Akkorde und jeder Menge Dynamik einen hochklassigen Song, der auch heute noch zu den Highlights in ihrem Repertoire zählt.

Die erste Seite der originalen Vinyl-Ausgabe endet mit Phantom Of The Opera, der ersten überlangen Komposition aus Harris Feder. In den kommenden Jahren wird der Bassist immer wieder kleine Meisterwerke abliefern, die gerne auch mal die Zehn-Minuten-Marke knacken. Für den ersten Versuch reichen ihm sieben, was auch bereits jedes Radio-Single-Format sprengt.

Geht auch ohne Gesang

Dass Iron Maiden anders sind als andere Bands, unterstreicht dann der Einstieg in die zweite Hälfte. Ein Instrumental zu veröffentlichen, wagen 1980 eigentlich nur Rockdinos der Marke Genesis oder Led Zeppelin, doch mit Transylvania gelingt Harris das Kunststück, einen mitreißenden Song ohne Gesang zu arrangieren.

In der Liste der beliebtesten Maiden-Songs taucht das nachfolgende Strange World nicht zwingend auf, doch auch bei einer der wenigen Balladen im Maiden-Kosmos lohnt sich das Hinhören. Mal wieder beweist Murray, welches Talent in ihm schlummert; sein Gespür für Melodieführung, Ton und gezielten Einsatz von Effekten ist mehr als beachtlich. Dass der Mann selbst manchmal, wenngleich selten auch selbst Songs schreiben kann, stellt er dann mit Charlotte The Harlot unter Beweis. Der Inhalt in Kurzform: Mann unglücklich in Prostituierte verliebt, empfiehlt sie trotzdem seinen Kollegen weiter.

Polyphonische Headbangerei

Mit dem abschließenden Titel, der Bandhymne Iron Maiden, schafft Harris dann den ultimativen Abschluss zukünftiger Konzert-Setlisten. Das ikonische Maiden-Maskottchen Eddie wird bei den Auftritten eine prominente Rolle einnehmen und im Laufe der Jahre zum Ende jedes Konzerts mal zelebriert, mal gerichtet. Der Vollständigkeit halber: Ein weiterer Song namens Sanctuary fehlt (bis 1998) auf dem Album, wird aber als Single veröffentlicht.

Als Iron Maiden dann am 14. April 1980 erscheint, sind sich Fans und Presse ausnahmsweise mal einig: So geht Heavy Metal. So katapultieren die Fans schon das erste Maiden-Album auf einen respektablen vierten Platz der UK-Charts. In der Folge geht es dann mit Kiss auf große Europatour, am Ende derer der zweite Gitarrist Dennis Stratton wegen der berühmten „musikalischen Differenzen“ gefeuert wird. Während der Aufnahmen hatte er unter anderem versucht, weitere Harmonien und Queen-artige Chöre einzuschmuggeln, die die anderen aber jeweils wieder gelöscht haben. Er wird dann durch Adrian Smith ersetzt, mit dem die Band sich endgültig aufmacht zu einer der größten Bands der Erde zu werden.

Zeitsprung: Am 9.5.2013 bringen Iron Maiden das „Trooper Beer“ raus.

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