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Popkultur

Zehn Blues-Empfehlungen für den Einstieg

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Foto: Astrid Stawiarz/Getty Images

Nach Exkursionen in den Glam Rock und den Soul, wagen wir heute den größten Sprung in die Vergangenheit und widmen uns dem Blues. Bereits ab 1870 legt dieses Genre den Grundstein für fast alles, was wir heute hören. Umso schwieriger fällt der Einstieg, doch keine Sorge: Wir helfen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige unserer Blues-Empfehlungen anhören:

Mit dem Blues hat alles angefangen. Ob Rock, Pop, Hip-Hop oder Soul: Kaum ein modernes Genre kommt ohne Einflüsse aus dem Mississippi Delta, aus Chicago, Texas oder New Orleans aus. Werfen wir einen Blick auf die prägenden Figuren der Mutter aller Stilrichtungen.

Robert Johnson

Man weiß nicht viel über Robert Leroy Johnson, der nur 27 Jahre alt wurde. Der Legende nach, hat er seine Seele an den Teufel verkauft, um besser Gitarre spielen zu können. Hört man sich die wenigen Aufnahmen des Ausnahmekünstlers an, klingt diese Theorie gar nicht so weit hergeholt. Man kann kaum glauben, dass Johnson nur zwei Hände hatte. Auch Keith Richards von den Rolling Stones möchte nach dem ersten Hören wissen: „Wer ist der andere Gitarrist?“ Heute gilt Johnson als Schlüsselfigur und Mitbegründer des Delta Blues.

Anspieltipps: Cross Road Blues, Sweet Home Chicago, Cross Road Blues – Take 1, Come On In My Kitchen, I Believe I’ll Dust My Broom

Bessie Smith

Sie gilt als „Kaiserin des Blues“, als eine der besten Sängerinnen ihrer Zeit und nimmt mehr als 150 Platten auf. Vor allem in den Zwanzigern und Dreißigern fährt Bessie Smith große Erfolge ein. Die Anfänge entstehen aus der Not heraus: Weil ihre Familie nicht über die Runden kommt, betätigen sich Smith und ihr Bruder Andrew in Chattanooga als Straßenmusik-Duo. Später unterschreibt sie einen Plattenvertrag mit Columbia Records und landet gleich mit ihrer ersten Single Downhearted Blues einen Nummer-eins-Hit. Am 26. September 1937 erliegt sie den Folgen eines schweren Verkehrsunfalls, doch ihr Einfluss auf die Bluesmusik bleibt unvergessen.

Anspieltipps: Nobody Knows You When You’re Down And Out, Devil’s Gonna Git You, Baby Won’t You Please Come Home, Empty Bed Blues, Pt. 1, St. Louis Blues

John Lee Hooker

Wo Robert Johnson als Urvater des Delta Blues gilt, überträgt John Lee Hooker ihn auf die E-Gitarre. Außerdem erweitert er den Stil um seine ganz eigene Duftmarke, wie zum Beispiel starke Boogie-Woogie-Einflüsse. In seiner Kindheit darf er nur Kirchenlieder hören — seine erste Berührung mit der Musik. Den Blues lernt Hooker durch seinen Stiefvater William Moore kennen. Auch Tony Hollins, eine Bekanntschaft von Hookers Schwester Alice, bringt ihm die Musikrichtung nahe, und lässt ihn Stücke wie Crawlin’ King Snake sowie Catfish Blues üben. Später schreibt Hooker damit Bluesgeschichte. Am 21. Juni 2001 stirbt er im Alter von 83 Jahren im Schlaf.

Anspieltipps: Boom Boom, One Bourbon, One Scotch, One Beer, I’m In The Mood, Boogie Chillen, Chill Out (Things Gonna Change)

B.B. King

Er trägt den Titel „König des Blues“. Gemeinsam mit Albert King und Freddie King zählt er zu den „Kings Of The Blues Guitar“. Tatsächlich etabliert B.B. King eine Spielweise, die viele Gitarristinnen und Gitarristen nach ihm beeinflussen soll, vor allem im Rahmen seiner Soli. Wie so oft, beginnt auch seine musikalische Sozialisation in der Kirche. Professioneller Musiker möchte er werden, nachdem er den Delta Blues zum ersten Mal im Radio gehört hat. Ein paar Jahre später spielt er in der Sendung von Sonny Boy Williamson. Mehr als 70 Jahre dauert seine Karriere an, bevor er am 14. Mai 2015 im Alter von 89 Jahren stirbt.

Anspieltipps: Three O’ Clock Blues, You Upset Me Baby, Every Day I Have The Blues, Don’t Answer The Door, The Thrill Is Gone

Willie Dixon

Willie Dixon beherrschte die Gitarre, den Bass und seine Stimme, doch man kennt ihn vor allem als Songschreiber, zum Beispiel für Muddy Waters und Howlin’ Wolf. Aus Dixons Feder stammen Klassiker wie Hoochie Coochie Man, I Just Want To Make Love To You, Little Red Rooster und Spoonful. Mit jenen Stücken prägt er den Chicago Blues und die dort ansässige Plattenfirma Chess Records, die von 1950 bis 1965 ihren Zenit erlebt. In den späten Fünfzigern arbeitet Dixon außerdem mit Chuck Berry und entwickelt sich zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Blues und Rock’n’Roll. Später covern Led Zeppelin und die Rolling Stones seine Songs. Am 29. Januar 1992 stirbt er im Alter von 76 Jahren an Herzversagen.

Anspieltipps: Back Door Man, I Can’t Quit You Baby, Little Red Rooster, Spoonful, You Shook Me

Muddy Waters

Auch Muddy Waters prägt die Szene in Chicago maßgeblich. Als „Father Of Modern Chicago Blues“ begeistert er mit der Gitarre, der Mundharmonika und seiner Stimme. Mit dem psychedelisch angehauchten Album Electric Mud wagen er und Chess Records ein psychedelisches Experiment, das in die Bluesgeschichte eingeht. Doch nicht nur das: Für die Rolling Stones fungiert sein Song Rollin’ Stone als Namensgeber, zahlreiche namhafte Künstlerinnen und Künstler covern seine Stücke. Sogar Gitarrengott Jimi Hendrix nennt ihn als wichtigen Einfluss. Am 30. April 1983 stirbt Waters im Schlaf an Herzversagen.

Anspieltipps: Mannish Boy, I’m Your Hoochie Coochie Man, I Can’t Be Satisfied, Rollin’ Stone, Got My Mojo Working

Buddy Guy

Muddy Waters’ Studiogitarrist hat ebenfalls eine Karriere vor sich und schreibt als Buddy Guy Musikgeschichte, auch wenn es zunächst nicht danach aussieht: Als „Hired Gun“ für Chess Records spielt er an der Seite von Größen wie Waters, Howlin’ Wolf, Little Walter, Sonny Boy Williamson und Koko Taylor. Anschließend arbeitet er als LKW-Fahrer, nur abends spielt er Konzerte. Erst während des erneuten Blues-Booms in den Achtzigern (siehe Stevie Ray Vaughan weiter unten) erlebt Guy einen zweiten Frühling. Den Startschuss dafür liefert unter anderem Eric Clapton, der den alten Hasen zu seiner 24-Nights-Show in die Royal Albert Hall einlädt. Guys Stil wird aus geografischen Gründen gerne dem Chicago Blues zugeordnet, doch das wird seinem facettenreichen und experimentellen Spiel nicht gerecht.

Anspieltipps: Mustang Sally, Feels Like Rain, Damn Right, I’ve Got The Blues, What Kind Of Woman Is This?, Mary Had A Little Lamb

Alexis Korner

Mit dem Blues kommt Alexis Korner durch den Zweiten Weltkrieg in Kontakt und entdeckt die Musikrichtung im Radio. „Von da an wollte ich ihn spielen“, erzählt er später in einem Interview. Mit seiner Begeisterung steckt er eine ganze Generation an. So gehört er zwar sicher nicht zu den kommerziell erfolgreichsten Musiker*innen des 20. Jahrhunderts, ganz bestimmt aber zu den wichtigsten. Als Schlüsselfigur der britischen Blues-Szene ebnet er nicht nur John Mayall, sondern auch Eric Clapton und den Rolling Stones den Weg. Am 1. Januar 1984 erliegt Korner einer Krebserkrankung.

Anspieltipps: 3/4 A.D., Get Off My Cloud, Early In The Morning, Chicken Shack, Sweet Home Chicago

Eric Clapton

Eric Clapton gilt völlig zurecht als einer der wichtigsten und einflussreichsten Gitarristen*innen aller Zeiten. Nicht nur als Solokünstler, sondern auch mit Gruppen wie Cream und The Yardbirds schreibt er Musikgeschichte. Phasenweise gehört er zur Band von Brit-Blues-Legende John Mayall. Ganze 18 Grammys erhält Clapton im Lauf seiner Karriere und ist als einziger Musiker gleich dreimal in der Rock And Roll Hall Of Fame vertreten. Wie kaum ein*e andere Künstler*in prägt er den Begriff des Gitarrengottes. Dabei wechselt er zu Yardbird-Zeiten ganz bodenständig eigenhändig die Saiten, die ihm bei der Show reißen. Das Publikum applaudiert währenddessen, ganz langsam. Dadurch erhält Clapton seinen Spitznamen „Slowhand“.

Anspieltipps: Five Long Years, Cocaine, Crosscut Saw, Riding With The King, Time For A Change

Stevie Ray Vaughan

Stevie Ray Vaughan haben wir es zu verdanken, dass der Blues auch heute noch cool ist. Das war zu Beginn der Achtziger nämlich so gar nicht der Fall. Vaughan lässt sich davon nicht beirren und entwickelt sich zu einem der besten Gitarristen aller Zeiten, wird mit Preisen überhäuft und verhilft dem Blues mit seiner Leidenschaft zu einem furiosen Comeback. Auch lange nach seinem Tod durch einen Helikopterabsturz im Jahr 1990, nennen Künstler wie John Mayer und Kenny Wayne Shepherd ihn als wichtigen Einfluss.

Anspieltipps: Pride And Joy, Texas Flood, Tin Pan Alley (AKA Roughest Place In Town), Lenny, Life By The Drop

Rush: 10 ultimative Songs, die die Welt verändert haben

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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