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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.8.1990 stürzt Stevie Ray Vaughan mit einem Hubschrauber ab.

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Don Hunstein

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.8.1990.

von Thilo Hornschild und Christof Leim

1990 sieht die Welt rosig aus für Stevie Ray Vaughan: Das Album In Step hat ihm ein Comeback und sogar einen Grammy beschert, außerdem konnte der 35-jährige Blues-Virtuose seine Drogensucht überwinden und hat eine neue Freundin. Die will der Gitarrist nach einem Gig auch schnellstmöglich sehen und besteigt am 27. August 1990 einen Hubschrauber. Doch der kommt nie an.

Hier könnt ihr euch das damals aktuelle Album In Step anhören:

Die Katastrophe passiert im Rahmen von Eric Claptons gewaltiger Journeyman-Tour, die am 26. August 1990 im Alpine Valley Music Theatre in East Troy, Wisconsin gastiert. Stevie Ray Vaughan bestreitet mit seiner Band Double Trouble das Vorprogramm und steht zum Ende des Abends noch für eine gemeinsame Jam-Session mit dem Headliner vor 40.000 Fans auf der Bühne. Anschließend möchte Vaughan schnellstmöglich nach Chicago. Dort wartet seine neue Freundin Janna Lapidus Leblanc. Das neuseeländische Model tut ihm gut, sie repräsentiert ein neues Leben nach Jahren des haltlosen Alkohol- und Kokainkonsums. Eric Clapton höchstselbst hatte den Entzug für den jungen Helden orchestriert und die richtigen Ärzte vermittelt. Seit November 1986 lebt Stevie Ray Vaughan komplett clean. 

Zur Abreise vom Konzert stehen vier Helikopter bereit, weil sich auf der einzigen Straße aus dem Areal die Fahrzeuge der Fans stauen. Ursprünglich sollen Stevies Bruder Jimmie und dessen Ehefrau zusammen mit dem Gitarristen den Bell 206B Jet Ranger besteigen, doch die Sitze wurden schon in Beschlag genommen von Claptons Agent Bobby Brooks, Bodyguard Nigel Browne und Tourassistent Colin Smythe. Tourmanager Peter Jackson mahnt zur Eile, denn die Wolken verdichten sich rasant. Deshalb bittet Stevie seinen Bruder um den einzigen freien Platz, weil er dringend zu Janna will. 

Katastrophe im Nebel

Gegen ein Uhr nachts hebt das Gefährt ab – und kracht schon nach einem Kilometer an einen Berghang. Alle Insassen sind sofort tot. Vom Unfall selbst bekommt zunächst niemand etwas mit. Erst am nächsten Morgen stellt man fest, dass der Helikopter Chicago nicht erreicht hat, um sieben Uhr in der Früh wird das Wrack entdeckt. Eine Tragödie. Die Galionsfigur des Blues-Revivals der Achtziger ist tot.

Eine Untersuchung schließt technische Ursachen aus, Pilot Jeff Brown gilt als erfahren und ausgebildet dafür, bei schlechter Sicht nur nach Instrumenten zu fliegen. Die Obduktion ergibt, dass keiner der fünf Insassen Alkohol oder Drogen in seinem Kreislauf hatte, zudem waren alle an Bord angeschnallt. Rückblickend wird das Unglück dem extrem dichten Nebel zugeschrieben. Jimmie Vaughan und Eric Clapton müssen die Aufgabe übernehmen, Stevie Rays Leiche zu identifizieren.

Die Blues-Welt trauert

Die Nachricht von diesem Unfall schockt die internationale Musikwelt. Zu Vaughans Beerdigung am 30. August in Dallas erscheinen über 4000 Trauernde, neben Familienmitgliedern erweisen auch unzählige Ikonen dem verstorbenen Gitarrenzauberer die Ehre, darunter ZZ Top, Dr. John, Buddy Guy, Stevie Wonder, Nile Rodgers, Bonnie Raitt, Jackson Browne und natürlich „Slowhand“ Clapton selbst.

Ein Könner der Blues-Gitarre: Stevie Ray Vaughan wurde nur 35 Jahre alt. – Pic: Scott Newton/Wiki Commons

Ohne Zweifel gehört Stevie Ray Vaughan zu den Größten des Genres und gilt als amerikanisches Kulturgut. Posthum wird er deshalb nicht nur 2000 in die Blues Hall Of Fame aufgenommen, sondern 2015 auch in die Rock N Roll Hall Of Fame. Vaughans Heimatstadt Austin würdigt ihren Sohn mit einer Statue, die zu einem Wallfahrtsort für Fans weltweit wird.

Der Bruder gedenkt

Über das Unglück schreibt sein Bruder Jimmie einen Song und zollt so mit der familieneigenen Coolness seinem kleinen Bruder Tribut. Six Strings Down erzählt die Geschichte von einem, dessen Leben ungebremst auf einen Crash zusteuert; von einem, der es schafft in allerletzter Minute sein unzeitiges Ableben zu verhindern; von einem der – so klischeehaft es klingt – wie ein Phönix aus der Asche zurückkommt und dann einen Unfalltod stirbt.

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