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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.11.1933 kommt Blueslegende John Mayall zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.11.1933.

von Timon Menge und Christof Leim

John Mayall gehört nicht zu den bekanntesten und erfolgreichsten Musikern der vergangenen Dekaden, sicher aber zu den einflussreichsten. Nicht umsonst trägt er den Titel „Vater des britischen Blues“: Als England das Genre zu Beginn der Sechziger wiederentdeckt, prägt er die Szene maßgeblich mit und legt den Grundstein für zahlreiche Karrieren zahlreicher Bluesgrößen.


Hört hier in besten Songs von John Mayall & The Bluesbreakers rein:

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Mayalls musikalische Begeisterung wird durch die Plattensammlung seines Vaters geweckt. Ob Big Bill Broonzy, Brownie McGhee, Josh White oder Leadbelly: Zunächst faszinieren ihn vor allem Gitarristen. Als er zum ersten Mal über Klaviervirtuosen wie Albert Ammons, Pete Johnson oder Meade Lux Lewis stolpert, weckt auch das Piano seine Begeisterung. In der Junior School Of Art in Manchester findet er zum ersten Mal die Möglichkeit, selbst in die Tasten zu hauen, und bringt sich die Grundlagen des Instruments selbst bei. Auch auf der Mundharmonika übt er, inspiriert von Musikern wie Sonny Terry, Sonny Boy Williamson oder Little Walter.

Promo/Gary Nichamin

In Manchester studiert Mayall schließlich Kunst, seinen Militärdienst leistet er in England und Korea. Nach der Heimkehr arbeitet er als Grafikdesigner in einer Agentur, um sich eine Plattensammlung aufzubauen, die ihm als Inspirationsquelle dienen soll. Allerdings: Niemand scheint sich für Bluesmusik zu interessieren, in England feiert zu jener Zeit vor allem der Jazz Erfolge. Erst als das britische Musikmagazin Melody Maker darüber berichtet, dass Blueslegende Alexis Korner und Cyril Davies in London einen Club eröffnet haben, wendet sich das Blatt. Mayall kündigt seinen Job, zieht von Manchester in die Hauptstadt und stellt das erste Line-up der Bluesbreakers zusammen: Bernie Watson an der Gitarre, John McVie am Bass und Peter Ward am Schlagzeug. Mayall selbst spielt Gitarre, Keyboard sowie Mundharmonika und singt. Schon ab 1963 treten er und die Bluesbreakers wöchentlich in der Great Windmill Street in London auf. 1964 folgt ein Plattenvertrag mit Decca Records, wenig später erscheint die erste Single Crawling Up A Hill / Mr. James. Die Gruppe erspielt sich einen Namen als fleißige Liveband, etwa 1968 bei ihrer ersten US-Tour als Headliner neben Jimi Hendrix und Albert King. Daneben vernachlässigen sie aber auch die Studioarbeit nicht: Bis dato bringt es Mayall auf mehr als 60 Veröffentlichungen.



Was die Auswahl seiner Mitmusiker betrifft, beweist der Brite immer ein hervorragendes Händchen. Eric Clapton, Mick Taylor, Peter Green, Mick Fleetwood, Walter Trout, Coco Montoya: Zahlreiche heutige Bluesgrößen gehen vor ihrer Solokarriere bei ihm in die „Lehre“, befruchten die Bluesbreakers aber natürlich auch. Besonders Clapton sorgt für einen Karriereschub: Als er die Yardbirds 1965 verlässt, schlägt Mayall zu und verpflichtet das Ausnahmetalent für seine Band. Der Bekanntheitsgrad der Gruppe nimmt zu. Der Durchbruch gelingt 1966 mit Bluesbreakers With Eric Clapton, das Platz sechs der britischen Charts erreicht.

Clapton hat die Band zu jener Zeit bereits wieder verlassen, um Cream ins Leben zu rufen — gemeinsam mit Jack Bruce, einem weiteren „Bluesbreaker“. Als Ersatz für „Slowhand“ stößt der 17 Jahre junge Peter Green zur Band. Gemeinsam mit Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie verlässt er das Projekt jedoch wieder, um Fleetwood Mac zu gründen. Sein Nachfolger: Mick Taylor, der etwa auf Blues From Laurel Canyon (1968) zu hören ist. Als Taylor die Band 1969 ebenfalls verlässt, um den verstorbenen „Rolling Stone“ Brian Jones zu ersetzen, löst Mayall die Bluesbreakers zum ersten Mal auf, obwohl sie trotz wechselnder Besetzungen Erfolge feiern.

Das Livealbum The Turning Point fördert 1969 unter anderem den Hit Room To Move zu Tage. Der Konzertmitschnitt, der am 12. Juli 1969 im New Yorker Fillmore East aufgenommen wird, verzichtet bewusst auf den Einsatz eines Schlagzeugs oder verstärkter Gitarren. Mayall hat „low volume music“ im Sinn. Kurz nach der Erscheinung eines seiner erfolgreichsten Alben siedelt der Brite nach Los Angeles um, wo er weiterhin regelmäßig Platten veröffentlicht.



Die großen Erfolge bleiben aus, allerdings nicht nur, weil der Blues ohnehin aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet. Auch die Qualität seines Materials nimmt ab. Bei einem Hausbrand verliert Mayall zudem viele Mastertapes seiner Veröffentlichungen.1982 nimmt er noch einmal Anlauf und bringt die Bluesbreakers wieder zusammen. Mit dabei: Mick Taylor sowie John McVie.



Seinen 70. Geburtstag feiert John Mayall, wie es sich gehört: Im Juli 2003 versammelt er beinahe alle Bluesbreakers in Liverpool und lässt das legendäre Konzert aufzeichnen. Geburtstag hat er zwar erst im Dezember, aber wer möchte schon bei Eis und Schnee feiern statt bei strahlendem Sonnenschein? Im Jahr 2008 löst Mayall die Gruppe endgültig auf und macht unter eigenem Namen weiter. Sein Album Talk About That erscheint 2017.



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