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Popkultur

10 Glam-Rock-Empfehlungen für den Einstieg

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Die Englische Glam Rock Band The Glitter Band. Foto: Michael Putland/Getty Images

Wenn man in eine neue Musikrichtung einsteigen möchte, weiß man manchmal gar nicht, wo man anfangen soll. Wir helfen gerne, heute beim Thema Glam Rock. Unten findet ihr zehn Gruppen und Künstler*innen sowie je fünf Anspieltipps für einen gelungenen Start.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Glam-Rock-Hits anhören:

Mensch, was waren das verrückte Zeiten. Exzentrische Glitzerkostüme, knallbuntes Make-Up, auffällige Frisuren, auf den Kopf gestellte Geschlechterrollen und Plateauschuhe, die jedem Orthopäden einen Schauer über den gesunden Rücken laufen lassen. Musikalisch bedient sich der Glam Rock bei eingängigen Pop-Melodien, beim Rock’n’Roll der Fünfziger und teilweise auch bei kunstvolleren Einflüssen, wie dem Artrock. 1971 geht es los, ab 1975 findet der Abgesang statt. Wir haben uns einmal angeschaut, wer das Genre geprägt hat

1. T.Rex

Ein Text zum Thema Glam Rock kann nur mit Marc Bolan beginnen. Nach seiner Vergangenheit im Folk und in der Poesie, setzt der Brite zu Beginn der Siebziger seinen lange gehegten Traum um und gründet eine Rockband. Ihr Name: T. Rex. Im März 1971 tritt die Gruppe zum ersten Mal in der Fernsehserie Top Of The Pops auf. Bis heute gilt das Gastspiel als Grundstein des Glam Rock.

Anspieltipps: Hot Love, Get It On, Jeepster, Telegram Sam, Metal Guru

2. David Bowie

Als das Genre Fahrt aufnimmt, profitiert auch David Bowie davon und gestaltet den Glam Rock maßgeblich mit. Vor allem seine Kunstfigur Ziggy Stardust kommt gut an, die Single Starman gerät zum Mega-Erfolg. 1974 veröffentlicht er mit Diamond Dogs sein letztes vom Glam beeinflusstes Album, doch seine Karriere beginnt gerade erst: Bis zu seinem Tod im Jahr 2016 erscheinen weitere 17 Bowie-Alben, von denen jedes mindestens die Top Ten der britischen Charts erreicht.

Anspieltipps: Starman, The Jean Genie, Drive-In Saturday, Life On Mars?, Rebel Rebel

3. The Sweet

Die Kollaboration von The Sweet mit Nicky Chinn und Mike Chapman gehört zu den erfolgreichsten Geschichten der britischen Musikwelt. Gemeinsam mit den beiden Songschreibern veröffentlichen Sänger Brian Connolly, Gitarrist und Keyboarder Andy Scott, Bassist Steve Priest sowie Schlagzeuger Mick Tucker in den Siebzigern eine Hitsingle nach der anderen, bevor sie ab 1974 mit Sweet Fanny Adams härtere Wege einschlagen.

Anspieltipps: Block Buster!, Hell Raiser, The Ballroom Blitz, Teenage Rampage und aus der härteren Phase Set Me Free

4. Mud

Auch Mud aus Surrey (England) zählen zu den Erfolgsproduktionen des Duos Nicky Chinn und Mike Chapman, auch bekannt als Chinnichap. Vor allem die beiden Alben Mud Rock (1974) und Mud Rock Volume 2 (1975) schlagen ein und landen jeweils in der britischen Top Ten. Zwar können Sänger Les Gray, Gitarrist Rob Davis, Bassist Ray Stiles, Schlagzeuger Dave Mount und Keyboard Andy Ball nicht mit der Langlebigkeit vieler Genrekolleg*innen mithalten, veröffentlichen mit Tiger Feet aber immerhin die meistverkaufte Single Englands des Jahres 1974.

Anspieltipps: Crazy, Dyna-Mite, Tiger Feet, The Cat Crept In, Oh Boy

5. Slade

Kaum ein Frontmann röhrt schöner als der langjährige Slade-Sänger Noddy Holder. Gemeinsam mit Gitarrist Dave Hill, Bassist Jim Lea und Schlagzeuger Don Powell bringt der Brite mit der unwiderstehlichen Reibeisenstimme ab 1972 den Rock in den Glam. So stammen die Songs der Gruppe hauptsächlich aus seiner und Leas Feder. Neue musikalische Wege schlagen die beiden erst mit Old, New, Borrowed And Blue (1974) ein. Heute touren Hill und Powell noch immer unter dem Namen Slade durch die Lande.

Anspieltipps: Mama Weer All Crazee Now, Cum On Feel The Noize, Skweeze Me, Pleeze Me, Merry Xmas Everybody, My Friend Stan 

6. The Glitter Band

Ursprünglich gehörte die Glitter Band zu Gary Glitter, zweifelsohne eine Größe der Glam-Welt. Über ihn wollen wir an dieser Stelle aber nicht reden, weil er mehrfach wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde und seit 2015 für 16 Jahre im Gefängnis sitzt. Die Glitter Band hat sich allerdings schon 1974 von ihrem Frontmann abgenabelt und im Alleingang große Hits veröffentlicht. Als gegen Ende der Siebziger der Punk und die Discomusik den Markt übernehmen, löst sich die Gruppe auf, spielt später aber noch gelegentlich Auftritte.

Anspieltipps: Angel Face, Just For You, Let’s Get Together Again, Goodbye My Love, People Like You And People Like Me

7. Steve Harley & Cockney Rebel

Steve Harley und seine Band Cockney Rebel gehören sicher zu den versiertesten und vielseitigsten Vertretern des Glam Rock. So weiß die Gruppe durchaus mit poppigen Melodien zu begeistern, kann aber auch mit progressiven Klängen umgehen. Von 1972 bis 1977 stürmen die Briten mehrfach in wechselnder Besetzung die Charts, seit 1998 sind sie wieder aktiv.

Anspieltipps: Sebastian, Judy Teen, Mr. Soft, Come Up And See Me (Make Me Smile), Mr. Raffles (Man, It Was Mean)

8. Wizzard

Nach seinem Ausstieg beim Electric Light Orchestra im Jahr 1972 gründet Roy Wood gleich ein neues Projekt: Wizzard. Was die Kostüme betrifft, gehört die Gruppe sicher zu den auffälligsten Vertretern des Glam Rock. Der Sprung in die britische Top Ten gelingt den Engländern sechs Mal, mit Wizzard Brew (1973) und Introducing Eddy And The Falcons (1974) erscheinen zwei Alben. Zwar spielen Wood und Co. 1975 eine weitere Platte namens Main Street ein, doch veröffentlicht werden die Aufnahmen erst 25 Jahre später.

Anspieltipps: Ball Park Incident, See My Baby Jive, Angel Fingers (A Teen Ballad), I Wish It Could Be Christmas Everyday, Rock ‘n‘ Roll Winter (Loony’s Tune)

9. Hello

In England landen Hello genau zwei Top-Ten-Hits: Mit Tell Him gelingt 1974 der Sprung auf Platz 6, New York Groove erreicht 1975 den neunten Platz. Song Nummer zwei wird 1978 außerdem auf Ace Frehley verewigt, dem ersten Soloalbum des gleichnamigen Kiss-Gitarristen. (Zeitgleich veröffentlichen auch die drei anderen Mitglieder von Kiss Soloalben.) Als die große Glam-Welle in der zweiten Hälfte der Siebziger nachlässt, verschwinden auch Hello in der Versenkung.

Anspieltipps: Tell Him, New York Groove, Star Studded Sham, Love Stealer, Games Up

10. Roxy Music

Brian Ferry und Roxy Music haben die Rockmusik gleich auf mehreren Ebenen maßgeblich beeinflusst. Nicht nur, dass sie zu den wichtigsten Vertretern des Glam Rock gehören. Nein, auch dem Punk und der New Wave ebnen sie den Weg, gemeinam mit anderen Künstler*innen. Von 1970 bis 1973 gehört auch Elektropionier Brian Eno zur Gruppe. Zwischendurch lösen sich Roxy Music des öfteren auf, von 1983 bis 2001 sogar 18 Jahre am Stück. Ihr vorerst letzter Auftritt findet am 29. März 2019 bei ihrer Einführung in die Rock And Roll Hall Of Fame statt.

Anspieltipps: Virginia Plain, Pyjamarama, Street Life, All I Want Is You, Love Is The Drug

10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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