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Popkultur

Zeitsprung: Am 31.1.1964 kam Jeff Hanneman (Slayer) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1964.

von Christof Leim

Keine Frage: Jeff Hanneman dürfte als Hauptsongwriter für die mächtigen Slayer zu den einflussreichsten Gitarristen im Heavy Metal zählen. Von ihm stammen unsterbliche Stücke, die ein ganzes Genre definierten. Leider verstarb Hanneman 2013 mit nur 49 Jahren, nachdem er schon zwei Jahre wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr auftreten konnte. Heute hätte er Geburtstag, blicken wir also zurück auf drei Dekaden Metal und was danach kam…


Hört euch hier die fettesten Slayer-Kracher und lest weiter:


Jeff Hanneman hat einige der großartigsten, fiesesten, wildesten Riffs der Metal-Geschichte geschrieben: Geht es böser als in South Of Heaven? Wenn ja, wollen wir das lieber nicht erleben. Oder kompromissloser als in Angel Of Death? Fetter als in Raining Blood? Wohl kaum. Hanneman hat einmal selbst gesagt: „Wir sind keine ausgebildeten Musiker, aber wir wissen, was düster wirkt. Wenn etwas klingt, als würde ich über einem gerade niedergestochenen Körper stehen, dann ist es perfekt.“ Mit dieser Attitüde wurde der US-Amerikaner maßgeblich verantwortlich für den Sound von Slayer, die schon immer als die extremste der wichtigen Thrash-Bands der Achtziger galten. Von Anfang an haben sie das Böse in ihrer Musik kanalisiert, quasi als musikalischer Horrorfilm. Interessanterweise schrieb Hanneman nach eigenen Aussagen aber die besten Riffs, wenn er glücklich war. Was wieder einmal zeigt: Krasse Musik, normale Typen.



Jeffrey John Hanneman kommt am 31. Januar 1964 in Oakland, Kalifornien zur Welt und wächst in Long Beach auf. Zu seiner Familie gehören mehrere Kriegsveteranen, was Jeffs lebenslange Faszination für dieses Thema verständlich macht. 1981 lernt er Kerry King kennen, als beide bei einer anderen Band vorspielen und feststellen, dass sie die gleichen musikalischen Vorlieben teilen. Das heißt: früher Metal von Judas Priest und Iron Maiden, Black Sabbath und alles, was sonst noch ordentlich scheppert. Jeff steht zusätzlich auf Hardcore-Punk wie Minor Threat und Black Flag. Wie es sich gehört, gründen die beiden prompt ihre eigene Kapelle, die noch härter, schneller und fieser brettern soll als alle anderen. Damit sind Slayer geboren.


Das Original-Line-up von Slayer: Tom Araya, Dave Lombardo, Kerry King, Jeff Hanneman (v.l.)


In den folgenden 30 Jahren prägt Jeff Hanneman als Gitarrist, Texter und Songwriter den Sound der Band ebenso wie Auftreten und Image. Sein ultrapräziser Anschlag und die gemein atonalen Soli, beides in Höllengeschwindigkeit, darf man zu Recht als legendär und einflussreich bezeichnen. Es erscheinen elf Studioalben, zwei Liveplatten und eine EP mit seinen Beiträgen. Drei dieser Veröffentlichungen gehören in jeden vernünftigen (Metal-)Haushalt: Reign In Blood (1986), South Of Heaven (1988) und Seasons In The Abyss (1990).


Diese Slayer-Alben gehören in jeden Haushalt. Ehrlich.


Abseits von allem Geballer gilt Hanneman als stiller Mensch mit einem trockenem Humor, der sich bei Interviews zurückhält und das Rampenlicht meidet, weil es ihn schlicht nicht interessiert. Lieber verbringt er Zeit mit seiner Frau Kathryn, die er schon seit der High School kennt, und folgt seinen Lieblingsteams im Eishockey (Los Angeles Kings) und Baseball (Oakland Raiders). Ansonsten zählt: Metal.



2011 zieht sich Hannemann jedoch eine fiese Krankheit zu: Nekrotisierende Fasziitis, eine „durch Bakterien ausgelöste, sehr heftig verlaufende Infektion“, wie Wikipedia erklärt. Dabei sterben Haut und Bindegewebe ab und müssen schnellstmöglich entfernt werden. Auslöser könnte ein Spinnenbiss gewesen sein; zumindest erzählt der Gitarrist später davon. Die Folgen sind ernst und potenziell tödlich. Seine Frau zitiert später gegenüber Guitar World den behandelnden Arzt: „Als erstes werde ich versuchen, Ihr Leben zu retten. Dann werde ich versuchen, Ihren Arm zu retten, dann Ihre Karriere.“ Hannemann überlebt schwer angeschlagen und fällt bis auf weiteres für Slayer-Shows aus. Am 23. April 2011 spielt er im kalifornischen Indio ein paar Songs mit und zeigt einen krass lädierten Arm, den man sich hier ansehen kann.

Es sollte sein letzter Auftritt sein, denn Hanneman hat noch ein ganz anderes Problem: Alkohol. Der Gitarrist trinkt seit Jahren laut Augenzeugen morgens, mittags, abends Heineken und Wodka. Das kann nicht gut gehen. Sich helfen lassen oder gar eine Therapie durchziehen will er jedoch laut seiner Witwe nicht. Auch die restlichen Slayer-Musiker können daran trotz vielfältiger Versuche nichts ändern, berichtet Kerry King. Daneben setzt Hannemans Psyche die Tatsache zu, dass er nicht mehr so spielen kann wie früher. Wie sehr die Sauferei seine Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen hat, scheint dabei niemand so richtig zu ahnen. Bis es passiert: Am 2. Mai 2013 stirbt Jeff Hanneman an Leberversagen.


By Vladimir [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons


Die Nekrotisierende Fasziitis hat den Slayer-Veteranen also nicht das Leben gekostet, sondern der Alkohol. Später kommentieren Ärzte, dass die Erkrankung der Leber die Infektion begünstigt oder gar bewirkt habe und nicht andersrum. Die Band veröffentlicht ein Statement: „Slayer sind am Boden zerstört und müssen mitteilen, dass ihr Mitmusiker und Bruder Jeff Hanneman heute morgen gegen 11 Uhr verstorben ist. Er befand sich in einem Krankenhaus in der Nähe seines südkalifornischen Wohnortes, als seine Leber versagte. Er hinterlässt seine Ehefrau Kathy, seine Schwester Kathy und seine Brüder Michael und Larry. Er wird schmerzlich vermisst werden.“



Die Metal-Welt ist geschockt und gedenkt Hanneman in vielfältigen Tributen. Am Todestag besucht Kerry King gerade eine Preisverleihung und verkündet dort am Mikro: „Jeff fucking Hanneman. Er hat bei Slayer gespielt, er würde keine Schweigeminute wollen, sondern verdammten Krach.“ Dann lädt er die Zuschauer ein, einen Drink auf den „gefallenen Bruder“ zu kippen. Dafür erntet er Kritik, verteidigt das aber konsequent.

Für Slayer geht das Leben weiter: Pat O’Brien von Cannibal Corpse und Gary Holt von Exodus übernehmen die zweite Gitarre, letzterer schließlich permanent. Repentless, das erste Slayer-Album ohne Jeff Hanneman erscheint am 11. September 2015 und erreicht Platz eins (!) in Deutschland. In den folgenden Jahren spekulieren die Gründungsmitglieder King und Tom Araya wiederholt über ein Ende der Band. Am 22. Januar 2018 schließlich verkünden Slayer ihren Abschied mit einer letzten Welttour.



Header Pic by Victoria Morse (Flickr) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

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