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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1988 legen Slayer mit “South Of Heaven” eine Kurskorrektur ein.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1988.

von Christof Leim und Tom Küppers

Slayer sind Slayer sind Slayer. Die Band muss man nicht großartig vorstellen, nicht mal denjenigen, die mit Metal nur wenig anfangen können. Die Kalifornier haben die Welt der extremen Krachmusik geprägt wie sonst fast niemand und gehören zusammen mit Metallica, Anthrax und Megadeth zu den so genannten

„Big 4“ des Thrash Metal. Ihr ultimatives Album heißt Reign In Blood und erschien 1986, ein gerade mal 29 Minuten langes Machtwerk von Brutalität und Finesse. Doch auch mit dem 5. Juli 1988 veröffentlichten Nachfolger South Of Heaven schwächelt die Band nicht, klingt aber anders. Und genau das hat Otto Normal-Headbanger seinerzeit ganz schön durcheinander gebracht.


Hier könnt ihr in South Of Heaven reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Reign In Blood hatte sich mit seinem furiosen Dreiklang aus Härte, Tempo und Technik als das vielleicht ultimative Thrash-Album entpuppt, überflügelt höchstens, wenn überhaupt, von Metallicas Master Of Puppets. (Die ganze Geschichte dieses Meisterwerkes könnt ihr nachlesen.) Nun stellen sich die vier Musiker Anfang Zwanzig die berechtigte Frage, in welche Richtung man denn nun gehen solle. „Wir wussten, dass wir Reign In Blood unmöglich übertreffen konnten. Also mussten wir das Tempo verlangsamen“, erinnert sich Gitarrist Jeff Hanneman zwei Dekaden später im Decibel-Magazin. „Egal, was wir gemacht hätten: Es wäre auf jeden Fall mit dieser Platte verglichen worden. Über so etwas hatten wir davon noch nie geredet, danach auch nicht mehr.“

Promofoto von 1988: Slayer im Original-Line-up Lombardo, King, Araya, Hanneman (v.l.)

Doch nicht nur das Tempo wird gedrosselt: Die vielleicht offensichtlichste Veränderung betrifft den Gesang von Tom Araya. Der malträtiert seine Stimmbänder nicht länger nur mit purer Energie und Geschrei, sondern setzt immer öfter konventionelle Gesangstechniken und reguläre Melodien ein. Das berichten zumindest damals die Metal-Medien im Vorfeld und können es selbst kaum glauben. Der Autor des Metal Hammer beispielsweise schreibt später in Ausgabe 8/1988: „Ich erinnere mich, wie Tom Araya mir erzählte, Produzent Rick Rubin hätte ihm nahegelegt, auf der neuen Platte zu singen. Damals hielt ich es für einen verdammt dummen Scherz – so dumm, dass ich das Zitat vorsichtshalber erst gar nicht in der Story verbraten habe. Und was macht der Typ? Er singt tatsächlich. Nicht im Sinne eines Dio oder eines Tate. Das kann er nicht und will er nicht. Aber South of Heaven, Slayer-Album Nummer vier, enthält echte Gesangslinien. Melodie!“



Solche Nachrichten versetzen die notorisch wertkonservativen Seelen von Metal-Fans natürlich in helle Aufregung. Schwächeln die mächtigen Slayer etwa? Kann man sich auf gar nichts mehr verlassen? Jetzt muss doch die Welt untergehen, oder? Keinesfalls. Als South Of Heaven nämlich im Sommer 1988 in den Läden steht, lösen sich alle Bedenken in Luft auf. Ja, Titel wie Behind The Crooked Cross und das Judas Priest-Cover Dissident Aggressor klingen minimal eingängiger als alles, was Slayer bis zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht haben…



Doch ansonsten gilt auch für Album Nummer vier das oberste Gebot des Thrash-Metal: Slayer sind Slayer sind Slayer. Mit Songs wie Mandatory Suicide und dem mächtigen Titelstück kreieren die Musiker Klassiker, die in den folgenden Dekaden feste Bestandteile der Setlist sind. Und mal ehrlich: Gibt es ein böseres Riff als das Intro von South Of Heaven?



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