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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.7.1988 endet die US-„Monsters Of Rock“-Tour mit Van Halen und Metallica.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.7.1988.

von Christof Leim

Der geneigte Headbanger und Freund klassischer Krachmusik bekommt hier womöglich ein Freudentränchen ins Auge: 1988 stehen Hard Rock und Heavy Metal auf einem Höhepunkt. Im Sommer des Jahres rollt die „Monsters Of Rock“-Tour mit einem monströsen Line-up durch die USA. Mit dabei sind Van Halen, Scorpions, Dokken, Kingdom Come und eine aufstrebende Prügelkapelle namens Metallica. Größer geht’s damals in diesem Genre kaum. Aber natürlich geht das Ganze nicht ohne Drama ab…

Van Halen stehen 1988 in der Rangordnung des Hard Rock ziemlich weit oben, denn im Mai erst haben sie mit OU812 ihr zweites Nummer-eins-Album in Folge abgeliefert (die ganze Story hier). Zu dieser Scheibe gehen sie aber nicht einfach auf Tour, sondern ziehen als Headliner eines hochkarätigen Festivals durch die USA, das Monsters Of Rock genannt wird, angelehnt an und lizensiert von europäischen Open Airs gleichen Namens. Als Co-Headliner springen die Scorpions auf, die sich gerade am Erfolg von Savage Amusement erfreuen. Bei Dokken läuft es ebenfalls gerade ganz gut dank der 1987er-Platte Back For The Attack und der Hitsingle Dream Warriors (yep, die aus dem Nightmare On Elm Street-Film).

Van Halen und Metallica auf ihrem Sommerausflug. Credit: Drums600

Zum Billing gehört auch eine Kapelle, die zwar viel härter die Headliner unterwegs ist, sich aber mit einem Album namens Master Of Puppets (alles dazu hier) gnadenlos Richtung Oberliga geprügelt haben: Metallica erweisen sich als der Geheimtipp dieses Line-ups, selbst wenn sie schon früh am Tag an die Bühne müssen. Die jungen Wilden, die gerade mit der Garage Days-EP ihren neuen Bassisten Jason Newsted eingearbeitet haben, müssen sich dafür umgewöhnen: Schlafen bis zwölf, auf die Bühne um zwei, und was macht man danach? Genau. Bier trinken. Jahre später kommentiert Lars Ulrich das mit den Worten: „Die Uns-doch-scheißegal-Anzeige war ständig im roten Bereich.“ Den täglichen Anfang machen Kingdom Come, eine deutsch-amerikanische Freundschaft im Fahrwasser von Led Zeppelin. Deren Drummer James Kottak freundet sich auf der Tour mit den Scorpions an, wie es halt so passiert beim Backstage-Bierchen. Hier hat das aber Konsequenzen: Jahre später übernimmt Kottak sogar den Schlagzeughocker bei den deutschen Rocklegenden.



Ein solch hochkarätiges Line-up bedeutet: Zehn Stunden beste Krachmusik in 30 großen Stadien der USA. 1988 gelten die „Monsters Of Rock“ damit als fetteste Tour des Sommers, zumal es solche Rockfestivals in einer reisenden Version bis dahin kaum gegeben hatte. Das macht natürlich auch die Logistik nicht leichter: Weil die riesige Bühne von Stadt zu Stadt transportiert werden muss, gibt es viele freie Tage zwischen den Terminen. Insgesamt läuft die Sause über zwei Monate vom 27. Mai bis zum 30. Juli 1988. Vielleicht spielt die Veranstaltungsreihe deshalb dem Vernehmen nach weniger Geld ein als erhofft. Trotzdem werden die „Monsters Of Rock“ zu einem ziemlichen Erfolg, sogar die altehrwürdige New York Times berichtet darüber (und findet alle Bands außer Van Halen und den Scorpions mies).



Unterwegs gibt es ein paar Probleme: Am ersten Abend in East Troy, Wisconsin leiden Dokken unter einem dermaßen schlechten Sound, dass sie für den größten Teil ihres Sets ausgebuht werden. Zudem freuen sich die Fans über den neuverlegten Rasen – und werfen herausgerissene Teile in der Gegend herum. Überhaupt scheinen sich die US-Headbanger in jenem Sommer 1988 gerne mit Wurfgeschossen zu bekriegen: In gleich mehreren Städten kommt es zu teilweise stadionweiten Gefechten mit Nahrungsmitteln, Drinks und Müll. In New Jersey wird ein Hot Dog-Stand beklaut, um neue „Munition“ zu bekommen, in San Francisco müssen wegen solchen Unsinns die Spielzeiten verkürzt werden: Kingdom Come dürfen nur 15 Minuten ran, jede folgende Band magere fünf Minuten länger, und der Headliner Van Halen steht nur für wenig mehr als einer halbe Stunde auf der Bühne.

In Tampa zieht sich sogar die Polizei zurück, weil sie mit Flaschen bombardiert wird. Hier haben zudem Dokken erneut Pech, weil ihre Funksysteme auf der gleichen Frequenz laufen wie der Tower des nahegelegenen Flughafens. Und es wird nicht besser für die Band: In Oxford, Maine herrscht den ganzen Tag Sonnenschein, nur während eines Slots schüttet es ohne Unterlass… Zudem hat es in diesem Sommer niemand leicht, nach Metallica auftreten zu müssen, weswegen Dokken sich auch noch mit deutlich ablehnenden Reaktionen des härteren Teils des Publikums rumschlagen müssen. Und die Thrasher lieben Metallica: In Los Angeles gehen die Fans dermaßen ab und versuchen die Bühne zu stürmen, dass kurzzeitig der Strom abgeschaltet wird. Die Musiker sitzen derweil auf dem Drumriser und schauen dem Spielchen zu. 15 Besucher werden verhaftet.



Richtig uncool wird es in Seattle, als ein Besucher eine Kamera auf Scorpions-Frontmann Klaus Meine wirft und ihn am Hals trifft. Der Sänger lässt daraufhin eine fünfminütige Schimpftirade zum Thema „Respekt für Musiker auf der Bühne“ vom Stapel, die Band spielt noch einen Song und macht dann schon nach drei Viertel ihres Sets Schluss. Dass in Memphis mal Sammy Hagars Gitarrenequipment ausfällt, der Sänger in East Troy, Wisconsin von der Bühne stürzt und am gleichen Abend eine Lichttraverse während des Scorpions-Sets runterkracht, fällt da schon fast unter „normale technische Fehler“. In Dallas schließlich muss Hagar das Konzert wegen Stimmproblemen beenden und kündigt ein Gratiskonzert an gleicher Stelle an. Drei Jahre später lösen Van Halen das Versprechen ein. In Washington, D.C. steht ein gewisser Dave Grohl im Publikum, was er 20 Jahre kommentiert später: „Ich war damals ein zynischer Kiffer. Ich fand das bescheuert, das war alles zu groß. Das ergab für mich keinen Sinn – aber heutzutage tut es das wohl doch, schätze ich.“

Die „Monsters Of Rock“ betreten 1988 Neuland in den USA, später werden reisende Großfestivals wie Ozzfest und Lollapalooza zum Standard der Sommersaison gehören. Und Fans traditionellen Hard-Rocks bekommen bei einem solchen Line-up gerne mal ein seliges Grinsen ins Gesicht…



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