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Popkultur

Zeitsprung: Am 24.5.1988 erscheint „OU812“ von Van Halen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.5.1988."

von Christof Leim

Sängerwechsel bei großen Rockbands gehen ja gerne mal in die Hose. Van Halen allerdings konnten nach dem Einstieg von Sänger Sammy Hagar mit 5150 sogar ihr erstes Nummer-eins-Album abliefern. Der Nachfolger OU812 soll nun zeigen, dass dieser Erfolg kein Glückstreffer war. Doch diese Zweifel erübrigen sich schnell: OU812 steigt ebenfalls bis nach ganz oben, produziert sechs Hitsingles und verkauft sich mehrere Millionen Mal – obwohl manche Ohren mit dem glatteren, reiferen Sound nicht klarkommen. Trotzdem gehören Van Halen 1988 zu den größten Rockbands der Welt.

Hier könnt ihr in OU812 reinhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger herrscht Sonnenschein in der Welt von Van Halen: Den Ausstieg von David Lee Roth 1985 haben sie bestens verkraftet und nur ein Jahr später mit 5150 einen Kracher veröffentlicht. (Die ganze Geschichte der Scheibe findet ihr hier.) Ihren Sound haben die vier Kalifornier weiterentwickelt, der partygeneigte Hard Rock klingt erwachsener, sortierter.

Inspiration beim Tequila

Mit dem Schwung der erfolgreichen 5150-Tour im Rücken beginnt ziemlich bald nach der Heimkehr das Songwriting für eine neue Platte. Gitarrengott Eddie Van Halen hat wie immer eine Menge Riffs im Anschlag, Hagar schleppt mehrere Notizbücher voller Textideen mit sich herum. Damit verschanzt sich die Band in einem Studio und schreibt drauflos. Die Songs kommen schnell zusammen, „schlicht magisch“ nennt Sammy Hagar das in einem Interview mit dem Journalisten Martin Popoff, das man auf der Website Van Halen News Desk nachlesen kann.

Leider kommt der Sänger mit seinen Texten nicht ganz nach und verschanzt sich deshalb in seinem Haus im mexikanischen Cabo San Lucas, um im Sonnenschein in Ruhe mit ein paar Tequila die Songs fertigzustellen. Der Ort scheint zu inspirieren: Nicht nur entsteht das Lied Cabo Wabo, Sammy macht dort 1990 ein gleichnamiges Restaurant auf und übernimmt eine Tequila-Marke, die genauso heißt. Die Cabo Wabo Cantina besitzt Sammy immer noch, hier steht er auch gerne mal auf der Bühne mit seiner Kapelle The Waboritas und/oder mit ein paar Kumpels. Wie man es halt so macht, selbst wenn unser aller Kumpels nicht sonst bei Metallica, Alice In Chains oder Nickelback spielen.

Hard Rock mit Popschimmer

Alles in allem sind Van Halen von September 1987 bis April 1988 mit der Scheibe beschäftigt. Einen Produzenten gibt es nicht, lediglich Toningenieur Donn Landee arbeitet mit. Heraus kommen neun Stücke für die reguläre Version des Albums, die die Hinwendung zu gefälligeren, wenn man so will poppigeren Sounds fortführen, die schon auf 1984 mit David Lee Roth ihren Anfang genommen hatte. Eddie spielt gerne und viel Keyboard, aber natürlich lässt der wichtigste Gitarrist der Achtziger mehr als genug Sechs-Saiten-Feuerwerk vom Stapel. Mehr noch als 5150 erweist sich OU812 als erwachsen, toll komponiert, grandios gesungen und auf allen Positionen phänomenal gespielt. Das ist perfekter Hard Rock mit gelegentlichem Pop-Schimmer. Man könnte sagen: Die Songs sind besser als früher, aber weniger gefährlich und bahnbrechend.

Die Scheibe beginnt mit Mine All Mine, einer flotten Rocknummer mit treibendem Bass, die erstaunlich wenig nach Strand, Sexyhexy und Schirmchendrinks klingt. Für seinen Beitrag zum Song musste Sammy richtig kämpfen, siebenfach schreibt er den Text um: „Ich habe mich zum ersten Mal im Leben richtig fertig gemacht und fast schon Sachen aus dem Fenster geschmissen, um die Lyrics hinzubekommen“, erzählt er später.

Hitsingles macht man nebenbei

Leichter lief es da bei When It’s Love, einer Powerballade mit Keyboards am Anfang, knackigen Rockakkorden in der Mitte und einem Schmachtfetzen-Refrain wie aus dem Lehrbuch: Als die Band sich zum Songwriting trifft, holen Eddie Van Halen und sein trommelnder Bruder Alex ihren Sänger vom Flughafen ab. Im Auto erzählen sie, dass sie letzte Nacht an einer Idee gearbeitet haben und das jetzt mal vorspielen wollen. Zu hören sind zunächst nur Piano und Schlagzeug, aber sofort singt Sammy die Zeile „How do I know when it’s love“ dazu. Als die drei Kollegen im Studio ankommen, ist der Song größtenteils fertig. “Das ist die Magie, die wir damals hatten“, kommentiert Hagar auch das.

Auf A.F.U. (Naturally Wired) geht’s dann mehr zur Sache – mit dickem Drumbeat, atemloser Eddie-Gitarre und keinerlei Keyboards. Für das cool groovende, in jedem Takt sonnige Cabo Wabo mit den tollen Gesangsharmonien hat sich Sammy nicht nur von seinem neuen Lieblingsort Cabo San Lucas inspirieren lassen, sondern auch von der Nummer Make It Last, die er für seine frühere Band Montrose komponiert hat. Der Titel fiel ihm ein, als er in Cabo morgens um vier einen Mann durch die Straßen wanken sah (englisch: „to wabble“).

Sonne aus dem Popo

Source Of Infection sollte eigentlich nur ein Witz sein, weswegen der Text auch unverblümt, aber ohne deutliche Worte auf Schweinereien anspielt. Musikalisch lässt Eddie hier die Tapping-Gitarre fliegen, wie nur er es kann und verweist damit, Pop-Schimmer hin oder her, die Konkurrenz mal wieder auf die Plätze. Der Synthiebass von Feels So Good erinnert dann sehr an den Hit Why Can’t This Be Love von 5150, aber das macht nichts: Dieser gut gelaunten Radiorockpop-Nummer scheint viereinhalb Minuten lang die Sonne aus dem Popo.

Das gilt auch für Finish What You Started, den letzten Song, den Van Halen für die Platte fertigstellen. Damals sind Eddie und Sammy Nachbarn, natürlich am Strand in Malibu. Der sonnige Sound kommt halt nicht von ungefähr. Eines Nachts hört der Sänger, wie sein Kollege ihn ruft: „Sam! Sam! Ich habe hier eine coole Idee!“ Wie Sammy erzählt, setzen die beiden sich sofort zusammen, und zwar auf der Veranda unter freiem Himmel mit Blick zum Strand, weil Dauerraucher Eddie nicht in Hagars Haus darf. Sie ziehen ein paar Tequila und stellen den Song fertig. Um vier Morgens setzt sich Sammy dann an den Text. Heraus kommt ein bluesiger, augenzwinkernder Track mit cleverer Clean-Gitarre von Eddie und Sammy an der Akustischen. In den Lyrics geht es um, sagen wir, unvollendeten Sex. Hagar benutzt später den Begriff „blue balls“, auf Deutsch gibt es dafür das herrliche Wort „Kavaliersschmerzen“. Ihr könnt euch denken, was gemeint ist. Ja, Rock’n’Roll muss auch wichtige Themen aus dem Leben aufgreifen, nicht immer nur Wale retten.

Geschichten aus dem Leben

Auch der Midtempo-Stampfer Black And Blue handelt unverblümt von Sex und wird als erste Single ausgekoppelt. Sucker In A 3 Piece schließlich hat Sammy über einen älteren, wenig sympathischen Herren in einem dreiteiligen Anzug (englisch: „three-piece-suit“) verfasst, den er mit einer jungen, unfassbar attraktiven Dame am Arm in einem Restaurant erlebt.

Mit A Apolitical Blues hauen Van Halen dann noch ein rohes Cover von Little Feat raus, das lediglich auf der CD-Version des Albums und in digitaler Form zu finden ist. Es gibt sogar einen unveröffentlichten, vermutlich nicht fertiggestellten Track namens Numb To The Touch, den Sammy als „traditionellen, Whitesnake-mäßigen Heavy Metal-Song“ bezeichnet.

Wer hat es zuerst gegessen?

Als Titel für das Album steht zunächst Bone im Raum, aber Alex findet das scheußlich. Die Alternative sticht Hagar ins Auge, als er den Schriftzug „OU812“ auf einem Lastwagen sieht und ohne tieferen Hintergedanken lustig findet. Ausgesprochen wird das „Oh, you ate one, too!“, also „Oh, du hast auch eins gegessen.“ Es kursieren deshalb Gerüchte, Van Halen hätten sich hier eine kleine Retourkutsche zum ersten Soloalbum von David Lee Roth geleistet, denn das heißt Eat ‘Em And Smile, also „Esse sie und lächle“. Für die Trivia-Freaks: „OU812“ tauchte schon 1980 in einem Film von Cheech And Chong und von 1978 bis 1988 in der Sitcom Taxi auf. 1988 veröffentlicht die Bostoner Hardcore-Truppe Gang Green eine EP namens I81B4U, also: „Ich habe eines vor dir gegessen.“ Aha.

OU812 erscheint am 24. Mai 1988 und erreicht erneut die Spitze der US-Charts. (In der Woche vorher stand da übrigens Faith von George Michael, in der Woche danach Hysteria von Def Leppard. Gute Zeiten für gute Musik.) Als Singles werden Black And Blue, When It’s Love und Finish What You Started aufgelegt, auch Cabo Wabo, Feels So Good und Mine All Mine tauchen in diversen Charts wie Mainstream Rock Tracks oder Billboard Hot 100 auf. Unter dem Strich wirft das Album also sechs Auskopplungen ab, was bei neun Songs wahrlich keine schlechte Quote ist.

„OU812“ wirft ein halbes Dutzend Singles ab, darunter diese vier.

Damals war alles gut

Im Sommer 1988 begeben sich Van Halen dann auf die Monsters Of Rock-Tour durch die größten Stadien der USA. Vor ihnen spielen die Scorpions, Dokken, Metallica und Kingdom Come. Ohne Drama geht das nicht ab, aber das ist eine andere Geschichte (die hier zu lesen steht). Eine Konzertreise durch Europa unternimmt die Band für dieses Album nicht, dafür wird eine Show in Japan professionell gefilmt.

Fazit: Mit OU812 fegen Van Halen alles Genörgel über Sängerwechsel und Stilentwicklung vom Tisch und legen in den nächsten Jahren mit For Unlawful Carnal Knowledge (1991) und Balance (1995) auf gleichem Niveau nach. Erst als dann Streit aufkommt, bricht alles auseinander. 1988 aber steht die Band in der Welt des Hard Rock ganz, ganz vorne. Und die vier Musiker Mitte Dreißig sind tatsächlich gute Freunde, wie obiges Videointerview zeigt…

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Zeitsprung: Am 19.11.2004 endet eine katastrophale Van-Halen-Reunion.

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Zeitsprung: Am 29.1.1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer besten Freundin.

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Foto: Ebet Roberts/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.1.1982.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Trauer lässt Menschen merkwürdige Dinge tun. Da bilden auch Rockstars keine Ausnahme: Am 29. Januar 1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer kürzlich verschiedenen besten Freundin und sorgt für enorm hoch gezogene Augenbrauen. Als Teil der für Drogeneskapaden bekannten Band Fleetwood Mac gar nicht so einfach… 

Hört euch hier Bella Donna an, Stevies erstes Soloalbum von 1981: 

Nun ist es nicht gerade so, dass Stevie Nicks in ihrer Karriere keine Skandale vorweisen kann. Als Mitglied von Fleetwood Mac gibt sie laut eigenen Angaben zwischen 1977 und 1986 mehrere Millionen für Kokain aus, begibt sich in einen Beziehungsreigen mit Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood und einem nicht geringen Anteil der Eagles und wechselt schließlich auf das Beruhigungsmittel Clonazepam.

Kosmisches Gleichgewicht

Währenddessen zeigt sich die ätherische Meisterin des Rock mitverantwortlich für Werke wie das Album Rumours von Fleetwood Mac, das das genannte Liebeswirrwarr schmerzhaft aufarbeitet, oder das zeitlose Landslide. Der Entzug gelingt ihr beide Male, viele Musikerinnen nennen sie heute als wichtigen Einfluss, und nebenher engagiert sich Nicks ehrenamtlich. Eigentlich hält sich in ihrem Kosmos also alles die Waage.

Doch 1982 gerät das Gleichgewicht ins Schwanken. Kurz nach der Veröffentlichung ihres Solodebüts Bella Donna erhält die Musikerin die traurige Nachricht, dass ihre beste Freundin Robin Anderson an Leukämie erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Ein heftiger Schicksalsschlag für alle Beteiligten, der durch Andersons Schwangerschaft noch mehr Schwere erhält. Nicks, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch benebelt durchs Leben schwebt, kann die Situation kaum ertragen: „Ich war so auf Koks. Ich trank auf dem Weg (ins Krankenhaus) eine halbe Flasche Brandy, weil ich es nicht aushalten konnte.“

Kurzschlussreaktion Ehe

Anderson bringt mit letzter Kraft ihren Sohn Matthew zur Welt, verstirbt jedoch nur drei Tage später. „Ich hatte diese verrückte, wahnsinnige Vorstellung, Robin würde wollen, dass ich mich um Matthew kümmere“, erinnert sich Nicks. Weit hergeholt erscheint das nicht, immerhin ernennt man sie zur Patentante. Ihre Interpretation der Aufgabe fällt jedoch etwas besorgniserregend aus: In ihrer Trauer überzeugt sie Andersons Witwer Kim, dass eine Hochzeit die beste Option darstelle. Drei Monate später findet die Eheschließung statt.

„Komplett irre“, weiß die Sängerin heute. „Wir steckten alle knietief in der Trauer, standen völlig neben uns. Die Familien waren außer sich, als sie davon erfuhren; für viele war das Blasphemie. Aber das war mir egal. Mir war nur Matthew wichtig.“ Nicks merkt jedoch recht schnell, dass ihr Urteilsvermögen gerade nicht den besten Job macht. Die seit jeher spirituelle Künstlerin betritt eines Tages das Zimmer des Jungen und spürt die Gegenwart der Verstorbenen: „Es war dunkel, und das Baby war sehr still. Robin wollte, dass das sofort endet. Das habe ich so deutlich gespürt wie eine Hand auf der Schulter.“

„Go your own way“

Keine drei Monate später beendet die „Reigning Queen of Rock and Roll“ die Ehe. Es bleibt ihre einzige: „Die zählt nicht.“ Um den kleinen Matthew aber kümmert sich Nicks wie versprochen. Zwar bleibt der Kontakt zunächst aus, später finanziert sie dem Jungen jedoch das College. Kosmisches Gleichgewicht, eben.

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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Popkultur

Liebesbrief an London: Adeles Debüt „19“ wird 15 Jahre alt

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Adele
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Vor 15 Jahren veröffentlicht eine sehr junge Sängerin namens Adele ihr erstes Album 19. Eine der größten Popkarrieren aller Zeiten beginnt in einem Londoner Kinderzimmer – und wird fast vom Alkohol im Keim erstickt.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr 19 hören:

Adele Laurie Blue Adkins und London, das ist eine ganz besondere Beziehung. Sie wird 1988 in Tottenham geboren, wächst einige Jahre in Brighton auf und kehrt mit zehn nach London zurück. Erst wohnt sie mit ihrer Mutter in Brixton, später in West Nordwood südlich der Themse. Hier verbringt sie ihre Teenagerzeit, ein musikbegeistertes Mädchen mitten in der riesigen Metropole, die perfekte Kombi. Sie und London, das soll sich nie ändern, wenn es nach Adele geht.

Geschrieben in zehn Minuten

Als ihre Mutter ihr nahelegt, die Stadt für ein Studium zu verlassen, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie setzt sich hin – und schreibt binnen zehn Minuten Hometown Glory, ihren allerersten Song. Sie lässt alles raus, ihre Liebe zu dieser Stadt, ihre Angst, sie zu verlassen, die Diskussionen mit ihrer Mutter. „Meine Mom und ich konnten uns nicht einigen, wo ich studieren sollte“, erzählte Adele 2008 in einem Interview. „Sie wollte, dass ich nach Liverpool gehe, ich wollte aber in London bleiben. In gewisser Weise ist Hometown Glory eine Art Protestsong über die Erinnerungen – gute wie schlechte – an seine Heimat. Eine Ode an den Ort, an dem ich mein Leben verbracht habe.“

Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ist ein Glücksfall. Es ist 2007, und der Name Adele spricht sich langsam in Londons Musikwelt herum. Erste Fernsehauftritte steigern den Hype, Singer/Songwriter Jamie T wird auf die junge Dame mit der großen Stimme aufmerksam, bringt ebenjene Ode Hometown Glory im Oktober 2007 in einer limitierten Vinyl-Fassung heraus. Dann geht alles ganz schnell: Aus ihrem Kinderzimmer im Haus der Mutter heraus bekommt Adele den ersten Brit Awards Critics’ Choice-Preis verliehen und wird zur größten Newcomerhoffnung 2008 deklariert.

Da sollte mal jemand so was von Recht behalten: Zwei Wochen vor ihrem Debüt erscheint die Single Chasing Pavements. Die klettert bis auf Platz zwei der Charts und leitet eine neue Ära in der britischen Popmusik ein: Mit 19 erscheint am 28. Januar 2008 eines der wichtigsten und besten Debüts in der Musikgeschichte Großbritanniens. Der Hype ist mittlerweile im ganzen Land greifbar, die Hauptstadt verkündet die Ankunft eines neuen Megastars mit eigenem Kopf und starker Meinung.

„Ich wurde in dieser Zeit zur Frau“

19, benannt nach dem Alter, in dem sie die meisten Songs schrieb, wird zum Instant-Klassiker. Ihre Mischung aus Jazz, Soul und Pop ist feinfühlig und warm, ihre volle, durchdringende Stimme thront über allem, singt die Konkurrenz mühelos an die Wand und erzählt in melancholietrunkener Zerbrechlichkeit von gebrochenen Herzen, Heimweh und großen Träumen.

Zum Titel sagt sie: „Mir ist nichts Besseres eingefallen! Ich finde die Titel von Debütalben extrem wichtig, die besten sind für mich Debut von Björn und Miseducation von Lauryn Hill. Dieses Album repräsentiert mein Alter, mein Leben zu dieser Zeit. Ich war erst 19, als ich es schrieb, und wurde in dieser Zeit zur Frau. Das findet sich in den Songs wieder.“ Mehr noch: Die Art und Weise, wie sie die Vokale in die Länge zieht, markiert einen neuen Stil in der britischen Popmusik. „Adele hat das Potential, zu einer der angesehensten und inspirierendsten Künstler*innen ihrer Generation zu werden“, urteilt Billboard und reiht Adele aus dem Stand zwischen Amy Winehouse und Duffy ein.

Toxische Beziehung und zu viel Alkohol

Mit Amy Winehouse teilt sie anfangs nicht nur die starke Stimme und den Erfolg: Adele trinkt. Viel. Im Mai 2008 soll sie auf ihre erste große Tournee gehen, der Fokus liegt klar auf der Eroberung des US-Marktes. Das passt ihr nicht: Sie hat starkes Heimweh und steigt nicht gern in Flugzeuge. Wegen ihres damaligen Freundes sagt sie sogar einige US-Termine ab, nach Ansicht vieler der Todesstoß für jede Form von Karriere in den geheiligten Poplanden USA. Trifft auf sie natürlich nicht zu, gut steht es damals dennoch nicht um sie. „Ich nenne diese Zeit meine E.L.C., meine Early Life Crisis“, sagte sie dem Nylon Magazine mal. „Ich trank viel zu viel, was gleichzeitig das Fundament meiner Beziehung zu diesem Jungen war. Ich konnte nicht ohne ihn sein, also sagte ich diese Konzerte einfach ab. Kaum zu glauben, dass ich das wirklich getan habe. Es ist so undankbar.“

Im November 2008 trennt sie sich von ihm und zieht aus ihrem Kinderzimmer aus. Sie lässt sich in Notting Hill nieder, wo sie sich gleich wieder an die Musik macht, und gibt den Alkohol auf. „Diese Beziehung hat mein zweites Album praktisch von selbst geschrieben, also war es das am Ende alles wert“, meinte sie mal trocken. Zunächst segelt sie aber noch mit 19 auf den Wellen des Erfolgs: Anfang 2009 gibt es Gold dafür, bis zum Sommer 2009 hat sich das Album weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft, auch den Grammy für den Best New Artist gibt es für sie.

Sogar das Dylan-Cover gelingt ihr

Nicht übel für eine Sängerin, die, wie sie selbst sagt, „keinerlei Pläne“ für dieses Album hat. „Ich weiß ja nicht mal, welche Art von Künstlerin ich sein will“, sagte sie 2009. „Ich schrieb das Album ja nur, um eine Trennung zu verarbeiten und all die Musik zu spielen, die ich selbst gern höre: Pop, etwas Elektro, Jazz, Folk und natürlich Soul. Ich wollte aber nie ein White Soul Girl sein. Das Album kam ganz natürlich und organisch zusammen.“ Stimmt: Sogar mit ihrem Cover von Bob Dylans Make You Feel My Love kommt sie durch und liefert ein Debüt, auf dem jeder Song sitzt.

Das wirklich Erstaunliche ist ja aber: Bei allem Hype und Erfolg ist 19 doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Adele zwei Jahre später mit 21 lostreten wird.

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Adeles „30“: Von Trennungsschmerz, Selbsterkenntnis und Neuanfängen

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Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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