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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.5.1948 rockt Klaus Meine von den Scorpions los.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1948.

von Christof Leim

Am 25. Mai 1948 lässt Klaus Meine zum ersten Mal von sich hören. Da wird der Sänger der Scorpions in Hannover geboren. Als Stimme der wohl einflussreichsten deutschen Hard Rock-Band hört man ihn später auf der ganzen Welt. Wir wünschen „Herzlichen Glückwunsch!“ und blicken zurück auf eine fünf Dekaden währende Karriere.


Hört hier in die besten Scorpions-Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Als Klaus Meine 2018 seinen sage und schreibe 70. Geburtstag feiert (privat mit der Familie in Griechenland), befinden sich die Scorpions auf einer weiteren World Tour über fast alle Kontinente. Diese Beständigkeit ist bemerkenswert, und irgendwie waren die Scorpions ja immer da, schon bevor die meisten von uns zu Rockfans wurden. 18 Studioalben und sechs Liveplatten hat die Band seit dem Debüt 1972 aufgenommen, dazu mehr Greatest Hits-Compilations rausgebracht, als man zählen will. Die Verkäufe liegen ein gutes Stück jenseits von 110 Millionen Tonträgern, mit Gold- und Platinauszeichnungen, soweit das Auge reicht. Auf allen singt Klaus Meine, zu den meisten Liedern hat er den Text verfasst.



Eigentlich wollte (oder sollte) Meine ja Dekorateur werden. Nach der Volksschule in Langenhagen absolviert er jedenfalls eine entsprechende Ausbildung, arbeitet anschließend aber als Auslieferungsfahrer. Da spielt Musik schon die größte Rolle, er singt in den Bands Mushrooms und Copernicus. Die Scorpions gibt es da bereits, gegründet 1965 (!) von Gitarrist Rudolf Schenker. Der sagte dem Magazin Noisey: „Das war alles noch sehr amateurhaft, bis ich 1969 Klaus gefunden habe. Der hatte die gleichen Träume wie ich. Und dann haben wir angefangen, Songs zu schreiben.“



Zusammen mit Schenker bildet Meine den Kern der Scorpions, von ihnen kommt nach wie vor das Gros der Stücke. Die erfolgreichste Nummer stammt jedoch alleine aus der Feder des Sängers: Wind Of Change. Genau, die hassgeliebte Perestroika-Ballade. Pfeif, pfeif. Das mag ihm mancher vielleicht übel nehmen, aber bei Lichte betrachtet bleibt das ein toller Song, der zur perfekten Zeit erschien. Er landete in elf europäischen Hitparaden auf Platz eins und wurde 1991 zur erfolgreichsten Single weltweit. Muss man auch erstmal hinkriegen. Deshalb wurden die Scorpions sogar zu Michael Gorbatschow in den Kreml eingeladen.



Klaus Meine hat Musikgeschichte geschrieben, keine Frage, vor allem als Rock’n’Roll-besessenes Bühnentier und verdammt guter Sänger. Man darf Meines durchdringende Stimme nicht mögen: Die Herzdame des Autors hält zum Beispiel Coast To Coast für das beste Scorpions-Stück überhaupt, weil es ein Instrumental ist. Aber was der Mann da singt, kann nicht jeder – und gilt schon seit den Siebzigern international als Vorbild für unzählige Rocker auf der ganzen Welt, zumal die Scorpions damals zum ganz harten Stoff zählten, Meines geschriene Vocals eingeschlossen. Man muss sich nur mal die legendären Konzertmitschnitte Tokyo Tapes (1978) und World Wide Live (1985) anhören. Deshalb taucht der kleine Mann (1,63 Meter) mit der großen Stimme (Tenor) auf den meisten Listen der besten Rock-Vokalisten aller Zeiten auf. Ein Verdienstkreuz erster Klasse hat er ebenfalls, und ein Duett mit Jose Carreras darf auch nicht jeder singen.



Dabei gab es Rückschläge: Als die Scorpions mit Lovedrive (1979) und Animal Magnetism (1980) ein goldenes Rock-Jahrzehnt einläuten und nach einer weiteren Welttour mit den Arbeiten an Blackout beginnen, verliert Meine 1981 seine Stimme. Ein Arzt rät ihm rundheraus, sich einen anderen Beruf zu suchen. Der Sänger schlägt seinen Kollegen vor, ohne ihn weiterzumachen, doch Rudolf Schenker will davon nichts wissen. Die Band wartet, Meine wendet sich an einen Spezialisten in Wien. Nach zehnmonatiger Gesangspause, zwei Operationen an den Stimmbändern und Elektroden am Hals erholt sich seine Stimme vollständig. Blackout erscheint 1982 und bringt die Scorpions zum ersten Mal in die US-Top-Ten. Zwei Jahre später klappt der endgültige Durchbruch mit dem Platinalbum Love At First Sting und den wirklich weltweit bekannten Hits Rock You Like A Hurricane und Still Loving You. (Die Geschichte des Albums könnt ihr hier nachlesen.



Angesichts solcher existenzbedrohender Erlebnisse werden manche Oberflächlichkeiten ziemlich unwichtig. Während der Achtziger gehört eine raumgreifende Haartracht zur Pflichtausstattung eines Rockers, doch das interessiert insbesondere Meine kein Stück, wie er in einem Artikel von Die Welt zum Thema „Haare im Heavy Metal“ deutlich macht. Zur Überschrift „Föhnen, bis der Satan kommt“ erklärt der Mann: „Als ich meine Stimme verloren habe, waren die Haare überhaupt kein Thema mehr.“ Deshalb: Mütze auf, die Musik zählt. „Die Kappe ist bei mir mittlerweile zum Markenzeichen geworden. Mich amüsiert es seitdem total, wenn sich Leute fragen, was der Meine wohl unter seiner Mütze hat. Ich fand eine Kappe immer ehrlich, und wenn ich nach Hause gehe, setze ich sie auch ab.“



„Zu Hause“ bedeutet immer noch Hannover, zumindest im weiteren Umkreis. Dort lebt Meine mit seiner Frau Gaby, mit der er seit 1977 verheiratet ist. Zusammen haben sie einen Sohn namens Christian. Hier schaltet er nach eigenen Aussagen vom „Rock’n’Roll-Zirkus“ ab. Neben der Musik engagiert sich der Sänger vielfältig in verschiedenen karitativen Bereichen, für UNICEF und im Kampf gegen Krebs und Leukämie.

Zum Geburtstag schreibt Rudolf Schenker in einem offenen Brief an seinen Kollegen: „In den vergangenen Tagen haben wir vielleicht öfter über das Alter und die Jahre gesprochen als zuvor.“ Doch noch scheint von den beiden niemand an die Rockerrente zu denken. Vermutlich gehen der Antrieb und die Liebe zur Musik, die bis zur Spitze führen, nicht einfach so weg. Damit befindet sich Klaus Meine in guter Gesellschaft wie Brian Johnson (AC/DC), Alice Cooper und Steven Tyler (Aerosmith). Wir freuen uns und sagen: „Glückwunsch like a hurricane!“

Das sehen einige der erfolgreichsten Musiker der Welt genauso, darunter Jon Bon Jovi, James Hetfield, Gene Simmons, Paul Stanley, Herbert Grönemeyer, Rob Halford, Scooter, David Coverdale und Slash:



Header-Bild: José Goulão from Lisbon, Portugal (Scorpions) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

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