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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.2.1979 starten die Scorpions den „Lovedrive“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.2.1979."

von Christof Leim

Mit Lovedrive beginnt für die Scorpions eine neue Ära: Neuer Gitarrist, fokussierter Sound und endlich der internationale Durchbruch. Es gibt mal wieder Ärger wegen des Covers, aber auch gleich mehrere zukünftige Klassiker. Und das kam so…


Hört hier in Lovedrive rein:

Klingt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ende der Siebziger muss sich Band zunächst einmal neu sortieren: Uli Jon Roth hatte nach dem Livealbum Tokyo Tapes (1978) seinen Hut genommen, weswegen die Band mit einer Anzeige im britischen Melody Maker einen Leadgitarristen suchen muss. Es melden sich 140 Flitzefinger, heißt es, das Rennen macht ein alter Bekannter aus dem heimischen Hannover: Matthias Jabs. Im Sommer 1978 wird er neues Mitglied vorgestellt, im September geht es schon ins Studio für Album Nummer sechs.

Mit dem Ausstieg von Roth sind die letzten Einflüsse an Seventies-Hippiekram, Hendrix-Huldigung und Kraut-Rock aus dem Sound der Scorpions verschwunden; ab jetzt regiert die Seite des Songwritings, die seit jeher Rudolf Schenker beigesteuert hat: Hard Rock auf die Zwölf. Damit klingt das Material, das sie mit Stammproduzent Dieter Dierks in Stommeln bei Köln aufnehmen, geradliniger und direkter. Man darf sogar sagen: Hier nimmt der klassische Scorpions-Sound seinen Anfang, mit dem die Kollegen in den Achtzigern diverse Arenen und Geldspeicher füllen.

Ganz ohne Verwirrung geht die Produktion allerdings nicht vonstatten: Wie die fünf Rocker da so schön aufnehmen in der rheinischen Provinz und von Mama Dierks bekocht werden, taucht Michael Schenker im Studio auf. Der Bruder von Rudolf war nach turbulenten Jahren als Gitarrenwunderkind von der britischen Band UFO vor die Tür gesetzt worden, jetzt will (oder: soll) er wieder bei den Scorpions mitmischen. Manchen Quellen zu Folge klappen die Aufnahmen mit Matthias nicht wie geplant, vor allem aber ist der kleine Schenker bereits ein etablierter Star und Klampfenheld. Also spielt Michael für mehrere neue Songs die Soli ein, womit wir auf dem Album ganz offiziell drei Gitarristen hören.

Anzeige von 1979 für das neue Album und die US-Tour

Jabs wird sich über all das nicht gefreut haben, zeigt aber Verständnis, weil „Michael und Rudolf eben Brüder sind“, wie er später zitiert wird. Als im Februar 1979 dann die ersten Tourdaten anstehen, gehört Michael Schenker offiziell als (einziger) Leadgitarrist zur Mannschaft. Doch das funktioniert nicht lange: Er taucht nicht zu Shows auf, Matthias fliegt kurzfristig ein und übernimmt, Michael kehrt nach einer Weile zurück, und Matthias muss wieder gehen. Bei einem Gig im französischen Lyon am 4. April 1979 läuft das Fass schließlich über: Die Scorpions stehen schon wieder ohne Soloklampfer da, aber jetzt haben sowohl die Band als auch der Ersatzmann die Schnauze voll. Michael Schenker kann wegbleiben, Matthias Jabs wird Leadgitarrist der Scorpions und ist das bis heute.


Zurück zur Platte: Lovedrive erscheint am 25. Februar 1979 – und bringt unsere Helden ein gutes Stück nach vorne, vor allem international. Mit einem 55. Platz knacken sie zum ersten Mal die Charts in den USA, mit Rang 36 gelingt das Gleiche in Großbritannien. In Deutschland landet die Scheibe um ein Haar in der Top Ten (Platz 11).

Von den acht Tracks gehören mindestens vier zu Klassikern des Scorpions-Kataloges; Songs von Lovedrive stehen heute noch regelmäßig und in großer Zahl auf der Setlist. Da wären der Midtempo-Rocker Loving You Sunday Morning, die flotte Granate Another Piece Of Meat und das energische Can’t Get Enough sowie das Titelstück mit Led Zeppelin-Groove – alles bestes Livematerial für Spaß, Schweiß und Geschrei. Mit Coast To Coast gibt es sogar ein Instrumental: schön dramatisch und mit herrlichen Melodiegitarren.


Außerdem finden sich natürlich so genannte „Power-Balladen“, die sich zusehends zum Eckpfeiler des Scorpions-Sounds und sogar zum Stilmerkmal eines ganzen Genres entwickeln sollten: Während der Achtziger gibt es kaum eine Hard Rock-Combo, die nicht ab und zu mal ein bisschen Drama, Pathos und Herzschmerz in den Ring wirft. Cleangitarre in der Strophe, bombastischer Chorus – funktioniert super. In dieser Disziplin sind die Scorpions nicht die Ersten, aber womöglich die Besten. Das zeigen auf dieser Scheibe die beiden brillanten Schmachtfetzen Always Somewhere und Holiday. In Is There Anybody There? zückt das Quintett sogar einen fluffigen Reggae-Rhythmus aus dem Hut, was hervorragend funktioniert.


Die Lieder stammen fast alle vom Team Klaus Meine/Rudolf Schenker. Schlagzeuger Herman Rarebell steuert drei der acht Texte bei. Das hat er schon früher getan, weil er immer am besten Englisch sprechen konnte. Michael Schenker erklärt Dekaden später, er habe eigentlich die Melodien für Coast To Coast und das Intro zu Holiday geschrieben, was aber irgendwann auch egal ist.

Fast alle Songs der Platte werden auf verschiedenen Single-Konstellationen ausgekoppelt

Textlich beschäftigen sich die fünf Musiker um die 30 damals mit dem wilden Leben, das man als international tourende Band so erlebt. Es geht um Sehnsucht nach der Herzdame daheim (Always Somewhere), das Rocken an und für sich (Can’t Get Enough) und natürlich immer wieder um zwischengeschlechtlichen Nahkampf. Another Piece Of Meat handelt jedenfalls nicht vom Grillen. Ja, die Scorpions haben den Rock’n’Roll gelebt, und dazu gehören auch Groupies. Interessanterweise legt der Text des plakativsten Songs die Zeile „Let’s go, don’t put on a show, you’re just another piece of meat“ nicht nur dem Rockstar, sondern auch der Dame in den Mund.



Einen Skandal produziert allerdings das Cover, nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Truppe. Man sieht ein Paar in Abendgarderobe auf dem Rücksitz einer Limousine. Die rechte Brust der Frau ist entblößt, von dort spannt sich eine rosa Gummimasse wie ein riesiger Kaugummi bis zur Hand des Mannes. Das Artwork stammt aus der Kreativwerkstatt Hipgnosis um Storm Thorgerson, der vor allem mit Arbeiten für Pink Floyd auf sich aufmerksam gemacht hatte, etwa bei The Dark Side Of The Moon.

Er kommentiert: „Nicht die politisch korrekteste Szene. Ich hielt das für lustig, aber Frauen sehen heute etwas anderes darin.“ An anderer Stelle erklärt er: „Ich habe mir immer vorgestellt, dass sie auf dem Weg zur Oper sind. Er hat einen Kaugummifetisch, und sie lässt ihn gewähren, weil es ihr einfach völlig egal ist. Ich finde das auch ein bisschen albern, aber ich mag das Cover.“ Die Album-Rückseite zeigt das gleiche Paar, lachend, beide halten ein Bild der Band in den Händen. Die linke Brust ist nun zu sehen.



Natürlich bekommen in den USA manche Leute bei allem, was mit Sex zu tun hat, Anfälle von Schnappatmung, weswegen spätere Pressungen ein neutrales Cover (blauer Skorpion auf schwarzem Grund) tragen. Klaus Meine blickt 2010 in einem Interview zurück: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass das ein Problem in den Staaten werden würde. Das ist nur Sex und Rock’n’Roll. Sonderbar, weil uns während Achtziger ausgerechnet in den USA vor der Bühne ständig Brüste gezeigt wurden, aber nirgendwo sonst.“

Den Verkaufszahlen tut das alles keinen Abbruch, so dass die Scorpions nach der Veröffentlichung neben Europa erneut Japan betouren können und auch lange durch die USA kreuzen. Mit Lovedrive etablieren sie sich als internationale Künstler und legen die Grundlage für ihre erfolgreichste Ära in klassischer Besetzung. In den folgenden Jahren scheppert es dann mit Animal Magnetism (1980) und Blackout (1982) gewaltig, und spätestens mit Love At First Sting (1984) steht das Quintett am oberen Ende der Hard-Rock Nahrungskette. Aber darüber unterhalten wir uns ein andermal…

Zeitsprung: Am 31.8.1948 rockt Rudolf Schenker von den Scorpions los.

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Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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