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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.3.1984 erscheint „Love at First Sting“ von den Scorpions.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.3.1984.

von Christof Leim

Es wird hier mal Zeit für klassischen Hard Rock aus Deutschland. Also los: Am 27. März 1984 veröffentlichen die Scorpions Love At First Sting. Damals sind die Hannoveraner längst weltweit aktiv und genießen einen hervorragenden Ruf, doch mit diesem, ihrem neunten Album schaffen sie endgültig den Durchbruch in die allererste Liga. Die Bandgründung ist da schon fast 20 Jahre her, an Ausdauer hat es den Herren also nicht gemangelt. Die größten Songs der Scheibe kennen wir alle, ob wir wollen oder nicht. Gibt es dickere Fäuste-in-die-Luft-Hymnen als Rock You Like A Hurricane? Oder eine epischere Powerballade als Still Loving You? Eben, gibt es nicht. Als Rockgourmet kann man das eigentlich nicht mies finden, selbst wenn manche das nicht zugeben wollen. (Keine Sorge, bleibt unter uns.)

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Hier gibt es Love At First Sting zu hören:

In die Achtziger sind die Scorpions gut reingerutscht: Ihren Sound haben sie nach dem (freundschaftlichen) Abgang von Virtuose Uli Jon Roth von verspieltem Siebziger-Ballast befreit und Gitarrist Rudolf Schenker das alleinige Songwriting-Zepter übertragen. Der setzt mit seiner Flying V konsequent Kurs auf breitbeinigen und eingängigen Hard Rock. Das passt hervorragend in die Zeit, in der auch Judas Priest, Iron Maiden und Def Leppard durchstarten. Mit ihrem letzten Album Blackout 1982 konnten die Scorpions die Hitsingle No One Like You ins US-Radio bringen, doch mit Love At First Sting wollen sie noch einen draufsetzen.…

Bewährtes klappt besser

Im Frühsommer 1983 starten die Aufnahmen zunächst in den Polar-Studios in Stockholm mit Stammproduzent Dieter Dierks, der die Band seit In Trance (1975) betreut. Doch irgendwie ist der Wurm drin: So spielen sogar anfangs die beiden US-Amerikaner Jimmy Bain (Rainbow, Dio) und Bobby Rondinelli (Rainbow) anstelle von Bassist Francis Buchholz und Schlagzeuger Herman Rarebell. Weil das alles nicht klingt, wie es soll, begibt sich die Mannschaft wieder in Dierks’ Studio in Stommeln bei Köln, wo fast alle früheren Scorpions-Platten entstanden waren. Hier fängt die Band in ihrer klassischen Besetzung Meine-Schenker-Jabs-Buchholz-Rarebell quasi wieder von vorne an – und jetzt knallt es: Die Scorpions ballern ein Ausnahmealbum raus, das zwar wesentlich glatter klingt als Blackout, aber trotzdem viel Kraft ausstrahlt und ein untrügliches Gespür für griffige Songs und tolle Melodien beweist. Dabei betreten die Akteure sogar #Neuland: Love At First Sting ist eines der ersten Hard-Rock-Werke überhaupt, das komplett digital aufgenommen wurde.

Unter den neun Tracks finden sich zwei der wichtigsten Kompositionen der Hannoveraner überhaupt, nämlich Rock You Like A Hurricane und Still Loving You. Diese beiden Songs werden seit 1984 auf jedem, wirklich jedem Konzert gespielt. Doch selbst in der zweiten Reihe gibt es auf der Scheibe großartige Hard-Rock-Nummern, was Love At First Sting ein durchgehend hohes Niveau beschert. Die Lieder stammen aus der Feder des bewährten Teams Rudolf Schenker (Musik) und Klaus Meine (Texte). Lediglich bei zwei Nummern – Rock You Like A Hurricane und Bad Boys Running Wild – hilft Drummer Herman Rarebell mit, dessen Englisch als das beste in der Gruppe gilt.

Die wichtigen Dinge im Nachtleben

Lyrisch werden hier keine Gefangenen gemacht. Love At First Sting dreht sich um das, was man so vor der Nase hat, wenn man um die Welt fliegt und es jeden Abend krachen lässt, nämlich Nachtleben, Touren, Liebe, Lust und überhaupt: Rock’n’Roll, Baby. Das wird alles vorgetragen in wenig verschnörkeltem Englisch, aber mit Inbrunst. Je nach persönlicher Präferenz sind das die dünnsten oder dicksten, weil wichtigsten Bretter, die man in diesem Genre bohren kann. Man darf nicht vergessen, dass Klischees immer einen verdammt wahren Kern haben. Anders ausgedrückt: Um solche Sachen geht’s nun mal im Rock’n’Roll. Eine Ausnahme findet sich jedoch: In Crossfire werden die Scorpions tatsächlich politisch und erzählen aus der Sicht eines Soldaten, der gar keinen Krieg will. Erwähnt sei auch die Gitarrenarbeit von Matthias Jabs, der sich hier als äußerst geschmackvoller Flitzefinger empfiehlt. Die vielen Soli und Licks bieten Feuer, bleiben aber immer melodisch und im Ohr. Muss man auch erstmal können.

Als Vorabsingle erscheint am 7. Februar 1984 die besagte Hymne Rock You Like A Hurricane und wirbelt bis auf Platz 25 der US-Billboard-Hot-100-Charts. Das Ding ist heute ein Klassiker und einer der prägendsten Hard-Rock-Songs der Achtziger, vielleicht ein bisschen todgenudelt, aber prinzipiell, sind wir doch mal ehrlich, großartig. Die Liste der Coverversionen ist endlos, ebenso die Aufzählung der Einsätze bei Sportveranstaltungen, in Filmen, Computerspielen und TV-Serien. Zuletzt tauchte Rock You Like A Hurricane zum Beispiel bei The Big Bang Theory und Stranger Things auf. Die GEMA-Abrechnungen zu der Nummer würden wir gerne mal sehen. Ach ja: Eigentlich ist im Refrain gar nicht „rock“ gemeint, aber das Wörtchen mit „f“ (quasi: „fock“) kann man ja nicht einfach so singen…

Im Juli 1984 legt die Plattenfirma mit Still Loving You die zweite Single nach und landet einen weiteren Hit. Die Nummer über eine Beziehung kurz vor ihrem Ende, die Schenker schon seit einigen Jahren im Schrank liegen hatte, gilt als Prototyp der Hard-Rock-Powerballade. Kurz darauf kommt noch der äußerst eingängige Rocker Big City Nights als dritte Auskopplung. Nicht zuletzt dank dieser Stücke wird Love At First Sting zum damals erfolgreichsten Album der Band und erreicht bereits zum Ende des Jahres Doppelplatin.

Ärger wegen nix

Dabei hatte es sogar Ärger gegeben: Das Cover von Fotograf Helmut Newton zeigt ein Paar in einer Umarmung. Der Mann scheint gerade einen Skorpion auf das Bein der Dame tätowiert zu haben, sie entblößt ein wenig ihrer Brust. Harmlos. Trotzdem findet die US-Kaufhauskette Walmart das anstößig und sorgt dafür, dass die Scheibe in den USA mit einem schwarzweißen Bandfoto auf der Vorderseite veröffentlicht wird.

Das alternative Cover für die USA.

Da sind die Scorpions längst schon wieder auf der Straße: Die Love At First Sting Tour startet am 23. Januar 1984 in Birmingham und läuft ohne große Pausen bis zum 7. Februar 1985 in Tokyo, danach gibt’s noch einen Sommer lang internationale Festivals. Alleine 80 Shows finden in den USA statt, meistens eröffnet von einer aufstrebenden Nachwuchskapelle namens Bon Jovi. Die Liste der Daten ist beeindruckend: Die Kollegen haben echt durchgezogen und das Eisen geschmiedet, als es am heißesten war. Das lohnt sich, denn anschließend ist nicht nur der grandiose Mitschnitt World Wide Live im Kasten, sondern auch ein Stückchen Rock’n’Roll-Weltherrschaft erreicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Zeitsprung: Am 25.2.1979 starten die Scorpions den „Lovedrive“.

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Popkultur

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

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John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

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Rockin’ Movies: Die 15 besten Filmsoundtracks

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Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

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Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

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Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

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Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

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Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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