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Popkultur

Zeitsprung: Am 31.8.1948 rockt Rudolf Schenker von den Scorpions los.

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Rudolf Schenker
Foto: Gary Miller/FilmMagic

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.8.1948."

von Christof Leim

Rudolf Schenker ist der Motor hinter den Scorpions, und zwar seit über 50 Jahren. Der Gitarrist kann auf eine Weltkarriere zurückblicken mit einer ganzen Reihe von Rockklassikern aus seiner Feder. Zu seinem Geburtstag blicken wir zurück auf schnittige Flying-Vs, grandiose Riffs, gnadenlose Schnäuzer und bemerkenswertes Stehvermögen.

Hört hier in die besten Scorpions-Songs rein:

Der Mann besitzt definitiv einen langen Atem: 1965 gründet Rudolf Schenker als Siebzehnjähriger seine erste Band, aus der später die Scorpions werden. Bis zum ersten Album Lonesome Crow dauert es sieben Jahre, bis zum weltweiten Durchbruch über zehn. Doch Schenker zieht durch – und macht die Scorpions zu einer der größten Rockkapellen der Welt und zum erfolgreichsten deutschen Krachmusikexport. (Ja, auch im Vergleich zu Rammstein.) Dabei hilft ihm seit 1969 Sänger Klaus Meine, über den er sagt: „Der hatte die gleichen Träume wie ich. Und dann haben wir angefangen, Songs zu schreiben.“ Beide verfolgen die Vision, „überall zu spielen, wo es eine Steckdose gibt“ und einmal zu den 30 größten Rockbands zu gehören. Hat geklappt.

Immer voller Einsatz: Rudi Schenker bei der Rock’n’Roll-Gymnastik

Dabei liegt Schenkers Ehrgeiz weniger darin, der schnellste oder technisch versierteste Gitarrist zu werden, wie er ihm Video zum Konzertmitschnitt World Wide Live erklärt, sondern vor allem ein „sehr guter Komponist“. Auch das hat geklappt, wenn man sich anguckt, bei welchen Klassikern der Mann seine Finger im Spiel hatte. Bei mehr als hundert Songs steht Schenkers Name als Komponist oder Co-Komponist in den Credits. Generell liefert Rudolf Schenker als archetypischer Rhythmusgitarrist vor allem die Riffs, gerne auch mit der „Windmühle“ wie Pete Townshend (The Who) oder so weit nach hinten gebeugt, dass er auch als Limbotänzer gebucht werden könnte: Man schaue sich nur das Cover der 1978er-Liveplatte Tokyo Tapes an.

Gutes Händchen

In den Siebzigern klingt das alles ein wenig verspielter, ab den Achtzigern geradlinig und hocheffektiv voll auf die Zwölf. Und das bleibt bis auf ein paar Experimente während der Neunziger bis heute so. Daneben punkten die Scorpions seit jeher mit so genannten Powerballaden wie Still Loving You. Man darf sich fast fragen, ob es ohne unsere Hannoveraner Freunde die ganzen Metal-Ballads-Hitsingles der Heavy-Fraktion auf Headbanger’s Ball überhaupt gegeben hätte. Soli spielt unser Mann selten, beweist dabei aber ein gutes Händchen für eingängige Melodien, wie man zum Beispiel in Wind Of Change, Always Somewhere und Big City Nights hört. Vom Singen hält er sich fast konsequent fern, aber das ist, sagen wir mal, schon in Ordnung.

Ganz früh: Rudolf Schenker (r.) und Band Mitte der Sechziger

Los geht diese Reise am 31. August 1948: Da wird Rudolf Schenker in Hildesheim geboren. Er wächst in Sarstedt zwischen Hildesheim und Hannover als Sohn eines Bauingenieurs auf und interessiert sich als Teenager natürlich für Beatmusik und den frühen Rock’n’Roll. Zudem liegt Musik anscheinend in der Familie: Sein sieben Jahre jüngerer Bruder Michael wird zum gefeierten Rock’n’Roll-Flitzefinger, auch die 18 Jahre jüngere Schwester Barbara macht Musik in der Band Viva. Rudolf gründet eine eigene Gruppe, in der er anfangs auch singt, und will, wie es sich gehört, Rockstar werden.

Berufsausbildung: Och, wenn’s sein muss.

Doch erstmal muss der Junge natürlich auch „was Vernünftiges“ lernen: Er macht eine Ausbildung zum Starkstorm-Elektriker, später zum Fotografen. Das hilft den Scorpions in ihrer Frühzeit, weil Rudolf gegen Geld befreundete Gruppen ablichtet und so die Kasse auffüllt. Die ersten Bandfotos der Scorpions schießt er per Selbstauslöser. Doch glücklich wird der jungen Mann in diesen beiden Berufen nicht werden. Spätestens als Sänger Klaus Meine und der kleine Bruder Michael an der Sologitarre dazustoßen, will Rudolf ernst machen und Profimusiker werden, am liebsten international. Von Anfang schreiben die Jungspunde deshalb ihre Texte auf Englisch, was Ende der Sechziger in Deutschland noch belächelt wird. Doch Schenker zieht durch.

Das Debüt Lonesome Crow erscheint 1972, erste Wellen schlagen die Scorpions mit Fly To The Rainbow (1974), danach folgt im Jahrestakt eine ganze Reihe späterer Klassiker. Die Band spielt überall, wo man sie lässt, erobert ein europäisches Land nach dem anderen und tritt 1978 sogar in Japan auf. Selbst als Klaus Meine 1981 seine Stimme komplett zu verlieren droht, bleibt Rudolf Schenker auf Kurs: Er hält nichts von einem Sängerwechsel und steht zu seinem Freund. Der erholt sich, Blackout folgt 1982 und hilft den Scorpions, den US-Markt zu knacken – für fünf Rocker aus der niedersächsischen Provinz das gelobte Land des Rock’n’Roll.

Damit beginnen die goldenen Jahre: Mit Love At First Sting gelingt 1984, fast 20 Jahre nach Bandgründung, der endgültige Durchbruch (alles dazu hier). Wir sagen doch: Der Mann hat Stehvermögen. Außerdem ist ihm die bemerkenswerte Angewohnheit zu eigen, auf 95 Prozent aller Fotos den Mund aufzureißen, sei es beim harten Riffgeschäft auf der Bühne, bei der Fotosession oder einfach so. Wir würden ja gerne mal sein Passbild aus der Zeit sehen. Aber hey, so ein zünftiges „Yeah!“ ist immer irgendwie Rock’n’Roll.

Noch heute erweist sich Rudolf Schenker im Gespräch als sehr intensiver Typ, der mit viel Nachdruck redet und über eine ordentliche Grundenergie zu verfügen scheint. Die bezieht er womöglich aus Meditation und Yoga, die er schon mit 18 entdeckt und seitdem konsequent praktiziert. Über seine Lebenseinstellung schreibt er sogar das Buch Rock Your Life, das 2009 erscheint und Ratgeber mit Autobiografie vereint. Schenker treibt viel Sport und hält sich sichtlich fit, noch 2008 – mit 60! – steht er Model für den Unterwäsche-Hersteller Mey. Bilder der Kampagne sind hier zu sehen. Der Musiker lebt in Schwarmstedt bei Hannover, hat einen Sohn aus erster Ehe und einen weiteren, noch kleinen Nachwuchsrocker mit seiner neuen Lebensgefährtin.

Foto: Gary Miller/FilmMagic

Superlative

Bis heute haben die Scorpions an die 20 Studioalben und mindestens ein halbes Dutzend Liveplatten rausgebracht, auf allen hat Rudolf Schenker gespielt. Die Verkäufe werden auf locker über 100 Millionen geschätzt, die Zahl der Konzerte geht in die Tausende, Schätzung liegen zwischen 2500 und 5000. Bisher sind die Scorpions in über 80 Ländern aufgetreten. Und immer stand Rudolf Schenker mit seiner Flying V auf der Bühne.

Nach Klaus Meine hat der Gitarrist als zweites Scorpions-Mitglied 2018 die symbolträchtige Grenze von 70 Jahren überschritten, und man sieht es ihm kaum an. Damit gehören die beiden zu einer Riege von Rocklegenden, die allesamt weiter aktiv sind: Alice CooperSteven Tyler von Aerosmith, Robert Plant und Brian Johnson von AC/DC. 

Wir sagen Glückwunsch zum Geburtstag und Danke für die Riffs!

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Zeitsprung: Am 25.2.1979 starten die Scorpions den „Lovedrive“.

Popkultur

„Screaming Life“: Als Soundgarden mit ihrer ersten EP den Turbomodus einlegten

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Soundgarden
Foto: Alison S. Braun/CORBIS/Corbis via Getty Images

1987 brodelt der Grunge-Kessel in Seattle bereits gewaltig. Nirvana finden gerade zusammen, genau wie Alice In Chains. Doch eine Gruppe ist ihren Mitstreitern schon einen Schritt voraus. Am 1. Oktober 1987 bringen Soundgarden ihre erste EP Screaming Life raus. Vom Mainstream halten sie sich aber lieber noch ein bisschen fern.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die beiden Soundgarden-EPs Screaming Life und Fopp anhören:

Genau genommen beginnt die Geschichte von Soundgarden bereits 1984. Zu jener Zeit bewegen sich Bassist Hiro Yamamoto und der trommelnde Sänger Chris Cornell unter dem Namen Shemps durch die Musikszene von Seattle. Als Yamamoto aussteigt, kommt Kim Thayil an Bord. Mit ihrem alten Bassisten bleibt die Gruppe trotzdem in Kontakt, was sich später auszahlen soll. Als die Geschichte von Shemps endet, treffen sich Yamamoto und Cornell nämlich wieder zum Jammen. Thayil stößt auch dazu und mit diesem Line-up gründen die drei Musiker eine Band, deren Namen wir alle kennen: Soundgarden.

Die ersten Schritte

Den Bandnamen entleiht das Trio einer Klangskulptur namens A Sound Garden, die auf dem Campus der National Oceanic And Atmospheric Administration in Seattle zu finden ist. Damit sich Cornell voll auf den Gesang konzentrieren kann, holen die Musiker Schlagzeuger Scott Sundquist an Bord. Ab da touren Soundgarden umher und erspielen sich in ihrer Umgebung einen Ruf als hervorragende Live-Band. 1986 nehmen sie für den Sampler Deep Six drei Songs auf: Heretic, Tears To Forget und All Your Lies. Stück Nummer zwei soll für die Gruppe später noch einmal eine Rolle spielen.

Auf der Zusammenstellung befinden sich Soundgarden in bester Gesellschaft. So sind auch Malfunkshun und Melvins auf dem Sampler zu finden. Weil es mit Soundgarden langsam bergauf geht, übernimmt Cornells zukünftige Frau Susan Silver das Management der Gruppe. Sundquist wird der Zeitaufwand zu groß und er möchte wieder mehr bei seiner Familie sein, weshalb er 1986 aussteigt. Auf seinen Hocker setzen Soundgarden den Trommler, der das klassische Line-up der Band vervollständigen soll: Matt Cameron. Wenig später startet die Truppe erst so richtig durch.

Screaming Life: Der Weg zur ersten Soundgarden-EP

Als Soundgarden wieder einmal live spielen, steht auch Radio-DJ Jonathan Poneman im Publikum. Er fasst einen Entschluss: Nicht nur, dass er der Band ihre erste Veröffentlichung sponsern möchte. Nein, er steckt gleich 20.000 US-Dollar in das Label Sub Pop. Betrieben wird die Plattenschmiede von Bruce Pavitt, einem Kumpel von Soundgarden. 1987 erscheint die erste Single Hunted Down; auf der B-Seite gibt es das Stück Nothing To Say zu hören. Außerdem erscheinen beide Nummern auf einer weiteren Compilation.

Der Radiosender KCMU, bei dem Poneman als DJ arbeitet, veröffentlicht zu jener Zeit einen Sampler namens Bands That Will Make Money und verschickt ihn an zahlreiche Plattenfirmen. Die wiederum zeigen brennendes Interesse an Soundgarden. Auf Gegenseitigkeit beruht das nicht: Obwohl die Band jede Menge Angebote bekommt, bleibt sie zunächst ihrem Label Sup Pop treu — und genau dort erscheint am 1. Oktober 1987 Screaming Life, die erste EP der Band. Darauf enthalten: das vorhin bereits erwähnte Stück Tears To Forget, die beiden Songs von der ersten Single sowie drei neue Stücke.

Ein Prediger vom Flohmarkt-Tonband

Eine nette Anekdote verbirgt sich hinter dem letzten Song Hand Of God: Kurz bevor die Aufnahmen für die EP beginnen, findet Produzent Jack Endino auf einem Flohmarkt einige Tonbänder. Darauf zu hören ist ein christlicher Prediger der frühen Fünfziger Jahre. Als Frontmann Chris Cornell das mitbekommt, hat er den Geistesblitz, den Mitschnitt in den Song Hand Of God einzubauen. Wie der Prediger auf der Tonaufnahme heißt, finden Soundgarden und Endino allerdings nicht mehr heraus, weil die Etiketten zu unleserlich sind.

Spätestens nach der Veröffentlichung ihrer ersten EP Screaming Life öffnen sich für Soundgarden alle Türen. Die Labels stehen Schlange, die Fans sowieso. „Jeder hat die EP geliebt“, verrät Frontmann Cornell 1989 in einem Interview. Doch obwohl sie alle Möglichkeiten der Welt haben, unterschreiben Soundgarden einen Plattenvertrag mit dem relativ kleinen Label SST Records. Dort veröffentlichen sie am 31. Oktober 1988 ihr erstes Album Ultramega OK. Das verläuft nicht unbedingt reibungslos, doch das ist wie so oft eine andere Geschichte.

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Mitglieder von Nirvana, Pearl Jam und Soundgarden formen neue Band!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.10.1984 erweisen sich die Ramones als „Too Tough To Die“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.10.1984.


von Peter Hesse und Christof Leim

Nach sieben Alben haben die Ramones sich ein bisschen verirrt, deshalb wollen sie mit Too Tough To Die zurück zum Sound der Anfangstage. Der Titel kommt dabei nicht von ungefähr, denn im Vorjahr wäre Johnny beinahe totgeschlagen worden. Am 1. Oktober 1984 erscheint die Platte.

Hier könnt ihr das Album anhören:

Keine Frage, die ersten Alben der Ramones sind legendär, stilprägend und großartig. Aber mit dem Beginn der Achtziger liegen die Nachfolger wie Blei in den Regalen. End Of The Century (1980) und Pleasant Dreams (1981) können weder künstlerisch noch  kommerziell überzeugen. Dabei hatte die Plattenfirma Sire wegen stagnierender Verkaufszahlen, mangelnder Präsenz im Radio und ausbleibender Chartsnotierungen sogar große Namen als Produzenten engagiert, etwa Motown-Legende Phil Spector. Doch damit schoß sich die Band ins eigene Bein: Die Ramones klangen nicht mehr wie sie klingen sollen. Zu glatt, zu poppig, zu verschnörkelt (zumindest, wenn Ramones-Maßstäbe anlegt). Nach Subterranean Jungle (1983) überwirft sich die Gang noch mit ihrem Drummer Marky, weil dessen Sauferei aus dem Ruder läuft. So kann es nicht weiter gehen. Gabba, Gabba, „Hey, was sollen wir jetzt machen?“

Einfacher ist besser

Mit Too Tough To Die wollen die New Yorker sich wieder stärker an ihren Vorbildern orientieren, also an The Who, den Kinks, den Beach Boys, Stooges, MC5 und dem amerikanischen Rock’n’Roll der Fünfziger. Das heißt: Einfache Harmonien und Strukturen sowie das völlige Fehlen von Soli, Intros oder Übergängen. Außerdem darf es darf ruhig wieder schneller und härter klingt. Zum Glück übernimmt das ausgeschiedene Gründungsmitglied Tommy Ramone erneut die Produktion, die er anpackt wie auf dem Debüt von 1976. Im Songwriting orientieren sich die Musiker ebenfalls an ihren Wurzeln.

 

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Die Aufnahmen für die neue Platte gehen trotzdem nicht leicht von der Hand, weil das Quartett in Wirklichkeit wie eine Freakshow agiert. Joey Ramone ist nach wie vor ein hippiehafter und unpünktlicher Träumer mit Zwangsstörungen. (Wenn er etwa in einem Hotel vor einem Aufzug steht, kann er den Etagenknopf nicht drücken – und wartet so lange, bis jemand kommt und das für ihn übernimmt.) Zwar fungiert Dee Dee in Sachen Songwriting weiter als das Kreativgenie, doch um seine Geister zu wecken, liegen nicht selten eimerweise Drogen auf dem Tisch. Und der neue Drummer Richie Ramone ist zwar am Schlagzeug eine saubere Taktmaschine, wird aber im Bandgefüge nicht gleichwertig behandelt. Stattdessen gibt man ihm stets zu verstehen, nur ein kleiner Angestellter im Ramones-Universum zu sein. Über allem schwebt Gitarrist Johnny Ramone, der mit militärischer Strenge, erzkonservativem Weltbild und vielen Kontrollmechanismen dafür sorgt, dass die Band nicht aus dem Ruder läuft. Einfach passiert bei diesem Quartett gar nichts, und so soll die neue Platte entstehen.

Fast verhängnisvolle Schlägerei

Leider steckt auch hinter dem Albumtitel Too Tough To Die eine wahre, leider unschöne Geschichte: In den frühen Morgenstunden des 15. August 1983, gerät Johnny in eine gewalttätige Auseinandersetzung vor seiner Wohnung im New Yorker East Village mit einem anderen Musiker, der mit Johnnys Freundin unterwegs ist. Anscheinend herrscht Uneinigkeit, wie offen die Beziehung zwischen der Dame und dem Gitarristen sein soll. Nach Zeitungsberichten startet Ramone (der eigentlich John Cummings heißt) deshalb einen Kampf – und erleidet einen lebensgefährlichen Schädelbruch. Es folgen eine Notoperation und eine mehrmonatige Pause.

Das Album erscheint schließlich am 1. Oktober 1984 mit einem markanten Cover, das die Silhouetten der Musiker in blauem Nebel zeigt. Wie der Fotograf George DuBose später berichtet, war das so gar nicht geplant: Schlussendlich erwies sich eine Fehlfunktion seiner Kamera als Glücksfall.

Ziel nicht erreicht

Zu den bekanntesten Liedern der Scheibe gehören Mama’s Boy, Too Tough To Die und Wart Hog, mit Durango 95 gibt es das einzige Ramones-Instrumental, und bei zwei Nummern singt Dee Dee. Amüsant fällt auch das Intro von Danger Zone aus, denn dabei fragt einer der Rocker: „Welchen Song spielen denn?“ 

Insgesamt klingt die Scheibe wieder roher und ursprünglicher. Doch trotz dieser Bemühungen wird sie nicht der große Wurf. Da helfen die schöne Melodie und der knackige Refrain der von Eurythmics-Kopf Dave Stewart produzierten Singleauskopplung Howling at the Moon (Sha-La-La) auch nicht. (Die Keyboards dazu spielt übrigens Benmont Tench von Tom Petty & The Heartbreakers.) Viele Kritiker und Fans vermissen in den Texten vor allem den typisch augenzwinkernden Ramones-Humor, der auf ihren frühen Alben so wichtig und witzig war. Die politisch und gesellschaftskritisch gefärbten Zeilen wie in Danger Zone oder Planet Earth wirken zu unbeholfen, bemüht und wenig glaubhaft. Es soll noch ein paar Jahre dauern, bis die Perlen dieses Albums, zum Beispiel I’m Not Afraid of Life oder Durango 95, für die Ewigkeitslisten entdeckt werden.

Zeitsprung: Am 6.8.1996 spielen die Ramones ihre letzte Show

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.9.1984 starten Kiss ihre problematische „Animalize“-Tour.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.9.1984."

von Christof Leim

Mit ihrem neuen Album Animalize können Kiss 1984 endlich wieder die Massen begeistern, nachhaltige Ruhe kommt allerdings weiterhin nicht ins Boot. Am 30. September 1984 startet die Welttour, doch der neue Gitarrist Mark St. John hat geschwollene Finger…

Hier könnt ihr Animalize anhören:

Mit Heaven’s On Fire landen Kiss 1984 einen mittelgroßen Hit. Endlich mal wieder. Die Single vom zwölften Kiss-Album Animalize erfreut sich großzügiger Einsätze im Rockradio und verschafft der Band nach vergleichsweise mageren Jahren wieder eine Platinauszeichnung. (Mehr zu dieser Phase der „Kisstory“ könnt ihr hier und hier nachlesen.) Jetzt steht die obligatorische Welttour an.

Auf der Platte hatte Mark St. John gespielt, der zweite neue Leadgitarrist in drei Jahren. Unproblematisch lief das nicht, weil St. John sich eines vor allem auf Geschwindigkeit und Virtuosität basierenden Stils befleißigt, der nicht so ganz zum basischen Hard Rock der Band passt. (Das zumindest erzählt Frontmann Paul Stanley in seiner Autobiografie Face The Music. Man darf aber annehmen, dass Kiss schon wussten, wenn sie da engagieren. In den Achtzigern ging es eben inspiriert von „König Edward“ Van Halen oft um instrumentale Pyrotechnik.) Aber immerhin: Kiss sind offiziell wieder vollzählig, die Platte läuft, und der ohne Zweifel musikalisch kompetente Mark Norton (wie St. John eigentlich heißt) spielt im Videoclip zu Heaven’s On Fire mit. Dann könnte es ja eigentlich ohne Drama und personelle Verwirrung vorwärts gehen, oder? Nicht ganz.

Tragische Probleme mit den Fingern

Als die Tour am 30. September 1984 im britischen Brighton startet, muss St. John/Norton aussetzen, denn er leidet mittlerweile unter reaktiver Arthritis (auch: Reiter-Krankheit), die seine Arme und vor allem Finger anschwellen lässt. Aus der personellen Konstanz wird also nichts. Für ihn übernimmt erstmal der New Yorker Bruce Kulick, der vorher unter anderem mit der Bat Out Of Hell-Tour von Meat Loaf unterwegs gewesen war. Die Kiss-Chefs kennen ihn über seinen Bruder Bob Kulick, der bereits 1973 mal vorgespielt und später heimlich im Studio ausgeholfen hatte. Bruce übernimmt sogar ebenfalls und auch inkognito ein paar Soloparts auf Animalize. Dabei erhält er schon den kryptischen Hinweis, sich erstmal nicht die Haare abzuschneiden…


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Der europäische Teil der Animalize World Tour dauert bis 5. November 1984 und beinhaltet auch sechs Shows in Deutschland (München, Offenbach, Nürnberg, Hannover, Düsseldorf, Ludwigshafen). Weil Kiss in den vergangenen Jahren kleinere Brötchen gebacken hatten und keiner mit dem Erfolg des Albums gerechnet hat, werden für die Termine die Bühnenaufbauten der Unmasked-Tour von 1980 (das war die mit Iron Maiden) einfach umdekoriert: Leopardenflecken und Tigerstreifen auf die Verstärker, fertig ist die visuelle Umsetzung des Animalize-Covers. Als Vorgruppe in Europa rockt übrigens eine Nachwuchsband aus New Jersey namens Bon Jovi mit, die sich nach eigenen Aussagen sehr genau anschaut, was die Veteranen so machen. Bei der ersten Show am 30. September stehen gleich fünf neue Songs auf der Kiss-Setlist, danach werden Burn Bitch Burn und Get All You Can Take nie mehr live gespielt. Ab 15. November geht es weiter für fünfeinhalb Monate quer durch Nordamerika, diesmal mit einem neuen und üppigeren Bühnenset. Als Supports fungieren Queensrÿche, W.A.S.P., Krokus und Dokken. 

Werbeanzeige für die US-Tour 1984: Dass hier noch das Line-up von 1983 abgebildet ist, zeigt die allgemeine Verwirrung zur Mannschaftsaufstellung von Kiss damals.

Kurzes Gastspiel, trauriges Ende

Eigentlich hat Mark St. John mit dem Job als Kiss-Leadgitarrist ja das große Los gezogen. Doch der unglückliche Flitzefinger spielt schlussendlich nur zweieinhalb Konzerte mit: Am 27. November steht er in Baltimore, Maryland für ein paar Songs auf Bühne, an den folgenden beiden Tagen für das ganze Set, danach muss Kulick wieder übernehmen. Weil es St. John gesundheitlich nicht besser geht, wird Bruce Kulick am 8. Dezember 1984 offiziell als neuer Sologitarrist verkündet. Seinem kurzzeitigen Vorgänger ergeht es in den Folgejahren nicht gut: Musikalische Projekte unter anderem mit Ex-Kiss-Trommler Peter Criss zünden nicht, Geschichten über Drogenprobleme machen die Runde, 2006 kommt St. John/Norton sogar zeitweilig ins Gefängnis, wo er in einer gewalttätigen Auseinandersetzung schwer verletzt wird. Wenige Monate später, am 5. April 2007, stirbt er mit 51 Jahren, auch an den Folgen der Attacke. Traurig.

Endlich mal Ruhe im Personalbüro: Ab Ende 1984 gehört Bruce Kulick (2.v.r.) offiziell zu Kiss und bleibt auch für zwölf Jahre.

Für Kiss geht die Show weiter, die Tour erweist sich als die erfolgreichste seit Jahren. Am 8. Dezember schneiden sie das Konzert in Detroit (Rock City) mit und veröffentlichen es als Animalize Live Uncensored. In dem Video regieren die Achtziger mit schreiend bunten Klamotten, anzüglichem Ansagen, Soloeinlagen aller Mitglieder und einem ziemlich flotten, quasi metallischen Tempo bei allen Songs.

Generell geht es jetzt aufwärts: Mit dem Lineup Paul Stanley, Gene Simmons, Eric Carr und Bruce Kulick kommt für ein paar Jahr endlich mal Stabilität ins Bandgefüge, und auch das nächste Album Asylum (1985) bekommt ein schickes Platinmäntelchen. Aber einfach bleiben die Achtziger für unsere Helden nicht. Mehr dazu erzählen wir ein andermal.

Warum Kiss das Make-up wieder anlegen mussten

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