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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.8.1948 kommt Robert Plant zur Welt.

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Robert Plant
Foto: Phil King

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.8.1948."

von Christof Leim

Mit Led Zeppelin hat er definiert, was Rockmusik ausmacht. Als Solokünstler bleibt er fortwährend in Bewegung. Mit seiner Stimme hat er mehr Leute beeinflusst, als wir hier aufschreiben können. Am 20. August feiert er seinen Geburtstag – und wir blicken auf ein höchst kreatives Leben zurück.

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Hört hier in die besten Solo-Songs von Robert Plant rein:

Man sieht folgendes Bild, wenn man an Robert Plant denkt: Blonde Locken, blanke Brust und die Haltung eines jungen Mannes, der mit jedem Schrei, jeder Pose Zehntausende in seinen Bann zieht. Dabei will die Hälfte der Fans mit ihm ins Bett, die andere Hälfte will schlicht sein wie er. So geht „Rockgott“, ein ikonisches Bild aus den Siebzigern, geprägt nicht zuletzt durch Plant als Frontmann der größten Band der Zeit. Doch der legendäre Sänger der noch legendäreren Led Zeppelin hat sein künstlerisches Schaffen schon lange über diese Rolle hinaus ausgedehnt – und gilt weiterhin als eine der großartigsten Stimmen der Rockmusik. Nach über fünf Dekaden bleibt Plant als Künstler weiter kreativ, wandelbar und auf der Suche nach neuen Klängen. In der Vergangenheit möchte er nicht leben, deshalb ist er es, der weiteren Reunion-Aktivitäten von Led Zeppelin konsequent eine Absage erteilt.

Selbständige musikalische Frühbildung

Robert Anthony Plant kommt am 20. August 1948 im englischen West Bromwich in Staffordshire zur Welt. Schon als kleiner Junge entwickelt er ein Interesse an Musik und Gesang. Vor allem der Blues hat es ihm angetan, zu seinen Helden gehören Willie Dixon und Robert Johnson. Als Teenager verlässt er die Schule, auf eine Ausbildung als Buchhalter hat er nach zwei Wochen keine Lust mehr. Stattdessen schreibt er sich an einer Universität ein und versucht, in der Blues-Szene von Mittelengland Fuß zu fassen. „Ich habe mein Zuhause mit 16 verlassen und mich meiner musikalischen Bildung gewidmet“, wird er später im Classic Rock zitiert. „Auf eine Band folgte die nächste, was mein Verständnis des Blues nur noch verstärkt hat, ebenso für andere Arten von Musik mit einem gewissen Gewicht und Wert.“ Berufsmusiker wird man allerdings nicht aus dem Stand, also muss Robert eine Menge an eines zukünftigen Rockgottes unwürdigen Jobs erledigen. So arbeitet er im Straßenbau und in einem Kaufhaus, nimmt aber immerhin drei obskure Singles für CBS Records auf, die jedoch alle umgehend in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Außerdem arbeitet er mit Terry Reid (der beinahe Led-Zeppelin-Sänger geworden wäre) und Alexis Korner. Außerdem singt Plant in einer Vielzahl an Bands, darunter die Crawling King Snakes, bei denen er einen Drummer namens John Bonham kennenlernt. In der Band Of Joy widmen sich die beiden dem Blues in Verbindung mit neueren psychedelischen Sounds. Schade finden wir, dass aus der Gruppe Hobstweedle nichts wurde – der Name ist doch so schön.

1968 schließlich sucht Yardbirds-Gitarrist und Sessionprofi Jimmy Page neue Musiker. Als er Plant singen hört, fragt er sich, ob mit dem Mann irgendwas nicht stimmt: „Vielleicht seine Persönlichkeit, vielleicht kann man mit ihm nicht vernünftig arbeiten“, sagt er später. „Ich konnte einfach nicht verstehen, warum nach einigen Jahren als Sänger noch nicht zu den ganz großen Namen gehörte. Ich habe ihn zu mir nach Hause eingeladen, und wir haben uns prima verstanden.“ Mit John Paul Jones findet Page einen passenden Bassisten, Plant empfiehlt seinen Drummer-Kumpel John Bonham – und am 12. August 1968 spielen die vier Musiker von Led Zeppelin dann zum ersten Mal zusammen (alles dazu hier). Der Rest ist Rock’n’Roll-Geschichte vom Feinsten…

Sex & Hobbits

Schon ein halbes Jahr später sorgt das Debüt Led Zeppelin für Furore, in den folgenden Jahren wird das Quartet zu einer der größten und aufregendsten Rockbands aller Zeiten. Ihre Musik gilt als Grundlage für den harten Rock, bietet neben Riffs aber noch viel mehr: Blues, Folk, Country, keltische Musik, Americana, Spurenelemente von Pop, Funk und Reggae und sogar Weltmusik. Texte schreibt Plant zunächst keine, doch anspornt von Page entwickelt er ab Led Zeppelin II (1969) seinen eigenen Stil, der oft mystisch, philosophisch und spirituell klingt. Der Sänger bezieht sich in seinen Worten gerne auf nordische Mythology, walisische Geschichte – und J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe. Anderseits folgt er der Tradition des Blues und der frühen Rock’n’Roller und lässt jede Menge sexuell aufgeladene Zwei- und auch Eindeutigkeiten vom Stapel (man höre etwa The Lemon Song).

Led Zeppelin werden zu weltweiten Stars und leben ein Leben als überlebensgroße Rockgötter. Sie spielen riesige Shows, verdienen eine noch riesigere Menge an Geld und reisen auf Tour sogar in einem Luxusflugzeug. Plant gilt als der archetypische Frontmann, mit überbordendem Selbstbewusstsein, Sex-Appeal und begeisterndem Ausdruck. (Die englische Sprache bietet dafür die wunderbaren Begriffe „bravado“ und „swagger“.) In dieser Rolle können ihm damals höchstens Mick Jagger (The Rolling Stones), Roger Daltrey (The Who) und Jim Morrison (The Doors) das Wasser reichen. Als Songwriter schafft Plant vor allem in Zusammenarbeit mit Jimmy Page unsterbliche Stücke. Doch am 25. September 1980 ist alles vorbei: John Bonham stirbt an den Folgen seines ausschweifenden Lebensstiles. Weil Led Zeppelin von der Chemie genau dieser vier Musiker lebt, löst sich die Band auf. Robert Plant ist da gerade mal 32 Jahre alt.

Den Blick immer, immer nach vorne

Kurzzeitig denkt Plant darüber nach, die Musik hinter sich zu lassen. Angeblich soll er sogar eine Laufbahn als Lehrer an einer Rudolf-Steiner-Schule ins Auge gefasst haben. Rockfans wie wir müssen an der Stelle erstmal schlucken und danken schweigend allen uns sympathischen Gottheiten, denn Plant besinnt sich eines besseren und startet eine erfolgreiche, vielseitige und bis heute andauernde Solokarriere. Dazu redet ihm insbesondere Genesis-Drummer Phil Collins ins Gewissen; später spielen die beiden sogar zusammen. Sein erstes Soloalbum Pictures At Eleven erscheint 1982, bis 1993 folgen fünf weitere. Auf den dazugehörigen Tourneen gehören Stücke seiner alten Band zunächst nicht zum Programm, weil Plant nicht bis in alle Zeiten als „ehemaliger Led-Zeppelin-Sänger“ bekannt sein will.

Über die Jahre kooperiert er trotzdem immer wieder mit seinem Songwriting-Partner Jimmy Page, etwa 1984 in der kurzlebigen All-Star-Truppe The Honeydrippers, die die gemeinsamen R&B-Wurzeln feiert. (Jeff Beck spielt ebenfalls mit.) 1988 wirkt Plant an Jimmy Pages Solowerk Outrider mit, der revanchiert sich auf Now And Zen im gleichen Jahr. 1994 schließlich macht das Duo wieder ganz offiziell gemeinsame Sache als Page & Plant und veröffentlicht das Album No Quarter: Jimmy Page And Robert Plant Unledded, auf dem sie Led-Zeppelin-Stücke im Akustikgewand und mit Weltmusik-Einschlag präsentieren und sogar neues Material schreiben. Die Tour erfreut sich großer Beliebtheit, die Fans wünschen sich (natürlich) eine „richtige“ Led Zeppelin-Reunion, doch zunächst schreiben unsere beiden Helden mit Walking Into Clarksdale (1998) ein neues Studioalbum (alles dazu hier).

Geld ist nicht mehr wichtig

Doch für Robert Plant muss es nicht immer „groß“ sein, denn er gründet die Folk Rock-Truppe Priory Of Brion und spielt für ein, zwei Jahre am liebsten in kleinen Läden. Danach gibt es noch eine neue Band namens Strange Sensation, die mit Dreamland (2002) Blues- und Folk-Songs wiederbelebt und auf Mighty ReArranger (2005) sogar neue Stücke bietet. Das funktioniert so gut, dass dabei vier Grammy-Nominierungen rausspringen. Aber Robert Plant hält sich nie gerne an Erwartungen – und tut sich mit Bluegrass-Musikern Alison Krauss zusammen. 2007 erscheint Raising Sand, und damit gewinnen die beiden sogar mehrere Grammys. Mit über 60 könnte sich der Mann dann theoretisch zur Ruhe setzen, aber das kommt selbstredend nicht in Frage: 2010 veröffentlicht er mit Band Of Joy ein gleichnamiges Album – eine Referenz an seine erste Band mit John Bonham Dekaden vorher. 2012 und 2013 spielt er schließlich mit den Sensational Shape Shifters. (Mal ehrlich: Wenn ihr an der Stelle schon den Überblick über Bands von Robert Plant verloren habt, macht euch nix daraus. Das geht uns auch so.)

Mit all diese vielseitigen Aktivitäten erweitert Plant konsequent seinen künstlerischen Ausdruck, doch der Schatten Led Zeppelin bleibt groß – und das ist nicht mal schlimm, finden wir. Mit den überlebenden Mitgliedern der Band tritt er am 13. Juli 1985 bei Live Aid auf (Phil Collins und Tony Thompson trommeln), außerdem am 15. Mai 1988 beim 40. Jubiläum von Atlantic Records, hier mit Bonhams Sohn Jason am Schlagzeug. Beide Male spielen die Musiker nur wenige Songs mit minimaler Vorbereitung, was Plant mit „Sex mit der Ex-Frau“ vergleicht. Am 10. Dezember 2007 passiert es dann endlich: Led Zeppelin spielen mit Jason Bonham ein zweistündiges Konzert in London (alles dazu hier). Schon im Vorfeld war die mediale Aufmerksamkeit gewaltig, die Show wird ein großes Ereignis (aber angeblich setzt sich Plant danach erstmal alleine in eine Kneipe). Die Nachfrage nach weiteren Gigs überrascht nicht, doch eine Tour mit Led Zeppelin – für 200 Millionen Dollar – lehnt er ab.

Heute hat er sich als Solokünstler etabliert, dessen Liebe zur Musik ungebrochen scheint (und der immer noch eine blonde Löwenmähne trägt). Sein Einfluss auf alle Rockstimmen der Welt ist immens. Die Encyclopædia Britannica schreibt: „Plant übertreibt den Stil und Ausdruck von Blues-Vokalisten wie Howlin’ Wolf und Muddy Waters und kreiert so den Sound, der viel von Hard Rock und Heavy Metal definiert mit großem Stimmumfang, viel Lautstärke und emotionalem Exzess.“ Gut so.

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Popkultur

„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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