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Popkultur

Zeitsprung: Am 13.11.1949 kommt Beinahe-Led-Zeppelin-Sänger Terry Reid zur Welt.

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 13.11.1949.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Terry Reid bringt es in den Sechzigern zu einem ziemlich guten Ruf in der Musikszene: Touren mit Cream und den Rolling Stones, kleinere Radiohits und sogar Lob von Aretha Franklin. Doch einen Job bei Jimmy Page schlägt Reid aus, sehr zur Freude von Robert Plant. Pünktlich zu Reids Geburtstag schauen wir uns an, was außer der verpassten Chancen im Leben des Ausnahmemusikers geschah und was er von alledem hält.

Hört hier in Bang Bang You’re Terry Reid rein: 

Vermutlich fühlt es sich nicht besonders gut an, immer wieder auf den einen Job reduziert zu werden, den man ausgeschlagen hat. Terry Reid kann davon ein Lied singen: „Ich erwarte schon, dass du mir bessere Fragen stellst als diese. Das ist heftig, Mann“, meckert er erst kürzlich in einem Interview. Doch wenn es bei dem Job um eine Vakanz bei einer der wichtigsten Bands des Rock geht, muss man sich zwangsweise die ein oder andere Frage gefallen lassen.

Natürlich Hendrix

Aber wie kam es überhaupt dazu? Reid tut am 13. November 1949 im englischen Huntington seinen ersten Atemzug und bekommt vom Vater früh die erste Gitarre. In der Schule bringt er seine Stimme in musikalische Projekte ein und stößt zu den Redbeats. Dort bemerkt ihn Peter Jay von Peter Jay’s Jaywalkers. Der Teenager verlässt daraufhin mit 15 die Schule, um der Band eine soulige Note zu verleihen. Sie tourt nicht nur im Vorprogramm der Rolling Stones, sondern bekommt auch einen Plattenvertrag. Der Durchbruch bleibt jedoch ein Traum: Die erste Single The Hand Don’t Fit The Glove geht nicht wirklich durch die Decke, die Gruppe löst sich auf.

1966 darf er dem ersten Auftritt von Jimi Hendrix in London beiwohnen. Das Konzert beeindruckt ihn nachhaltig und inspiriert ihn zu einer emotionaleren Spielweise an der Gitarre. Da kommt Mickie Most ins Spiel: Der Produzent von Künstlern wie den Animals, Donovan oder der Jeff Beck Group nimmt den Sänger unter seine Fittiche, zusammen ersinnt man das Album Bang Bang You’re Terry Reid. Der Langspieler kommt allerdings wieder nicht so richtig ins Rollen. Die Single Better By Far gefällt aber immerhin den Radiostationen, sodass Reid mit Unterstützung von Studiomusikern Cream 1968 auf ihrer Tour durch die USA unterstützt.

Wie das Schicksal so spielt

Erstmals zeigt sich auch das Songwriting-Potenzial des Briten: Das Lied Without Expression vom ersten Album wird erstmals gecovert, hier von den Hollies. Gleiches tun später Crosby, Stills, Nash & Young, REO Speedwagon und John Mellencamp. Auch Marianne Faithfull nimmt sich einer Reid-Nummer an; Rich Kid Blues erscheint erst Jahre nach der tatsächlichen Aufnahme und soll auch den Raconteurs von Jack White Erfolge bescheren. 

So viel Talent bleibt natürlich nicht unbemerkt und so wundert es nicht, dass auch der junge Jimmy Page Ende der Sechziger von Reid hört. Der Gitarrist der Yardbirds (ebenfalls ein Projekt von Most) befindet sich nach dem Ende der Kombo in der Planungsphase für eine neue Gruppe und will den Sänger unbedingt für die Position hinter dem Mikrofon. Da gibt es nur ein Problem: Reid steckt bereits knietief in einer Tour mit seinen alten Bekannten von den Stones, die er nicht so einfach über den Haufen werfen kann und will.

Knapp am Rockstar-Leben vorbei

Auf einem Konzert sieht er Robert Plant und John Bonham zusammen spielen. Statt also selbst bei Page und John Paul Jones einzusteigen, empfiehlt er die beiden befreundeten Musiker. Das Projekt mutiert natürlich zu Led Zeppelin, und das Quartett schafft es im Rock-Olymp bis ganz nach oben.

Nach dem zweiten Album 1969, Terry Reid, kriegt sich der singende Gitarrist mit Manager Most so sehr in die Haare, dass er den bestehenden Vertrag kündigt. Most sitzt jedoch am längeren Hebel und macht Reid in sämtlichen Studios zur „persona non grata“, erst 1973 folgt mit River die dritte Platte. An frühere Erfolge kann er durch die Pause nicht mehr anknüpfen, der Superstar-Status seiner Kollegen wird ihm verwehrt bleiben. Es folgen dennoch Alben wie Seed Of Memory, Rogue Waves und The Driver. Heute arbeitet Reid, der mittlerweile in Amerika lebt, beispielsweise mit den französischen Trip-Hoppern Shine oder Johnny Depp.

Purple auch noch?

Später schlägt er übrigens erneut eine Anfrage aus, dieses Mal von Deep Purple. Reid sieht sein Leben aber nicht etwa als verpasste Chance. Immerhin könne er auf eine bunte Karriere mit vielen Stationen zurückblicken, erklärt er im Interview mit Guitar. Vielmehr zeigt er sich stolz, eine Band wie Zeppelin zusammengeführt zu haben. 

Trotzdem bleib es bemerkenswert, was Aretha Franklin 1968 schon ganz richtig erkannte: „Das Einzige, was ihn England gerade passiert, sind die Beatles, die Rolling Stones und Terry Reid.“ Wir danken ihm jedenfalls: Einerseits für eine Band wie Led Zeppelin, andererseits für eine ganze Reihe wunderbarer Songs und eine der besten Stimmen des Rock. Happy Birthday, Mr. Reid!

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