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Popkultur

Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.1.1944.

von Timon Menge und Christof Leim

Jimmy Page zählt zu den Ikonen des Classic Rock. Als Sessionmusiker erspielt er sich einen Namen, mit den Yardbirds und Led Zeppelin schreibt er Musikgeschichte. Am 9. Januar feiert der Rockstar seinen Geburtstag. Werfen wir einen Blick auf sein bewegtes Leben.


Hört hier in die bekanntesten Stücke von Led Zeppelin rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Die Kindheit

Zur Welt kommt James Patrick Page am 9. Januar 1944 im Londoner Vorort Heston. Sein Vater arbeitet als Personalmanager, seine Mutter als Sekretärin. 1952 zieht die Familie zuerst nach Feltham um, anschließend nach Epsom, wo Page seiner ersten Gitarre über den Weg läuft — und zwar im neuen Haus seiner Eltern. Ob das Instrument dort bloß vergessen wurde, weiß der Brite bis heute nicht.

Angefixt von der Musik Elvis Presleys bringt Page sich das Gitarrenspiel selbst bei. Er hört vor allem Blues, aber auch Skiffle — ein Mix-Genre aus Jazz, Blues, Folk und Americana. „Im Grunde war das der Anfang“, verrät er in einem Interview mit Musikjournalist Steven Rosen. „Eine Mischung aus Rock und Blues.“



Im Jugendalter treten Page und sein eigenes Skiffle-Quartett in einer britischen Talent-Show auf. Als Moderator Huw Wheldon den jungen Jimmy nach dem Auftritt fragt, was er nach der Schule beruflich machen möchte, antwortet der Nachwuchsgitarrist, er wolle in die biologische Forschung, um ein Heilmittel für Krebs zu finden. Dass er sich später anders entscheidet, wissen wir.

Der Sessionmusiker

Zu Beginn der Sechziger Jahre entwickelt sich Page zu einem gefragten Sessiongitarristen, nicht zuletzt aufgrund seiner regelmäßigen Auftritte im Londoner Marquee Club. So spielt er nicht nur mit Neil Christian und Alexis Korners Blues Incorporated, sondern auch mit den Kinks, Tom Jones, den Rolling Stones, Jeff Beck und Eric Clapton. Für The Who übernimmt er die Rhythmusgitarre auf deren erster Single I Can’t Explain. 1965 bringt er sogar eine Single unter eigenem Namen raus: She Just Satisfies. Darüber hinaus verewigt er sich auf Hitveröffentlichungen wie Tobacco Road von den Nashville Teens, As Tears Go By von Marianne Faithfull und Downtown von Petula Clark.

Wie ein junger Rockgott: Jimmy Page

Immer wieder dabei: sein späterer Led Zep-Kollege John Paul Jones: „Jimmy hatte durch seine Arbeit mit Neil Christian und The Crusaders schon einen guten Ruf, als ich noch weniger professionell unterwegs war“, erzählt der 2008 in einem Interview mit dem Uncut Magazine. „Mir wurde immer gesagt, dass ich mir diesen Typen unbedingt anhören muss. Das ist aber erst passiert, als wir zusammen gearbeitet haben.“ Mitte der Sechziger tritt Page den Yardbirds bei, aus denen 1968 Led Zeppelin hervorgehen. Der Sessionmusik bleibt er trotz eigener Karriere treu und spielt zum Beispiel das Intro für Joe Cockers Beatles-Cover With A Little Help From My Friends ein.

The Yardbirds/New Yardbirds

Bereits 1964 erhält Page das Angebot, seinen Freund Eric Clapton bei den Yardbirds zu ersetzen, lehnt aber aus Loyalität ab. Selbst als Clapton die Gruppe 1965 auf eigenen Wunsch verlässt, reißt sich Page nicht um das Engagement. Stattdessen bringt er seinen Kollegen Jeff Beck ins Gespräch. Am 16. Mai 1966 nehmen Schlagzeuger Keith Moon, Bassist John Paul Jones, Keyboarder Nicky Hopkins, Jeff Beck und Jimmy Page gemeinsam den Song Beck’s Bolero auf. Die Erfahrung inspiriert Page dazu, eine Supergroup mit Beck, Moon und The-Who-Bassist John Entwistle zu gründen. Zu jener Zeit werfen Moon und Entwistle erstmals den Namen „Lead Zeppelin“ in den Raum, weil sie befürchten, dass die Band abstürzen werde wie ein „Ballon aus Blei“.



Einige Wochen später besucht Page ein Konzert der Yardbirds. Vor Ort erfährt er, dass Bassist Paul Samwell-Smith die Band verlässt. Der junge Gitarrist bietet an, die Rhythmusabteilung wieder zu vervollständigen, und die restlichen Musiker empfangen ihn mit offenen Armen. Als Chris Dreja der Gruppe beitritt, wechselt Page vom Bass zurück zu seinem Hauptinstrument. 1968 jedoch brechen die Yardbirds auseinander, doch Page möchte weitermachen. Er benennt die Gruppe in New Yardbirds um und rekrutiert drei neue MusikerRobert PlantJohn Bonham und John Paul Jones. Schnell erinnert sich Page an den Namensvorschlag von Moon und Entwistle, doch Led Zeppelin-Manager Peter Grant befürchtet, „Lead Zeppelin“ könne missverstanden werden, weil das Wort „Lead“ zwei Bedeutungen und vor allem Aussprachen hat. Stattdessen schlägt er vor, die Band schlicht Led Zeppelin zu nennen.



Led Zeppelin

In den folgenden Jahren gelingt Page, Plant, Bonham und Jones nichts anderes als die Definition des Classic Rock. Led Zeppelin begeistern Massen, füllen Stadien und verkaufen mehr als 300 Millionen Platten. Zu ihren Shows reisen die Briten im eigens gecharterten Luxusflugzeug. Die Gruppe legt den Grundstein für Hard Rock und Heavy Metal, nicht zuletzt wegen Pages Kompositionen und seines herausragenden Gitarrenspiels. Als Archetyp des Rockgitarristen gibt er mit seinen Riffs und Leads den Ton an; brillant und scheinbar mühelos orchestriert er Gitarrenstimmen und testet die Grenzen seines Instruments aus, sogar mit Hilfe eines Violinbogens.

Höhenflug mit dem Zeppelin: Robert Plant und Jimmy Page 1976

Bei Kritikern kommen Led Zeppelin zunächst nicht gut an, doch die Band veröffentlicht über zehn Jahre hinweg acht bahnbrechende und wahnwitzig erfolgreiche Alben — angefangen mit Led Zeppelin (1969) und aufgehört mit In Through The Out Door (1979). Vor allem Led Zeppelin VI (1971) geht in die Rockgeschichte ein und gehört bis heute zu den unangefochtenen Klassikern des Genres. Die Rock And Roll Hall Of Fame attestiert der Gruppe einen genauso großen Einfluss auf die Siebziger, wie die Beatles Einfluss auf die Sechziger genommen haben. 1980 allerdings stirbt Schlagzeuger John Bonham – und die Musiker lösen die Gruppe auf.



Der Solokünstler

Nach der Schließung des Kapitels Led Zeppelin widmet sich Page anderen Projekten, kann sich aber nicht so recht von seinem Baby trennen. Er startet zwar die Bands The Firm und The Honeydrippers, veröffentlicht Soloalben mit Bandkollege Robert Plant, etwa Walking Into Clarksdale von 1988 und nimmt mit Whitesnake-Legende David Coverdale 1993 eine gemeinsame Platte auf. Vor allem aber kümmert er sich um die Nachlassverwaltung von Led Zeppelin, zum Beispiel indem er sämtliche Werke der Gruppe neu abmischt und remastert. Für eine Tour nach der gemeinsamen Reunion-Show im Jahr 2007 wäre Page durchaus zu haben gewesen, doch Sänger Plant zieht es zu jeder Zeit vor, neue Wege einzuschlagen.


Sein Einfluss

Der Rolling Stone sieht Jimmy Page auf Platz drei der „100 Greatest Guitarists Of All Time“, gleich hinter Jimi Hendrix und Eric Clapton. In der Rock And Roll Hall Of Fame findet man ihn doppelt: als ehemaliges Mitglied der Yardbirds und als Gitarrist von Led Zeppelin. Wer sich länger als fünf Minuten mit Rockmusik beschäftigt, kommt nicht an Jimmy Page vorbei. Heerscharen an Rockern nennen ihn als Inspiration. Wir lehnen uns also nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir Page zu den größten, erfolgreichsten und einflussreichsten Gitarristen aller Zeiten zählen. Happy Birthday!


Weiter musikalisch aktiv: Jimmy Page heute – Pic: Avda/Wikimedia Commons


Credit Header-Foto: Robert Knight Archive/Redferns

Zeitsprung: Am 28.2.1970 müssen Led Zeppelin sich The Nobs nennen.

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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Reich und sexy: Das sind die erfolgreichsten Alben aller Zeiten!

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Elton John
Foto: Michael Webb/Getty Images

70 Millionen verkaufte Einheiten von einem einzigen Album, eine sagenhaft erfolgreiche Best-Of und 38-mal Platin: Hier kommen die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Platten aller Zeiten.

von Björn Springorum

Natürlich werden immer weniger physische Tonträger verkauft. Natürlich verliert das Album als Format weiter an Bedeutung. Natürlich ist Erfolg Ansichtssache. Die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Mega-Sellern der Musikgeschichte werden dadurch aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil. Vorhang auf für das Big Business.

10. Grease: The Original Soundtrack From The Motion Picture (1978)

Verkäufe: 38 Millionen

Ein Soundtrack-Album unter den zehn meistverkauften Platten aller Zeiten? Ja! Spoiler: Und es wird nicht das einzige bleiben! 1978 veröffentlicht, ging die Musik zu Travolta-Dauerbrenner bis heute rund 38 Millionen Mal über die Ladentische. Die Single You‘re The One That I Want ging vielerorts auf die Eins, Barry Gibb von den Bee Gees greift dem Soundtrack kompositorisch unter die Arme, die Filmband Sha Na Na stand schon in Woodstock auf der Bühne.

9. Bee Gees – Saturday Night Fever (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

Soundtrack, die zweite. Und John Travolta, die zweite. Der Disco-Kracher der Bee Gees wird 40 Millionen Mal verkauft und hat bis heute allein in den USA. 16 Mal Platin eingeheimst. Damit bekommt man eine ganze Wand dekoriert. Ganze 24 Wochen stand der Soundtrack ohne Unterbrechung an der Spitze der US-amerikanischen Charts und löste 1977 einem schweren Disco-Boom aus, der sich in Schockwellen über die ganze Welt ausbreitete. Stayin‘ Alive und Night Fever stellen den Grammy sicher – und machen Saturday Night Fever zum einzigen Disco-Album, das diesen Preis gewinnen konnte.

8. Fleetwood Mac – Rumours (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

1977 ist ein gutes Jahr für Albenverkäufe. Neben den 40 Millionen Platten von Saturday Night Fever gehen gleich noch mal so viel von Fleetwood Macs Beziehungsdrama Rumours weg. Hitzige Streitereien, kiloweise Koks, Hits am Fließband und alle 20 Minuten neue Saiten für die Gitarre: Ein megalomagisches Werk, eine gigantische Soap Opera – und eine der besten Rock-Platten aller Zeiten.

7 . Shania Twain – Come On Over (1997)

Verkäufe: 40 Millionen

Das jüngste Album in der Top Ten der Bestseller ist auch schon wieder 25 Jahre alt. Und wird wahrscheinlich auf ewig das jüngste bleiben: Irgendwie schafft es Shania Twain 1997 mit ihrem dritten Album Come On Over, rund 40 Millionen Exemplare loszuwerden. Es ist das meistverkaufte Country-Album aller Zeiten, das meistverkaufte Album aus Kanada und das in den USA meistverkaufte Album einer Frau. Wow.

6. Eagles – Hotel California (1976)

Verkäufe: 42 Millionen

Die Eagles toppt niemand. Sie ist die einzige Band, die gleich mit zwei Platten in der Top Ten der meistverkauften Alben vertreten ist. Ihr Meisterwerk Hotel California von 1976 gilt unbestritten als eine der besten Rock-Platten aller Zeiten und wurde bislang rund 42 Millionen Mal verkauft. Das Ende der Unschuld, thematisiert im weltverändernden Titeltrack, dazu mit New Kid In Town oder Life In The Fast Lane gleich zwei weitere Klassiker – 1976 läuft es für die Eagles mehr als rund, zwei Grammys sind der Lohn. Gut, neben den vielen Millionen an Tantiemen, versteht sich.

5. Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Verkäufe: 44 Millionen

Ach, die Siebziger. Da konnte man selbst mit einem progerssiven, visionären, fordernden Meisterwerk zum Rockstar werden. Genau so ging es mit Pink Floyd, die 1973 mit The Dark Side Of The Moon von vielbeachteten Rock-Tüftlern zu Superstars werden und in die Stratosphäre geschossen werden. Oder noch weiter. 44 Millionen Alben können sie von ihrem Meisterwerk unters Volk bringen – und jedes einzelne davon verdient.

4. Eagles – Their Greatest Hits (1971-1975) (1976)

Verkäufe: 45 Millionen

Die USA lieben die Eagles. In den Vereinigten Staaten ist keine Platte erfolgreicher als Their Greatest Hits (1971-1975). Auch weltweit sieht es ganz okay aus: Rund 44 Millionen Exemplare ihrer Best-Of wurden bis heute verkauft, bis heute gehen hunderttausende Einheiten davon über den Scanner. Das Geheimnis: Zehn Songs, zehn absolute Hits. Und das sogar ohne Hotel California, das erst einige Monate später erscheint und die Kassen gleich noch mal ordentlich füllt.

3. Whitney Houston – The Bodyguard (1992)

Verkäufe: 45 Millionen

Da haben wir es, das erfolgreichste Soundtrack-Album aller Zeiten: Ebenso wie der Film 1992 ein Millionenpublikum rührt, sorgt auch die offizielle Musik für einen absoluten Hype: Zeitweise verkauft sich der Soundtrack eine Million Mal pro Woche, mittlerweile sind es 45 Millionen verkaufte Alben. Das liegt natürlich an Hauptdarstellerin Whitney Houston und ihrem unglaublichen Cover von Dolly Partons I Will Always Love You. Diesen Song kennt wirklich jeder.

2. AC/DC – Back In Black (1980)

Verkäufe: 50 Millionen

Die Welt ist nicht ganz verloren, wenn sich ein Album wie Back In Black satte 50 Millionen Mal verkauft. Das Comeback mit Brian Johnson nach dem Tod von Bon Scott klingt zunächst nach Zerreißprobe und Feuertaufe, wird dann aber zum glorreichen Triumphzug direkt hinein in die Rock-Ruhmeshalle. Kein Rock-Album hat sich öfter verkauft, kein Rock-Album wird sich jemals wieder so oft verkaufen. Hells Bells!

1. Michael Jackson – Thriller (1982)

Verkäufe: 70 Millionen

Das bestverkaufte Album aller Zeiten ist unbestritten Michael Jacksons Thriller. Irgendwie weiß nur niemand so ganz genau, wie oft das Album jetzt genau verkloppt wurde. Die Zahlen reichen von 50 bis 150 Millionen, die geschätzte Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie dazwischen. So oder so: Es wurden eine Menge Einheiten von Thriller gepresst. Die Produktionskosten liegen bei 750.000 US-Dollar (heute ungefähr das Dreifache), nach seinem Moonwalk-Debüt im Fernsehen verkauft sich Thriller eine Million Mal pro Woche: Schon Ende 1983 waren 32 Millionen Platten verkauft.

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