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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.3.1948 schreit Steven Tyler zum ersten Mal.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.3.1948.

von Christof Leim

Am 26. März 1948 tat Steven Tyler seinen ersten Schrei. Das machte er in den folgenden Dekaden noch öfter und legte als Sänger von Aerosmith eine bemerkenswerte Rock’n’Roll-Karriere hin, die ihn während der Siebziger zum waschechten Rockstar befördert und in den Achtzigern wegen massiven Drogenkonsums mit Schwung abstürzen lässt. Doch Tyler und Kollegen berappeln sich und legen ein platinschweres Comeback hin. Heute zählen sie zu den großen Bands des Hard Rock, Tyler zu den legendären Stimmen des Genres. Blicken wir zurück.


Hört euch hier einen Vorgeschmack der besten Songs von Aerosmith an, zur ganzen Playlist kommt ihr über den „Listen“-Button:


Ikone, Megalippe und einer der besten Schreihälse im Business: Steven Tyler hat Rock’n’Roll-Geschichte geschrieben. Der Sänger kommt am 26. März 1948 als Steven Victor Tallarico in New York City zur Welt, hört als Kind seinem Vater beim Pianospielen zu und setzt sich selbst zunächst ans Schlagzeug. Wegen seiner markanten Lippen wird er oft mit Mick Jagger verglichen, was ihm gut in den Kram passt, weil die Rolling Stones zu seinen Lieblingsbands gehören. In Sunapee, New Hampshire lernt er seine zukünftigen Kollegen Joe Perry (Gitarre) und Tom Hamilton (Bass) kennen und gründet mit ihnen eine Band, in der er allerdings unbedingt singen will. Ein Bekannter aus New York-Zeiten namens Joey Kramer wird als Drummer verpflichtet, Tylers Kindheitsfreund Ray Tabano als zweiter Gitarrist. Weil die fünf Jungspunde wie es sich gehört unbedingt Rockstars werden wollen ziehen sie nach Boston. Dort wird Tabano durch Brad Whitford ersetzt. Und zack: Die Urbesetzung von Aerosmith ist geboren! Tyler agiert in den frühen Jahren dabei als Anführer der Band.

Die klassische Aerosmith-Besetzung auf dem Debüt von 1973

Das schlicht Aerosmith betitelte Debüt erscheint 1973, danach geht es ab: Die Band veröffentlicht ein halbes Dutzend Alben, von denen vor allem Get Your Wings (1974), Toys In The Attic (1975) und Rocks (1976) zu Klassikern des Rock’n’Roll werden. Tyler verdient sich mit seiner markanten Stimme und ihrem beeindruckenden Tonumfang den Titel „Demon of Screamin’“, spielt Mundharmonika und Piano, letzteres insbesondere auf dem ersten Hit Dream On. Dazu begeistert er die Massen mit seinen akrobatischen Bühnenshows, bei denen er zu grellbunten Outfits tendiert und grundsätzlich ein paar farbige Schals an seinen Mikroständer hängt. Die Sangesposen von Steven Tyler könnte man in ein Grundlehrbuch für Rock’n’Roll-Frontmänner aufnehmen, sie können heute bei unzähligen Sängerkollegen wie W. Axl Rose und Sebastian Bach beobachtet werden.



Doch Ruhm und Reichtum bekommen Tyler und seinem Songwriting-Partner Joe Perry nicht gut: Die beiden leben, als gäbe es kein Morgen und pfeifen sich alles rein, was dreht; geschlafen wird nächstes Jahr. Schnell haben sie den Ruf als „Toxic Twins“ weg, als „Giftige Zwillinge“, aber genauso schnell bringt dieser Lebenswandel sie an ihre Grenzen. Die Platten werden schlechter, Perry steigt irgendwann sogar aus, Tyler macht weiter. Bevor der Rock’n’Roll-Tod eintritt, zieht der damals nicht mal 40-Jährige Sänger eine Entziehungskur durch.

An große Sprünge seiner Band glaubt da niemand mehr so richtig, bis Produzent Rick Rubin die Idee hat, den Aerosmith-Gassenhauer Walk This Way mit den Rappern Run-D.M.C. neu aufzulegen. Die Kollaboration wird ein Hit und gilt als erster Crossover-Erfolg der ansonsten kaum verbundenen Genres Rap und Rock. Die mittlerweile ausgenüchterten Aerosmith legen in der Folge ein bemerkenswertes Comeback hin: Alben wie Permanent Vacation (1987), Pump (1989) und Get A Grip (1993) fahren mit runderneuertem und modernisiertem Sound schubkarrenweise Platin ein und werfen Hitsingles ab, die auf MTV in Dauerschleife gespielt werden.



Steven Tyler ist da Mitte Vierzig, topfit und gilt zu Recht als einer der besten Rocksänger der Welt. Aerosmith veröffentlichen in größer werdenden Abständen weiter erfolgreiche Platten, daneben schreibt und musiziert Tyler mit Kollegen wie Alice Cooper, Mötley Crüe, Santana, Pink und Keith Anderson. Er heiratet zweimal und wird Vater von vier Kindern, darunter die Schauspielerinnen Liv und Mia Tyler.

Mitte der Achtziger legen Aerosmith ein bemerkenswertes Comeback hin

2001 dürfen Aerosmith der Rock and Roll Hall of Fame beitreten, 2011 veröffentlicht der Sänger seine Autobiografie Does The Noise In My Head Bother You? A Rock’n’Roll Memoir, in der er ebenso unterhaltsam wie hyperaktiv sein Leben erzählt. Gleichzeitig erscheint die Solosingle (It) Feels So Good. Er tritt in kleineren TV- und Filmrollen auf und agiert als Juror in der „Musik“-Castingshow American Idol. Am 15. Juli 2016 erscheint Tylers Country(!)-Soloalbum We’re All Somebody From Somewhere.

Zwischendurch gehen Aerosmith immer mal wieder auf Tour und denken über ein letztes Album nach, schrauben das Tempo aber wegen gelegentlicher gesundheitlicher Probleme herunter. Im November 2016 kündigen sie eine Abschiedstour an, deren Ende laut Brad Whitford aber offen ist.

Wir sagen: Happy Birthday, Steven Tyler!



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