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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.11.1969 entsteht James Browns „Funky Drummer“ mit berühmtem Beat.

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Foto: Baron Wolman/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.11.1969.

von Christof Leim und Peter Hesse

Am 20. November 1969 schleppt James Brown seine Band für eine Jam-Session ins Studio. Dabei entsteht der Song Funky Drummer – samt einem der meistgesampelten Beats der populären Musik. Drummer Clyde Stubblefield wird damit berühmt, reich aber nicht.

Hier könnt ihr euch den Funky Drummer und andere James-Brown-Klassiker anhören:

James Brown und seine Musiker sind Ende der Sechziger pausenlos auf Tour. Es läuft gut für den „Soul Brother No. 1“, der mit seinem Funk- und Soul-Sound ein ganzes Genre prägt. Denn der Bandleader und das Ensemble haben ihre eigene Handschrift gefunden, oft skelettieren sie ihre Stücke bis auf das rhythmische Gerüst, zu dem Melodien wie kleine Farbtupfer hinzugefügt werden. Alles wird vom Groove dominiert, scharf akzentuiert von Schlagzeug, Gitarre und Bass, umspielt von knackigen Bläsersätzen. Oft behalten die Musiker einzelne Parts minutenlang bei und variieren sie, bei vielen Stücken wird ein einziges Riff über die gesamte Länge wiederholt. Browns Gesang entwickelt sich parallel zu einem rhythmischen Sprechgesang – und er erschafft so die funkige Blaupause für die ersten Rap-Songs.

Jam Session mit Folgen

Am 20. November 1969 steht die Mannschaft dann in den King Studios in Cincinnati in Ohio. Dabei entsteht eine neue, unverschämt packende Nummer, die auf einem Schlagzeugmuster von Drummer Clyde Stubblefield und einem einzigen grundlegenden Riff basiert. Der Groove marschiert, die Instrumente spielen kurze Soli, der Chef selber lässt nur ab und zu knappe Einwürfe vom Stapel, mit denen er meistens seine Kollegen anfeuert.

Nach viereinhalb Minuten fordert er mit „Give the drummer some!“ einen Schlagzeug-Break und lässt Stubblefield wissen, dass er einfach weitermachen soll: „You don’t have to do no soloing, brother, just keep what you got. Don’t turn it loose, ’cause it’s a mother.“ Und Stubblefield liefert ab: Bei 5:21 Min. gibt es acht Takte unbegleitetes Schlagzeug, eine Version des Rhythmus’, die schon den ganzen Song durchzogen hat. Daraufhin zählt Brown wieder ein, und zack, fährt der Groove-Express weiter. Dem Anführer scheint das gefallen zu haben, denn noch an Ort und Stelle, also im Lied, erklärt er: „Der Name dieses Songs ist: The Funky Drummer!“

Hitsingle mit berühmtem Beat

Die Nummer wird im darauffolgenden März in zwei Versionen als Single veröffentlicht und schlägt sich ordentlich in den R&B-Charts (Platz 20) und der Pop-Hitparade (Platz 51). Auf einem regulären Album taucht sie aber erst 1986 auf als Teil der Raritätensammlung In The Jungle Groove. Hier gibt es mit Bonus Beat Reprise auch eine Version, die die markante Passage fast unverfälscht und ohne viel Drumherum enthält. Im Gesamtwerk des „Godfather Of Funk“ macht der Funky Drummer also nur einen kleinen Hit aus, aber der Drum-Break schreibt Geschichte. 

Denn diese kleine Sequenz, der megacoole achttaktige Beat von Clyde Stubblefield, gehört zu den am häufigsten verwendeten Samples der Musikgeschichte. Das Portal Whosampled führt alleine über 1.500 Songs auf, in denen dieser Part Verwendung findet.

Jeder nutzt den Beat

Dazu gehören natürlich die großen Namen aus Old-School-Rap und Hip-Hop, etwa Run-DMC, Public Enemy, N.W.A. und die Beastie Boys. Auch aus der Popmusik finden sich illustre Namen wie Depeche Mode, George Michael, Kylie Minogue, Prince, R.E.M. oder Sinéad O’Connor. Die Fine Young Cannibals etwa haben den Funky-Drummer-Grundbeat für ihren Song I’m Not the Man I Used To Be genutzt und damit einen tanzbaren Hit erschaffen. Auch textliche Referenzen finden sich zuhauf, etwa in Fight The Power von Public Enemy oder Boomin’ System von LL Cool J. Stubblefields Riff wird zu einem Standard des Schlagzeugspiels aller funkbasierten Genres, vielleicht vergleichbar mit Smoke On The Water bei der Rockgitarre.

Und was hat Clyde Stubblefield davon? Außer Ruhm, Applaus und dem Honorar für die 1969er-Session nicht viel. Stubblefield hat zwar die Beats und Drum-Patterns erschaffen, aber als alleiniger Songwriter des Funky Drummer wird James Brown geführt. Damit verdient der Originalschlagzeuger keinen Cent an der tausendfachen Weiterverwendung. Dass die Honorierung von Samples generell gar nicht so einfach läuft, steht auf einem anderen Blatt. Doch dass unser Mann 2009 in der Filmdokumentation Copyright Criminals auftaucht, verwundert nicht.

Haben wir alle schon mal gehört. Echt jetzt.

Davon abgesehen erspielt sich Stubblefield einen Ruf als innovativer und stilprägender Funk-Drummer, der auch noch Dekaden später Wertschätzung genießt. Regelmäßig taucht er auf Bestenlisten, ein Paar seiner Drumsticks werden in der Rock And Roll Hall Of Fame ausgestellt. Prince bezeichnet Stubblefield sogar als ein Idol. Er bietet finanzielle Unterstützung, als der nicht krankenversicherte Musiker mit gesundheitlichen Problem zu kämpfen hat und schließlich im Februar 2017 im Alter von 73 Jahren verstirbt.

Der „Funky Drummer“ Clyde Stubblefield im Januar 2017 – Pic: Phillip Faraone/Getty Images for Guitar Center

Ein großes Vermächtnis dürfte der eben jeder Drum-Break sein. Und jetzt mal ehrlich: Das Ding dürften die meisten von uns kennen, auch harte Headbanger und puristische Rockerinnen. Wer sich nicht sicher ist: Hier kommt der Funky Drummer, erklärt vom Meister selbst.

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