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Popkultur

40 Jahre nach seinem Tod: Die letzten Tage des John Lennon

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Eines der letzten gemeinsamen Fotos von John Lennon und Yoko Ono. Das Bild entstand am 2. November 1980. Foto: Jack Mitchell/Getty Images

Heute vor 40 Jahren wird John Lennon in New York erschossen. Sein Tod ist umso tragischer, weil er erst wenige Wochen zuvor sein Comeback als Musiker gab. Chronologie seiner letzten Tage.

von Björn Springorum

Am 9. Oktober 1975 ändert sich John Lennons Leben für immer. Und das nicht zum ersten Mal: Nach dem Ende der Beatles feiert er zunächst also Solokünstler und mit Yoko Ono große Erfolge, kehrt England für New York den Rücken und fällt dort vor allem durch linksradikalen politischen Aktivismus auf, der insbesondere der Nixon-Administration ein Dorn im Auge war. Dann, 1973, die Trennung von Ono und sein infames Lost Weekend in den Abgründen von Los Angeles, später die Rückkehr nach New York, seine Kollaborationen mit David Bowie und Elton John. Letzterer gibt den Amor, Lennon kommt wieder mit Ono zusammen, die am 9. Oktober 1975, dem 35. Geburtstag Lennons, ihren gemeinsamen Sohn Sean zur Welt bringt.


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Der Übervater

Für John Lennon ist das wie das Fanal einer neuen Zeit. Mit 35 hat er zigfach alles erreicht, alles erlebt, alles gemacht, alles gesehen. Er stürzt sich mit Hingabe und Liebe in die Vaterrolle, geht auf in diesem neuen häuslichen Umfeld im mondänen Dakota Building in der Upper West Side in Manhattan. Die nächsten fünf Jahre wird er einfach nur Vater sein. Für jemanden, der 15 Jahre König der Welt war, hört sich das durchaus schwierig an. Nicht für Lennon offensichtlich: Er steht jeden Tag um sechs Uhr auf, backt Brot, bereitet Klein Sean die Mahlzeiten zu, spielt mit ihm, sieht ihm beim Aufwachsen zu. Gut möglich, dass das alles auch mit seinem schlechten Gewissen zu tun hat: Sein Sohn Julian aus seiner ersten Ehe mit Cynthia Lennon ging in der Beatlemania völlig unter.

Seine einzige musikalische Schöpfung in dieser Zeit ist ein Song, dessen Titel schon alles sagt: Cookin‘ (In The Kitchen Of Love), den er für seinen Buddy Ringo Starr schreibt. Ansonsten fasst er die Jahre bei einem öffentlichen Auftritt 1977 in Tokio kurz und bändig zusammen: „Wir haben ohne groß darüber nachzudenken, entschieden, dass wir so viel Zeit wie möglich mit unserem Baby verbringen möchten bis wir das Gefühl haben, uns wieder anderen Dingen außerhalb der Familie widmen zu können.“

Comeback zum Gähnen

Das lange Schweigen wird 1980 gebrochen. Aus guten Gründen: Erst haut sein alter Kumpel Paul McCartney mit Coming Up eine starke Single raus, dann gerät er vor den Bermudas mit seiner Yacht in Seenot und lernt die Zerbrechlichkeit des Lebens aus nächster Nähe kennen. „Plötzlich kamen alle diese Songs zu mir“, wird er später sagen. Mit Double Fantasy erscheint am 17. November ein Doppelalbum von ihm und Yoko Ono, geschrieben im Sommer 1980 auf den Bermudas und aufgenommen zwischen August und Oktober in der Hit Factory in New York City.

Trotz des verheißungsvollen Studionamens fällt Lennons Loblied auf seine Ehe, das Familienleben und die Liebe zunächst ernüchternd aus: In den Charts bleibt die Platte weit hinter den Erwartungen zurück, die ersten Kritiken sind ernüchternd. Für den Melody Maker ist das Album „zum Gähnen“, man fand es vermessen, in die Intimität zwischen Lennon und Ono hineingezogen zu werden. Die Reaktionen zeigen im Herbst 1980 überdeutlich, dass die Kritikerwelt nur auf ein Album wie dieses gewartet hatte, um es diesem Lennon endlich mal heimzuzahlen. Dabei ist es gerade die Einfachheit, die Schönheit des Mondänen, die Double Fantasy so besonders macht.

Der Tag, an dem die Musik starb

Doch noch bevor alle namhaften Kritiker*innen der damaligen Zeit ihre vernichteten Urteile verkünden können, ist der 8. Dezember 1980 da. Der Tag, an dem die Musik starb. Schon wieder. Er beginnt wie so ein Tag bei John Lennon eben beginnt: Bei einem Shooting mit Star-Fotografin Annie Leibovitz im Dakota, das sie aufs Cover des Rolling Stone bringen soll. Um 15:30 Uhr verlässt Leibovitz das Gebäude, Lennon gibt dem Radio-DJ Dave Sholin aus San Francisco sein allerletztes Interview. Danach nehmen sie eine Limousine ins Record Plant Studio, um an Yoko Onos Nummer Walking On Thin Ice zu arbeiten. Bevor Lennon in den Wagen steigt, nähert sich ein Fan mit der Bitte, seine Kopie von Double Fantasy zu signieren. Wie schon so oft in der Vergangenheit nimmt sich Lennon Zeit für die Fans vor dem Dakota – mit dem Unterschied, dass er diesmal Mark David Chapman ein Autogramm gibt. Dem Mann, der ihn wenige Stunden später erschießen wird.

Gegen zehn vor elf kommen die beiden zurück, um Sean gute Nacht zu sagen, ehe sie im Stage Deli zu Abend essen möchten. Warum auch immer, verlassen sie die Limousine an der 72. Straße anstatt in den sicheren Hof zu fahren. Dort lauert Mark David Chapman in den Schatten. Erst läuft Ono an ihm vorbei, Chapman nickt ihr zu. Dann kommt Lennon, erkennt ihn wahrscheinlich wieder, geht vorüber. Chapman zieht einen Revolver und feuert fünf Kugeln aus nächster Nähe auf Lennon ab. Lennon stolpert, sackt in sich zusammen, lässt dabei die Tapes mit dem finalen Mix von Walking On Thin Ice fallen. Chapman, der seelenruhig vor Ort auf die Ankunft der Polizei wartet, wird vom Pförtner Jose Perdomo angeschrien: „Wissen Sie, was Sie getan haben?“ – „Ja, ich habe gerade John Lennon erschossen“, soll er geantwortet haben.

Staatstrauer weltweit

Was folgt, ist eine beispiellose Trauer, die man sonst eher von Präsidenten oder anderen Staatspersönlichkeiten kennt. Außerdem wird natürlich auch der Tod von John Lennon im Handumdrehen zu barer Münze: Noch nicht erschienene, vernichtende Kritiken zu Double Fantasy werden nicht gedruckt, das Album schießt in allen Charts ganz nach oben, gewinnt 1981 sogar den Grammy für das beste Album. 225.000 Menschen kommen in New York zusammen, um Lennon zu betrauern, mindestens drei Beatles-Fans nehmen sich in der Folge das Leben. Das vielleicht krasseste Statement kommt 1981 von Lennons Witwe: Auf dem Cover ihres Soloalbums Seasons Of Glass ist John Lennons blutbespritzte Brille zu sehen, die er bei seiner Ermordung trug.

Das Cover

Jeder, Yoko Ono, Sean, die drei übrigen Beatles, die ganze Welt, musste auf eigene Weise mit der Trauer fertig werden. Und so unnötig, so vollkommen und schmerzhaft unnötig Lennons Tod mit gerade mal 40 Jahren auch war: Er brachte endlich Frieden zwischen Yoko Ono und den Beatles. Man fragt sich, weshalb so oft erst eine derartige Katastrophe geschehen muss, bevor so etwas passiert.

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John Lennon in 10 Bildern

Popkultur

Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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