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Popkultur

Meet The Tokyo Beatles: Wie drei Pilzköpfe Japan eroberten

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Tokyo Beatles
Foto: Michael Rougier/The LIFE Picture Collection via Getty Images

Nach Japan verschlägt es die Beatles erst 1966, doch auch in Fernost möchte man die „Beatlemania“ erleben. Daraus entsteht 1964 ein kurioses Projekt, das die japanische Musikwelt zwei Jahre lang an dem britischen Phänomen teilhaben lässt, zumindest indirekt. Wir stellen vor: The Tokyo Beatles.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch I Want To Hold Your Hand von den Tokyo Beatles anhören:

1964 steckt die Welt mitten in der „Beatlemania“. Wo immer John, Paul, George und Ringo auftauchen, werden sie von hysterisch kreischenden Fans empfangen, zunächst in Europa, dann auch in den USA. Nach Japan verschlägt es die „Fab Four“ erst 1966. Bis dahin übernimmt im Land der aufgehenden Sonne eine Truppe, die heute ziemlich eigenartig wirkt. Meet The Tokyo Beatles.

Mehr Haare als Talent

Weil sich die echten Beatles mit ihrer ersten Asien-Tour Zeit lassen, muss eine andere Lösung her. Die lautet: Drei japanische Musiker mit Mop-Top-Haarschnitten und behelfsmäßigen Kostümen covern die ikonischen Songs von John Lennon und Paul McCartney. Sprachlich setzt die Gruppe auf eine Mischung aus Japanisch (vor allem in den Strophen) und Englisch (vorrangig in den Refrains).

Das erste und einzige Album der Tokyo Beatles erscheint 1964 und trägt den Titel Meet The Tokyo Beatles. Vier Stücke kann man darauf hören: I Want To Hold Your Hand, Please Please Me, Can’t Buy Me Love und Twist And Shout. Live kann man die Gruppe vor allem in den Clubs von Tokyo bewundern. Böse Zungen behaupten, die Musiker hätten mehr Haare als Talent gehabt. Die japanische Musikszene hat das Trio trotzdem fest im Griff.

Treue Gefolgschaft, geringer Verdienst

Als der Fotograf Michael Rougier und der Journalist Robert Morse im Sommer 1964 nach Japan reisen, stellen sie mit Erstaunen fest, dass die Band eine treue Gefolgschaft um sich geschart hat, und dass die Fans der Gruppe beinahe so „beatlemanisch“ bei der Sache sind, wie der Rest der Welt. Finanziell gibt es allerdings einen kleinen Unterschied: Die Tokyo Beatles verdienen gerade einmal 85 US-Dollar pro Monat.

Ab 1966 ist kein Ersatz für die „Fab Four“ mehr nötig. Am 30. Juni treten John, Paul, George und Ringo höchstpersönlich in Tokyo auf und zwar gleich dreimal hintereinander. Die Tokyo Beatles lösen sich Mitte der Sechziger auf, beinahe lautlos. Was bleibt, ist ein Kuriosum, über das sich heute kaum noch etwas herausfinden lässt. Schade eigentlich.

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