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Popkultur

40 Jahre mit Hut: Wie Udo Lindenberg in New York sein Markenzeichen fand

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Udo Lindenberg
Foto: Simon Hofmann/Redferns via Getty Images

Vor 40 Jahren ist Panik-Udo auf Stippvisite in New York, um den Sound und den Groove der Stadt einzufangen. Zurück kehrt er mit etwas, das schon sehr bald sein Markenzeichen werden soll: sein unverkennbarer Hut.

von Björn Springorum

Hört hier Udopia:

In diesem Fall ist mal nicht die Geschichte ein alter Hut, sondern der Gegenstand der Geschichte: Vor ziemlich genau 40 Jahren setzt Udo Lindenberg von Hamburg nach New York über. Damals ist Lindenberg längst ein gemachter Künstler: Sein Sprachwitz und seine Wortschöpfungen inspirieren Marius Müller-Westernhagen und Otto, mit letzterem wohnt er auch in der berüchtigten und mindestens ebenso legendären Freigeist-Kommune Villa Kunterbunt in Hamburg-Winterhude.

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Udo im Big Apple

Elf Studioalben hat er bereits veröffentlicht, mit Votan Wahnwitz und der Galaxo Gang kann er große Erfolge als Rockmusiker mit deutschen Texten und Tiefgang feiern. Für sein nächstes Album will Lindenberg dennoch mal was anderes versuchen. Musikalisch und inhaltlich, aber vor allem räumlich: Er siedelt für zwei Monate in sein verehrtes New York über und taucht in der explodierenden Musikszene unter. Die Sugarhill Gang hat erst kurz davor mit Rapper’s Delight eine Blaupause für Ostküsten-Rap geliefert, die Ramones werden poppiger, Billy Joel hämmert aufs Piano ein – und mittendrin Udo auf der Suche nach neuer Inspiration.

Die findet er wie auch schon 1979 auf Der Detektiv – Rock Revue 2, als er einem Arrangement von Billy Joel einen neuen Text spendiert:

„Ist ’n geiles Gefühl, wenn ich deine rote Sonne
über’m Hudson seh’
Leben aus dem Vollen
wenn ich am Broadway steh’
Du bist Sehnsucht und Utopia
Paradies und Untergang
schön wie ’n Brillant von Tiffany
und unheilbar krank“

Im Studio mit Bon Jovis Cousin

Die Stadt verschlingt ihn, spuckt ihn verändert wieder aus. Und stellt ihm ein paar US-amerikanische Studiomusiker für sein Panikorchester im Exil an die Seite. In den Power Station Studios, gelegen im damals recht unansehnlichen Bezirk Hell’s Kitchen, nimmt Lindenberg zwei Songs des Albums auf, das im April 1981 als Udopia riesige Erfolge feiern soll: Straßen-Fieber und Grande Finale. Kuriose Randnotiz: Das Studio wurde damals von Tony Bongiovi geführt – dem Cousin von Jon Bon! New York sorgt allgemein für einen schärferen Ton auf Udopia, deutlicher als jemals zuvor gibt Lindenberg den Sozialkritiker. Rassismus, der Kalte Krieg und der Konflikt der Generationen werden thematisiert, zweifellos befeuert von seinen Erlebnissen in den USA.

Udopia wird Lindenberg nach seiner Rückkehr aus den Staaten endgültig als Politrocker etablieren. Sein Aufenthalt im wurmstichigen Big Apple ist aber noch für ein weiteres, nicht eben unwichtiges Detail seiner Karriere seither verantwortlich. Während er auf dem Cover von Udopia noch mit Schiebermütze zu sehen ist, bahnt sich hinter den Kulissen schon ein Imagewechsel an, der zu seinem unverzichtbaren Trademark werden soll: Beim honorigen Hutmacher Worth & Worth um die Ecke der Nobel-Avenue Madison findet Udo Lindenberg seinen Hut. Diesen Hut, um den sich seither mehr Legenden ranken als um manche Musiker*innen. Eine Geliebte soll ihm eine Narbe am Kopf verpasst haben, erzählte er mal. Ein andermal sagte er, seine Haare seien einfach langsam zu dünn. Die Wahrheit? Überbewertet.

Talisman auf dem Kopf

Fest steht hingegen: Ab 1981 wird er nur noch sehr selten ohne diesen Hut der Marke Open Road (oder eine andere Kopfbedeckung aus seiner umfrangreichen Kollektion) gesehen. Der Hut, sagt Lindenberg gerne, sei sein treuester Begleiter und habe ihm mehr Glück gebracht als alles andere. Das scheint der große Erfolg von Udopia (47 Wochen in den deutschen Charts, über 250.000 verkaufte Exemplare) zu bestätigen. Übertroffen wird der nur von seinen letzten beiden Studioplatten, die dem Panikrocker Jahrzehnte nach seinen großen Erfolgen ein unglaubliches Comeback bescherten. Hut sei Dank!

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