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Die musikalische DNA von Udo Lindenberg

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Udo Lindenberg

Zigarre in der Hand, Sonnenbrille auf der Nase, Hut auf den schulterlangen Haaren, die Socken: Es braucht vielleicht nicht viel, um wie Udo Lindenberg auszusehen. Einiges aber, um wie er zu klingen oder gar wie er zu texten. Und es ist unmöglich, so wie er zu sein. Denn Udo ist ein Unikat! Als „größten deutschen Nachkriegslyriker“ bezeichnete der Die-Hard-Fan Benjamin von Stuckrad-Barre sein „Udol“. Das mag die Literaturwissenschaft vielleicht anders sehen, sein Einfluss auf deutschsprachige Rock- und Pop-Musik und die deutsche Sprache überhaupt sind jedoch kaum zu leugnen. Hätte es zum Beispiel ein Marius Müller-Westernhagen an die Spitze der Charts geschafft ohne einen Lindenberg, der nach all dem belanglosen Schlagergesäusel der sechziger Jahre für Erfrischung auf allen Ebenen sorgte? Wohl kaum. Wäre deutschsprachige Pop- und Rock-Musik heute erheblich langweiliger ohne Lindenbergs Einfluss? Wir sind uns sicher.


Hört euch hier Udo Lindenbergs musikalische DNA als Playlist an und lest weiter:

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Der selbsternannte „Dauernuschler aus Prinzip“ hinterließ nicht nur Spuren, er eiferte auch anderen nach. Seine eigene Inspiration bezog er aus dem Jazz und Rock oder Pop, aber auch aus der Literatur. Darin fand er Halt, daraus machte er sein eigenes Ding. „Ich dachte auch, es muss Englisch sein, um ein Weltstar zu werden“, erinnerte er sich in einem Interview an seine Anfangstage. „Ich konnte aber nicht genau genug singen, was ich fühle. Ich habe an Deutsch geglaubt, getrickst und gemacht.“ Er hat’s geschafft! So viel also steht fest: Ein Blick auf Udo Lindenbergs musikalische DNA wird um große Texte nicht herumkommen. Ob nun gesungene oder in Bücher gebundene. Die Musik kommt aber nicht zu kurz.


1. Miles Davis – Blue In Green

Warum aber ist Lindenberg ausgerechnet Musiker geworden – und nicht etwa Literat? Nun, alles fing mit einem Stewart an, der dem jungen Udo – frisch mit 15 Jahren von Zuhause ausgebüxt – ein paar Ansichtskarten zeigte. Die von Schanghai und dem Jazz-Trompeter Miles Davis interessierten Lindenberg besonders. „Da dachte ich: Ich werde Musiker, aber vorher werde ich Steward, ein sicherer Beruf!“, erinnerte er sich.

Es blieb für ihn beim Hoteljob, immerhin aber bildete der Grünling seine vorher entdeckte Trommelleidenschaft weiter aus und versank sich im Jazz von Charlie Parker und eben jenem Miles Davis. So weit geht seine Leidenschaft für King of Cool, dass er im Rahmen einer Ausstellung im Schloss Neuhardenberg ein ganz besonderes Geschenk zeigte, das Davis ihm gemacht hatte: sein Schlagzeug. À propos Ausstellung: Beide vereinte stets auch die Leidenschaft für die bildende Kunst.


2. Klaus Doldinger – Jadoo

Wie begabt der junge Lindenberg hinter dem Kit war, zeigte sich bereits 1960, als er im Alter von 14 Jahren den ersten Preis als Schlagzeuger beim Norwestdeutschen Jazz-Jamboree gewann. Nur zehn Jahre später saß er bei einem der größten deutschen Jazz-Musiker hinter dem Kit, dem Saxofonisten Klaus Doldinger. Ratet mal, wer in der von Doldinger komponierten Titelmelodie zur Serie Tatort hinter der Schießbude sitzt! Genau, Lindenberg.

Der widmete sich daneben auch anderen Bands und spielte etwa bei Emergency und auf den ersten beiden Platten der Band Niagara mit. Der große Erfolg sollte ihn zwar als Sänger ereilen, ohne Doldinger als Mentor hätte es Lindenberg jedoch wohl kaum so weit gebracht.


3. Ton Steine Scherben – Halt dich an deiner Liebe fest

Am Schlagzeug konnte es unser Udol also. Aber am Mikrofon? 1971 debütierte er zuerst als Sänger und schien zuerst zu scheitern. Ob es an den englischen Texten lag? Vielleicht, aber auch mit LP Nummer zwei, Daumen im Wind aus dem Folgejahr, räumte er nicht unbedingt Trophäen ob. Obwohl zumindest der Hoch im Norden gut ankam. Nämlich hoch im Norden.

Erst mit dem Album Andrea Doria sollte Lindenberg der Durchbruch gelingen. Wo aber hatte er das Texterhandwerk gelernt, woher kamen die Ohrwürmer? Wichtig war unter anderem die Band Ton Steine Scherben um Frontmann Rio Reiser, der gezeigt hatte, dass sich ebenso kraftvoll wie verständlich singen lässt. „Rio war ein Flammenwerfer, ein Anzünder für uns alle“, sagte Lindenberg über den Kollegen. Seit Reisers frühem Tod im Jahr 1996 gehört Lindenberg zu denen, die sein Feuer um die Welt tragen.


4. Steppenwolf – Born To Be Wild

Ton Steine Scherben waren eine der ersten deutschen Rock-Bands, die dieses Prädikat wirklich verdient haben. Sie ließen sich nichts sagen und machten das kaputt, was sie kaputt machte. Klar, dass sich der Panikrocker auch musikalisch von ihnen inspirieren ließ, denn nach dem Jazz wurde Rock-Musik zu seiner zweiten großen Leidenschaft.

Einige der größten Rock-Songs der Musikgeschichte vertonte er selbst auf seine unnachahmliche Art, darunter auch ein Stück, dessen Titel programmatisch für sein Leben steht: Born To Be Wild von der Gruppe Steppenwolf. Auch hier gibt es mehr als eine Verbindungslinie: Die Band benannte sich nach dem Roman von Hermann Hesse, einem von Udos Lieblingsschriftstellern. 2016 wurde er sogar mit der Hermann-Hesse-Medaille von dessen Heimatstadt Calw gewürdigt. Was für eine Auszeichnung!


5. Liebeslied (Siehst du den Mond über Soho) aus der “Dreigroschenoper”

Wichtiger als Hermann Hesse war für Lindenberg wohl jedoch Bertolt Brecht. Der Dramatiker revolutionierte Anfang des 20. Jahrhunderts mit sprühendem Humor das Geschehen auf den Theaterbühnen und zeigte dabei stets Haltung. Brecht war nicht nur politisch aktiv, er hatte auch eine zarte Seite.

Die zeigte sich in jedoch eher derben Zeilen, die Lindenberg in Brecht’s Liebeslied verarbeitete. Inspiration dafür kam unter anderem aus Brechts legendärer Dreigroschenoper, seinem wohl bekanntestem Stück mit vielen denkwürdigen Musikeinlagen. Unter anderem auf seinem Album Phönix widmete sich Lindenberg weiteren Texten des Dichters und sang ihm auch 1998 zum 100. Geburtstag ein Ständchen, das der große Bert hoffentlich im Jenseits gehört hat.


6. Marlene Dietrich – Illusions

Trommeln konnte er, das Texten hat er mit Rio Reiser und Hesse gelernt. Von Brecht bekam Lindenberg allerdings noch mehr auf den Weg. Dessen skurriler Humor und nicht zuletzt sein Sinn fürs Theatralische dürften für die „Nachtigall“ ebenso von Bedeutung gewesen sein. Lindenbergs unvergleichliche Bühnenpersona findet ein anderes Vorbild in der großen Marlene Dietrich. „Man ist ja auch Projektionsfläche, bisschen fantasieren, mutmaßen, sexy-hexy, das ist wichtig. Habe ich von der Dietrich gelernt“, sagte Lindenberg in einem Interview.

1988 widmete er seiner Mutter das nach ihr benannte Album Hermine, auf dem auch ein Stück der Dietrich in Lindenberg-Manier zu hören war. Bei den Aufnahmen zu Illusions soll er in Tränen ausgebrochen sein. Der Regisseur Horst Königstein erinnerte sich an die Szene: „Das war das erste Mal, dass er sich einen solchen Gefühlsausbruch gestattet hat.“ Nur verständlich vor diesem Hintergrund – und dazu noch bei einem solchen Song!


7. Rammstein – Engel

Lindenbergs Leidenschaft für deutsche Liedkunst erstreckt sich jedoch nicht allein auf alte Klassiker. Vielmehr ist er auch Neuem aufgeschlossen. Hättet ihr vermutet, dass eine Type wie Lindenberg auf harten Metal à la Rammstein steht? Stimmt aber! Tatsächlich ist der Panikrocker sogar dicke mit Rammstein-Sänger Till Lindemann befreundet. Der selbst hat nur die wärmsten Worte für das Udol übrig. „Er sollte keinen Hut, sondern eine Krone tragen!“, so der Lindemann über den Lindenberg.

Udo wiederum dankt dem Weltgeschehen dafür, ihm Rammstein geschenkt zu haben. „Allein schon deswegen musste die Mauer weg. Um das Spektrum zu erweitern. Mit geilen Musikern“, polterte er in einem Interview mit dem deutschen Rolling Stone. Wer würde ihm widersprechen wollen?


8. Ray Charles – Chattanooga Choo Choo

Wie wütend Lindenberg auf die DDR-Obersten war, wissen wir aus einem seiner größten Hits. In Sonderzug nach Pankow wetterte er unvergleichlich charmant gegen Erich Honecker! Warum? 1979 hatte Lindenberg in einer Radiosendung gesagt, dass er gerne ein Konzert für seine Fans in Ostdeutschland geben würde. Das kam dem Kulturverantwortlichen der SED, Kurt Hager, zu Ohren. Der schrieb Lindenberg prompt eine ebenso trockene wie kurze Notiz: „Auftritt in der DDR kommt nicht in Frage“.

Wir müssen Hager wohl dankbar dafür sein, denn sonst hätte uns Udo nicht Sonderzug nach Pankow geschenkt! Der Song basiert bekanntlich auf einer Komposition Harry Warrens, die unter anderem von Glenn Miller bekannt gemacht wurde. Ebenso hörenswert ist allerdings die Version des großartigen Ray Charles, der mit seiner Musik an der Schnittstelle von Jazz und Rock einen nicht unerheblichen Anteil an der Stilbildung Lindenbergs gehabt hat.


9. The Beatles – Penny Lane

Wie dieses Beispiel allein zeigt, interessierte sich die Nachtigall nicht ausschließlich für Jazz oder deutschsprachige Musik. Natürlich nämlich widmete er sich wieder und wieder auch englischsprachigem Pop.

Auf seiner Cover-Version vom Song Penny Lane unter dem Titel Reeperbahn behauptet er sogar, einer der ersten Beatles-Fans gewesen zu sein! Ob wir’s glauben dürfen? Wohnt er doch eigentlich erst seit 1968 hauptsächlich in der Hansestadt… So oder so: Seine Penny Lane-Interpretation beschwört eine wilde und umtriebige Zeit herauf. Wer hätte die nicht gern erlebt? Da lässt sich auch mal ruhig die Wahrheit etwas biegen, finden wir.


10. Clueso – Achterbahn

Eine Wahrheit, an der allerdings definitiv nicht zu rütteln ist: Nach ungefähr einem halben Jahrhundert im Business kann Udo Lindenberg auf ganze Generationen zurückblicken, die er mit seinem Schaffen beeinflusst hat. Er sucht dabei immer noch die Nähe seiner Nachkommenschaft.

Zuletzt etwa freundete er sich mit dem Singer/Songwriter und Rapper Clueso an, dessen wunderbar verschnuschelter Flow nicht von ungefähr an das Udol erinnert. „Immer noch so kindlich zu sein und so lustig – von Udo können sich viele eine Scheibe abschneiden“, schwärmte der Rapper vom Kollegen. Und wenn sie nicht wie im Jahr 2013 gemeinsam im Studio alte Lindenberg-Klassiker wie Cello ein frisches Gewand überwerfen, dann lassen sie alle Hüllen fallen und gehen gern zusammen schwimmen, berichtete der Erfurter. Eine ungewöhnliche Paarung. Aber dafür lieben wir Udo doch: Dass er nicht wie alle anderen ist.


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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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