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Popkultur

Die musikalische DNA von Udo Lindenberg

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Udo Lindenberg

Zigarre in der Hand, Sonnenbrille auf der Nase, Hut auf den schulterlangen Haaren, die Socken: Es braucht vielleicht nicht viel, um wie Udo Lindenberg auszusehen. Einiges aber, um wie er zu klingen oder gar wie er zu texten. Und es ist unmöglich, so wie er zu sein. Denn Udo ist ein Unikat! Als „größten deutschen Nachkriegslyriker“ bezeichnete der Die-Hard-Fan Benjamin von Stuckrad-Barre sein „Udol“. Das mag die Literaturwissenschaft vielleicht anders sehen, sein Einfluss auf deutschsprachige Rock- und Pop-Musik und die deutsche Sprache überhaupt sind jedoch kaum zu leugnen. Hätte es zum Beispiel ein Marius Müller-Westernhagen an die Spitze der Charts geschafft ohne einen Lindenberg, der nach all dem belanglosen Schlagergesäusel der sechziger Jahre für Erfrischung auf allen Ebenen sorgte? Wohl kaum. Wäre deutschsprachige Pop- und Rock-Musik heute erheblich langweiliger ohne Lindenbergs Einfluss? Wir sind uns sicher.


Hört euch hier Udo Lindenbergs musikalische DNA als Playlist an und lest weiter:


Der selbsternannte „Dauernuschler aus Prinzip“ hinterließ nicht nur Spuren, er eiferte auch anderen nach. Seine eigene Inspiration bezog er aus dem Jazz und Rock oder Pop, aber auch aus der Literatur. Darin fand er Halt, daraus machte er sein eigenes Ding. „Ich dachte auch, es muss Englisch sein, um ein Weltstar zu werden“, erinnerte er sich in einem Interview an seine Anfangstage. „Ich konnte aber nicht genau genug singen, was ich fühle. Ich habe an Deutsch geglaubt, getrickst und gemacht.“ Er hat’s geschafft! So viel also steht fest: Ein Blick auf Udo Lindenbergs musikalische DNA wird um große Texte nicht herumkommen. Ob nun gesungene oder in Bücher gebundene. Die Musik kommt aber nicht zu kurz.


1. Miles Davis – Blue In Green

Warum aber ist Lindenberg ausgerechnet Musiker geworden – und nicht etwa Literat? Nun, alles fing mit einem Stewart an, der dem jungen Udo – frisch mit 15 Jahren von Zuhause ausgebüxt – ein paar Ansichtskarten zeigte. Die von Schanghai und dem Jazz-Trompeter Miles Davis interessierten Lindenberg besonders. „Da dachte ich: Ich werde Musiker, aber vorher werde ich Steward, ein sicherer Beruf!“, erinnerte er sich.

Es blieb für ihn beim Hoteljob, immerhin aber bildete der Grünling seine vorher entdeckte Trommelleidenschaft weiter aus und versank sich im Jazz von Charlie Parker und eben jenem Miles Davis. So weit geht seine Leidenschaft für King of Cool, dass er im Rahmen einer Ausstellung im Schloss Neuhardenberg ein ganz besonderes Geschenk zeigte, das Davis ihm gemacht hatte: sein Schlagzeug. À propos Ausstellung: Beide vereinte stets auch die Leidenschaft für die bildende Kunst.


2. Klaus Doldinger – Jadoo

Wie begabt der junge Lindenberg hinter dem Kit war, zeigte sich bereits 1960, als er im Alter von 14 Jahren den ersten Preis als Schlagzeuger beim Norwestdeutschen Jazz-Jamboree gewann. Nur zehn Jahre später saß er bei einem der größten deutschen Jazz-Musiker hinter dem Kit, dem Saxofonisten Klaus Doldinger. Ratet mal, wer in der von Doldinger komponierten Titelmelodie zur Serie Tatort hinter der Schießbude sitzt! Genau, Lindenberg.

Der widmete sich daneben auch anderen Bands und spielte etwa bei Emergency und auf den ersten beiden Platten der Band Niagara mit. Der große Erfolg sollte ihn zwar als Sänger ereilen, ohne Doldinger als Mentor hätte es Lindenberg jedoch wohl kaum so weit gebracht.


3. Ton Steine Scherben – Halt dich an deiner Liebe fest

Am Schlagzeug konnte es unser Udol also. Aber am Mikrofon? 1971 debütierte er zuerst als Sänger und schien zuerst zu scheitern. Ob es an den englischen Texten lag? Vielleicht, aber auch mit LP Nummer zwei, Daumen im Wind aus dem Folgejahr, räumte er nicht unbedingt Trophäen ob. Obwohl zumindest der Hoch im Norden gut ankam. Nämlich hoch im Norden.

Erst mit dem Album Andrea Doria sollte Lindenberg der Durchbruch gelingen. Wo aber hatte er das Texterhandwerk gelernt, woher kamen die Ohrwürmer? Wichtig war unter anderem die Band Ton Steine Scherben um Frontmann Rio Reiser, der gezeigt hatte, dass sich ebenso kraftvoll wie verständlich singen lässt. „Rio war ein Flammenwerfer, ein Anzünder für uns alle“, sagte Lindenberg über den Kollegen. Seit Reisers frühem Tod im Jahr 1996 gehört Lindenberg zu denen, die sein Feuer um die Welt tragen.


4. Steppenwolf – Born To Be Wild

Ton Steine Scherben waren eine der ersten deutschen Rock-Bands, die dieses Prädikat wirklich verdient haben. Sie ließen sich nichts sagen und machten das kaputt, was sie kaputt machte. Klar, dass sich der Panikrocker auch musikalisch von ihnen inspirieren ließ, denn nach dem Jazz wurde Rock-Musik zu seiner zweiten großen Leidenschaft.

Einige der größten Rock-Songs der Musikgeschichte vertonte er selbst auf seine unnachahmliche Art, darunter auch ein Stück, dessen Titel programmatisch für sein Leben steht: Born To Be Wild von der Gruppe Steppenwolf. Auch hier gibt es mehr als eine Verbindungslinie: Die Band benannte sich nach dem Roman von Hermann Hesse, einem von Udos Lieblingsschriftstellern. 2016 wurde er sogar mit der Hermann-Hesse-Medaille von dessen Heimatstadt Calw gewürdigt. Was für eine Auszeichnung!


5. Liebeslied (Siehst du den Mond über Soho) aus der “Dreigroschenoper”

Wichtiger als Hermann Hesse war für Lindenberg wohl jedoch Bertolt Brecht. Der Dramatiker revolutionierte Anfang des 20. Jahrhunderts mit sprühendem Humor das Geschehen auf den Theaterbühnen und zeigte dabei stets Haltung. Brecht war nicht nur politisch aktiv, er hatte auch eine zarte Seite.

Die zeigte sich in jedoch eher derben Zeilen, die Lindenberg in Brecht’s Liebeslied verarbeitete. Inspiration dafür kam unter anderem aus Brechts legendärer Dreigroschenoper, seinem wohl bekanntestem Stück mit vielen denkwürdigen Musikeinlagen. Unter anderem auf seinem Album Phönix widmete sich Lindenberg weiteren Texten des Dichters und sang ihm auch 1998 zum 100. Geburtstag ein Ständchen, das der große Bert hoffentlich im Jenseits gehört hat.


6. Marlene Dietrich – Illusions

Trommeln konnte er, das Texten hat er mit Rio Reiser und Hesse gelernt. Von Brecht bekam Lindenberg allerdings noch mehr auf den Weg. Dessen skurriler Humor und nicht zuletzt sein Sinn fürs Theatralische dürften für die „Nachtigall“ ebenso von Bedeutung gewesen sein. Lindenbergs unvergleichliche Bühnenpersona findet ein anderes Vorbild in der großen Marlene Dietrich. „Man ist ja auch Projektionsfläche, bisschen fantasieren, mutmaßen, sexy-hexy, das ist wichtig. Habe ich von der Dietrich gelernt“, sagte Lindenberg in einem Interview.

1988 widmete er seiner Mutter das nach ihr benannte Album Hermine, auf dem auch ein Stück der Dietrich in Lindenberg-Manier zu hören war. Bei den Aufnahmen zu Illusions soll er in Tränen ausgebrochen sein. Der Regisseur Horst Königstein erinnerte sich an die Szene: „Das war das erste Mal, dass er sich einen solchen Gefühlsausbruch gestattet hat.“ Nur verständlich vor diesem Hintergrund – und dazu noch bei einem solchen Song!


7. Rammstein – Engel

Lindenbergs Leidenschaft für deutsche Liedkunst erstreckt sich jedoch nicht allein auf alte Klassiker. Vielmehr ist er auch Neuem aufgeschlossen. Hättet ihr vermutet, dass eine Type wie Lindenberg auf harten Metal à la Rammstein steht? Stimmt aber! Tatsächlich ist der Panikrocker sogar dicke mit Rammstein-Sänger Till Lindemann befreundet. Der selbst hat nur die wärmsten Worte für das Udol übrig. „Er sollte keinen Hut, sondern eine Krone tragen!“, so der Lindemann über den Lindenberg.

Udo wiederum dankt dem Weltgeschehen dafür, ihm Rammstein geschenkt zu haben. „Allein schon deswegen musste die Mauer weg. Um das Spektrum zu erweitern. Mit geilen Musikern“, polterte er in einem Interview mit dem deutschen Rolling Stone. Wer würde ihm widersprechen wollen?


8. Ray Charles – Chattanooga Choo Choo

Wie wütend Lindenberg auf die DDR-Obersten war, wissen wir aus einem seiner größten Hits. In Sonderzug nach Pankow wetterte er unvergleichlich charmant gegen Erich Honecker! Warum? 1979 hatte Lindenberg in einer Radiosendung gesagt, dass er gerne ein Konzert für seine Fans in Ostdeutschland geben würde. Das kam dem Kulturverantwortlichen der SED, Kurt Hager, zu Ohren. Der schrieb Lindenberg prompt eine ebenso trockene wie kurze Notiz: „Auftritt in der DDR kommt nicht in Frage“.

Wir müssen Hager wohl dankbar dafür sein, denn sonst hätte uns Udo nicht Sonderzug nach Pankow geschenkt! Der Song basiert bekanntlich auf einer Komposition Harry Warrens, die unter anderem von Glenn Miller bekannt gemacht wurde. Ebenso hörenswert ist allerdings die Version des großartigen Ray Charles, der mit seiner Musik an der Schnittstelle von Jazz und Rock einen nicht unerheblichen Anteil an der Stilbildung Lindenbergs gehabt hat.


9. The Beatles – Penny Lane

Wie dieses Beispiel allein zeigt, interessierte sich die Nachtigall nicht ausschließlich für Jazz oder deutschsprachige Musik. Natürlich nämlich widmete er sich wieder und wieder auch englischsprachigem Pop.

Auf seiner Cover-Version vom Song Penny Lane unter dem Titel Reeperbahn behauptet er sogar, einer der ersten Beatles-Fans gewesen zu sein! Ob wir’s glauben dürfen? Wohnt er doch eigentlich erst seit 1968 hauptsächlich in der Hansestadt… So oder so: Seine Penny Lane-Interpretation beschwört eine wilde und umtriebige Zeit herauf. Wer hätte die nicht gern erlebt? Da lässt sich auch mal ruhig die Wahrheit etwas biegen, finden wir.


10. Clueso – Achterbahn

Eine Wahrheit, an der allerdings definitiv nicht zu rütteln ist: Nach ungefähr einem halben Jahrhundert im Business kann Udo Lindenberg auf ganze Generationen zurückblicken, die er mit seinem Schaffen beeinflusst hat. Er sucht dabei immer noch die Nähe seiner Nachkommenschaft.

Zuletzt etwa freundete er sich mit dem Singer/Songwriter und Rapper Clueso an, dessen wunderbar verschnuschelter Flow nicht von ungefähr an das Udol erinnert. „Immer noch so kindlich zu sein und so lustig – von Udo können sich viele eine Scheibe abschneiden“, schwärmte der Rapper vom Kollegen. Und wenn sie nicht wie im Jahr 2013 gemeinsam im Studio alte Lindenberg-Klassiker wie Cello ein frisches Gewand überwerfen, dann lassen sie alle Hüllen fallen und gehen gern zusammen schwimmen, berichtete der Erfurter. Eine ungewöhnliche Paarung. Aber dafür lieben wir Udo doch: Dass er nicht wie alle anderen ist.


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Zeitsprung: Am 27.11.1969 wird Myles Kennedy geboren.

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Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1969.

von Thorsten Seiffert und Christof Leim

Irgendwas muss dran sein an dieser Stimme. Myles Kennedy singt bei gleich mehreren großen Rockbands, und sogar die Gruppen, bei denen er fast gelandet wäre, erweisen sich im Nachhinein als äußerst spannend. Am 27. November hat der Mann Geburtstag.

Hier könnt ihr euch Myles Kennedys Soloalbum Year Of The Tiger anhören:

Geboren wird der Sänger und Gitarrist am 27. November 1969 als Myles Richard Bass in Boston, Massachusetts. Den Nachnamen Kennedy erhält er, als die Mutter nach dem Tod des Vaters erneut heiratet. Schon früh in seiner Kindheit beginnt Myles, die Trompete zu malträtieren, und hat gar eine Luftgitarrenband mit seinen besten Freunden. Als es dann Instrumente aus Holz gibt und er richtig in die Saiten dreschen kann, geht es Schlag auf Schlag: Animiert von einem Jazz-Kurs, den der junge Mann an der Highschool belegt, steigt er 1990 in eine Jazzformation mit dem Namen Cosmic Dust Fusion Band oder kurz Cosmic Dust ein. Sein Talent zeichnet sich schon damals deutlich ab, schnell macht er sich durch die Kombination seines musikalischen Wissens mit einer rockigen Spieltechnik einen Namen in der lokalen Szene. Dass Myles Kennedy auch als Fusion-Jazzer eine mehr als respektable Figur abgibt, beweist das erste Album von Cosmic Dust namens Journey  von 1991. Für den Song Spiritus gewinnt die Band 1993 sogar einem mit 5000 Dollar dotierten Preis

Aus Jazz wird Grooverock

Beim Jazz wird es nicht bleiben, doch der Weg zum Rockstar hält noch einige Abzweigungen bereit. Myles verlässt den kosmischen Staub und wird singender Gitarrist bei Citizen Swing, einer soulig und bluesig klingenden Truppe mit Alternative-Einschlag. Auch hier gibt es Hörbares: 1993 haut die Band das Album Cure Me With The Groove raus. 1995 folgt noch Deep Down, dann zieht die Kombo einen Schlussstrich. Kennedy, der inzwischen als Gitarrenlehrer arbeitet, will härter rocken und gründet mit einigen Kindheitsfreunden und einem Citizen-Swing-Kollegen eine neue Gruppe: The Mayfield Four. 

Ein erstes Demo (Thirty Two Point Five Hours) kommt so gut an, dass Epic Records einen Vertrag rausrücken. So langsam kommt Myles’ Karriere also in Fahrt. Das Debüt Fallout von 1998 wird intensiv live präsentiert, im Rahmen der mehr als ein Jahr dauernden Tour spielen The Mayfield Four mit Bands wie Stabbing Westward, Big Wreck und Creed zusammen. Obwohl die Kritiken gut ausfallen, findet Fallout nicht den Weg in die Charts. 

Hier könnt ihr euch The Mayfield Four anhören:

Jetzt ruft Hollywood

Während sich die Band abstrampelt, den Durchbruch zu schaffen, erhält Myles Kennedy das Angebot, in dem Hollywood-Streifen Rock Star mit Mark Wahlberg und Jennifer Aniston mitzuspielen. Der Film lehnt sich vage an die Story von Tim „Ripper“ Owens Einstieg bei Judas Priest an und erzählt von einer fiktiven Band namens Steel Dragon. Kennedy spielt dabei einen Fan, der zum Ende auf die Bühne gezerrt wird, um das Konzert als Sänger zu beenden, während der Frontmann und Protagonist (Wahlberg) sich absetzt. Kennedy ist der einzige Darsteller in Rock Star, dessen echte Gesangsstimme wir zu hören bekommen. Als Schauspieler will sich Myles nach dieser Erfahrung nicht sehen: „Das war schon witzig, und ich habe nichts nachgestellt. Ich war einfach ein Typ aus der Provinz, der mit den Schwergewichten in Hollywood einen Film dreht“, sagt er später. „Es fiel mir leicht, diesen dämlichen Typen abzugeben, dazu gehörte kein bisschen Schauspielerei.“

Seiner Band The Mayfield Four hilft der Auftritt indes nicht. 2001 wird das zweite Album Second Skin veröffentlicht: wieder mit guten Reaktionen, wieder kein Erfolg. Das nagt an Kennedy, und die Gruppe bricht auseinander. In einem Interview mit Pulse Weekly erklärt er später, dass er sich zu diesem Zeitpunkt, also 2002, ausgebrannt von der der Musikindustrie fühlte und zudem nach Jahren der hohen Lautstärken einen Tinnitus entwickelt hat. „Ich kann das nicht mehr machen, meine Ohren lassen das nicht zu“, sagt er damals und fällt in eine Depression. Mit Bands beschäftigt sich Kennedy in dieser Phase nicht und gibt stattdessen Gitarrenunterricht.

Myles will nicht mit Slash spielen

Doch es geht auch wieder aufwärts: Wie gesagt muss etwas dran sein an dieser Stimme, denn 2002 meldet sich Gitarrengott Slash, der einen Sänger für seine neue Band Velvet Revolver sucht und Kennedys Demo gehört hat. Doch unser Mann entscheidet sich dagegen, ergreift ein Jahr später aber eine andere Chance: Creed-Gitarrist Mark Tremonti möchte, dass Myles einige Songs für ihn einsingt. 

Creed-Gitarrist Mark Tremonti gewinnt Myles Kennedy 2003 für seine Band Alter Bridge – Pic: Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

So entstehen Alter Bridge, die neue Band der Creed-Musiker Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall. Die Chemie stimmt, und nun wendet sich das Blatt: Während das Debüt One Day Remains (2004) gemischte Reaktionen bei den Kritikern hervorruft, stehen die Fans auf den Sound, was letztlich in einer goldenen Schallplatte gipfelt. Mit Alter Bridge geht es hervorragend weiter, und Kennedy wird immer bekannter. Blackbird erscheint 2007, spätestens mit AB III (2010) gehört die Band zu den großen Namen im internationalen Rockzirkus.

Wenn Rockgötter anrufen…

2008 schließlich macht ein gewichtiges Gerücht die Runde: Myles Kennedy soll Robert Plant bei Led Zeppelin ersetzen, als dieser nach der einmaligen Live-Reunion der Band 2007 lieber wieder sein eigenes Süppchen kochen will. Wow! Kennedy schweigt zu alledem, bis er 2009 dann doch ausplaudert, dass er tatsächlich mit Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham geprobt und gejammt habe. Jason, Sohn des legendären Originalschlagzeugers John Bonham, hatte ebenfalls in Rock Star mitgespielt, sich an den begnadeten Sänger erinnert und diesen Jimmy Page vorgeschlagen. Ob es Songs aus dieser kurzen Zusammenkunft gibt, bleibt jedoch bis heute schleierhaft. „Ich fühlte mich einfach unglaublich geschmeichelt, mit diesen Jungs im selben Raum zu stehen“, kommentiert Kennedy 2010 gegenüber Music Radar. „Alles, was ich über Rock gelernt habe, habe ich von Led Zeppelin. Nur in Jimmy Pages Nähe zu sein, war unglaublich.“

Myles Kennedy und Slash live 2015 – Pic: Harmony Gerber/WireImage/Getty/Images

Neuer Versuch mit Slash

Obwohl Myles der Guns N’ Roses-Legende Slash damals abgesagt hat, lässt dieser nicht locker – und „füttert“ den Alter-Bridge-Sänger mit einem einzigen Song langsam an. Auf dem einfach Slash betitelten Solodebüt des passionierten Zylinderträgers soll Myles einen einzigen Track singen, nämlich Starlight. Kurz vor Schluss der Aufnahmen rückt der Gitarrenheld aber mit einem weiteren Lied heraus, und auch auf dem in letzter Minute eingespielten Back From Cali beeindruckt Kennedy am Mikro. Die Zusammenarbeit läuft so gut, dass Slash ihn als Frontmann mit auf Tour nimmt und anschließend auch als Hauptsänger für seine nächsten Alben engagiert. So hören wir Myles auf Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018). Slashs Liveband trägt sogar den Namen Myles Kennedy & The Conspirators.

Gleichzeitig läuft die Karriere von Alter Bridge ganz vorzüglich mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Touren, so dass unser Mann quasi ständig unterwegs ist. Doch das scheint nicht zu reichen, denn 2018 erscheint noch sein erstes Soloalbum Year Of The Tiger, für das er auch Konzerte spielt

Hier hat also jemand all seine Rock’n’Roll-Träume erfüllen können. Wir schicken Myles Kennedy, der mit seiner Frau Selena in Spokane im Bundesstaat Washington lebt, laute Grüße zum Geburtstag!

Zeitsprung: Am 18.4.1974 rockt Mark Tremonti von Alter Bridge und Creed los.

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Popkultur

Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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Zeitsprung: Am 26.11.2016 droht die kanadische Polizei mit Nickelback.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.11.2016.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 26. November 2016 rät die Polizeiwache im kanadischen Kensington ihrer Facebook-Gefolgschaft von Alkohol am Steuer ab. Lobenswert, immerhin stehen Weihnachtsmärkte und -feiern vor der Tür. Das eher ungewöhnliche Druckmittel Nickelback sorgt dabei allerdings für Lacher und Kritik.

Hört euch hier die besten Nickelback-Songs an: 

„Fröhliche Weihnacht“, denkt sich 2016 das Polizeipräsidium in Kensington auf Prince Edward Island und leistet sich dann einen ziemlichen Klops. Die für ihre Nettigkeit bekannten Kanadier bieten auf Facebook am 26. November einen besonders festlichen Service: In einem Post zeigen sie Möglichkeiten auf, Alkohol am Steuer zu vermeiden. Scheinbar keine einfache Aufgabe, locken doch Glühwein und andere edle Tropfen gerade vor Weihnachten mit ihrer wärmenden Wirkung. Einen kleinen Scherz kann sich der oder die Social-Media-Verantwortliche dabei nicht verkneifen.

Staatsdienst mit Augenzwinkern

Die Erinnerung an die Pflichten im Straßenverkehr beginnt noch harmlos. Mit Empfehlungen, im Vorfeld eine nüchterne Person für die Heimfahrt zu bestimmen oder doch schon vor Beginn der Veranstaltung Taxiunternehmen oder Übernachtungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen, leistet die Polizei ihren Beitrag zur winterlichen Verkehrssicherheit.  

Aber das reicht womöglich nicht. Doch auch die Behörde scheint jedoch vernommen zu haben, dass eine gewisse landeseigene Band nicht überall den besten Ruf genießt. Die Nachricht, die sie als „Christmas Bonus Edition“ betiteln, geht also mit einer Drohung der besonderen Art einher: „Die Polizei von Kensington wird den Rest des Jahres nach denjenigen suchen, die dumm genug sind, zu trinken und danach zu fahren. Und wenn wir euch kriegen – und das werden wir – gibt es zuzüglich zu einem deftigen Bußgeld, einer Strafanzeige und einem einjährigen Führerscheinentzug noch ein zusätzliches Geschenk: Auf dem Weg ins Gefängnis beschallen wir euch mit Nickelback.“

Die meinen das ernst. Oder?

Wer jetzt noch daran zweifelt, ob da wirklich eine gesamte Polizeiwache Nickelback aufs Korn nimmt, sollte unbedingt den Rest des Posts lesen: „Wir finden: Wer töricht genug ist, nach einem Drink noch hinters Steuer zu steigen, für den sind Chad Kroeger und seine Jungs das passende Geschenk.“ Das dazugehörige Bild zeigt eine bisher ungeöffnete 

Ausgabe des Albums Silver Side Up aus dem Jahr 2001, die die Mannschaft großzügig für etwaige „Gäste“ öffnen möchte.

Lang gelöscht: Ein Screenshot des Originaltexts vom 26. November 2016.

Das locker formulierte Posting trifft online einen Nerv und erscheint als Meldung in weltweiten Medienformaten. Die eigentliche Nachricht, das Auto nach dem Genuss von Alkohol stehenzulassen, mutiert dabei in eine Debatte über Nickelback, die man auch in den Kommentaren fortführt. Die 1995 gegründete Band gehört zu denjenigen Gruppen, die die Öffentlichkeit heiß diskutiert, und nicht immer geht es um Musik.

Wasser auf die Internetmühlen

Auch die Kommentare zum polizeilichen Facebook-Post zeigen keine Einigung. „Schimpft doch nicht auf Nickelback! Nehmt lieber jemanden wie Justin Bieber“, schlägt jemand vor. (Bieber ist ebenfalls Kanadier.) Andere wiederum fragen sich, ob eine solche Bestrafung nicht gegen die Genfer Konvention für Menschenrechte verstoße. Die Meldung zieht so kontroverse Kreise, dass die Wache den Post schließlich löscht und eine öffentliche Entschuldigung einstellt.

Nickelback selbst dürfte der Zwischenfall nur am Rande interessieren: „Ich glaube, diese ganzen Meckerer und Kritiker wissen gar nicht, was sie uns für einen Gefallen tun. Ohne sie wären wir nur eine Allerweltsband“, teilt Kroeger schon 2014 lässig der Presse mit. Die Kanadier belegen laut Digital Music News Platz elf der meistverkauften Bands der Geschichte

 

Zeitsprung: Am 21.8.2015 „rickrollen“ die Foo Fighters gegen Homophobie.

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