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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.5.1984 erscheint „Stay Hungry“ von Twisted Sister.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.5.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Wer an Glam Metal denkt, denkt zwangsläufig auch an die New Yorker Twisted Sister. Bis heute dürfen legendäre Songs wie We’re Not Gonna Take It und I Wanna Rock auf keiner Achtziger-Compilation fehlen. Am 10. Mai 1984 erscheinen die beiden Stücke auf Stay Hungry, dem dritten Album der Schminkerocker — und verhelfen der Gruppe erdrutschartig zum Durchbruch.


Hört hier in Stay Hungry rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Twisted Sister gehören in vielerlei Hinsicht zu den größten Rock-Klischees der Achtziger. Ob auftoupierte Haare, knalliges Make-Up oder Spandex-Hosen: Die Band um Frontmann Dee Snider lässt in der verrücktesten aller Dekaden nun wirklich keine Gelegenheit aus, um aufzufallen. Am 10. Mai 1984 veröffentlichen die Ostküstler ihr drittes Album Stay Hungry und schaffen über Nacht den Durchbruch. Leider geht es für die Gruppe beinahe genauso schnell wieder bergab.



Bereits während der Aufnahmen merken Twisted Sister, dass sie gerade an dem Album arbeiten, das sie an die Spitze katapultieren könnte. „Es flossen viele Elemente in die Platte ein, die uns das Gefühl gaben, dass wir es schaffen können“, erinnert sich Gitarrist und Bandmanager Jay Jay French im Interview mit Ultimate Classic Rock. Nicht nur, dass die Gruppe an ihre Songs glaubte; mit ihrer zweiten Scheibe You Can’t Stop Rock ‘n‘ Roll (1983) hatten Twisted Sister gut vorgelegt und innerhalb von elf Monaten mehr als 100.000 Einheiten verkauft.

Ein weiterer Faktor: Zu Beginn der Achtziger beginnt der Musiksender MTV seinen internationalen Siegeszug, wovon auch Twisted Sister profitieren möchten. Was das Video zu ihrem Megahit We’re Not Gonna Take It betrifft, hört Sänger Dee Snider auf den Rat von Regisseur Arthur Ellis. „Er sagte mir, dass das visuelle Element für einen Song nicht zwangsläufig so aussehen muss, dass wir ihn bloß spielen“, schreibt Snider in seiner Autobiografie Shut Up And Give Me The Mic. „Mit diesem Medium konnten wir eine Menge anstellen.“



Tatsächlich arbeiten Twisted Sister und Regisseur Marty Callner für den Clip eine Story aus, in der ein Vater die gerechte Quittung dafür bekommt, dass er seinen Sohn vom Gitarrespielen abhalten möchte. Als Vorlage für die unliebsame Figur wählt Snider den Familienpapa aus der amerikanischen Serie National Lampoon’s Animal House aus, gespielt von Mark Metcalf. Callner schlägt vor, den Darsteller auch für das Musikvideo anzufragen; Metcalf sagt innerhalb weniger Tage zu. „Für einen Außenseiter aus Long Island war es fast überwältigend zu sehen, wie all diese Ideen umgesetzt wurden“, räumt Snider später ein. Als das Video zum ersten Mal über die Mattscheibe flimmert, läuft We’re Not Gonna Take It bereits im Radio rauf und runter. Zunächst kommt der Clip nicht gut an, weil er die Story fast drei Minuten lang aufbaut, bevor der eigentliche Song beginnt. Doch schließlich laufen die Dinge ganz anders.

Katapultiert Twisted Sister 1984 mit Anlauf durch die Decke: Stay Hungry

„Alles passierte so schnell“, erzählt French. „Das Album wurde im Mai veröffentlicht, im Juli wussten wir Bescheid. Die Shows wurden immer größer. Immer mehr Zuschauer kamen. Wir gaben eine Autogrammstunde bei Tower Records, ich glaube, es war in Texas. Da sind 4.000 Jugendliche aufgetaucht. Wir haben gemerkt, dass wir gerade riesig werden.“ Innerhalb weniger Monate geht Stay Hungry 500.000 mal über die Ladentheke. Wenig später legen Twisted Sister mit der zweiten Single I Wanna Rock noch einmal kräftig nach, wochenlang zeigt MTV das dazugehörige Video in der Heavy Rotation. Diesmal ebenfalls zu sehen: Dee Snider. Das Video verschafft ihm landesweite Berühmtheit, anschließend werden die Dinge anstrengender: Der schnelle Ruhm beginnt damit, an der Gruppe zu kratzen.



So kann Snider nach der Veröffentlichung des Clips nicht mehr durch Long Island laufen, ohne sofort von Fans belagert zu werden. „Der Erfolg, den wir als Band auf der einen Seite und ich als kreative und Star-Persönlichkeit auf der anderen Seite hatten, sorgten für Unzufriedenheit“, erinnert sich Snider. „Es gab viele negative Gefühle.“ Die Gruppe verliert zu jener Zeit das Vertrauen in ihr Label, schon während der Entstehung von Stay Hungry gibt es Probleme mit Produzent Tom Werman, der von der Plattenfirma engagiert wurde. In seiner Autobiografie schreibt Snider, er habe Werman anbetteln müssen, damit Songs wie We’re Not Gonna Take It, I Wanna Rock und The Price auf dem fertigen Album landen. Letzterer erscheint als dritte Single, schafft es aber nicht in die Charts. Twisted Sister befinden sich nach ihrem kurzen Erfolg wieder auf dem Weg nach unten, das nächste Album Come Out And Play (1985) manifestiert den Abwärtstrend. Auseinandersetzungen um die Jugendfreiheit ihrer Songtexte tragen nicht dazu bei, dass Twisted Sister den Spaß an der Sache wiederfinden.

Twisted Sister beim Wacken Open Air 2016 – Pic: Andreas Lawen/Wiki Commons

Mit Love Is For Suckers (1987) veröffentlichen Twisted Sister noch ein letztes reguläres Album, doch im Oktober 1987 steigt Snider aus der Band aus. „Ich glaube, dass Rockbands einfach nicht so lange zusammenbleiben“, mutmaßt French zu jener Zeit. „Die Beatles waren sieben oder acht Jahre zusammen. Jetzt gibt es AC/DC, Kiss, Judas Priest, Mötley Crüe und Rush. Es geht immer weiter. Wir alle werden als Rockmusiker sterben.“ Für ihn und seine Kollegen gibt es zum Glück trotzdem einen zweiten Frühling, wenn auch erst Jahre später. Von 1997 bis 2001 finden die Musiker zunächst für einzelne Anlässe zusammen, 2003 folgt schließlich die große Reunion. Ein Jahr später widmen sich Twisted Sister noch einmal ihrem erfolgreichsten Album und spielen Stay Hungry komplett neu ein. Der Titel der Neuauflage: Still Hungry. Der Name bleibt den Rockgöttern sei Dank Programm: Bis 2016 geben Twisted Sister noch einmal jahrelang Vollgas. Dann ist Schluss.



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