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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.3.1944 wird Soul-Legende Diana Ross geboren.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.3.1944.

von Christof Leim und Andrea Hömke

Als Diana Ernestine Earle Ross am 23. März 1944 in Detroit geboren wird, deutet noch nichts darauf hin, dass dieses kleine Mädchen einmal zu den erfolgreichsten Künstlern der Welt gehören wird. Doch das soll sich ganz schnell ändern…


Hier könnt ihr die besten Songs von Diana Ross reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Mit gerade einmal 15 Jahren singt Diana Ross zum ersten Mal für einen Plattenvertrag vor, und zwar beim legendären Label Motown Records. Das junge Mädchen aus Detroit gehört zur Gruppe The Primettes, gewissermaßen eine „Schwesternband“ der männlich besetzten The Primes. Einer dieser Jungs hatte, begeistert von den weiblichen Stimmen, den Musikmanager Milton Jenkins auf die Primettes aufmerksam gemacht. Auch der erkannte das Talent, schickte die Damen zu einem Gesangswettbewerb, den sie gewannen, und plante, die Gruppe bei Motown vorzustellen. Doch letztlich ist es Diana Ross’ Nachbar, kein anderer als William „Smokey“ Robinson, der die Mädchen dem Labelchef Berry Gordy präsentiert. Und der lehnt ab! „Kommt wieder, wenn ihr eure Schule beendet habt“, soll er gesagt haben.

Die Mädchen kommen wieder, allerdings schon am nächsten Tag. Fortan übernehmen sie Hilfsarbeiten in dem Studio, klatschen bei Aufnahmen anderer Künstler, singen die Chorstimmen und so weiter. Ihre Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Im Januar 1961 willigt Gordy ein, die Band unter Vertrag zu nehmen – unter einer Bedingung: Sie muss ihren Namen ändern. Und so werden aus den Primettes die Supremes, die ein Jahr später, also im Januar 1962, tatsächlich ihren ersten Plattenvertrag unterzeichnen.

Die Supremes als Trio: Florence Ballard, Mary Wilson und Diana Ross (v.l.) – Pic: Jac. de Nijs/Anefo/Wiki Commons

Anfangs läuft es nicht wirklich gut für die damals noch vier jungen Frauen. Die erste Single von Florence Ballard, Mary Wilson, Barbara Martin und Diana Ross heißt I Want A Guy und schafft es nur auf einen der hinteren Plätze der Charts. Auch die folgenden Platten schlagen nicht wirklich ein. Nachdem Abschied von Barbara Martin im gleichen Jahr fungieren die Supremes fortan nur noch als Trio.



Doch der Durchbruch lässt noch bis 1964 auf sich warten. In der Zwischenzeit wird Labelchef Berry Gordy Manager der Band, wählt Diana Ross als Hauptsängerin aus und schickt die drei auf eine 36-tägige Konzertreise durch die USA. Die Presse wird aufmerksam, und als im August das Stück Where Did Our Love Go an die Spitze der Hitparade klettert, haben die Supremes es geschafft. Vier weitere Nummer-eins-Hits folgen: Baby Love, Come See About Me, Stop! In the Name of Love und Back in My Arms Again. 1965 wird die Band erstmals für einen Grammy nominiert. Die Supremes avancieren zur erfolgreichsten Gruppe von Motown Records und bleiben bis heute das erfolgreichste Gesangsensemble Amerikas.



1970 verlässt Ross die Band und widmet sich ihrer Solokarriere – immer unterstützt und auch getrieben von Berry Gordy. Seit einigen Jahren ist der Motown-Chef damals auch der Liebhaber seines Superstars. In seiner Biografie schreibt er: „Diana hat mir mehr bedeutet, als sie sich jemals vorstellen könnte. Eine Zeit lang war ich richtig besessen von ihr. Sie war magisch – und sie gehörte mir.“

Ähnlich wie beim Start der Supremes braucht auch Ross als Solokünstlerin ein wenig Anlauf. Der Kartenvorverkauf ihrer ersten Shows in Las Vegas läuft nur schleppend, was vor allem ihr Manager nicht gerne sieht. Kurzerhand schickt Gordy Mitarbeiter auf die Straße, die jedem 20 Dollar versprechen, der am Abend zu Ross’ erstem Konzert erscheint. Dabei erhalten sie eine Hälfte des in der Mitte auseinander gerissenen Scheins sofort, die andere Hälfte auf dem Konzert. Der Trick geht auf, der Abend wird zum Erfolg – auch wenn Diana Ross den wahren Grund später erfährt.



Kurz darauf trennt sich das Paar, und die Sängerin heiratet Musikmanager Robert Silberstein. Tochter Rhonda, die nur wenige Monate später zur Welt kommt, ist zwar das Kind von Berry Gordy, doch Silberstein zieht das Mädchen groß. Musikalisch klettert Ross auch als Solokünstlerin wieder die Charts empor. Zwischen 1970 und 1980 erreichen sechs ihrer Singles Platz eins der US-Charts: Upside Down, Endless Love, Touch Me In The Morning, Do You Know Where You’re Going To und Love Hangover.

Ein Superstar der Siebziger und Achtziger: Die “Queen of Soul”

Mehr noch: Die „Queen of Soul“ wird auch noch Schauspielerin und übernimmt 1972 in dem Film Lady Sings The Blues die Rolle der Billie Holiday. Dass sie den Job nicht durch Vitamin B, sondern vollkommen zu Recht bekommt, zeigt sich, als sie 1973 erst den Golden Globe als „Beste Nachwuchsdarstellerin“ erhält und kurz darauf sogar für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert wird.

Nun könnte man noch für die folgenden 45 Jahre ihre Errungenschaften und Erfolge aufzählen. Das Internet hat ja genug Platz. Wir haben uns in eurem Sinne für eine kleine, feine Auswahl entschieden: 1982 erhält sie einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame: „Als kleines Mädchen habe ich für meinen Spiegel gesungen und wollte meine Familie unterhalten. Dass ich einmal soweit komme, habe ich nie geglaubt“, sagt Ross dazu. 2007 wird ihr Lebenswerk mit dem Kennedy-Preis für darstellende Künste geehrt. 2012 erhält Ross nach zwölf Nominierungen endlich einen Grammy – ebenfalls für ihr Lebenswerk. 2016 wird ihr eine besondere Ehre zuteil: Barack Obama verleiht ihr die Präsidentenmedaille der Freiheit, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der Vereinigten Staaten. Obama hält persönlich die Laudatio:



In Diana Ross’ Leben tummeln sich eine Menge bekannter Persönlichkeiten: So ist sie eine der engsten Freundinnen von Michael Jackson. Motown Records kolportiert in den Siebzigern sogar die Geschichte, sie habe die Jackson 5 mitentdeckt – angeblich ein PR-Gag, wie später bekannt wird. Trotzdem verbindet Ross und Jackson eine tiefe Freundschaft. Der „King of Pop“ hat in seinem Testament Diana Ross sogar als mögliche Ziehmutter seiner Kinder vorgesehen, sollte deren Oma Katherine Jackson auf das Sorgerecht verzichten.



Gene Simmons von Kiss lebt zwei Jahre lang mit der Sängerin zusammen. Der Rockstar, hinter dessen Maske sich schon immer ein gewiefter Geschäftsmann verbirgt, rät ihr dazu, Motown Records zu verlassen und hilft Ross, ihren Vertrag mit RCA Records zu verhandeln. Die Diva unterschreibt den für damalige Verhältnisse mit 20 Millionen Dollar teuersten Musikdeal der Geschichte. „Mir hat gefallen, wie stark und selbstsicher sie war“, erinnert sich Gene Simmons später. „Nichts wirkt anziehender auf einen Mann, als eine Frau, die ohne ihn leben kann. Und so war es mit ihr.“

Stark, schön, erfolgreich und zielstrebig: Am 26. März 1944 wird ein kleines Mädchen im Hutzel Women’s Hospital in Detroit geboren und schreit ihren ersten Ton in die Welt hinaus. Bis heute ist er noch deutlich zu hören. Happy Birthday, Diana Ross!



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