Join us

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.3.1979 landet Mark Knopfler auf einem Bob-Dylan-Album.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.3.1979.

von Timon Menge und Christof Leim

Als Bob Dylan gegen Ende der Siebziger vom Juden- zum Christentum konvertiert, stößt er manche seiner Fans vor den Kopf, gewinnt aber auch zahlreiche neue dazu. Am 29. März besucht der Songschreiber ein Konzert der Dire Straits und fragt niemand geringeren als Gitarrenzauberer Mark Knopfler, ob der nicht auf Slow Train Coming mitspielen möchte — Dylans erster christlich geprägter Platte.


Hört hier in Slow Train Coming rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Nach beinahe 20 Jahren Karriere als Musiker und 18 Alben vollzieht Songschreiber Bob Dylan gegen Ende der Siebziger einen Wandel. So konvertiert die Folk-Legende vom Juden- zum Christentum. Galt Dylan bisher noch als zentrales Sprachrohr der Jugendrevolution, unterstellt man ihm nun die Zugehörigkeit zum Establishment.

Die Erleuchtung findet Dylan in einem Hotelzimmer in Tucson, Arizona: „Dort erschien mir Jesus, der König der Könige, der Herr aller Herren“, gibt er in einem Interview zu Protokoll. „Im Raum war eine Erscheinung, die nichts anderes sein konnte als Jesus. Er hat seine Hand auf mich gelegt. Das war real. Ich habe es gefühlt, mein ganzer Körper hat gezittert. Die Güte der Herrn hat mich umgehauen und mir dann wieder hochgeholfen.“

Beeindruckt Bob Dylan: Dire Straits-Gitarrist Mark Knopfler – Pic: Klaus Hiltscher/Wiki Commons

Für sein erstes Album seit der Konvertierung engagiert Dylan einen uns wohlbekannten Gitarristen. Nachdem er am 29. März 1979 ein Konzert der Dire Straits in Los Angeles besucht hat, fragt nicht nur Schlagzeuger Pick Withers, sondern auch Saitenzauberer Mark Knopfler, ob sie auf seiner neuen Platte Slow Train Coming spielen möchten. Den beiden Musikern gefällt der Gedanke, doch dass Dylans neues Material derart christlich ausgefallen ist, wissen die beiden noch nicht. Schon am 30. April beginnen die Aufnahmen.

Das Mischpult übernimmt Jerry Wexler, der laut eigener Aussage zuerst auf die Idee gekommen war, Knopfler für die Sessions zu engagieren. Außerdem berichtet der Produzent im Nachhinein, Dylan habe ihn während der Aufnahmen zum christlichen Glauben bekehren wollen. Wexlers Antwort an den Superstar: „Bob, du redest mit einem 62-jährigen jüdischen Atheisten. Lass uns einfach das Album aufnehmen.“

Bob Dylan im Rahmen der Gospel Tour 1980 zu Slow Train Coming – Pic: Jean-Luc Ourlin/Wiki Commons

Knopfler äußert indes Unbehagen gegenüber Dylans Manager Ed Bicknell: „Alle diese Songs handeln von Gott.“ Gleichzeitig zeigt sich der Meistergitarrist beeindruckt von der Professionalität des Songwriters. „Bob und ich sind die Stücke vor den Aufnahmen durchgegangen“, erinnert er sich in einem Interview. „Manche Stücke hörten sich ganz anders an, wenn er sie nur auf dem Klavier spielte. Ab und zu machte ich Vorschläge zum Tempo oder fragte, ob wir nicht eine zwölfsaitige Gitarre benutzen möchten.“



Die Zusammenarbeit der beiden Musiker trägt Früchte: Slow Train Coming erreicht Platz drei der US-amerikanischen Billboard-Charts, im Mai 1980 folgt die Platinauszeichnung. Für den Song Gotta Serve Somebody erhält Dylan außerdem den Grammy für die „Best Male Rock Vocal Performance“. Ex-Beatle John Lennon reagiert auf seine ganz eigene Weise auf das Stück und schreibt kurz vor seinem Tod die Antithese dazu: Serve Yourself.


Das könnte euch auch gefallen:

5 Wahrheiten über Mark Knopfler

15 der besten Gitarrenriffs aller Zeiten

Die musikalische DNA von Bob Dylan

Latest Music News

Don't Miss