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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.8.1969 veröffentlichen Santana ihr Debüt „Santana“.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.8.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Im 21. Jahrhundert nehmen wir lateinamerikanische Einflüsse in der Rockmusik nicht mehr als etwas Besonderes wahr. Ende der Sechziger sah das noch ganz anders aus. Zu jener Zeit kreist der Rock vor allem um seine Blues-Wurzeln — eine „Falle“, in die zu Beginn auch Gitarrenlegende Carlos Santana und seine Mitmusiker tappen. Erst mit ihrem Debüt Santana löst sich die gleichnamige Gruppe von den starren Regeln, erschafft ihren ganz eigenen Stil und etabliert den Latin Rock. Blicken wir auf das Album zurück.

Hier könnt ihr euch Santana anhören: 

Zu Beginn seiner musikalischen Karriere zeigt sich Carlos Santana alles andere als experimentierfreudig. Ganz im Gegenteil: Anfangs beschränkt sich der Gitarrenmeister laut eigener Aussage ausschließlich auf seine Blues-Vorbilder John Lee Hooker, Jimmy Reed und B.B. King. Darüber hinaus zeigt er kein großes Interesse, was sich auch im Namen seiner Band niederschlägt. So heißt seine Gruppe zunächst The Santana Blues Band, danach sogar schlicht Blues Band. Zum Repertoire zählen ausschweifende Improvisationen, die zum Beispiel auf Kompositionen von B.B. King basieren. Erst später verpassen sich die Musiker die Bezeichnung, unter der sie Geschichte schreiben sollen: Santana.

Durchbruch auf lokaler Ebene

Ihre ersten größeren Shows spielen sie im Juni 1968 im legendären Fillmore West in San Francisco, wo sie gleich viermal auftreten. Mit detailverliebten Jams und ihrer instrumentaler Virtuosität beeindrucken sie Veranstalter Bill Graham so sehr, dass er die Band von dort an regelmäßig bucht. Fast alle Konzerte sind ausverkauft. Santana nehmen Fahrt auf, zumindest in der Bay Area um San Francisco, wo die Demos der Gruppe nun auch im Radio gespielt werden. Ende 1968 folgt der Ritterschlag: Clive Davis, seines Zeichens Vorsitzender des Labels Columbia Records, nimmt die jungen Künstler unter Vertrag. Nur einen Monat später beginnen Santana die Arbeiten an ihrem gleichnamigen Debüt.

Zu jener Zeit besteht die Truppe aus Carlos Santana, Sänger und Organist Gregg Rolie, Schlagzeuger Doc Livingston, Bassist Dave Brown und Congaspieler Marcus Malone. Während der ersten Aufnahmen stellen die Musiker jedoch fest, dass der Vibe nicht stimmt, und beschließen, ein paar personelle Änderungen vorzunehmen. Livingston muss gehen, an seine Stelle tritt Michael Shrieve, der sich bereits intensiv mit Jazz und Rock beschäftigt hat. Malone verlässt die Band aus persönlichen Gründen. Für ihn kommt Michael Carabello, der von 1966 bis 1968 schon einmal Teil der Gruppe war. Außerdem bringt er einen Conga-Kollegen mit, dessen Einfluss die Band auf ein neues Niveau heben soll: José „Chepito“ Areas.

In seiner Heimat Nicaragua genießt der Percussionist bereits einen hervorragenden Ruf. Auch in San Francisco konnte er sich mit seiner Band The Aliens eine Fangemeinde erspielen, obwohl er zu jener Zeit lieber wieder nach Hause möchte. Als Santana ihn entdecken, zeigt er sich zunächst skeptisch und weiß nicht, ob er mit den Langhaarigen verkehren möchte. „Ich trug einen Anzug, und sie waren ein Haufen dreckiger Hippies“, berichtet er in einem Interview mit dem Herald de Paris. „Ich wusste nicht, was ich mit diesen Kerlen anfangen sollte. Sie schliefen im Golden Gate Park, hatten Löcher in ihren Hosen und Batik-Shirts an.“ Schließlich tritt er der Gruppe aber doch bei und entwickelt sich schnell zum musikalischen Leiter. Was Bill Graham bereits angeraten hatte, setzt Areas in die Tat um, und verschmelzt die lateinamerikanischen Rhythmen der Musiker mit ihren Rock-Kompositionen. Das Ergebnis: der legendäre Santana-Sound, der nicht nur das erste Album der Band, sondern gleich das Genre Latin Rock und damit die Musikwelt prägen soll.

Setzen mit ihrem Woodstock-Auftritt den Startschuss für ihre Karriere: Santana – Pic: Bill Eppridge/Getty Images

Auf nach Woodstock

Im Mai 1969 beginnen die zweiten Aufnahmesessions, die schließlich das vollständige Debüt hervorbringen. Noch bevor die Musiker das Album fertiggestellt haben, gelingt Bill Graham ein ganz besonderer Coup: Mitte 1969 steht das legendäre Woodstock-Festival vor der Tür, und Graham kann die Veranstalter davon überzeugen, Santana für das Ereignis zu buchen. Am 16. August spielt die Band für eine halbe Million Zuschauer — auf LSD. Das passiert aus Versehen, weil sich sich Santana und seine Kollegen in der Sicherheit wiegen, die Bühne erst in einigen Stunden betreten zu müssen, und ein paar Trips einschmeißen. Das klingt heute wild, hat zu jener Zeit aber den Stellenwert eines Prä-Show-Bierchens. Doch es kommt anders: Kurz nach dem Konsum stürmt ein Mitarbeiter des Festivals herbei und teilt mit, dass sie sofort auftreten müssen. Dennoch: Carlos Santana und seine Kollegen stellen ihre ganze Qualität unter Beweis und lassen sich kaum etwas anmerken.

Kurz nach dem denkwürdigen Auftritt erscheint Santana am 30. August 1969 – und schießt aus dem Stand durch die Decke, nicht zuletzt aufgrund der Woodstock-Performance. Es läuft also gut an für die Band. Als im März 1970 auch noch der Woodstock-Film inklusive des Santana-Songs Soul Sacrifice erscheint, brechen die Dämme. Die Gruppe ist in aller Munde, der neue Sound aus Kalifornien kommt hervorragend an. Bis heute geht Santana mehr als vier Millionen Mal über die Ladentheke.

Ein Gitarrenalbum für die Ewigkeit

Carlos Santana und seine Mitmusiker stellen mit ihrem Debüt eindrucksvoll unter Beweis, dass sie nicht nur wie ein perfekt funktionierendes Uhrwerk miteinander jammen können, sondern dass sie auch wissen, wie man Songs schreibt. Auffällig: Der Gitarrenmeister drängt sich zu keiner Sekunde in den Vordergrund. Immer wieder lässt er seinen Kollegen Luft für exzessive Soli, er selbst tritt nur in Erscheinung, wenn es erforderlich ist. 

Die Idee zum Cover entsteht unter dem Einfluss von Marihuana

Das Artwork zur Platte stammt von Lee Conklin, der die Musik des Künstlers bereits bestens kennt, ob von den Konzerten im Fillmore West oder aus dem Radio. Der Illustrator hatte bereits Poster für mehrere Shows von Bill Graham entworfen, also überrascht es nicht, dass der Veranstalter ihn auch für eine Santana-Show anfragt. „Inspiriert von einer Muse namens Mary Jane“ (also: Marihuana) erinnert er sich daran, dass er ein Buch mit Tierfotos besitzt, in dem unter anderem ein Bild von einem Löwen zu finden ist. Dieses nimmt er als Vorlage für seinen Entwurf, auf dem allerdings nicht nur der Löwenkopf, sondern auch zahlreiche Doppelbilder zu sehen sind. Als Santana sein erstes Album eingespielt hat, erinnert er sich wiederum an die Zeichnung und fordert für das Cover eine neue Version an. „Obwohl das Bild nicht von Santana selbst inspiriert war, müssen die Details und das Naturell der Zeichnung ihn und die Leute von der Plattenfirma beeindruckt haben“, stellt Conklin später in einem Interview fest.

Bis heute bleibt Santana eine wichtige Platte in der Musikgeschichte, denn das Album markiert die Etablierung des Latin Rock, eines Stils, der in den Folgejahren auch andere Gruppen prägen soll, wie zum Beispiel die Rolling Stones oder die Jimi Hendrix Experience. Der Rolling Stone zählt die Scheibe zu den 500 wichtigsten aller Zeiten, 2012 wird sie in die Grammy Hall Of Fame aufgenommen. Carlos Santanas Einfluss auf die Gitarrenwelt lässt sich kaum messen, Größen wie Kirk Hammett von Metallica nennen ihn als wichtige Inspiration. Nach Santana soll er noch mindestens 50 Jahre aktiv bleiben, dank Supernatural räumt er 1999 noch mal richtig ab, mit Africa Speaks erscheint 2019 sein 26. Album.

 

Zeitsprung: Ab 15.6.1999 räumt Santana mit „Supernatural“ richtig ab.

 

Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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Popkultur

„Give peace a chance“: Die stärksten Lieder gegen den Vietnamkrieg

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Vietnamkrieg
Foto: PhotoQuest/Getty Images

Vor genau 50 Jahren wurde in Paris ein Friedensvertrag unterzeichnet, der das langsame Ende des Vietnamkriegs einläuten sollte. Diese zehn Songs werden auf ewig an das sinnlose Gemetzel im Indopazifik erinnern.

von Björn Springorum

Bis März 1973 waren fast alle US-amerikanischen Truppen aus Vietnam abgezogen. Dennoch dauerte es noch bis 1975, bis auch die letzten Amerikaner das versehrte Land verlassen und ein grausamer, sinnloser, bestialischer Krieg langsam zu Ende geht. Die zehn Jahre davor waren in den USA beherrscht von immer lauteren und massiveren Protesten und Kundgebungen gegen den Krieg – der Aufstieg der Gegenkultur und ihrer unsterblichen Songs. Diese Lieder werden uns für immer an den Vietnamkrieg denken lassen. Und uns in Zukunft hoffentlich bessere Entscheidungen treffen lassen.

1. Barry McGuire – Eve Of Destruction (1965)

„The Eastern world, it is explodin’ – Violence flarin’, bullets loadin’ – You’re old enough to kill but not for votin’“ singt Barry McGuire 1965 im aufgewühlten Eve Of Destruction. Er findet klare Worte, was ihm prompt einen Bann vieler Radiosender einbringt. Der Erfolg des Songs kann davon nicht aufgehalten werden: Im September 1965 ist Eve Of Destruction an der Spitze der US-Charts angekommen.

2. Phil Ochs – I Ain’t Marching Anymore (1965)

Auch der texanische Protestsänger Phil Ochs versteckt sich nicht hinter Metaphern: In I Ain’t Marching Anymore (1965) rechnet er mit der blutigen Geschichte der Vereinigten Staaten ab und singt mit ernster Stimme: „It’s always the old to lead us to the wars – Always the young to fall – Now look at all we’ve won with the saber and the gun – Tell me, is it worth it all?“ Das kriegt Bob Dylan auch nicht besser hin.

3. Tom Paxton – Lyndon Johnson Told The Nation (1965)

Eine politische Folk-Moritat reiht sich ebenfalls 1965 von Tom Paxton ins Antikriegsgeschehen ein: Zu melancholischen Klängen erinnert er daran, dass Präsident Lyndon B. Johnson stets beteuerte, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen – im besten „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“-Style. „Lyndon Johnson told the nation – Have no fear of escalation – I am trying everyone to please – Though it isn’t really war – We’re sending fifty thousand more – To help save Vietnam from the Vietnamese“ singt er voller verzweifeltem Zynismus. Da muss man schon mal schlucken.

4. Joan Baez – Saigon Bride (1967)

1967 vertont Joan Baez ein Gedicht von Nina Duschek und macht mit fragiler Trauer auf die Sinnlosigkeit des Krieges aufmerksam: „How many dead men will it take – To build a dike that will not break? How many children must we kill – Before we make the waves stand still?“

5. Country Joe & The Fish – Feel Like I’m Fixin’ To Die (1967)

Einen ganz anderen Ansatz wählen Country Joe & the Fish in ihrem ikonischen Woodstock-Evergreen Feel Like I’m Fixin’ To Die. Beschwingte Hillbilly-Stimmung statt elegischer Wandergitarre, dazu ein aberwitziger, bizarrer, trotziger Text zum Mitträllern, der die Rekrutierungsmethoden der US-Armee aufs Korn nimmt: „And its 1, 2,3 what are we fighting for? Don’t ask me I don’t give a damn – The next stop is Vietnam – And it’s 5, 6, 7 open up the pearly gates – Well there ain’t no time to wonder why – WHOOPEE we’re all gonna die.“ Vielleicht der größte aller Anti-Vietnam-Songs.

6. Richie Havens – Handsome Johnny (1967)

Noch ein unvergessener Woodstock-Moment: Handsome Johnny von Richie Havens wird zu einem Meilenstein der Gegenkultur, zum Soundtrack eines Landes, das den Krieg immer weniger unterstützen kann.

7. Creedence Clearwater Revival – Fortunate Son (1969)

Fortunate Son ist nicht nur einer der besten Rock-Songs aller Zeiten. Sondern auch einer der wichtigsten: Geschrieben nach der Hochzeit von David Eisenhower und Julie Nixon handelt der Song von denen, die nicht in den Krieg müssen, weil sie mit einem Silberlöffel in der Hand geboren werden und dem Einzug durch Macht, Geld und Einfluss entgehen dürfen. Ein großer Moment.

8. John Lennon – Give Peace A Chance (1969)

Die überwältigende Anzahl der Protestsongs aus der Zeit des Vietnamkriegs kommt natürlich aus den USA. Mit Give Peace A Chance steuert aber auch John Lennon ein wichtiges Kapitel zum Antikriegskanon dieser Zeit bei. Aufgenommen in einem Take in Montreal, fünf Monate später von einer halben Million Kehlen bei einem Protestmarsch gesungen. Lennon hat auch als Engländer den richtigen Ton getroffen.

9. Edwin Starr – War (1970)

Edwin Starr bringt es 1970 mit Funk, Disco und Bläsern auf den Punk: „War, huh yeah – What is it good for? Absolutely nothing, oh hoh, oh.” Mehr muss man wirklich nicht dazu sagen. Außer vielleicht: ursprünglich wird der Song für The Temptations geschrieben, die ihn dann aber lieber doch nicht anfassen, um keine Fans zu verärgern. Glück für Edwin Starr: Die Nummer wird zu einer der erfolgreichsten des Jahres.

10. Jimmy Cliff – Vietnam (1969)

Auch die Reggae-Welt rechnet mit dem Krieg ab. 1969 veröffentlicht Jimmy Cliff das schlicht Vietnam betitelte Stück, nach Ansicht Bob Dylans „der beste Protestsong, der jemals geschrieben wurde“. Cliff erzählt in der ersten Strophe von einem Soldaten, der einen Brief nach Hause schickt – und in der zweiten von einem Telegramm, das den Tod des Soldaten übermittelt.

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Protest in zwei Minuten: Die erste The-Clash-Single „White Riot“

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Zeitsprung: Am 26.1.1973 veröffentlichen Deep Purple „Who Do We Think We Are“ – mit Folgen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.1.1973.

von Christof Leim

Who Do We Think We Are von Deep Purple wird am 26. Januar 1973 veröffentlicht. Zwar verkauft sich die Scheibe gut und liefert mit Woman From Tokyo sogar einen Hit, aber einfach kam das Album nicht zustande. Das verwundert kaum angesichts des Arbeitspensums der Band. Dass damals zudem zwei der fünf Musiker nicht miteinander reden, hilft natürlich auch nicht. Schlussendlich zerbricht das legendäre Mark-II-Line-up kurz nach der Veröffentlichung.

Hört euch das Album hier und lest die ganze Geschichte:

Vielleicht war einfach die Luft raus. Als Deep Purple im Sommer 1972 ihr siebtes Album angehen, haben sie gerade 18 Monate Tour hinter sich. „Irgendwann bekam jeder von uns ernsthafte gesundheitliche Probleme“, erinnert sich Ian Gillan. Eine Pause gibt es trotzdem nicht, und die Schuld dafür sucht der Sänger – wie so oft in der Rockgeschichte – beim Management: „Wenn das vernünftige Leute gewesen wären, hätten sie uns für drei Monate in den Urlaub geschickt. Stattdessen haben sie uns gedrängt, die Platte im Zeitplan abzuliefern.“

Immer weiter

Also verschanzen sich Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice im Studio, zunächst in Rom, später in Walldorf bei Frankfurt. Aufgenommen wird mit dem Rolling Stones Mobile, das die Band schon im unsterblichen Smoke On The Water besungen hatte. Als Toningenieur agiert Martin Birch, der später mit Rainbow, Black Sabbath und Iron Maiden zu weiterem Weltruhm gelangen sollte.

Das legendäre Mark-II-Line-up von Deep Purple: Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice.

Die Stimmung innerhalb der Truppe befindet sich schon vor den Aufnahmen an einem Tiefpunkt, wie Bassist Glover in einer Dokumentation der BBC beschreibt: „Ich glaube nicht, dass Ritchie und Ian in dem letzten Jahr dieser Besetzung ein Wort miteinander gesprochen haben. Sie wurden zu zwei entgegengesetzten Polen, die sich immer weiter angestachelt und voneinander entfernt haben.“ Deshalb spielen die Musiker ihre Parts sogar getrennt ein; die legendäre musikalische Interaktion von Deep-Purple-Konzerten kommt so natürlich nicht zustande. Blackmore wünscht sich außerdem, dass die Band ihre Blues-Wurzeln wiederentdeckt, angeblich deshalb, weil ihm die letzten Platten zu „poppig“ erscheinen. Das allerdings klingt angesichts der Rockmacht von Machine Head (1972) und Made In Japan (1973) doch sonderbar. Man könnte sogar anführen, dass Who Do We Think We Are „poppiger“ und gefälliger klingt.

Ladehemmung

Der einzige Track aus den Rom-Sessions im Sommer, der es auf das Album schafft, heißt Woman From Tokyo. Hier singt Gillian über die Erfahrungen der ersten Japan-Tour. Den Rest kann die Band erst nach einer erneuten Konzertreise durch Fernost aufnehmen. Dabei kommt die Kreativität nur langsam ins Rollen, schlussendlich enthält die Platte nicht mehr als sieben Songs. Einer davon, Mary Long, handelt von zwei bekannten britischen Persönlichkeiten: der erzkonservativen Aktivistin Mary Whitehouse und dem Sozialreformer Lord Longford. „Die beiden waren ständig mit erhobenem Zeigefinger unterwegs“, erläutert der Sänger später. „Es ging um die Standards der älteren Generation und die gängige Moral. Ich habe die beiden zu einer Person verschmolzen, um die Heuchelei der Zeit darzustellen“. Mit Place In Line findet sich sogar ein echtes Blues-Stück auf der Platte, ansonsten regiert der bekannte Stil des Mark-II-Lineups mit kompetenten Songs und souveränen Wechselspielen zwischen Orgel und Gitarre. Langlebige Hits produziert die Scheibe mit Ausnahme von Woman In Tokyo jedoch nicht.

Who Do We Think We Are erscheint am 26. Januar 1973. Als Titelinspiration dient negative Fanpost, die laut Drummer Ian Paice gerne mit der Frage beginnt: „Wer glauben Deep Purple eigentlich wer sie sind?“ Trotz aller Probleme erweist sich das Werk als Kassenschlager mit einer halben Millionen verkaufter Exemplare in den ersten drei Monaten, was sicher auch an den äußerst erfolgreichen Vorgängern liegt. Das reicht für Platz 15 in den US-Charts, Platz vier in Großbritannien und Platz drei in Deutschland. In den USA bringt im ganzen Jahr 1973 niemand mehr Alben unter die Leute als Deep Purple.

Doch es hilft alles nichts: Die anhaltenden Zwistigkeiten führen dazu, dass dieses Line-up schon am 29. Juni 1973 in Osaka sein letztes Konzert spielt. In einem Brief an die Kollegen verkündet Ian Gillan seinen Ausstieg, Roger Glover geht gleich mit. Erst 1984 kommt die Mark-II-Besetzung wieder für Perfect Strangers zusammen. Die Band engagiert nach Who Do We Think You Are den Trapeze-Bassisten Glenn Hughes und einen gänzlich unbekannten Sänger namens David Coverdale. Schon im Folgejahr erscheinen die Alben Burn und Stormbringer. Aber das ist eine andere Geschichte…

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Zeitsprung: Am 25.1.1975 gibt es Ärger zwischen Deep Purple und AC/DC.

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