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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.8.1964 veröffentlichen The Kinks „You Really Got Me“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Wer kann schon von sich behaupten, aus Versehen den Heavy Metal erfunden zu haben? The Kinks, natürlich. You Really Got Me erscheint am 4. August 1964 und beeinflusst bis heute so viele Genres wie kaum ein anderer Song. Wie es dazu kam und was die Beatles damit zu tun haben, schauen wir uns im heutigen Zeitsprung an.

Hört euch hier das ganze Album mit You Really Got Me an: 

Der Auftrag der Plattenfirma Pye Records an Kinks-Sänger Ray Davies lautet, Beatles-nahe Songs schreiben, um den Höhepunkt der „British Invasion“ voll auszunutzen. Als er sich im März 1964 ans heimische Klavier setzt, passiert jedoch etwas, dass weitaus mehr an Rhythm & Blues als an Twist and Shout erinnert. You Really Got Me gehört zu den ersten fünf Songs, die der Londoner je schreibt, doch als Bruder und Gitarrist Dave Davies die Pianoidee spontan auf seinen Sechssaiter versetzt, beginnt der Sound seine Entwicklung. Der ursprüngliche Tribut an Blues-Größen wie Lead Belly, Big Bill Broonzy und Jazzkomponist Gerry Mulligan inspiriert später Genres wie Heavy Metal, Punk und Garage Rock.

Inhaltlich weist You Really Got Me durchaus parallelen zu Themen der „Fab 4“ auf: Die Davies-Brüder pochen darauf, ein „Liebeslied für Straßenkids“ geschrieben zu haben, in dem sie eine Begegnung mit einem weiblichen Fan beschreiben. Klartext: Hier geht’s um Sex, und der gehört spätestens seit den Beatles zum guten Ton für jede Rock ’n’ Roll-Truppe.

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Dass die Akkorde, auf denen das Lied basiert, bis heute unverkennbar bleiben, hat laut Musikwissenschaftlern einen einfachen Grund: Es ist der erste große Hit, der mit Power-Chords aufwartet, also Gitarrenakkorden nur aus Grundton und Quinte, die damit weder Dur- noch Moll-Charakter aufweisen. Ohne solche Akkorde gehen Headbanger nicht aus dem Haus, so ziemlich jeder Metal-Song basiert darauf. Den Einfluss auf den Heavy Metal sieht Dave Davies anders: „Ich mochte diesen Begriff nie, ‚Heavy Metal‘. Bei aller Bescheidenheit denke ich, dass es der erste Rock-Song mit einem heavy Gitarrenriff war.“

Dieser innovative Stil will jedoch auch technisch umgesetzt werden. Bassist Pete Quaife darf auf die Aufnahme, Schlagzeuger Mick Avory verbannt man jedoch ans Tamburin. Stattdessen übernimmt Studiomusiker Bobby Graham die Drums, Arthur Greenslade übernimmt am Piano.

Produzent Shel Talmy hält die Band nicht zurück, was die Härte des Sounds und des Inhalts angeht. Zunächst entsteht dadurch eine Version, die sogar die Band selbst als zu unflätig und wenig kommerziell bezeichnet, und das will etwas heißen. Version II kommt immer noch provokant, aber verträglicher daher und schafft es schließlich in die Vinyl-Pressen. Das Ergebnis ist eine explosive Single, auf der man der Band den Spaß deutlich anhört. 

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Kritiker, die You Really Got Me vor Veröffentlichung zu hören bekommen, attestieren dem Song großes Hit-Potenzial und sollen Recht behalten. Die dritte Single der Band geht am 4. August 1964 an die Öffentlichkeit und erklimmt schon Tage später die Charts, schafft im Vereinigten Königreich als erster Kinks-Tonträger den Sprung auf Platz eins. Pye Records kommt mit dem Pressen der Vinyls kaum hinterher, dank der hohen Nachfrage zieht die Plattenfirma gar den USA-Release vor. Dort belegt die Scheibe im September 1964 Platz sieben der Billboard-Charts.

Ähnlich der Beatles sollen die Kinks den Song zwecks der damals üblichen Lokalisierung in weiteren Sprachen aufnehmen, beispielsweise auf Spanisch, Japanisch und natürlich Deutsch. Dazu kommt es zwar nie, doch das tut der internationalen Beliebtheit von You Really Got Me keinen Abbruch.

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Für den Rolling Stone rangiert You Really Got Me auf #82 der 500 besten Songs aller Zeiten, 1999 wird er in die Grammy Hall Of Fame aufgenommen und taucht auch sonst in unzähligen Listings auf. Für die Gebrüder Davies begründet er eine Karriere, die mittlerweile über ein halbes Jahrhundert andauert.

Gerade unter Musikerkollegen jedoch erlangen die zweieinhalb Minuten Kultstatus: Tom Petty und Johnny Rotten beziehen sich später auf den Track, für Jimi Hendrix bleibt er ein Meilenstein. Van Halen verdanken den Kinks gar ihren Karrierestart, gehen sie 1978 doch mit einem Cover von You Really Got Me als Single ihres bahnbrechenden Debüts an den Start, das ihnen eine ansehnliche 36 in den US-Charts einbringt. Die Davies-Brüder haben dafür allerdings nur weniger feine Sprüche übrig. 

Die musikalische DNA von The Kinks

Vor allem aber beeinflusst der Song laut Pete Townshend die frühen Werke von The Who, die zufällig auch von Talmy produziert werden. Deren Härte wiederum provoziert die Beatles dazu, Helter Skelter zu schreiben. So schließt sich der Kreis, und die Kinks müssen sich wohl oder übel damit zurechtfinden, den Heavy Metal ins Rollen gebracht zu haben.

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