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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.7.1984 erscheint das zweite Dio-Album „The Last In Line“

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Dio Last In Line

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.7.1984.

von Christof Leim

Am 2. Juli 1984 veröffentlicht Ronnie James Dio das zweite Album seiner Solokarriere. The Last In Line schlägt in die gleiche Kerbe wie der fulminante Einstand Holy Diver, zeigt aber bereits dezente Änderungen im Sound. Immerhin: Ordentlich Riffs und Regenbögen gibt’s immer noch.

Zur Lektüre könnt ihr euch hier die Deluxe-Version der Platte anhören:

Er hat gut vorgelegt, keine Frage: 1983 veröffentlicht Meistersänger Ronnie James Dio mit Holy Diver sein erstes Album unter eigenem Namen und startet damit nach Erfolgen mit Rainbow und Black Sabbath eine Solokarriere. Das Debüt darf – ach was: muss – man heutzutage als unsterblichen Metal-Klassiker bezeichnen. (Ehrlich jetzt: Das Ding gehört in jede Sammlung. Und wer Gitarre spielt, muss das Holy-Diver-Riff draufhaben. So will es das Gesetz.)

Hochkarätige Besetzung

Mit dabei in der ersten Inkarnation der Dio-Band: Black-Sabbath-Kollege Vinny Appice am Schlagzeug, der alte Rainbow-Kollege Jimmy Bain am Bass und ein blutjunger Flitzefinger aus Belfast namens Vivian Campbell. Der hatte vorher bei den NWoBHM-Untergrundlern Sweet Savage gespielt (unter Metalheads hauptsächlich bekannt wegen des Metallica-Covers von Killing Time), später bei Whitesnake, heute gehört er zu Def Leppard.

Dio

Mit dem Erfolg des Erstlings im Rücken macht sich diese Mannschaft an die Arbeit zum Nachfolger, zum ersten Mal verstärkt durch einen Keyboarder: Claude Schnell von Rough Cutt. Diesmal kann Campbell mehr Material beisteuern als beim Debüt, viele Stücke entstehen als Kooperation der ganzen Band (minus Schnell), zwei der neun Nummern schreibt Dio alleine. Die Texte stammen ebenfalls vom Meister selbst, und natürlich geht’s wieder um Dämonen, Regenbogen, Gut gegen Böse, die Nacht und so weiter – das ganze gute Zeug eben, das große Teile des klassischen Metal gleichermaßen kitschig wie großartig sein lässt. Man weiß nur nie so recht, ob die Pommesgabel reicht oder man demnächst einen Ring in ein Feuer werfen muss.

Flirt mit dem Pop-Metal

Viel der neuen Platte ist aus ähnlichem Holz geschnitzt wie Holy Diver, die Dio-Band führt ihren bewährten Stil weiter. Das heißt: Griffige Songs zwischen Hard Rock und Heavy Metal, mit Riffs galore, brillanten Soli und noch brillanterem Gesang. Insgesamt fällt The Last In Line allerdings ein Quäntchen weniger rau aus, was vor allem am Sound liegt. Den verantwortet erneut Ronnie selbst, der als Produzent agiert. Man kann sagen: Dio flirten hier schon ein bisschen mit dem Pop-Metal, der die Mittachtziger dominiert; auf den Nachfolgern Sacred Heart (1985) und Dream Evil (1987) gehen sie noch weiter.

Die Scheibe eröffnet mit We Rock, einem klassischen Achtziger-Metal-Track mit schnellen Riffs und Fäusteschwinger-Refrain, der schnell zum Fixpunkt der Setlist wird. Im Titelstück The Last In Line geht es episch zu dank cleaner Gitarren am Anfang, dramatischen Melodien vom Meister, auf die stampfende Verse und ein Chorus folgen, zu dem man als Metal-Fan die Faust einfach ballen muss. Es geht ja schließlich um etwas: Sind wir böse oder göttlich, „evil“ or „divine“? Was philosophische Fragen anbelangt, geht unser Dio für weniger gar nicht aus dem Haus. Der Song wird in Europa als dritte Single veröffentlicht, 30 Jahre später erhalten Tenacious D für ihre Coverversion sogar einen Grammy.

Platin und Radio-Hits

Ansonsten gibt es knackige Rocker wie Breathless, One Night In The City und Eat Your Heart Out, die allerdings nicht zwangsläufig auf jede Dio-Best-Of gehören. Das gleiche gilt für die flotten Headbanger I Speed At Night und Evil Eyes. Mit Mystery hat das Quintett sogar eine regelrecht poppige Nummer am Start, die trotzdem oder deshalb zur Single erkoren wird und sich auf MTV nicht schlecht schlägt. Für ein ordentlich im Shuffle stampfendes Epos (man denke an: Heaven & Hell) ist Ronnie James natürlich immer zu haben, deshalb endet die Platte mit dem Sieben-Minuten-Brecher Egypt (The Chains Are On), einem Album-Höhepunkt.

Das kommt an: Für The Last In Line erhalten Dio schon nach zwei Monaten eine Goldauszeichnung in den USA dank einer halben Millionen verkaufter Platten, knapp drei Jahre später gibt es Platin. Die Chartplatzierungen können sich sehen lassen: Platz 23 in den Vereinigten Staaten und Deutschland, sogar Rang 4 in Großbritannien. Alle drei Singles (Mystery, We Rock und The Last In Line) werden zu Hits im Rockradio. Damit hat Ronnie James Dio seine Soloband nachdrücklich etabliert. Die Truppe tourt ausführlich, Liveaufnahmen erscheinen im Konzertvideo A Special From The Spectrum von 1984 und 2012 auf der Deluxe-Version der Platte.

Heutzutage klingt The Last In Line weniger zeitlos als das vermutlich geplant war, also schon ziemlich deutlich nach den Mittachtzigern, gehört aber sicher zum Kanon der geschichtsträchtigen Metal-Werke. Dem zollen 2012 die damaligen Mitstreiter Campbell, Appice und Bain (verstorben 2016) Tribut, indem sie ihre neue Band Last In Line nennen und so den Geist der frühen Dio-Band trotz des Todes ihres Namensgebers (2010) weiterleben lassen.

Dio Last In Line


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