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Popkultur

Rock’n’Roll fernmündlich: Def Leppard im Interview zur Entstehung von „Diamond Star Halos“

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Def Leppard

Rock’n’Roll fernmündlich: Bei der Aufnahme ihres neuen Albums Diamond Star Halos befanden sich die Mitglieder von Def Leppard in drei verschiedenen Ländern, und zwar von Anfang bis Ende. Technisch kein Problem, und mehr Zeit für Spaß & Familie bringt das auch. Dann kann es aber auch passieren, dass man Texte schreiben muss, während man vor der Schule auf den Nachwuchs wartet. Dem Album schadet das kein bisschen, und auch die fünf Musiker freuen sich über die Freiheiten der volldigitalen, zeitlich und räumlich freien Arbeitsweise. uDiscover traf eine entspannte Band in London.

von Christof Leim

Hier könnt ihr Diamond Star Halos hören:

„Hilft ja nix.“ Das könnten sich Def Leppard vor zwei Jahren gedacht haben, als sie sich eigentlich zur Arbeit an einem neuen Album treffen wollten, aber wegen ihr-wisst-schon-was nicht durften. Weil die fünf Hard-Rock-Helden heutzutage in drei verschiedenen Ländern wohnen (England, Irland, USA), fielen gemeinsame Sessions im Dubliner Studio von Sänger Joe Elliott aus. Dabei wurde es bei der notorisch langsam arbeitenden Truppe so langsam echt wieder Zeit für neue Musik – alle sieben Jahre kann man schon mal machen. Aber nicht nur freuen sich die Fans über frischen Stoff, die Musiker selbst schreiben nach eigenen Aussagen immer an neuem Material, „weil es nun mal das ist, was wir machen“, wie Elliott mehrfach unterstreicht. Kurz: Die Lieder im Kopf müssen raus, auch nach mehr als 40 Jahren im Geschäft.

Klingt, wie es soll

Also beschließt die Band im Frühjahr 2020, ein Album „fernmündlich“ zu komponieren und sogar aufzunehmen. Kein einziges Mal befinden die Musiker bei der folgenden Produktion gemeinsam in einem Raum. Das ist keinesfalls neu, weder für Def Leppard noch für Rockbands überhaupt: Die wenigsten Platten werden gemeinsam live eingespielt, die Spuren entstehen üblicherweise einzeln nacheinander und werden dann zum fertigen Song zusammengesetzt. Hin- und Herschickerei von Sounddateien gehört heute zum alltäglichen Handwerkszeug, viele Alben werden über das Internet zusammengestöpselt – und manchmal, nicht immer, klingen sie auch so, nämlich korrekt, aber steril, fertig, aber schablonenhaft.

Das kann man von Diamond Star Halos nicht behaupten. In den 15 Songs der nach einer Zeile aus dem T.-Rex-Song Bang a Gong (Get It On) benannten Scheibe pflegen Def Leppard ihre typische kompositorische Handschrift. Das heißt, sie tummeln sich zwischen gepflegtem Hard Rock, Schmachtballaderei, bisschen Piano, minimal Country und generell gefälligen, hervorragend gemachten Pop-Rock-Songs, die mitunter ein bisschen brauchen bis zur Entfaltung. Das alles kann man je nach persönlichem musikalischen Nullmeridian als zeitlos oder aus der Zeit gefallen bezeichnen.

Ab jetzt immer von daheim

Im Rückblick freuen sich die fünf Briten über ihren neuen Modus Operandi und wollen das nie wieder anders machen – keine Deadlines, mehr Zeit für die Familie, und jeden Morgen neue Musik im Postfach von den Kollegen von der anderen Seite des Atlantiks. Da sind sich sowohl Joe Elliott als auch die beiden Gitarristen Phil Collen und Vivian Campbell einig, als sie im Frühjahr 2022 in London von ihrem neuen Werk erzählen.

Beim Gespräch erweist sich Joe Elliott – mittlerweile mit weißen halblangen Haaren und Lennon-Brille – als eloquenter Botschafter seiner Band, der zu jedem Stichwort immer professionell eine Geschichte raushauen kann. Phil Collen, der 64-Jährige mit der Chippendale-Figur, wegen der er öfter mal sein Hemd „vergisst“, erweist sich als herzlicher, bestens gelaunter Mensch, der offensichtlich seinen Job immer noch liebt und gerne ausführlich davon erzählt. Deshalb kommt Vivian Campbell, der „Neue“ in der Band mit erst knapp über 30 Dienstjahren, eher selten zu Wort und hält sich entspannt zurück.

Ihr habt eure Beiträge zur neuen Platte alle bei euch zu Hause aufgenommen. Bedauert ihr, früher monatelang weit weg in Studios rumgehangen zu haben?

Phil: Ein bisschen. Sich für länger in einem Studio zu verschanzen, kostet einfach so viel Energie und Zeit. Diesmal hatten wir mehr Energie für uns selber. Wir konnten alle noch andere Sachen machen, die wir normalerweise nicht hätten tun können. Ich habe einen dreijährigen Sohn, Vivian ist Autorennen gefahren, solche Dinge. Das fand ich viel inspirierender und auch entspannter. Man musste auch nicht darauf warten, dass ein anderer im Studio mit seinem Part fertig wird. Es gab bei dieser Arbeitsweise einfach viel weniger Druck.


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Joe: Dieses Album hätte mit der herkömmlichen Arbeitsweise definitiv weniger Spaß gebracht. Ich würde das immer wieder so machen! Wir hatten viel mehr Freiheiten. Insgesamt hat jeder so zehn oder zwölf Stunden die Woche an der Platte gearbeitet, würde ich schätzen, ansonsten mussten wir uns um den Rest des Lebens kümmern. Die Kids waren ja meistens zu Hause während der Lockdown-Zeit. Und später dann habe ich zum Beispiel Texte im Auto geschrieben, während ich vor der Schule gewartet habe. Die neuen Lieder liefen dann auf dem Handy, gleichzeitig blätterte ich durch mein Notizbuch mit gesammelten Versen und probierte aus. Wenn meine drei Kinder nachmittags im Garten spielten, habe ich die Ideen dann auf meinem Laptop aufgenommen. Ich will nicht blasiert klingen, aber das fiel mir echt nicht schwer. Die Ideen waren ja da, sie mussten nur organisiert werden. Eine sehr erfreuliche Erfahrung. Zumal wir auch keinerlei Zeitbeschränkung oder Deadlines hatten, einen keinen Abgabetermin, keine Plattenfirma, nichts – nur unser eigenes Bedürfnis, Musik zu machen. Wir schreiben quasi immer, und nicht notwendigerweise für Def Leppard.

Als Rock’n’Roll-Band versucht man meist, große Emotionen rüberzubringen und für einen gewissen Eskapismus zu sorgen. Man denkt gewissermaßen „groß“. Als Eltern in der Gegend rumzufahren, um die Thronfolger einzusammeln, und dabei womöglich noch rumzuwarten – das ist normales Tagesprogramm und quasi „klein“. Wie passt das zusammen? Wie passt die große Rocksause in den Alltag?

Joe: Das ist eine Herausforderung, aber keine riesige. Viele Leute haben womöglich eine Vision von Songwritern im Kopf, wie sie an einer viktorianischen Tafel sitzen mit Tintenfass, Federkiel und Kerzen wie im Schloss von Dracula. Weil man das eben zur Inspiration braucht. Alles Bullshit, zumindest für mich. Wenn meine Kollegen mir ein neues Lied zugeschickt hatten und eine Gesangsstimme brauchten, musste ich den Job eben erledigen. Fertig. Dabei spielte keine Rolle, wo ich mich befinde, sondern was mir im Kopf herumgeht. Ich habe Texte an meinem Schreibtisch geschrieben, im Bett, in einem Flugzeug, überall.

Also empfandet ihr das Ganze nicht als umständlicher oder weniger produktiv? Mehr Vorteile als Nachteile?

Joe: Es gab keine Nachteile! Das geht alles heutzutage ja alles technisch einfach. Bei unseren ersten Platten waren wir alle Single, kinderlos und konnten ohne Probleme auf irgendwelchen Sofas schlafen, um rund um die Ohr im Studio zu arbeiten zu können. Heutzutage muss man das gar nicht mehr, und das Ergebnis klingt trotzdem nicht künstlich oder unzusammenhängend. Aber ich hatte auch noch Glück: Unser Gitarrentechniker Dave Wolffe strandete bei mir – und erwies sich als das beste Kindermädchen, das wir je hatten! (lacht) Das gab mir die Zeit, mich mit der Musik zu beschäftigen.

Heute haben wir halt alle Familien und versuchen das Leben zu Hause möglichst normal zu gestalten, wenn man das denn so nennen will. Denn üblicherweise gibt es sechs Wochen Pause zwischen zwei Tourabschnitten, von denen ist man aber noch eine Woche im Jetlag, und eine weitere Woche vor Abreise bereitet man sich dann wieder vor. Bleiben vier Wochen dazwischen. Und in der Zeit muss man dann noch aufpassen, nichts Blödes anzustellen – sich die Stimme zu ruinieren oder beim Apfelschälen in die Finger zu schneiden (lacht).

Wie habt ihr denn „fernmündlich“ ein Album geschrieben? Hattet ihr einen gewaltigen Cloud-Speicher irgendwo, in den jeder Sounddateien reinschieben konnte?

Phil: Genau. Wir hatten ein System namens Bounce Boss, in dem man Files austauschen und kommentieren kann. Was wir zu Hause aufgenommen haben, ging so an unseren Produzenten und Toningenieur Ronan McHugh, und der sorgte dann dafür, dass es großartig klingt. Das machte die Aufnahmen sehr entspannt, eine Deadline gab es nicht, es ging nur ums Songwriting. Und wir haben nicht mal per se für ein Def-Leppard-Album komponiert.

Habt ihr alle Material beigesteuert?

Vivian: Ich habe diesmal keine Songs geschrieben. Als mir klar wurde, dass wir jetzt tatsächlich eine Platte machen, musste ich erst erstmal aufholen und mit der Technik klarkommen, die die anderen benutzen. Ich habe mir die Ausrüstung gekauft und die passende Software runtergeladen – und dann stand ich da. Ich musste den Produzenten anrufen und fragen, wie ich da was Vernünftiges rauskriege (lacht). Kurzum: Ich habe an der Platte zwar nicht mitgeschrieben, aber gespielt und gesungen.

Waren die anderen Jungs zu schnell?

Vivian: Ja, die haben echt Gas gegeben. Ursprünglich sollten wir 2020 ja auch auf US-Stadiontour gehen mit Mötley Crüe, Poison und Joan Jett. Als die abgesagt wurde, schickte Joe eine E-Mail: ‚Hey, lasst uns ein Album machen!‘ – und dann ist alles explodiert.

Warum bringt ihr überhaupt noch eine neue Platte raus? Ihr könntet wie Kiss bis zur Rente mit den Hits auf Tour gehen.

Joe: Weil wir den Kopf vollhaben mit Songs. Das ist nun mal, was wir tun – Lieder schreiben. Was anderes kennen wir gar nicht. Ich sehe keinen Sinn darin, ein Künstler sein zu wollen, wenn man seine Karriere nicht weiterbringt und sich nur mit den gleichen Songs im Kreis dreht. Zu wem das passt – bitte schön. Wenn Kiss keine neue Musik rausbringen wollen, dann sollen sie das so machen. Manche Bands dürfen oder können das auch gar nicht mehr. Wir können! Seit dem letzten Def-Leppard-Album habe ich neun Songs für meine Zweitband Down’n’Outz geschrieben, Phil bastelt ständig an Material für Man Raze oder Delta Deep, Viv hat ein Album mit Last In Line rausgebracht. Wir sind schon ziemlich produktiv. Ich habe diesmal sogar zwei Songs auf dem Piano geschrieben, und Phil spielt Ukulele.

Aber ihr „müsst“ natürlich kein neues Album mehr machen. Befindet ihr euch also in einer sehr komfortablen Ehrenrunde?

Joe: Ohne die Platte – ja. Aber jetzt gehen wir mit einem neuen Album im Gepäck auf Tour, wie früher auch. Wir werden einige dieser Stücke diesen Sommer in den USA live spielen, und nächsten Sommer dann in Europa. Das ist keine Ehrenrunde, das ist die nächste Station unserer Karriere, und die dauert hoffentlich so lange, wie wir das wollen. Wenn die Stones und The Who 55 beziehungsweise 57 Jahre als Bands existieren, dann haben wir mit unseren 45 ja noch zehn oder zwölf Jahre Zeit. Das ist länger als die Beatles überhaupt zusammen waren!

Apropos Historie: Könnt ihr euch eigentlich noch an eure erste Show in Deutschland erinnern? Die fand statt am 10. Juni 1981 in der Essener Grugahalle als Vorgruppe für Ritchie Blackmore & Rainbow.

Joe: Ja, kann ich, und sie war ein absolutes Desaster! (lacht) Noch in der Nacht davor stand ich im Studio, um die letzten Spuren für unser Album High & Dry einzusingen, während der Rest der Band schon mit der Fähre aufs Festland übersetzte. Ich bin dann schnell nach Hause, habe in aller Eile gepackt und bin zum Hafen gerast. Eine halbe Stunde vor unserer Show kam ich in Essen an und habe die Jungs angefleht, mit unserem alten Stück Switch 625 anzufangen – weil es ein Instrumental ist. Alle neuen Songs hatten wir wegen der Albumaufnahmen nicht vernünftig für den Liveeinsatz proben können, und entsprechend klangen wir auch. Fürchterlich! Wir wurden von der Presse komplett zerrissen, völlig zu Recht. Aber wir wurden dann besser… (lacht)

Offensichtlich, denn nach Deutschland seid ihr trotz dieser Pleite regelmäßig zurückgekehrt.

Joe: Ja! Im Dezember 1983 zum Beispiel haben wir auf einem sehr coolen Festival in den Dortmunder Westfalenhallen gespielt, „Rock Pop In Concert“ hieß das. Da waren sie alle dabei: Iron Maiden, Ozzy Osbourne, die Scorpions, Judas Priest. Das Ganze wurde sogar im TV übertragen, und wir haben ein grandioses Konzert abgeliefert. Aber mehr noch erinnere ich mich an ein Fußballspiel gegen Iron Maiden am gleichen Tag, bei dem sie drei unserer Torhüter ins Krankenhaus befördert haben! Aber wir sind schon ewig mit den Jungs befreundet und haben uns später der Bar großartig amüsiert.

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Zeitsprung: Am 7.1.1979 brüllen Def Leppard auf ihrer ersten EP.

Popkultur

Eine ahnungslose Gospelband, ein Blitzlogo und ein Besuch von Bruce Springsteen: 3 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Elvis stammen können

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Elvis Presley
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Seit inzwischen 45 Jahren müssen wir ohne Elvis Presley auskommen. Am 16. August 1977 verstarb der „King“ im Alter von nur 42 Jahren. Doch bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten um den ersten aller Rockstars. Drei davon haben wir für euch aufgeschrieben — darunter auch ein ungebetener Besuch vom „Boss“.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack zum Biopic Elvis von Regisseur Baz Luhrmann anhören:

1. Mit 19 wurde Elvis von einer Gospelgruppe abgelehnt.

Genau wie die Beatles einmal legendär abgelehnt wurden, musste auch der „King Of Rock’n’Roll“ zu Beginn seiner Laufbahn mit allerhand Zurückweisung zurechtkommen. So attestierte ihm sein Musiklehrer in der Schule zum Beispiel, dass Elvis nicht besonders gesangsbegabt sei. So kann man sich täuschen. Im Alter von 19 Jahren bewarb sich Elvis Presley außerdem bei den Songfellows, einem Ableger der deutlich berühmteren Gospelgruppe The Blackwood Brothers. Doch die Band lehnte ihn ab. Als wenig später ein Platz bei den Songfellows frei wurde, weil eines der Mitglieder zu den Blackwood Brothers wechselte, sollte der „King“ noch eine Chance bekommen. Zu jener Zeit hatte Elvis allerdings schon einen Plattenvertrag mit Sun Records((LINK)) unterschrieben. Der Rest ist Geschichte.

2. Ein Gewitter während eines Flugs nach Memphis lieferte die Inspiration für das legendäre TCB-Logo — oder doch nicht?

Wie genau das ikonische TCB-Logo [kurz für: „Taking Care of Business“] entstand, das sich Elvis als Halskette für seine Band wünschte, daran scheiden sich bis heute die Geister. Eine weit verbreitete Theorie lautet, dass Elvis ein so großer Fan von Captain Marvel Jr. war, dass er nicht nur dessen Optik imitierte, sondern auch den Blitz vom Cape des Comic-Superhelden übernahm. Eine andere Meinung vertritt Elvis’ Cousin Billy Smith, der sich sicher ist, dass Elvis den Blitz aufgrund seiner Zeit bei der US Army verwendete. „Es war das Abzeichen seines Bataillons“, gibt Smith in einem Interview zu Protokoll. Das stimmt, wie ihr hier sehen könnt. Wiederum anderer Meinung ist Elvis’ Ex-Frau Priscilla, die kürzlich in einem Interview mit der Vogue erzählte: „Die TCB-Halskette habe ich entworfen. Wir saßen in einem Flugzeug nach Memphis und er [Elvis] sagte zu mir, dass er sich ein Schmuckstück wünscht, das nur für seine Jungs entworfen wurde, also für TCB. Während des Flugs fing es an zu regnen und am Himmel war ein Blitz zu sehen. Ich habe mir den Blitz angeschaut, ihn aufgemalt und die Buchstaben TBC darüber gesetzt. Dann habe ich ihn gefragt, ob es das ist, was er meint. Und er sagte: ‚Oh Gott, das ist es.‘ Wer hätte ahnen können, dass dieses Symbol einmal so bekannt werden würde? Ich werde mich ewig darüber ärgern, dass ich kein Patent darauf habe.“ Wie genau das Logo entstanden ist, wird also wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wir Fans dürfen uns immerhin über gleich drei unterschiedliche Geschichten dazu freuen.

3. Am 29. April 1976 bekam der „King“ Besuch vom „Boss“. Zumindest fast.

Fans tun manchmal die verrücktesten Dinge, um ihren Stars ein wenig näher zu kommen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn die Fans selbst Superstars sind. Im April 1976 war Bruce Springsteen schon längst in der Rock’n’Roll-Champions-League angekommen, allerspätestens mit seinem dritten Album Born To Run (1975) und der dazugehörigen Tour. Dennoch ist der „Boss“ auch selbst noch Fan und geht in der Nacht vom 29. April 1976 einen kliiitzekleinen Schritt zu weit, um seinen großen Helden Elvis Presley kennenzulernen. Statt einen Termin mit dem „King“ auszumachen, entscheidet sich Springsteen nämlich für einen anderen Weg: Gegen drei Uhr morgens erklimmt er die Mauer von Elvis’ Anwesen Graceland, nimmt die Beine in die Hand und rennt mit Vollgas auf das Haus seines Idols zu. Dort brennt sogar noch Licht, doch bis zur Tür kommt der „Boss“ gar nicht. Einer von Elvis’ Wachmännern ringt den jungen Musiker nieder und geleitet ihn vom Gelände. „Ich bin auch berühmt!“, lässt Springsteen den Wachhabenden wissen. Der wiederum erklärt dem begeisterten Fan, dass Elvis gar nicht zu Hause sei, sondern am Lake Tahoe verweile. Dumm gelaufen. Gut ein Jahr später stirbt Elvis; Springsteen lernt er vorher nicht mehr kennen. Doch wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass der „Boss“ dem „King“ schon vor seiner Einbruchsaktion auf dem Cover von Born To Run die Ehre erwies:

the king cover

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„Moody Blue“: Elvis Presleys allerletztes Studioalbum wird 45

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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.8.1994 gedenkt Neil Young Kurt Cobain.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.8.1994.

von Thilo Hornschild und Christof Leim

Es muss ein beklemmendes Gefühl sein, in einem Abschiedsbrief zitiert zu werden. Vor allem, wenn ihn Kurt Cobain geschrieben hat, die wohl wichtigste amerikanische Pop-Ikone der Neunziger. Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber von Nirvana nimmt sich am 5. April 1994 das Leben – und fügt seiner letzten Botschaft eine Zeile aus Neil Youngs Stück Hey Hey, My My hinzu: „It’s better to burn out than to fade away“. Dieses tragische Ereignis fällt zeitlich in die Produktion von Youngs zwanzigstem Album Sleeps With Angels und beeinflusst den Kurs der Platte maßgeblich.

Hier könnt ihr euch Sleeps With Angels anhören:

 

Musikalisch gerät das Werk recht vielseitig: Vom ätherischen Jam bis zum One-Chord-Rocker zelebriert Young eine klassische Crazy-Horse-Platte. Nebenbei spielt er hier übrigens zum ersten und einzigen Mal Blockflöte. Thematisch fasst er sich allerdings enger, es geht immer wieder um Tod, Selbstmord und Waffen. Interessanterweise lebt Cobain bei der Entstehung der meisten Stücke noch.

Neil Young Anfang der Neunziger – Foto: Greg Allen

Dann erreicht Young die Schocknachricht: „Als er gestorben ist und diesen Brief hinterlassen hat“, berichtet der damals 49-jährige Musiker, „hat mich das tief berührt.“ Tatsächlich stand die Albumproduktion schon kurz vor dem Abschluss, doch dann fliegt Young – während eines Prominenten-Golfturniers – ein Song zu, mit dem er Cobains unzeitiges Ableben zu verarbeiten versucht. Er notiert ihn auf einem Streichholzheftchen: 

He wasn’t worried / At least he wasn’t alone (too late)

He sleeps with angels (too soon) / He’s always on someone’s mind

He sleeps with angels (too late) / He sleeps with angels (too soon)

Am 25. April 1994 nimmt Young den Song in den Complex Studios in Hollywood auf. In typischer Crazy-Horse-Manier entsteht ein wüster Jam von 21 Minuten Länge, der schlussendlich auf 2:44 Min heruntergebrochen und zum Titeltrack des Albums erkoren wird.

Natürlich konnte der kanadische Rocker nicht übersehen, dass mit Cobain etwas nicht stimmte. Neben der öffentlichen Drogensucht, chronischen Magenschmerzen, einem rigiden Tourplan und einer ziemlich exzentrischen Gattin litt der Nirvana-Kopf unter schweren Depressionen, die Songtiteln wie I Hate Myself And I Want To Die eine erschreckende Note verleihen. Wie Young in seiner Autobiografie Waging Heavy Peace verrät, hatte er versucht, Cobain eine andere Perspektive zu vermitteln, ihm den Druck zu nehmen und geraten, nur zu spielen, wenn ihm danach war. (In diesem Interview spricht er darüber.)

Generell zementiert Young auf Sleeps With Angels, der siebten Platte mit den treuen Begleitern von Crazy Horse, seine Patenschaft über die Grunge-Bewegung. Denn Neil Young ist immer schon ein Querdenker gewesen, ein Künstler, der kompromisslos auf seine innere Stimme vertraute. Diese Haltung lässt ihn bei den jungen Musikern gut aussehen; er steht für Integrität und kreativ-dreckiges Gitarrenspiel. 

Sleeps With Angels bildet hier keine Ausnahme und hält alles parat, was man von Neil Young hören möchte. Dazu gehören auch Eigensinnigkeiten wie Tatsache, dass Train Of Love und Western Hero zwar unterschiedliche Texte haben, aber musikalisch völlig identisch ausfallen. Daneben wabert sich das wunderbare Change Your Mind eine Viertelstunde lang meditativ durch hallschwangere Sphären, Piece Of Crap kommt tatsächlich punkig daher und könnte von den Minutemen oder den Meat Puppets stammen.

Es mutet schon bizarr an, dass eine veritable Laurel-Canyon-Hippie-Legende wie Young die Punk-Bewegung mit offenen Armen empfängt, hätte er doch in gewisser Weise durchaus ihr Feindbild verkörpern können. Doch Neil Young schlägt immer einen Haken, wenn es ihm zu eng wird, und zieht hellwach sein eigenes Ding durch. Und es scheint, als wolle er auch nach Sleeps With Angels weiter aufarbeiten, dass er Kurt Cobain nicht helfen konnte: 1995 geht er mit Pearl Jam ins Studio, um Mirrorball einzuspielen. Damit hat der sture Genre-Hopper nun auch noch ein reines Grunge-Album in seiner ohnehin schon eklektischen Diskografie. Sleeps With Angels mag man als Vorstufe davon verstehen.

Depressiv? Hier bekommst du Hilfe: Wenn du selbst depressiv bist oder Selbstmordgedanken hast, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Beratern, die dir Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Zeitsprung: Am 14.5.1969 erscheint „Everybody Knows This Is Nowhere“ von Neil Young.

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Popkultur

Eine Lektion in Live-Rock: Wie Deep Purple mit „Made In Japan“ einen Volltreffer landeten

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Deep Purple
Titelfoto: Koh Hasebe/Shinko Music/Getty Images

Als Deep Purple am 9. August 1972 in Japan landen, um ihre erste Tour im „Land der aufgehenden Sonne“ zu spielen, wissen die Briten noch nicht, dass sie in den nächsten Tagen eins der legendärsten Live-Alben aller Zeiten einspielen werden. Im Gegenteil: Sie wehren sich sogar ein bisschen dagegen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Made In Japan anhören:

Eigentlich möchten Deep Purple gar kein Live-Album veröffentlichen. Doch als die Briten am 15. August 1972 zum ersten Mal in Japan auftreten, lassen sie sich von ihrer Plattenfirma zu einem Mitschnitt überreden. Die Band stellt ein paar Bedingungen: Die Musiker möchten das Equipment selbst aussuchen, genau wie den Produzenten. Außerdem verlangen sie ein Vetorecht, was die Veröffentlichung der fertigen Aufnahmen betrifft. Drei Shows an drei Tagen spielen Deep Purple in ihrer Mark-II-Besetzung — und dabei entsteht nicht weniger als eins der beliebtesten Hard-Rock-Live-Alben aller Zeiten. Doch beginnen wir vorne.

Im Sommer 1972 haben Deep Purple den Rockolymp längst erklommen. Mit Alben wie Deep Purple In Rock (1970), Fireball (1971) und Machine Head (1972) konnte das Mark-II-Line-up drei rockgeschichtsträchtige Platten veröffentlichen. Sowohl in ihrer britischen Heimat als auch in Deutschland und den USA gelangen den Musikern herausragende Erfolge. Sogar in Japan kommen Deep Purple hervorragend an und landen gleich mehrere Hit-Singles in dem ostasiatischen Staat. Kein Wunder also, dass die Briten ins Flugzeug steigen und eine kleine Japan-Tour in Angriff nehmen. Innerhalb kürzester Zeit ist die Konzertreise ausverkauft — und das Label kommt auf eine Idee.

Made In Japan: Das erste Hard-Rock-Live-Album von Deep Purple

Mit Concerto For Group And Orchestra((LINK)) hatten Deep Purple 1969 zwar bereits ein Live-Album veröffentlicht, doch klassischen Hard Rock gibt es auf der Platte nicht zu hören. Den ersten Aufenthalt in Japan möchte Warner Bros. Records deshalb nutzen, um ein Konzert der britischen Band mitzuschneiden. Deep Purple haben daran zunächst wenig Interesse, lassen sich aber überreden und engagieren für die Aufnahmen ihren damaligen Stammproduzenten Martin Birch. Sieben Stücke erscheinen schließlich auf Made In Japan. Von der ersten Show in Osaka am 15. August schafft es nur ein einziger Song auf das Live-Album: Smoke On The Water.

Die restlichen Aufnahmen für Made In Japan entstehen in den beiden Folgetagen in Osaka und Tokio und weichen teils stark von den Studioversionen ab. So nehmen sich Deep Purple für das Stück Space Truckin’ fast 20 Minuten Zeit, während die Variante auf Machine Head keine fünf Minuten dauert. Lazy verlängern die Briten immerhin um mehr als drei Minuten. Überhaupt: Made In Japan lebt davon, dass Deep Purple auf dem Album der ganzen Welt zeigen, dass sie deutlich mehr drauf haben, als nur wiederzugeben, was sie im Studio einspielen. Ob Ritchie Blackmores Virtuosität an der Gitarre oder das faszinierende Orgelspiel von Tastenzauberer Jon Lord: Deep Purple können.

Deep Purple auf dem Höhepunkt ihres Könnens

Zunächst soll Made In Japan ausschließlich in Japan erscheinen und genau davon gehen Deep Purple auch bis zum Schluss aus. Zum Mix erscheinen nur Bassist Roger Glover und Schlagzeuger Ian Paice; der Rest der Band nimmt sich frei. Die Plattenfirma nimmt es mit ihrem Wort allerdings nicht ganz so genau und veröffentlicht Made In Japan entgegen der Abmachung weltweit. Innerhalb kürzester Zeit erobert das Album den Planeten, landet in vielen Ländern unter den Top 10 und spielt sich mitten ins Herz der allermeisten Krachmusikliebhaber*innen. Keyboarder Jon Lord soll später über die Platte sagen: „Die Band war damals auf dem Höhepunkt ihres Könnens.“ Und das glauben wir ihm sofort.

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Tourstress, ein Casinobrand und das nahende Ende von Mark II: Wie Deep Purple unter widrigsten Umständen ihre legendärste Platte “Machine Head” ablieferten

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