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Wiedersehen mit einem alten Freund: Leonard Cohens posthum veröffentlichtes Album „Thanks For The Dance”

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Matt Kent/Redferns/GettyImages

Thanks For The Dance heißt das erste posthum erschienen Album des 2016 verstorbenen kanadischen Poeten und Liedermachers Leonard Cohen – ein Wiedersehen mit einem alten Freund, ein Gruß dieser alten, vertrauten Stimme.

 von Markus Brandstetter

Hört hier die besten Songs von Leonard Cohen:

Als Leonard Cohen am 21. Oktober 2016 jenes Album veröffentlichte, das schlussendlich sein finales Studiowerk werden sollte, schloss sich in vielerlei Hinsicht ein Kreis. Cohen hatte für You Want It Darker die Produzentengeschicke erstmals seinem Sohn Adam Cohen übertragen und damit das richtige Gespür bewiesen. Cohen gab seinem Vater schließlich das, was dem kanadischen Poeten im Studio über viele Jahre (vor allem zu Zeiten der Sharon-Robinson-Produktionen mit den oft recht billig klingen Synth-Sounds) gefehlt hatte: Arrangements und Sounds, die der Schwere von Cohens Songs und vor allem seiner Lyrik auch angemessen sind.

Auch wenn Cohen – damals schon von seiner Krankheit gezeichnet – bei bei seiner letzten Pressekonferenz sagte, dass er plane, hundert Jahre alt zu werden: Die Songs auf You Want It Darker hatten das Wort Endgültigkeit über jede Zeile geschrieben. Der Abschied war imminent – und so kam es dann auch kurze Zeit später. Cohen verstarb am 7. November 2016 im Alter von 82 Jahren.

What Happens To The Heart

Dass wir nun, drei Jahre nach dem Tod Cohens, ein neues Album zu hören bekommen, ist Adam Cohen zu verdanken. Es waren aus den Aufnahmesessions zu You Want It Darker noch Gesangsaufnahmen, Fragmente und Gedichte übrig geblieben. Und es war Leonards ausdrücklicher Wunsch, dass sein Sohn diese Aufnahmen nach seinem Tod mit Musik versehen und fertig stellen sollte.

Adam Cohen erfüllte seinem Vater diesen Wunsch. Und er holte sich für die Umsetzung eine Menge prominenter Gastmusiker ins Boot. Mit dabei sind unter anderem Leslie Feist und Damien Rice, Arcade-Fire-Bassist Richard Reed Parry, Produzentenlegende Daniel Lanois und Beck. Sie alle halten sich im Hintergrund, lassen Cohens Stimme stets den Vortritt.

Viele der Texte kennt man – in früheren Versionen – bereits aus Cohens Lyrikband Book of Longing.

„I was always working steady / But I never called it art“ beginnt Cohen das Titelstück What Happens To The Heart in der so vertrauten Mischung aus Bescheidenheit und Fatalismus. Es sind die gewohnten Themen, die Akzeptanz des umgänglichen Verlustes, die eigenen Dämonen und vor allem: die Wirrungen des Herzens. „There’s a mist of summer kisses / Where I tried to double-park/ The rivalry was vicious / The women were in charge / It was nothing, it was business / But it left an ugly mark / I’ve come here to revisit / What happens to the heart”, singt Cohen.

Dass Thanks For The Dance dabei eigentlich ein auf reinen Fragmenten basierendes Album ist, tut der Kohärenz keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Es bietet alles, was ein Cohen-Album ausmacht. Sentimentale Walzer und düstere Prophezeiungen, Meditationen auf die eigenen Unzulänglichkeiten, Politik, Verdammnis und den Tanz mit der Endgültigkeit. Cohen ist, wie wir Cohen kennen: zärtlich, geplagt und getrieben, weise, melancholisch und charmant, verführerisch, abgründig und distanziert.

 

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Thanks for the dance? Wir haben uns zu danken, Leonard

Einzig bei einem Stück stammt auch die Musik von Cohen selbst. „I can’t make the hills / The system is shut / I’m living on pills / For which I thank God”, singt er in The Hills. Immer mehr bäumt sich das Stück auf, als Kontrapunkt zur Akzeptanz des Faktums, dass das Ende unvermeidbar ist.  „I sailed like a swan / I sank like a rock / But time is long gone / Past my laughing stock“.

Ganz am Ende verabschiedet sich Cohen mit einem Gedicht. „Listen to the Hummingbird / Don’t listen to me”, heißt es in Listen To The Hummingbird. Einmal mehr in dieser unvergleichbaren Cohen-Bescheidenheit. Thanks for the dance? Wir haben uns zu danken, Leonard.

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