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Popkultur

50 Jahre Black Sabbath: Wie sie des Teufels Musterschüler wurden

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Ellen Poppinga - K & K/Redferns

Black Sabbath haben seit ihrer Gründung den Heavy Metal zu dem gemacht, was er heute ist. Vor ziemlich genau 50 Jahren begannen Ozzy und seine Schergen ihren diabolischen Triumphzug – ausgerechnet in der nordenglischen Kleinstadt Workington.

von Björn Springorum

Wenn man es mal ganz genau nimmt, dann haben Black Sabbath im Grunde nichts anderes gemacht als den Klang ihrer Heimat in Musik zu fassen. Birmingham, diese Industriekathedrale, diese vom Feuer der Hochöfen erhitzte und vom Ruß der Kamine geschwärzte Metropole des Fortschritts, war in den Sechzigern ein Leviathan aus Stahl, Ziegelstein und Beton, eine Ruine, die ihre besten Tage lange hinter sich gelassen hatte. Dennoch bot sie im Jahr 1968 den richtigen Nährboden für ein paar Typen um die 20, die dem braven Rock‘n‘Roll schon bald das Fürchten lehren würden.

Hört hier das Debüt von Black Sabbath:

Mit einer kleinen Einschränkung: 1968 war noch weit und breit nichts zu sehen von okkulter Bildsprache, nichts zu hören von teuflischer Musik. Stattdessen firmierten Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward unter dem reichlich albernen Namen Polka Tulk Blues Band, der Legende nach benannt nach einem indischen Klamottengeschäft. Ozzy und Geezer spielten schon zuvor in einer Band namens Rare Breed, waren dort aber ebenso unzufrieden wie mit den Zuständen bei Polka Tulk. Man benannte sich in Earth um, schmiss die beiden weiteren Mitglieder Jimmy Phillips und Alan Clarke (ein Saxofonist!) raus und spielte in der ikonischen Viererbesetung unter anderem ein Konzert in Henry’s Blueshouse im The Crown Hotel in Birmingham.

Ozzy Osbourne möchte eine letzte Black Sabbath-Show – in ganzer Originalbesetzung

War aber eben alles immer noch nicht das, was sich die jungen Männer vorstellten. Iommi verließ Earth sogar kurze Zeit, um es mal mit Jethro Tull zu versuchen, kam dann aber schnell wieder zurück. Eine andere englische Band gleichen Namens sorgte dann unfreiwillig und vollkommen unbewusst dafür, dass sich Earth einen neuen Namen gaben. Einen Namen, der heute von jedem Rock- und Metal-Fan mit Ehrfurcht ausgesprochen wird. Inspiriert vom Kino gegenüber ihres Proberaums, das den Boris-Karloff-Film Black Sabbath zeigte, verfielen die vier der boshaften und satanischen Bildsprache und gaben sich im August 1969 den Namen Black Sabbath. Eine neue Ära begann – eine Ära, die in Birmingham jetzt im Rahmen einer großen Ausstellung gefeiert wird.

Boris Karloff sei Dank

Gemeinsam schrieben Ozzy und Geezer den Text zu einem Song, der ebenjenen Namen trug – und von Judas-Priest-Sänger Rob Halford nicht zu Unrecht als „wahrscheinlich bösartigster Song, der je geschrieben wurde“ bezeichnet wurde. Doch Sabbath fingen im Sommer 1969 nicht nur an, in ihren Texten mit dem Teufel zu flirten. Sie infizierten ihren Blues Rock mit einer bedrohlichen, düsteren und boshaften Atmosphäre, die in starkem Widerspruch zur Folk- und Hippie-Kultur dieser Zeit stand. Ihr Versuch, das musikalische Äquivalent zu einem Horrorfilm zu erschaffen, geprägt von den Industrieruinen ihrer Heimat, mündete ganz zufällig in der Erfindung von Heavy Metal und Doom.

5 Wahrheiten über Black Sabbath

Auch wenn ihr für alle Zeit unverwüstlicher, pechschwarzer Monolith Black Sabbath erst im Jahr 1970 erscheinen sollte, fand die offizielle Geburtsstunde von Black Sabbath bereit 1969 statt. Genauer gesagt an einem unheilvollen 30. August. Das kleine Küstenstädtchen Workington im Norden Englands wurde an diesem Tag Zeuge, wie eine der wichtigsten, visionärsten und in der damaligen Zeit finstersten Bands in unsere Welt kroch. An diesem schicksalhaften Abend teilte Ozzy den Zuschauern den Namenswechsel offiziell mit. Was sich das Publikum damals wohl dabei dachte? Tat man die vier Typen als Spinner ab oder spürte man schon damals das Besondere? Hatte man gar Angst vor dieser diabolischen Truppe?

Was es auch war: Es kam an: Noch im selben Jahr spielten sie ihn John Peels prestigeträchtiger Radioshow Top Gear erstmals Black Sabbath, N.I.B., Behind The Wall Of Sleep und Sleeping Village – für ein Publikum, das noch nie mit einem derartigen Sound konfrontiert wurde. Und schon kurz darauf ging man ins Studio, um eines der legendärsten Debüts aller Zeiten aufzunehmen – live, in zwei Tagen. Aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte…

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