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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.8.1965 veröffentlicht Bob Dylan den Meilenstein „Highway 61 Revisited“.

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Bob Dylan Highway 61 Revisited Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.8.1965.

von Christian Böhm und Christof Leim

Der 30. August 1965 markiert eine Zäsur: Mit Highway 61 Revisited erscheint Bob Dylans sechstes Studioalbum. In den Jahren davor hat sich der Folksänger bereits einen Namen gemacht, mit The Times They Are A Changin’ und Blowin’ In The Wind erfolgreiche Songs in die Welt entlassen. Er ist mit Joan Baez getourt und nahm mit ihr am Marsch auf Washington teil, wodurch er Teil der Bürgerrechts- und bekanntes Gesicht der amerikanischen Folk-Bewegung wurde. Highway 61 Revisited zeigt ihn nun von seiner rockigeren Seite.

Hier kannst du dir Highway 61 Revisited anhören:

Damit setzt er die musikalische Entwicklung fort, die mit dem Vorgängeralbum Bringing It All Home (1965) begonnen hat und 1966 mit Blonde On Blonde weitergeht — und sie stößt nicht bei allen auf Begeisterung, erweist sich aber als Glücksgriff. Das Album wird eines seiner erfolgreichsten und enthält mit Like A Rolling Stone einen seiner bekanntesten Songs.

Highway 61: Die Straße 

In mehrerlei Hinsicht hat Dylan eine Beziehung zum Highway. Mitte 1965 kommt er gestresst von einer Tour nach Hause. Die Fahrerei über die Schnellstraßen der Welt und die vielen Konzerte haben ihn ausgelaugt. Zudem überschattet harsche Kritik den Erfolg der letzten Jahre, da die Hälfte der Songs des Albums Bringing It All Home mit der E-Gitarre eingespielt wurden. Das ist neu, doch die puritanischen Folk-Fans meinen, ihr Genre müsse akustisch und stromlos bleiben. All das kratzt so an Dylans Nervenkostüm, dass er zwischendurch sogar darüber nachdenkt, mit der Musik ganz aufzuhören. Doch dann besinnt er sich und schreibt ein Album, das fast ausschließlich mit elektrisch verstärktem Sound erscheint.

Joan Baez & Bob Dylan

Gesichter des Folks und des Folk-Rocks: Joan Baez und Bob Dylan (Foto: Rowland Scherman/National Archive/Newsmakers/Getty Images)

Der Highway 61 selbst ist legendär: Im Norden nahe Kanada beginnend, erstreckt er sich durch das Mississippi-Delta bis nach New Orleans im Süden der USA. Man nennt ihn auch den „Highway Of Blues“, denn zahlreiche bekannte Musiker und Musikerinnen haben in seiner Nähe gewirkt und viele Mythen genährt: Muddy Waters und Charley Patton wurden in seiner Nähe geboren, Elvis Presley arbeitete in den Sun Studios in Memphis am Rock’n’Roll, und Blueslegende Bessie Smith verunglückte tödlich auf ihm (deswegen kaufte ihr Janis Joplin Jahre später einen Grabstein). Robert Johnson soll auf einer Kreuzung gar seine Seele dem Teufel verkauft haben, um sein Gitarrenspiel zu verbessern. Ob Luzifer ihm den Namen „King of the Delta Blues“ gab, ist nicht bekannt, jedenfalls wurde Johnson so genannt. Viele musikalische Einflüsse Bob Dylans finden sich also auf dieser Straße, und auch seine Geburtsstadt Duluth liegt am Highway 61.

Highway 61: Das Album

Noch während seiner Tour durch England schreibt Dylan ein 20-seitiges Manuskript. Das Gedicht wird er später kürzen und zum ersten Track des neuen Albums machen: Like A Rolling Stone. Am 15. und 16. Juni 1965 nimmt er den Song gemeinsam mit Produzent Tom Wilson auf. Das Studio A seines Labels Columbia Records liegt in New York, dort arbeitet Dylan an weiteren Songs. Er unterbricht die Aufnahmen am 25. Juli für einen Auftritt beim Newport Folk Festival, wo eine inzwischen legendäre Geschichte passiert: Bei dem Teil des Sets, den er elektrifiziert mit der Paul Butterfield Band spielt, wird er von vielen Fans ausgebuht. Doch das bestärkt nur seine Überzeugung, diesen Weg weiter zu gehen. Vom 29 Juli bis 4. August spielt er den Rest des Albums ein — wieder im Studio A und erneut mit elektrischen Instrumenten. Nur der Produzent wird nun gewechselt: Bob Johnston begleitet die weiteren Aufnahmen.

Bob Dylan: Der Folk-Rocker

Dylan ist nicht mehr gewillt, ein reiner Folk-Musiker zu sein. Mit Tombstone Blues lässt er einen schnellen Rock-Song dem im mittleren Tempo gehaltenen Opener folgen. Mit It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry packt er einen langsamen Blues auf die Platte, während Tombstone Blues und das Titellied Highway 61 Revisited geradezu schneller Garagenrock sind. From a Buick 6 kommt dreckig daher und würde auch den Rolling Stones gut zu Gesicht stehen. Desolution Row beendet das Album. Das elf Minuten dauernde Stück kommt dem Folk noch am nächsten, ist aber —auch ohne Schlagzeug — durchaus Folk-Rock.

Bob Dylan

Bob Dylan mit elektrischer Gitarre (Foto: David Gahr/Getty Images)

Anders als Dylans erste Alben wird Highway 61 Revisited komplett mit Liveband eingespielt. Michael Bloomfield an der Gitarre und Al Kooper an Orgel und Klavier sind maßgeblich verantwortlich für den rockigen Sound, Bobby Gregg trommelt dazu das Fundament.

Die Texte: sehr skurril

Tombstone Blues könnte sozialkritisch verstanden werden. Im Refrain sucht ein Vater in den Gassen nach Geld, während die Mutter in der Fabrik ohne Schuhe arbeiten muss. „I’m in the kitchen with the tombstone blues“ — in der Küche sitzend über die Ungerechtigkeit des Lebens nachdenken, vielleicht ist das der Grabstein-Blues. Manche Menschen haben schon vor dem Tod nicht viele Chancen auf ein schönes Leben.

Über die Seltsamkeiten dieser Welt wundert sich ein gewisser Mr. Jones in Ballad Of A Thin Man. So kann er nicht damit umgehen, einen nackten Mann in einem Raum zu treffen:

Du versuchst es so sehr
Aber du verstehst nicht
Was wirst du sagen
Wenn du nach Hause kommst?

Weitere surreale Situationen folgen und am Ende wird gar empfohlen, den verwirrten Herrn nicht frei herumlaufen zu lassen.

Mögliche Lösungen bietet der Titelsong: Auf die Frage Abrahams etwa, wo er seinen Sohn töten solle, antwortet Gott: Auf dem Highway 61. Ein Bezug zur biblischen Genesis (aber auch Dylans Vater hieß Abraham und hatte den im Songtext verwendeten Spitznamen „Abe“). In der vierten Strophe wendet sich eine fünfte Tochter in der zwölften Nacht an den ersten Vater, weil sie zu blass sei. Die Lösung sei die zweite Mutter, die aber mit dem siebten Sohn auf dem Highway 61 sei. Schräg? Ja. Und weiter geht die Reise mit König Ludwig, der Mack the Finger rät, seine blau-weißen Schnürsenkel und die 1000 nicht klingelnden Telefone auf dem Highway zu entsorgen. Und zwischendurch ertönt immer wieder eine obskure Sirene, die die seltsamen Geschichten der Landstraße voreinander hertreibt.

Etwas konkreter geht es bei Desolation Row zu. Allerdings nur bedingt. Der finale Song ist eines der längsten Lieder, die Dylan je schrieben hat. Er könnte sich auf die grausamen rassistischen Lynchmorde von Duluth beziehen, von denen sein Vater ihm berichtete. Doch dann tauchen weitere historische und fiktive Figuren auf: Kain und Abel, Cinderella, Albert Einstein, Quasimodo und der Glöckner von Notre-Dame. Ganz so einfach macht es der Künstler es seinem Publikum dann doch nicht, er lässt es im Unklaren. Klar ist jedoch, dass das Rolling Stone-Magazin das Lied später zu dem vierten der 500 besten Songs aller Zeiten kürt (neben Like A Rolling Stone, der es auch auf diese Liste schafft).

Der Erfolg: sehr groß

Nach der Veröffentlichung klettert das Album geradewegs auf Rang drei der Billboard Charts und auf Nummer vier in Großbritannien. Es verkauft sich gut und gilt gemeinhin als sein bestes, wenn nicht gar als eines der besten Alben überhaupt. Auch hier meldet sich der Rolling Stone zu Wort und setzt es auf Platz vier der „500 großartigsten Alben aller Zeiten.“ 2010 meint Robert Dimery, es sein eines der “1001 Albums You Must Hear Before You Die.” In jedem Fall hat Bob Dylan sich gegen die Puristerei durchgesetzt, seine Hörerschaft vergrößert und mit der Mischung aus Blues, Folk und Rock’n’Roll das Genre des Folk-Rock mitbegründet. Konsequenterweise verdoppelt er die Dosis danach, indem er 1966 mit Blonde On Blonde das erste Doppelalbum der Rockmusik folgen lässt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zeitsprung: Am 15.6.1965 nimmt Bob Dylan „Like a Rolling Stone“ auf. Gefällt nicht allen.

Popkultur

Meilenstein im Blitztempo: Wie Big Mama Thornton mit „Hound Dog“ einen Grundstein des Rock’n’Roll legte

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Big Mama Thornton
Foto: Jim Barron/Redferns/Getty Images

Geschrieben in 15 Minuten, aufgenommen am nächsten Tag und für immer ein Teil der Rockgeschichte: Mit Hound Dog landete Big Mama Thornton nicht nur ihren größten Hit, sondern leistete auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Rock’n’Roll. Ein Künstler feierte mit dem Song allerdings noch größere Erfolge.

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Big Mama Thornton anhören:

„You ain’t nothin’ but a hound dog“: Noch heute steht diese Zeile für die energiegeladenen Anfangstage des Rock’n’Roll. Geschrieben wurde die Nummer allerdings nicht für Elvis Presley, der mit dem Song einen der größten Hits seiner erstaunlichen Karriere landete. Nein, eigentlich komponierten die beiden Songschreiber Jerry Leiber und Mike Stoller das Stück für Willie Mae „Big Mama“ Thornton — und zwar in Rekordzeit. „Für Hound Dog haben wir etwa zwölf bis 15 Minuten gebraucht“, berichtet Leiber 1990 in einem Interview mit dem Rolling Stone. „Der Song ist nicht sonderlich kompliziert.“ Doch wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit zwischen Leiber, Stoller und Thornton?

Wir schreiben den 12. August 1952. Bandleader und Musikproduzent Johnny Otis hat die 19-jährigen Songschreiber Leiber und Stoller zu sich nach Hause eingeladen, damit sie Big Mama Thornton kennenlernen können. Das Duo hört der Sängerin bei einer Probe zu und Otis fragt, ob die Zwei einen Song für Thornton schreiben können. Noch am selben Nachmittag entsteht Hound Dog. „Sie war eine wunderbare Blues-Sängerin mit einem großartigen anklagenden Stil“, schwärmt Stoller im Rolling-Stone-Interview von Thornton. „Es war aber nicht nur ihr Stil, sondern auch ihr Aussehen, das Hound Dog beeinflusst hat, und uns auf die Idee gebracht hat, dass sie den Song eher brummen soll.“

„Erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“

Schon am nächsten Tag steht Thornton im Studio und singt das Stück ein. Die Produktion übernehmen Leiber und Stoller zum ersten Mal selbst. „Wir haben uns Sorgen gemacht, weil der vorherige Schlagzeuger nicht das gleiche Gefühl rüberbrachte wie Otis bei den Proben“, erklärt Stoller in der Autobiografie des Komponistenpaares. „Jerry fragte Johnny, ob er nicht das Schlagzeug einspielen kann. ‚Niemand bringt diesen Groove so auf den Punkt wie du‘, sagte er. Johnny fragte: ‚Und wer betreut die Aufnahme-Session?‘ Stille. ‚Ihr Zwei?‘, fragte er. ‚Die Kids betreuen die Aufnahme?’ Ich sagte: ‚Klar. Die Kids haben es geschrieben. Also lass es die Kids tun.’ Johnny grinste und sagte: ‚Warum nicht?‘“

Bei den Proben geraten die Songschreiber und Thornton aneinander. Leiber und Stoller möchten, dass die Sängerin das Stück ein wenig anders umsetzt, nehmen ihren Mut zusammen und weisen sie darauf hin. Mit ihrer Größe von etwa 1,80 Metern, einem Gewicht von 115 Kilo und zahlreichen Narben im Gesicht macht Thornton ihrem Spitznamen „Big Mama“ alle Ehre, schaut die beiden Komponisten kühl an und sagt: „Weißer Junge, erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“ Touché. Trotz der Unstimmigkeiten finden Thornton, Leiber und Stoller einen Kompromiss und erschaffen die Aufnahme, die Generationen an Rock’n’Roll-Musiker*innen beeinflussen wird.

Hound Dog: Ein Rock’n’Roll-Standard für die Geschichtsbücher

Zu diesen Rock’n’Rollern zählt auch ein junger Mann namens Elvis Presley, der zwei Jahre später seinen ersten Hit That’s All Right aufnimmt. Mit seiner Version von Hound Dog landet der „King“ weitere zwei Jahre später einen der größten Erfolge seiner Karriere. Er verändert dazu einiges an dem Stück, ob in musikalischer oder lyrischer Hinsicht. „Alles wirkte unfassbar nervös, zu schnell, zu weiß“, findet Stoller. „Aber wissen Sie, nachdem sich die Single sieben oder acht Millionen Mal verkauft hatte, klang sie besser.“ Die erste Aufnahme des Songs wird immer die von Big Mama Thornton bleiben — und die steht noch heute für die aufregenden Anfangstage des Rock ‘n‘ Roll.

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Die frühen Frauen des Rock’n’Roll: Wichtig, aber übersehen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 13.8.1999 veröffentlichen Kiss den Film „Detroit Rock City“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 13.8.1999.

von Christof Leim

Einmal sind Kiss mit einem Filmprojekt schon auf die geschminkten Nasen gefallen: 1978 verfehlten die damaligen Superstars mit Kiss Meets The Phantom Of The Park ihr Ziel der crossmedialen Weltherrschaft ziemlich deutlich (wie man hier im Detail nachlesen kann). Zwei Dekaden später versuchen sie es erneut: Am 13. August 1999 startet Detroit Rock City in den Kinos – und erweist sich als Comedy-Trash mit viel Siebziger-Vibe…

Detroit Rock City (der Film) schlägt gewissermaßen eine Brücke zwischen zwei Hochphasen von Kiss: Er entsteht 1999, als die Band dank der Reunion der Originalbesetzung wieder zu den größten Geldverdienern im internationalen Rock’n’Roll-Zirkus zählt. Die Handlung des Streifens wiederum spielt 1978, als Kiss vor allem in den USA zu einem kulturellen Phänomen geworden sind und auf einer beeindruckenden Welle des Erfolges reiten. Die Burschen veröffentlichen im September 1978 sogar am gleichen Tag vier Soloalben.

Die Handlung ist schnell umrissen: Vier Kumpels namens Hawk, Lex, Trip und Jam lieben Kiss (wie so ziemliche alle US-Teenager der Siebziger) und spielen sogar in ihrer eigenen Coverband, um ihren Helden zu huldigen. Die wiederum sind für ein großes Konzert in Detroit (wo sonst?) angekündigt, Tickets dafür haben die Jungs bereits am Start – bis die ultrareligiöse Mutter von Jam dahinterkommt und die Eintrittskarten kurzerhand verbrennt. Klar, denn Kiss steht ja bekanntermaßen für „Knights In Satanic Service“.

Also suchen sich die Vier anderweitig Zutritt zur Show und eine Möglichkeit, überhaupt nach Detroit zu kommen. Bis sie Kiss mit Feuer und Explosionen live erleben, müssen sie sich mit Discoschnöseln und Pfarrern rumschlagen, werden vermöbelt, bestohlen, übers Ohr gehauen und zerlegen eine Damentoilette (Ladies Room, get it?). Einer tritt zwischendurch in einem Stripclub auf, der nächste knutscht in einem Beichtstuhl (mit einem Mädel namens Beth, klar), ein anderer wird von einer älteren Lady entjungfert, die von Gene Simmons’ Ehefrau Shannon Tweed gespielt wird. Und Jam geigt seiner konservativen Mutter die Meinung. Dass dazwischen einiges an Mobiliar zu Bruch geht, versteht sich von selbst.

Die Regie übernimmt Adam Rifkin, als Produzent fungiert Gene Simmons, und alle vier Kiss-Musiker treten bei der großen Show am Ende auf. Einige der Schauspieler kennt man ebenfalls: Edward Furlong („Hawk“) spielte in Terminator 2, Natasha Lyonne („Christine“) gehört zur Besetzung von Orange Is The New Black. In den weiteren Hauptrollen: Sam Huntington, Giuseppe Andrews und James DeBello.

Neue cineastische Höhen erklimmt Detroit Rock City damit nicht, sondern erweist sich als überdrehter Klamauk in „bester“ Tradition des Ramones-Streifens Rock’n’Roll High School. Allerdings bietet das bei entsprechender Affinität zu Trash, Seventies und Kiss durchaus einen Unterhaltungswert. Das reicht für einen gewissen Kultstatus, doch geschäftlich ist das Projekt ein formidabler Flop: 17 Millionen US-Dollar soll es gekostet haben, knappe sechs spielt es ein. Nach dem Kinostart am 13. August 1999 kommt schon im Dezember des gleichen Jahres die Homevideo-Variante. 

Der Soundtrack indes macht Spaß, vor allem wegen cooler Coverversionen. So spielen Pantera Cat Scratch Fever (was sogar als Single veröffentlicht wird), Everclear covern The Boys Are Back In Town, Drain STH machen 20th Century Boy zur Doom-Nummer, und die Donnas rocken Strutter. Lediglich der Versuch von Marilyn Manson, sich des AC/DC-Manifests Highway To Hell anzunehmen, darf wegen völliger Seelenlosigkeit als erschreckendes, aber glücklicherweise fast vergessenes Verbrechen der Musikgeschichte betrachtet werden. Dazu gibt es Klassiker von Van Halen, Black Sabbath, Cheap Trick, Bowie und The Sweet, noch zwei Kiss-Gassenhauer (Shout It Out Loud, Detroit Rock City) und sogar einen neuen Song unserer liebsten Schminkemonster. Nothing Can Keep Me From You läuft während der Credits und drückt ordentlich auf die Tränendrüse. Geschrieben hat ihn Hitkomponistin Diane Warren, Paul Stanley singt (ziemlich gut), ansonsten spielt keiner der Band mit. (Es soll lediglich Ex-Gitarrist Bruce Kulick den Bass übernommen haben.) Braucht man nicht.

Überhaupt lässt die Stimmung im Line-up damals schon zu wünschen übrig, nicht zuletzt wegen dieses Films, wie Ace Frehley und Peter Criss in ihren Autobiografien berichten. Vor allem Ace kann es Gene nicht verzeihen, dass eine Szene mit seiner Tochter Monique angeblich absichtlich rausgeschnitten wird. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Interview: Kiss zum Abschied: „Es wird schmerzhaft und schön!“

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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.8.1949 kommt Mark Knopfler (Dire Straits) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.8.1949.

von Christof Leim

Songs schreiben kann der Mann. Und ziemlich gut Gitarre spielen. Deshalb erobert Mark Knopfler zuerst als Kopf der Dire Straits die Welt und brilliert danach als Solokünstler. Am 12. August feiert er Geburtstag.

Zur Lektüre gibt’s hier Knopflers Album Down The Road Wherever:

Zunächst will der in Glasgow geborene Mark Knopfler erstmal etwas Vernünftiges machen: Er studiert Journalismus. „Der Plan war, so Geld zu verdienen und Musik als schönes Hobby auszuleben“, erzählt er 2009 in einem Interview. Er arbeitet sogar in diesem Beruf, macht einen Abschluss in Englisch und geht als Dozent an die Universität. Dabei spielt Knopfler aber immer in Bands, die zum Beispiel Brewers Droop oder Café Racers heißen. Vor allem aber schreibt er von Anfang an Songs und entwickelt einen Stil, der sich von anderen unterscheidet: Er benutzt kein Plektrum, sondern spielt seine Gitarre mit den Fingern, was vor allem im Country verbreitet ist und ihm andere Licks als die der gängigen Rockgitarristen ermöglicht. Seine Einflüsse liegen daneben im Rock und Swing, mit bisschen Blues, wie es sich gehört.

Mark Knopfler 1979 – Pic: Klaus Hiltscher/Wiki Commons

So schlägt sich Mark Knopfler Mitte der Siebziger durch die Pubs von London. Er singt und spielt Gitarre, mit dabei sind sein Bruder David an der zweiten Gitarre sowie Bassist John Illsley. Zusammen gründen sie die Band, mit der Knopfler berühmt werden wird: die Dire Straits. Der ersten Demos entstehen 1977, da ist unser Mann schon Ende 20. Auf den ersten Aufnahmen findet sich bereits ein musikalischen Kleinod namens Sultans Of Swing. Kennt man, muss man kennen.

1978 folgt das erste Album Dire Straits, doch ärgerlicherweise gerät die Musikwelt davon nich in Ekstase. Dann allerdings erscheint Sultans Of Swing als Single. Das wunderbare Lied mit dem Text über eine Feierabendband rollt langsam, aber stetig die Charts auf, zunächst in Europa, dann in Nordamerika. Die Dire Straits sind bereit, und sie starten durch: In rascher Abfolge erscheinen Communiqué (1979), Making Movies (1980) und Love Over Gold (1982) und verkaufen sich gut. 

Die Songs darauf stammen samt und sonders von Mark Knopfler, der gerne kleine Geschichten erzählt und eine höchst geschmackvolle Gitarrenarbeit zelebriert. Zwischendurch schreibt er noch Filmmusik, taucht auf einem Bob-Dylan-Album auf, produziert und schreibt Lieder für andere Leute, unter anderem für Private Dancer, das immens erfolgreiche Comeback von Tina Turner 1984.

Richtig ab geht es dann mit Brothers In Arms 1985, das zum internationalen Megahit wird.  Die Songs darauf kennt wirklich jeder: Money For Nothing, Walk Of Life, So Far Away und natürlich das einfühlsame Titelstück. Dire Straits sind jetzt Superstars, allen voran Mark Knopfler. Die nächsten beiden Jahre verbringt die Truppe auf der Straße und fährt einen Erfolg nach dem anderen ein. Dem Chef wird das aber alles zu groß und zu viel. Zunächst gibt es eine Pause, 1988 verkündet Knopfler die Auflösung der Dire Straits.  

Musik machen will er weiterhin, aber eben in kleinerem Rahmen ohne die massiven Erwartungen und Verpflichtungen. Seine nächste Band The Notting Hillbillies jedenfalls widmet sich US-amerikanischer Roots-Musik wie Folk, Blues und Country, alles viel unspektakulärer, vermutlich (oder hoffentlich) genauso befriedigend. Ein Album erscheint 1990, es trägt den schönen Titel Missing…Presumed Having a Good Time. Eine kleine Runde dreht unser Mann mit den Dire Straits aber noch: Im September 1991 kommt mit On Every Street doch noch ein Album, doch unweigerlich folgende Mega-Welttour sorgt dann dafür, dass die Band 1995 endgültig aufgelöst wird.

Mark Knopfler startet darauf eine Solokarriere, seit 1996 erscheinen in lockerer Folge fast ein Dutzend Soloalben: Golden Heart, Sailing To Philadelphia, The Ragpicker’s Dream, Shangri-La, Kill To Get Crimson, Get Lucky, Privateering, Tracker und Down The Road Wherever. Damit feiert er in aller Welt Erfolge, jedoch weit entfernt von der Megalomanie der Achtziger. Zudem kollaboriert er mit unzähligen anderen Künstlern, etwa Emmylou Harris, tourt mit Bob Dylan und beschäftigt sich oft und gerne mit Country. Bei seinen eigenen Konzerten geht es mittlerweile nur um die Musik, große Produktion braucht der Mann nicht mehr. Auf der Bühne trinkt er Tee. Nach einer Dire-Straits-Reunion steht dem musikalischen Kopf der Sinn so gar nicht, nicht mal bei der Einführung der Band in die Rock And Roll Hall Of Fame 2018 taucht er auf.

Songwriter, Meistergitarrist und Geschichtenerzähler: Mark Knopfler 2018 – Pic: Derek Hudson

Sein Privatleben behält Knopfler für sich, Interviews gibt es nicht viele. Er ist zum dritten Mal verheiratet, Vater von vier Kindern, Fan des Newcastle FC und Sammler von Sportwagen. Auf seinen letzten Touren denkt er laut darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen und kündigt explizit sogar seinen Abschied von der Bühne, spielt aber nach eigenen Aussagen zu gerne. Hoffen wir, dass das so bleibt. Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Knopfler!

Zeitsprung: Am 29.3.1979 landet Mark Knopfler auf einem Bob-Dylan-Album.

 

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