------------

Popkultur

Die musikalische DNA von Bob Dylan

Published on

Was soll das eigentlich sein, eine musikalische DNA? In erster Linie sind es die verschiedenen Einflüsse, welche in den Sound von Band X oder Künstler*in Y eingeflossen sein. In zweiter Linie ist es die Auswirkung, die sie selbst auf die Musikwelt gehabt haben. Bei Bob Dylan ergibt sich da allerdings ein Problem: Seine DNA ist nicht wie jede andere. Nach mehreren Nachtschichten im Klanglabor müssen wir euch als Resultat von intensiven Spektralanalysen jedes einzelnen Gitarrentons leider mitteilen, dass Dylan wohl tatsächlich nicht nur anders ist als alle vor und nach ihm. Sondern dass er schlicht einer anderen Spezies angehört.


Hört hier in die musikalische DNA von Bob Dylan rein:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

So erklärt sich vielleicht auch, wie er seit rund 30 Jahren konstant auf Tour sein kann, wie selbst die Beatles ihn damals schon als eine ihrer größten Inspirationen bezeichneten oder dass ihm selbst hartgesottene Fans erst die elektrische und dann die christliche Phase verziehen haben. So erklären sich womöglich der Literaturnobelpreis und all die anderen schier übermenschlichen Auszeichnungen, die Robert Allen Zimmerman im Laufe von fast sechs (!) Jahrzehnten eingeheimst hat: Er ist einfach nicht von dieser Welt, und doch hat er sie erobert. Nicht aber, dass es damit getan wäre – Dylan wird noch selbst vom Sarg aus ein Liedchen singen, ganz sicher.

Versuchen wir aber zuerst das Unmögliche und nähern uns dieser absonderlichen Spezies namens Bob Dylan an. Über Musik, die ihn geprägt hat, über Musik, die er geprägt hat. Nein, alles können wir hier nicht erfassen. Wie auch, wir sind ja nur normalsterbliche Menschen.


1. Hank Williams – Lost Highway

Wie viele andere seiner Generation konnte sich der 1941 geborene Robert Allen dem aufkommenden Rock’n‘Roll nicht entziehen. Wie auch? Die Musik war wie gemacht für einen Backfisch wie ihn: wild, energetisch und ein echter Elternschreck. Doch Dylan wollte immer schon auch mehr von der Musik als nur den Soundtrack zur Kinderzimmerrevolution. Er wollte Storys, Statements, bedeutungsvolle Inhalte. Er fand sie in den klassischen US-amerikanischen Musiktraditionen, vor allem Folk und Country. Auf seinem Debütalbum arrangierte er deswegen 1962 eine ganze Reihe von Traditionals neu und machte sie zeitgemäß.

Hank Williams gehört seit Anfang an zu den Größten der Country-Tradition. Ein großer Erzähler, aber auch eine tragische Figur – ein echter „rolling stone“, wie er in Lost Highway singt. Denn alt wurde Williams nicht und hinterließ ein recht schmales musikalisches Erbe. 2011 verhalf ihm Dylan mit der Veröffentlichung von The Lost Notebooks of Hank Williams wieder zu neuer Aufmerksamkeit und vertonte auf dem Album auch ein Gedicht aus dem Nachlass des mit nur 29 Jahren verstorbenen Sängers. Die Texte waren ihm schließlich wichtig. „Mir wurde bewusst, dass Hanks aufgenommene Songs die archetypischen Gesetze des Songwritings waren“, schrieb er wortgewandt in seinen Memoiren. „Architektonische Formen wie Marmorsäulen.“


2. Woody Guthrie – So Long It’s Been Good to Know You

Nicht allein aber das poetische Element in Folk und Country gefiel Dylan. Früh auch begeisterte er sich neben der Musik von Williams oder natürlich Johnny Cash auch für den wilden und direkten Stil Woody Guthries, für handfeste Aussagen also. „This Machine Kills Fascists“ hatte der sich bekanntermaßen auf die Gitarre geschrieben, Tear the Fascists Down hieß einer seiner Songs. Guthrie sang über die grauenhaften Zustände, in denen die amerikanischen Ureinwohner*innen leben mussten, sang über das Elend der arbeitenden Bevölkerung und wie sich andere mit ihrem Leid eine goldene Nase verdienten.

Aus seiner Begeisterung für Guthrie hat Dylan nie einen Hehl gemacht. Rund 1 7000 Wörter umfasst sein Song for Woody und vermutlich hätte er dem älteren Kollegen gerne noch mehr gesagt. Beziehungsweise tat er das, und das sogar noch bevor er sich selbst einen Namen gemacht hatte. 1961 befand sich Guthrie im Greystone Park Psychiatric-Krankenhaus und bekam Besuch von dem Youngster, der gierig seine Musik und Bücher verschlungen hatte und ihm den Song for Woody persönlich vorspielte. Nach dem Treffen soll Guthrie Dylan eine Karte mitgegeben haben, auf der die Worte „I ain’t dead yet“ geschrieben standen. Irgendwann aber hieß es So Long It’s Been Good to Know You


3. Joan Baez – With God on Our Side

Guthrie höchstpersönlich gab Dylan sein Segen – da konnte ja gar nichts mehr schiefgehen! Oder? Ein paar Anfangsschwierigkeiten musste der Jungspund doch überwinden. Eine der größte Folk-Sängerinnen seinen Generation konnte er nämlich nur zögerlich von sich überzeugen. Als Joan Baez ihn zuerst bei einem Konzert im Jahr 1961 live erlebte, zeigte sie sich unbeeindruckt. Er allerdings hatte ihre Auftritte im Fernsehen verfolgt und war komplett in ihrem Bann. „Ihr Anblick ließ mich seufzen“, schrieb er in Chronicles: Volume One. „All das und dann war dann noch diese Stimme. Diese Stimme, die alle bösen Geister vertrieb. Sie sang mit ihrer Stimme direkt zu Gott…“

Gott muss wohl nicht nur den Gesang Baez‘, sondern auch das Flehen Dylans um ihre Aufmerksamkeit erhört haben und die beiden dankten es ihm: Auf dem Monterey Folk Festival 1963 spielten sie gemeinsam ihr erstes Lied, With God on Our Side. Die beiden wurden ein Paar und ein Sprachrohr für bürgerrechtliche Fragen, vor denen sie nicht weiter die Augen verschließen wollten. Eine ungleiche Kombination, die uns allen mehr als Musik gegeben hat. Doch auch das hatte ein Ende, kein schönes wie bekannt ist. „Ich habe hauptsächlich gute Dinge über ihn zu sagen. Eine Zeit lang war das anders“, erklärte Baez noch Anfang 2018. „Da war ich zu verletzt, es war alles zu furchtbar. Aber das ist vorbei.“


4. Robert Johnson – Come on in My Kitchen

Wie es eben so ist, und da machen auch Superstars keine Ausnahme: Nicht immer läuft im Leben alles so, wie es sollte. Da hilft wenig. Außer natürlich der Blues. Und wenn schon der Blues, dann bitte aber auch der King of the Delta Blues Singers – Robert Johnson. Als 1961 die Compilation selben Namens veröffentlicht wurde, gelang der 1938 verstorbene Sänger plötzlich wieder zu schlagartiger Bekanntheit. „Vom ersten Ton an bereiteten mir die Vibrationen des Lautsprechers eine Gänsehaut“, erinnerte sich Dylan an sein erstes Hörerlebnis. „Die Gitarrenklänge könnten ein Fenster zum Springen bringen.“

Die emotionale Wucht der mythischen Figur beeindruckte Dylan nachhaltig. „Wenn Johnson anfing zu singen, dann schien er wie ein Typ, der in voller Kampfmontur von Zeus‘ Kopf gesprungen kam. Sofort war mir klar, dass er anders war als alle anderen, die ich bis dahin gehört hatte.“ Wie deutlich er sich von Johnson, der angeblich seine Seele dem Teufel verkauft haben soll, beeinflussen ließ, zeigt der Song Pledging My Time: „Somebody got lucky but it was an accident“, singt er darin und zitiert auch musikalisch das Johnson-Stück Come on in My Kitchen, in dem es „Some joker got lucky stole her back again“ heißt.


5. Little Richard – Tutti Frutti

Sowieso scheint Dylan einer der wenigen Künstler seiner Generation zu sein, der das Erbe schwarzer Musik mit Respekt behandelte – im musikalischen wie auch im politischen Leben, wie sein Engagement für die Bürgerrechtsbewegung bewies. Für ihn fängt Rock’n‘Roll-Geschichte also auch nicht erst bei Elvis an, sondern vielmehr bei Little Richard. Schon zu Schulzeiten spielte er in Bands Coverversionen von Richard-Stücken und unter seinem Jahrbucheintrag stand sogar „Robert Zimmerman: to join ‚Little Richard‘.“ als Wunsch für die Zukunft geschrieben. Er hat’s geschafft, oder?

Von Bukka White bis Chuck Berry hat Dylan viele andere Idole, doch Little Richard steht bis heute noch nach wie vor für die endgültige Elektrifizierung der Blues-Musik und damit die Erfindung von dem, was wir Rock’n‘Roll nennen. Tutti Frutti machte einer ganzen Generation Beine! Schon 1958 schrieb er einen Song namens Hey Little Richard, der bis heute nur schwer aufzutreiben ist. Es ist eine seiner ersten, wenn nicht die erste Aufnahme überhaupt. Was ihn an Richard faszinierte, war aber nicht nur das exaltierte Auftreten des Musikers, sondern auch seine Lyrics. „Ich habe immer gedacht“, schrieb er in seinen Memoiren, „dass mit ‚A wop bop a loo lop a lop bam boo‘ schon alles gesagt worden war.“ So, so!


6. Buddy Holly – Not Fade Away

„Ich möchte Little Richard danken, der dort vorne sitzt“, sagte Dylan auch in seiner Dankesrede, als er 1988 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen wurde. „Ich schätze mal, ohne ihn hätte ich nie mit der Musik angefangen.“ Eine große Würdigung, wie sie Dylan gerne mal zu passenden Anlässen von sich gibt. In seiner Nobelpreisrede erinnerte er sich an einen anderen Musiker, der ihn in Teenage-Jahren geprägt hatte: Buddy Holly. Holly war am 31. Januar 1959 in Duluth, Minnesota zu Besuch und gab ein Konzert, zu dem auch der 17-jährige Dylan gekommen war.

„Er schaute mir unmittelbar in die Augen und übertrug etwas auf mich. Etwas, von dem ich nicht genau wusste, was es eigentlich war. Es lief mir eiskalt den Rücken herunter“, erinnerte sich Dylan an den denkwürdigen Abend. Ein Omen vielleicht? Nur wenige Tage später schied Holly nämlich bei einem Flugzeugabsturz viel zu früh aus dem Leben. Dass Dylan gerne bei Konzerten das Stück mit dem orakelhaften Titel Not Fade Away spielt, ist da vielleicht von besonderer Bedeutung. „Er war ein Poet“, erzählte Dylan ehrfürchtig einem Reporter. „Seiner Zeit war er weit voraus.“


7. The Impressions – People Get Ready

Dasselbe ließe sich aber natürlich genauso von Dylan selbst sagen. Auch er war seiner Zeit voraus und zeigte sich unerschrocken, selbst wenn seine Fanbase ihm einige Kurswechsel übel nahm. Als die „elektrische“ Phase Dylans begann, hagelte es böse Worte. Dylan ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Legendär ist ein Konzert aus dem Mai 1966 aus der Free Trade Hall in Manchester. „Judas!“, schrie dort jemand aus dem Publikum, weil Dylan angeblich die Folk-Musik verraten hatte. Der konterte: „Ich glaub‘ dir nicht… Du bist ein Lügner!“, drehte sich seelenruhig zu seiner Band um und sagte: „Play it fuckin‘ loud!“.

Welchen Song die Band spielte, und zwar extra laut? Like a Rolling Stone natürlich. Welche Band es war? Na, die Band! Also The Band. So zumindest nannte sich die Truppe um Robbie Robertson später, damals waren sie noch als The Hawks bekannt. Robertson stärkte Dylan nicht nur bei seinen elektrischen Sets den Rücken, sondern brachte ihm auch den Soul näher, Musik von unter anderem den Impressions um Curtis Mayfield, deren People Get Ready von Dylan wie auch später der Band beziehungsweise beiden gemeinsam gecovert wurde. Keine Überraschung eigentlich, dass sich Dylan mit dem samtigen Soul gut anfreunden konnte…


8. Ma Rainey – Yonder Comes the Blues

…denn von dem ist es eben nur ein Steinwurf zur Gospel-Musik, die in seinem Werk schon immer eine enorm wichtige Rolle gespielt hat. Vor allem in den späten siebziger Jahren natürlich, als Dylan sich dem evangelikanischen Glauben zuwandte, mit unter anderem Slow Train Coming ein paar vom Christentum inspirierte Platten aufnahm und dabei auch Gospel-Elemente einbrachte. Nicht allen gefiel das, den wenigsten sogar. Selbst John Lennon antwortete mit dem Song Serve Yourself auf Dylans Stück Gotta Serve Somebody! Eine klare Ansage von dem sonst so friedliebendem Ex-Beatle…

Doch die christliche Phase Dylans stützte sich nicht allein auf Gospel. Yonder Comes Sin etwa, eine nur als Bootleg kursierende Aufnahme, die erst 2017 als Proberaumaufnahme ordentlich veröffentlicht wurde, ist ein Cover von Ma Raineys Yonder Comes the Blues, dem Dylan eine religiöse Dimension gab. Die 1939 verstorbene Blues-Sängerin kam bereits im Tombstone Blues vom Album Highway 61 Revisited vor und wurde dort in einer Reihe mit Ludwig van Beethoven genannt. Noch 2006 mopste sich Dylan für das Stück Thunder on the Mountain ein paar ihrer Textzeilen. Kein Plagiat, wie Dylan übrigens argumentieren würde – sondern Teil einer musikalischen Tradition.


9. Frank Sinatra – Ebb Tide

So wehrte er sich auch entschieden gegen den Vorwurf, mit Shadows in the Night ein Frank Sinatra-Cover-Album aufgenommen zu haben. Obwohl doch jedes der Stücke zuvor von Ol‘ Blue Eyes aufgenommen und bekannt gemacht wurde! Tontechniker Al Schmitt aber verriet, dass Dylan während der Aufnahmesessions den Sänger genauestens studierte. „Er hörte die Stücke wieder und wieder und versuchte herauszufinden, wohin Sinatra mit jedem von ihnen hinwollte“, erklärte er. „Dann nahm er zwei oder drei Takes von jedem Tune auf, machte sie sich aber zu eigen. Es hatte nichts mehr mit Sinatra zu tun.“

Eine interessante Arbeitsmethode! Und vielleicht letztlich auch die schönste Form von Widmung, oder? Denn die Verehrung für den charismatischen Vorzeigecrooner war schließlich da. „Ebb Tide von Frank Sinatra hat mich niemals nicht umgehauen“, gestand Dylan einst. „Die Lyrics waren so mysteriös und überwältigend. Wenn Frank den Song sang, konnte ich alles in seiner Stimme hören – den Tod, Gott, das Universum – alles!“ Nur verständlich. Was für ein intensives Stück Musik dieser Song doch ist!


10. Elvis – Tomorrow Is a Long Time

Bob Dylan, hieß es eingangs, ist seine eigene Spezies, vielleicht sogar überhaupt nicht von diesem Planeten. Das macht es schwierig, die Zusammensetzung seiner musikalischen DNA zu bestimmen. Geradezu unmöglich ist es aber, zu sagen, wo die Musikwelt heute wäre, hätte sich diese DNA nicht fortgepflanzt. Wer nach den sechziger Jahren nicht von Bob Dylan beeinflusst wurde, muss schon unter einem Stein in der Wüste gelebt haben! Wer auch immer eine Gitarre nur angefasst hat, wird darauf Blowin’ in the Wind gespielt haben. Das prägt, über die Generationen und Genres hinweg.

Sogar der King selbst sang seine Songs. „Ich mag Elvis Presley“, sagte Dylan 1969 lakonisch in einem Rolling Stone-Interview. „Elvis Presley hat einen Song von mir aufgenommen. Das die eine Aufnahme, die mir am meisten am Herz liegt… Das Stück heißt Tomorrow Is a Long Time.“ Tatsächlich veröffentlichte er erst 1971 eine eigene Version des Songs, das 1966 als Bonus auf dem Elvis-Album Spinout veröffentlicht wurde. Elvis selbst aber kannte das Stück von anderswo her: Zu hören war es auch auf Odettas Cover-Album Odetta Sings Dylan. Kreuz und quer wurde das Stück durch die Musikwelt gereicht – typisch für Dylans musikalische DNA, aber auch diesen außergewöhnlichen Künstler.


Das könnte dir auch gefallen:

Zeitsprung: Am 2.8.1969 besucht Bob Dylan ein misslungenes Klassentreffen.

Zeitsprung: Am 9.7.1962 nimmt Bob Dylan das poetische “Blowin’ In The Wind” auf.

Die musikalische DNA von Cat Stevens

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.2.1998 kommt Falco bei einem Autounfall ums Leben.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.2.1998.

von Christof Leim

“Österreichs einzigen Popstar von Weltrang” hat ihn einmal jemand genannt: Hans Hölzel alias Falco. Am 6.2.1998 stirbt er bei einem Autounfall in Übersee.

Hier könnt ihr euch die Greatest Hits von Falco anhören:

Falco kommt als Johann „Hans“ Hölzel 1957 in Wien zur Welt. Schon früh wird eine hohe musikalische Begabung und sogar ein absolutes Gehör festgestellt. Anfangs spielt er Gitarre, später dann Bass in Jazz-Bands. Ein Musikstudium am Wiener Konservatorium lässt er nach einem Semester links liegen, um „richtiger Musiker“ zu werden. Anfang und Mitte der Achtziger fährt Falco dann fette Erfolge ein mit Songs wie Der Kommissar und Jeanny. Rock Me Amadeus schaffte es sogar als einziges deutschsprachiges Lied an die Spitze der US-Charts. In den Neunzigern wird es jedoch sehr still um den Musiker.

Kurz vor der musikalischen Rückkehr

Doch 1998 nimmt er ein neues Album namens Out Of The Dark (Into the Light) auf. Angeblich hört er es vor seinem Tod über eine Stunde in seinem Auto, um die Reihenfolge der Songs zu bestimmen. Damals hält er sich gerade in Dominikanischen Republik auf. Gegen 16:40 Uhr an jenem 6. Februar verlässt der Sänger ein Restaurant namens Turist Disco, das an einer Straße zwischen den Städten Villa Montellano und Puerto Plata liegt. Als er vom Parkplatz fährt, kracht ein Reisebus ungebremst mit 100 km/h in seinen schwarzen Mitsubishi Pajero-Geländewagen. Der Musiker stirbt sofort, zwei Wochen vor seinem 41. Geburtstag. 

Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Falco nicht nur mit einem Blutalkohol von 1,5 Promille unterwegs war, sondern auch Kokain und Cannabis konsumiert hatte. Ein tragisches Ende für „Österreichs einzigen Popstar von Weltrang“, wie einmal genannt wurde. Out Of The Dark (Into the Light) erscheint am 27. Februar 1998, drei Wochen nach seinem Tod, und erreicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz die obersten Plätze der Charts.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 29.3.1986 landet Falco auf Platz eins der US-Charts

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.2.1935 kommt Alex Harvey zur Welt.

Published on

Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1935.

von Timon Menge und Christof Leim

Besonders geradlinig verläuft die Karriere von Alex Harvey und seiner Sensational Alex Harvey Band nicht. Dennoch gehört der schottische Musiker zu den bekannteren Gesichtern der britischen Rockmusik der Siebziger. Heute hätte er Geburtstag gefeiert. 

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Alex Harvey anhören: 

Das Licht der Welt erblickt Alexander James Harvey am 5. Februar 1935 in einem Arbeiterstadtteil von Glasgow. Bevor er seinen Weg als professioneller Musiker einschlägt, jobbt er unter anderem als Kellner und als Dachdecker. Zeitweise graviert er sogar Grabsteine. Zu Beginn der Fünfziger begeistert er sich für Dixieland-Jazz und Skiffle, bevor er ab 1954 selbst die Bühnenbretter betritt.

Im Vorprogramm der Beatles

Ab 1958 reist Harvey mit seiner Big Soul Band durch England und Deutschland. Schnell entwickelt er sich zu einem der Aushängeschilder der britischen R&B-Szene, obwohl er auch Rocksongs zum Besten gibt. So spielt er am 20. Mai 1960 mit seiner Big Beat Band im Vorprogramm von Johnny Gentle And His Group. Hinter dem Kürzel „His Group“ verbirgt sich niemand Geringeres als die späteren Beatles, die zu jener Zeit noch aus John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Tommy Moore bestehen. Es handelt sich um den ersten Termin einer siebentägigen Schottland-Tour.

Hier tourt Alex Harvey mit. Eigentlich heißen die Beatles zu jener Zeit aber noch The Silver Beetles. Wer hat George sofort erkannt?, Foto: Buchcover

Gegen Ende der Sechziger versucht er es als Solokünstler, doch der Durchbruch bleibt aus. Der folgt dann zu Beginn der Siebziger, nach einem kleinen Umweg als Session-Musiker für die Londoner Inszenierung des Musicals Hair. Denn jetzt gründet er die Sensational Alex Harvey Band.

Die großen Erfolge

Mit der Gruppe bleibt Harvey während der gesamten Siebziger erfolgreich, steigt von 1976 bis 1978 allerdings kurzzeitig aus. Schon auf dem Debüt Framed (1972) liefert die Band Granaten wie Midnight Moses und den Titelsong Framed aus der Feder des Songschreiber-Duos Jerry Leiber und Mike Stoller ab. Zeitgleich erobert der Glam Rock das Vereinigte Königreich und später auch den Rest Europas. Harvey und seine Mitmusiker greifen den Stil auf. So entdeckt er zu jener Zeit sein legendäres, schwarz-weiß-gestreiftes Shirt. Gitarrist Zal Cleminson setzt noch einen drauf und tritt in Pantomime-Schminke und gelb-grünem Overall auf.

Mit einer Coverversion des Tom-Jones-Songs Delilah landet die Band 1975 einen Top-Ten-Hit, auch der Song The Boston Tea Party (1976) feiert große Erfolge. 1978, kurz nach Harveys Rückkehr, erscheint mit Rock Drill das letzte Album der Band. Im Anschluss veröffentlicht er zwei weitere Soloplatten und geht ab 1979 wieder auf Tour. Doch leider stirbt Alex Harvey am 4. Februar 1982 einen Tag vor seinem 47. Geburtstag an Herzversagen. Er hinterlässt zwei Söhne, einen aus jeder seiner beiden Ehen.

Zeitsprung: Am 9.1.1975 endet die Geschichte der Beatles offiziell

 

Continue Reading

Popkultur

10 Songs von Alice Cooper, die man kennen sollte

Published on

Alice Cooper
Foto: Grant Lamos IV/Getty Images

Schock-Schminke, Schauer-Schlangen und schreckenerregende Songtexte: Alice Cooper hat den Schockrock zwar nicht erfunden, doch er hat ihn als erster auf die Spitze getrieben. Seit knapp 60 Jahren steht er nun auf der Bühne. Diese zehn Songs gruseln uns bis heute — auf die gute Art!

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Alice Cooper anhören:

Ob Vincent Damon Furnier schon bei seiner Geburt am 4. Februar 1948 geschminkt war, ist nicht überliefert — doch wir gehen davon aus. Die Geschichte seiner ersten großen Band Alice Cooper reicht bis ins Jahr 1964 zurück. „In der Highschool haben uns alle gehasst“, erinnert er sich in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten. „Sehr lange Zeit mochte uns wirklich niemand.“ Das ändert sich Anfang der Siebziger, denn mit ihrer Single I’m Eighteen gelingt Alice Cooper der Durchbruch. In Windeseile erobert die Gruppe die Musikwelt; ab Mitte der Siebziger spielt Furnier seine Rolle als Alice Cooper solo weiter. „Ich wollte einen Charakter spielen, der so ist, wie ich mir den besten Rockstar aller Zeiten vorstelle“, erzählt er. „Also habe ich Alice so kreiert, wie ich das wollte: ein bisschen böse, lustig, total gruselig, aber auch elegant. Alice ist mein allerliebster Rockstar.“ Unserer auch! Das sind seine zehn besten Songs.

1. I’m Eighteen (1970)

„I’m eighteen and I like it“ — Selten wurde die Volljährigkeit mit mehr Begeisterung besungen. Ursprünglich handelte es sich bei I’m Eighteen um eine achtminütige Jam-Session, doch Produzent Bob Ezrin überredete Alice Cooper dazu, den Song auf drei Minuten einzudampfen. Zum Glück — acht(zig)minütige Jam-Sessions gab es in den Sechzigern nun wirklich genug.

2. Under My Wheels (1971)

Bei Under My Wheels handelt es sich um die erste Single vom vierten Alice-Cooper-Album Killer (1971). Seitdem hat er das Stück auf wirklich jeder(!) Tour zum Besten gegeben, weshalb Under My Wheels Platz drei von Coopers meistgespielten Live-Songs belegt. 1988 nahm Cooper die Nummer übrigens noch einmal auf, und zwar mit Guns N’ Roses. Im Gegenzug ist Cooper auch in The Garden von Use Your Illusion I zu hören.

3. School’s Out (1972)

Keinen Song hat Alice Cooper häufiger live gespielt: Mehr als 2.900(!) Mal war School’s Out auf den Konzerten des Schockrockers zu hören, also quasi acht Jahre lang jeden Tag einmal. Dass Cooper und sein Publikum so viel Freude an dem Stück haben, überrascht nicht. Schließlich hat er selbst einmal gesagt: „Die beiden schönsten Zeiten des Jahres sind der Weihnachtsmorgen und der Beginn der Sommerferien.“

4. No More Mr. Nice Guy (1973)

Wer hinter diesem Titel Autobiografisches vermutet, ist auf dem richtigen Weg. In No More Mr. Nice Guy beschäftigt sich Cooper mit den Reaktionen der Kirchengruppe seiner Mutter auf seine mitunter okkult-gruseligen Bühnenauftritte. „Jetzt gibt es keinen Weg zurück“, meint er mit dem Titel. Gut so! Was hätten wir in den vergangenen Jahrzehnten bloß ohne unsere Tante Alice gemacht.

5. He’s Back (The Man Behind The Mask) (1986)

Ganze 13 Jahre liegen zwischen dem vierten und dem fünften Song unserer Liste. 13 Jahre, in denen Alice Cooper erfolgreich solo durchstartete, aber auch heftig abstürzte. An manche seiner Alben aus den Achtzigern kann er sich aufgrund seines Drogen- und Alkoholkonsums noch nicht einmal erinnern. Dieser Titel passt also zu seinem Mini-Comeback 1986 — und zum Soundtrack des Films Freitag der 13. Teil VI – Jason lebt.

6. Poison (1989)

Wann immer es um die größten Rockhymnen aller Zeiten geht, darf dieser Song nicht fehlen. In den Achtzigern hatte sich Alice Cooper durch seine Alkohol- und Drogeneskapaden beinahe selbst ins Aus geschossen, doch mit seinem 18. Studioalbum Trash gelang ihm der große Sprung zurück in den Mainstream. Bis heute handelt es sich um seine erfolgreichste Platte — und das nicht zuletzt aufgrund großer Hits wie Poison.

7. Bed Of Nails (1989)

Auch Bed Of Nails stammt von Coopers Über-Album Trash und geriet gleich hinter Poison zum zweiterfolgreichsten Song der Platte. Komponiert hat Cooper das Stück zusammen mit seinem Ex-Bassisten Kane Roberts, seinem Produzenten Desmond Child sowie mit Diane Warren, die nicht nur für Rockgrößen wie Elton John, Tina Turner und Aerosmith tätig war, sondern auch für Popstars wie Whitney Houston und Britney Spears.

8. Hey Stoopid (1991)

Hey Stoopid gehört nicht nur zu Alice Coopers berühmtesten Songs, sondern der Meister des Schockrock begrüßte für das Stück auch jede Menge Gaststars im Studio. Slash, Ozzy Osbourne, Steve Vai, Joe Satriani: Sie alle geben sich in der Nummer die Klinke in die Hand und unterstützen ihren Kumpel Alice bei seinem Rock’n’Roll-Auftrag. Die Botschaft des Songs: „Hey Dummerchen, lass das mit den Drogen doch einfach sein …“.

9. Snakebite (1991)

Wie oft Alice Cooper im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere von Schlangen gebissen wurde, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Doch wir wissen, dass es sich bei Snakebite um einen seiner allerbesten Songs handelt! Inhaltlich ist die Nummer quasi vertonter Machismo. „My face is tattooed in your shoulder / Your name is scratched into my bike“, singt Cooper darin. Na dann …

10. Feed My Frankenstein (1991)

Wer den Rockfilmklassiker Wayne’s World kennt, liebt bestimmt auch Feed My Frankenstein von Alice Cooper. Vor der legendären „Wir sind unwürdig!“-Szene besuchen die beiden Chaoten Wayne und Garth in dem Streifen nämlich ein Konzert des Schockrockers und kommen in den Genuss seiner damals brandneuen Single. Heute gehört die Nummer zu Coopers späten Klassikern — aus gutem Grund!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Sechs Anekdoten, die nur aus dem Leben von Alice Cooper stammen können

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss